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ViU: Performanz - Generische und fachspezifische professionelle Kompetenz- und Performanzmaße von Sachunterrichtslehrpersonen. Eine Untersuchung ihrer prädiktiven Validität hinsichtlich der Lernleistungen von Schülerinnen und Schülern

Ziel des Kooperationsprojektes zwischen der Universität Erfurt, der Universität Hamburg, der Technischen Universität Dortmund und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster ist es, Erfolgsfaktoren für einen Sachunterricht, der Interesse und Lernen fördert, zu identifizieren.

Dafür werden die Kompetenzen von Lehrkräften, ihr Unterrichtshandeln und die Entwicklung ihrer Schülerinnen und Schüler betrachtet und deren Einfluss innerhalb dieser angenommenen Wirkungskette überprüft. Fokussiert werden aus fachdidaktischer Perspektive die Unterrichtsdimension „Klassenführung“ und aus fachübergreifender Perspektive die Unterrichtsdimension „Lernunterstützung“. Neben dem theoretischen Ertrag über grundlegende Zusammenhänge wesentlicher Komponenten der professionellen Kompetenz können auch Erkenntnisse zur prädiktiven Validität der eingesetzten Tests geliefert werden.

Die geplante Studie (60 Lehrkräften im naturwissenschaftlichen Sachunterricht mit ihren Klassen) soll an Grundschulen in Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein erfolgen.

Zu den Informationen für Lehrkräfte

Kontakt: projekt.viu@uni-erfurt.de

Beschreibung

Die Bedeutsamkeit des Professionswissens von Lehrkräften für das Unterrichtshandeln bzw. die kognitive und motivationale Entwicklung der Schülerinnen und Schüler ist in den letzten Jahren vermehrt untersucht worden. Die in diesen Studien meist eingesetzten Paper-Pencil-Tests erfassen jedoch eher deklaratives und wenig handlungsnahes Wissen, das allein nicht ausreichend ist, um Handeln vorherzusagen. Aus diesem Grund wurden in den letzten Jahren verstärkt Wahrnehmungs- und Analysefähigkeiten als Indikator situierten Wissens betrachtet, die konzeptionell auf der professionellen Unterrichtswahrnehmung (Sherin, 2007; Seidel & Stürmer, 2014) und/oder auf Erkenntnissen der Expertiseforschung (Blömeke, Busse, Kaiser, König & Suhl, 2016) basieren. Diesen situationsspezifischen Fähigkeiten wird eine vermittelnde Funktion zwischen dem Wissen als Disposition für erfolgreiches Handeln einerseits und der Performanz im Unterricht andererseits zugesprochen (Blömeke, Gustafsson & Shavelson, 2015).

Derzeit existieren erst wenige Studien, größtenteils aus der Mathematikdomäne, die Hinweise auf den Zusammenhang zwischen der professionellen Wahrnehmung und der Performanz im Unterricht oder Schülerleistungen geben (Kersting, Givvin, Thompson, Santagata & Stigler, 2012; König & Kramer, 2016; Roth, Garnier, Chen, Lemmens, Schwille & Wickler, 2011; Sherin & van Es, 2009). Es fehlen Studien, die diese Zusammenhänge hinsichtlich weiterer Domänen und Qualitätsmerkmale von Unterricht zeigen, um stärker generalisierbare und belastbare Ergebnisse zu erhalten. Auch die Frage, ob die professionelle Unterrichtswahrnehmung einen stärkeren Zusammenhang mit dem Unterrichtshandeln zeigt als das mit einem Paper-Pencil-Test erhobene Wissen und ob die erwähnte Mediation vom Wissen über die Wahrnehmung auf das Handeln nachweisbar ist, lässt sich aufgrund der derzeitigen Befundlage noch nicht hinreichend abschätzen.

Mit der beantragten Studie soll an 60 Grundschullehrpersonen und ihren jeweiligen Klassen der Zusammenhang zwischen dem Professionswissen sowie der professionellen Wahrnehmung (UV Lehrkraft) in Bezug auf zwei bedeutsame Unterrichtsdimensionen, Klassenführung und Lernunterstützung, mit der Klassenführungsqualität bzw. der Qualität der Lernunterstützung (AV/UV Unterricht) sowie mit dem Lernfortschritt der Schülerinnen und Schüler (AV Schüler_innen) und mit der Einschätzung durch die Schülerinnen und Schüler (AV Schüler_innen) untersucht. Außerdem werden Zusammenhänge zwischen den fachunspezifischen Konstrukten in Bezug auf Klassenführung und den fachspezifischen Konstrukten in Bezug auf Lernunterstützung betrachtet. Neben dem theoretischen Ertrag der Studie über grundlegende Zusammenhänge wesentlicher Komponenten der professionellen Kompetenz, wird das Projekt auch Erkenntnisse zur prädiktiven Validität der eingesetzten Tests liefern.

Das Projekt ViU:Performanz ist ein Kooperationsprojekt zwischen

Literaturangaben

  • Blömeke, S., Busse, A., Kaiser, G., König, J. & Suhl, U. (2016). The relation between content-specific and general teacher knowledge and skills. Teaching and Teacher Education, 56, 35-46.
  • Blömeke, S., Gustafsson, J.-E. & Shavelson, R. (2015). Beyond dichotomies: Viewing competence as a continuum. Zeitschrift für Psychologie, 223, 3-13.
  • Kersting, N., Givvin, K., Thompson, B., Santagata, R. & Stigler, J. (2012). Measuring Usable Knowledge: Teachers’ Analyses of Mathematics Classroom Videos Predict Teaching Quality and Student Learning. American Educational Research Journal, 49 (3), 568–589.
  • König, J. & Kramer, C. (2016). Teacher professional knowledge and classroom management: on the relation of general pedagogical knowledge (GPK) and classroom management expertise (CME). ZDM Mathematics Education, 48, 139-151.
  • Roth, K. J., Garnier, H. E., Chen, C., Lemmens, M., Schwille, K. & Wickler, N. I. Z. (2011). Videobased lesson analysis: Effective science PD for teacher and student learning. Journal of Research in Science Teaching, 48, 117-148.
  • Seidel, T., & Stürmer, K. (2014). Modeling and Measuring the Structure of Professional Vision in Preservice Teachers. American Educational Research Journal, 51 (4), 739-771.
  • Sherin, M.G. (2007). The development of teachers' professional vision in video clubs. In: R. Goldman, R. Pea, B. Barron & S. Derry (Hrsg.). Video research in the learning sciences. Hillsdale, NJ: Erlbaum. 383-395.
  • Sherin, M. G., & van Es, E. A. (2009). Effects of video club participation on teachers' professional vision. Journal of Teacher Education, 60, 20-37.

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