Health Creation Lab

Das Health Creation Lab ist ein Raum für partizipative Forschung und Co-Creation im Bereich Gesundheitskommunikation am Institute for Planetary Health Behaviour (IPB) der Universität Erfurt. Hier kommen Wissenschaft und Gesellschaft zusammen: Bürger:innen, Patient:innen, Expert:innen aus Praxis und Wissenschaft, Unternehmen und weitere Akteur:innen arbeiten gemeinsam an Fragen rund um Gesundheit und Gesundheitskommunikation. Teilnehmenden werden strukturierende Kreativ- und Ideationstechniken an die Hand gegeben, die dabei helfen, neue Perspektiven einzunehmen, unterschiedliche Lösungsansätze zu entwickeln und Ideen schrittweise zu konkretisieren. Vielfältige Kreativ- und Prototypingmaterialien unterstützen dabei, diese Ideen sichtbar zu machen und weiterzuentwickeln.

Partizipative Forschung: Menschen aktiv in Forschungsprozesse einbeziehen

Partizipative Forschung bedeutet für uns, Menschen möglichst früh in Forschungs- und Entwicklungsprozesse einzubeziehen. Ihre Perspektiven werden nicht erst dann erhoben, wenn Konzepte oder Kommunikationsmaßnahmen bereits fertig sind. Sie können Problemstellungen mitdefinieren, eigene Erfahrungen und Bedürfnisse einbringen, bestehende Lösungen reflektieren, Ideen entwickeln, gemeinsam Entscheidungen aushandeln, Prototypen gestalten und neue Ansätze testen. Welche Personen beteiligt werden, richtet sich nach der jeweiligen Forschungsfrage. Im Health Creation Lab können beispielsweise Bürger:innen, Patient:innen und Angehörige, Gesundheitsfachpersonal, Lehrkräfte, Wissenschaftler:innen, Medienschaffende, Vertreter:innen aus Unternehmen, Organisationen und anderen Praxisfeldern sowie Studierende im Fokus stehen. Gerade die Verbindung unterschiedlicher Erfahrungen und Kompetenzen ist dabei wertvoll. Lösungen für Gesundheitskommunikation entstehen häufig an Schnittstellen: zwischen wissenschaftlicher Evidenz und Alltag, zwischen professioneller Expertise und persönlichen Erfahrungen und zwischen den Anforderungen verschiedener Zielgruppen.

Empirische Begleitung: Kreativprozesse wissenschaftlich untersuchen

Ein zentrales Merkmal des Labs ist, dass diese Prozesse systematisch empirisch begleitet und ausgewertet werden. Je nach Forschungsfrage kommen qualitative und quantitative Methoden bzw. Mixed-Methods-Designs zum Einsatz. Zur Datenerhebung werden beispielsweise Interviews, Gruppendiskussionen, Think-Aloud-Verfahren, Beobachtungen oder Fotodokumentationen genutzt. Dadurch verbindet das Health Creation Lab Partizipation, kreative Entwicklung und empirische Forschung: Die Beiträge der Teilnehmenden werden nicht nur für die gemeinsame Ideenentwicklung genutzt, sondern wissenschaftlich dokumentiert, analysiert und – je nach Fragestellung – in weiteren Studien überprüft.

Methoden und Materialien: Ideen entwickeln und sichtbar machen

Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit vom Health Creation Lab ist die methodische Unterstützung bei der Ideenentwicklung. Je nach Fragestellung werden geeignete Kreativ- und Ideationstechniken eingesetzt – darunter auch Elemente aus dem Design Thinking –, die dabei helfen, Perspektiven zu wechseln, Probleme genauer zu verstehen, unterschiedliche Lösungsansätze zu entwickeln und diese schrittweise zu konkretisieren. So werden kreative Prozesse nicht dem Zufall überlassen, sondern gezielt angeregt und begleitet.

Unterstützt wird dieser Prozess durch eine große Auswahl an Moderations-, Kreativ- und Prototypingmaterialien. Ideen müssen dadurch nicht abstrakt bleiben. Sie können gezeichnet, gebaut, angeordnet, verändert und unmittelbar mit anderen diskutiert werden. Je nach Projekt kommen beispielsweise Karten und Bildmaterialien, Collagen, Moodboards, Modellbaumaterialien oder einfache Prototypen zum Einsatz. 

Ein Lab, viele Orte

Das Health Creation Lab ist nicht an einen einzelnen Raum gebunden. Je nach Fragestellung und Zielgruppe finden Workshops im Lab selbst, in Seminarräumen, direkt bei Praxispartner:innen oder an anderen geeigneten Orten statt. Materialien für Kreativarbeit, Visualisierung und Prototyping sind so zusammengestellt, dass sie flexibel mitgenommen und in unterschiedlichen Settings eingesetzt werden können. Diese Mobilität ist besonders für partizipative Forschung wichtig: Nicht immer ist es sinnvoll, Teilnehmende an die Universität zu holen. Häufig ist es hilfreicher, dorthin zu gehen, wo Menschen leben, arbeiten oder bereits miteinander im Austausch stehen. So kann das Health Creation Lab je nach Projekt als fester Arbeitsort oder als mobiles Forschungs- und Entwicklungssetting genutzt werden.

Von Science to Society – und zurück

Das Health Creation Lab versteht Wissenschaftskommunikation als Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden verständlich vermittelt und für unterschiedliche Zielgruppen zugänglich gemacht. Gleichzeitig fließen Erfahrungen, Fragen, Bedürfnisse und Perspektiven aus Gesellschaft und Praxis zurück in die Forschung und prägen die weitere Entwicklung von Fragestellungen, Kommunikationsformaten und Lösungsansätzen.

Ebenso wichtig ist die Rückgabe der gewonnenen Erkenntnisse: Ergebnisse werden wissenschaftlich aufgearbeitet und zugleich so übersetzt und aufbereitet, dass sie auch für beteiligte und interessierte Zielgruppen verständlich und nutzbar sind. Auf diese Weise verbindet das Health Creation Lab Forschung, Wissenschaftskommunikation und Partizipation und stärkt den kontinuierlichen Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.

Forschung und Lehre miteinander verbinden

Das Health Creation Lab wird auch intensiv in der Lehre des Masterstudiengangs Gesundheitskommunikation genutzt. Studierende arbeiten dort an realen Fragestellungen aus Gesundheitsprävention und Gesundheitsförderung und entwickeln gemeinsam mit Praxispartner:innen wissenschaftlich fundierte Kommunikations- und Interventionskonzepte.

Dabei werden Forschungswissen, inter- und transdisziplinäre Perspektiven sowie Kreativ- und Innovationsmethoden miteinander verbunden. Die Studierenden lernen, Problemstellungen aus Sicht unterschiedlicher Akteur:innen zu betrachten, Ideen systematisch weiterzuentwickeln und diese frühzeitig als Prototypen zu erproben. Das Lab wird so zugleich zu einem Ort, an dem Forschung, Lehre, Innovation und Wissenstransfer ineinandergreifen.

Aktuelle Projekte im Health Creation Lab

  • Ob Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Senior:innen sowie Lehrkräfte und Ernährungsberater:innen – bei „FBDG Visual“ entwickeln  unterschiedliche Zielgruppen Ideen für verständliche und alltagstaugliche Visualisierungen von Ernährungsempfehlungen. Nachdem sie bestehende Darstellungen, wie den DGE Ernährungskreis oder Ernährungspyramide, gemeinam reflektieren, entwickeln sie eigene Konzepte und Prototypen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse fließen anschließend in die experimentelle Prüfung und Weiterentwicklung der Visualisierungen ein.

  • Beim „UncertainTEAM“ arbeiten Bürger:innen aus Thüringen daran mit, wissenschaftliche Unsicherheit verständlicher und adressat:innengerechter zu kommunizieren. Die Workshops verbinden Wissenschaftsvermittlung mit partizipativer Forschung: Die Teilnehmenden erhalten Einblicke darin, wie wissenschaftliche Erkenntnisse entstehen, eingeordnet und kommuniziert werden und warum Unsicherheit ein grundlegender Bestandteil wissenschaftlicher Forschung ist. Darauf aufbauend bringen sie ihre eigenen Erfahrungen, Erwartungen und Perspektiven ein und entwickeln gemeinsam Ideen dafür, wie Forschungsergebnisse transparent, verständlich und zugleich orientierungsgebend vermittelt werden können.

  • Im studentischen Projekt „PRO-HEALTH“ arbeiten Studierende der Gesundheitskommunikation gemeinsam mit Studierenden der Photonik der FSU Jena an realen Global-Health-Challenges internationaler Praxis- und Forschungspartner. In interdisziplinären Teams entwickeln sie sowohl kostengünstige medizinisch-technische Lösungen für ressourcenarme Kontexte als auch zielgruppen-, kultur- und kontextsensible Kommunikationskonzepte, die deren Anwendung unterstützen. Lokale Partner und Expert:innen werden dabei systematisch in den Entwicklungsprozess einbezogen; ausgewählte Lösungen werden im weiteren Verlauf gemeinsam weiterentwickelt und für den jeweiligen Anwendungskontext erprobt. Das Lehrformat wird im Rahmen von PRO-HEALTH durch die Stiftung Innovation in der Hochschullehre gefördert.

Kontakt:

Mitglied
(Institute for Planetary Health Behaviour (IPB))
C19 – Forschungsbau „Weltbeziehungen“ / C19.01.22