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KLIMA-N bringt globale Forschung zum Thema Nachhaltigkeitsgovernance bei Konferenz in Ottawa zusammen

Wie Hochschulen als dynamische politische Vorreiter fungieren und Bildung für nachhaltige Entwicklung in globalen Kontexten vorantreiben können, das haben Hochschulvertreter*innen jetzt bei einer internationalen Konferenz an der Carleton University in Ottawa, Kanada, diskutiert. Eingeflossen ist dabei auch die Expertise aus dem Klima-N-Projekt, einem Netzwerk von vier Thüringer Hochschulen, darunter auch die Universität Erfurt, die das Thema Nachhaltigkeit in Thüringen weiter voranbringen möchten.

Hochschulen sind längst nicht mehr nur Orte der Wissensvermittlung. Sie sind dynamische Labore für institutionelle Innovation und aktive politische Akteure, die Nachhaltigkeit in der Praxis vorantreiben. In dem von der International Public Policy Association (IPPA) veranstalteten 5. Internationalen Workshop zu Public Policy (IWPP) an der Carleton University, rückte das Kooperationsprojekt KLIMA-N diesen Wandel ins globale Rampenlicht – mit einem dreitägigen Panel unter dem Titel „Governing Sustainability Transitions: Higher Education Institutions as Policy Actors in ESD Implementation“.

Unter der Leitung von Dr. Hasnain Bokhari von der Willy Brandt School of Public Policy der Universität Erfurt und apl. Prof. Dr. Bettina Hollstein vom Max-Weber-Kolleg brachte die Veranstaltung internationale Wissenschaftler*innen zusammen, um zu untersuchen, wie Hochschulen internationale Nachhaltigkeitsrahmenwerke (wie z. B. UN-SDG 4.7 und nationale Aktionspläne) in konkrete Governance- und pädagogische Praktiken umsetzen können. Das Panel wurde im Rahmen des KLIMA-N-Teilprojekts „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) am Max-Weber-Kolleg organisiert und vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt unterstützt. Im Kern zielte es darauf ab, eine entscheidende theoretische Lücke zu schließen: Während Hochschulen zunehmend fortschrittliche Nachhaltigkeitsinitiativen umsetzen, wurde in der Public Policy-Forschung bislang nur unzureichend theoretisch erörtert, wie diese Institutionen als Akteure von Governance fungieren. 

In ihrem Beitrag untersuchte Bettina Hollstein, inwiefern Hochschulen als organisatorische Vorbilder für den sozioökologischen Wandel dienen (können). Auf der Grundlage konkreter Fallstudien wandte sie den „Whole Institution Approach“ (WIA) an, der Nachhaltigkeit in den Bereichen Forschung, Governance, Campusbetrieb, Lehre und Transfer/gesellschaftliches Engagement verankert, um sowohl die operativen Hindernisse, mit denen Hochschulen konfrontiert sind, als auch praktische Governance-Lösungen zu deren Überwindung aufzuzeigen. Ergänzend zu diesem institutionellen Fokus untersuchte Hasnain Bokhari direkte policy-bezogene Ergebnisse, die von Studierenden erstellt wurden. Ausgehend von Capstone-Projekten an der Willy Brandt School of Public Policy als Modell für Service-Learning zeigte er auf, wie von Studierenden geleitete, erfahrungsorientierte Politikforschung über die Grenzen des Campus hinausreicht und direkt in staatliche Entscheidungsprozesse einfließt, sobald sie an öffentliche Partner übergeben wird.

Weitere im Rahmen der Workshops vorgestellte Beiträge vertieften diese Themen, indem sie untersuchten, wie Hochschulen die Nachhaltigkeitssteuerung in verschiedenen geografischen und operativen Kontexten gestalten. Wissenschaftler*innen untersuchten die Rolle von „Green Offices“ als strategische Vermittler und zeigten auf, wie diese spezialisierten Einheiten globale Verpflichtungen in lokale Hochschulstrategien umsetzen und dabei ein Gleichgewicht zwischen Verwaltungseffizienz und transformativem Lernen herstellen. Mit Blick auf Regionen, die mit extremen Widrigkeiten konfrontiert sind, analysierte eine weitere Studie öffentliche Hochschulen in der Ukraine, um aufzuzeigen, wie Hochschulen ihren Nachhaltigkeitsauftrag in akuten sozioökonomischen und sicherheitspolitischen Krisen aufrechterhalten, indem sie kooperative Partnerschaften nutzen, um das finanzielle Überleben mit dem sozialen Wiederaufbau in Einklang zu bringen. Schließlich untersuchte eine Studie mit Schwerpunkt auf dem gemeinsamen Türkischen Hochschulraum, zu dem Kasachstan und die Türkei gehören, den internationalen Policy-Transfer und bewertete, wie Strukturen auf Hochschulebene nationale Nachhaltigkeitsagenten grenzüberschreitend beeinflussen.

Thüringer Innovation mit internationaler Wirkung

Die vielfältigen Beiträge zeigten, dass Hochschulen – sei es durch studentische Abschlussprojekte, basisdemokratische „Green Offices“ oder krisenbedingte Anpassungsmaßnahmen – als wichtige Knotenpunkte der Mehrebenen-Governance fungieren, die Nachhaltigkeit sowohl im Globalen Norden als auch im Globalen Süden aktiv mitgestalten. Apl. Prof. Dr. Bettina Hollstein und Dr. Hasnain Bokhari sind sich einig: „Das Panel in Ottawa spiegelte dabei den Kernauftrag von KLIMA-N wider. Durch die Einbringung seiner Ergebnisse in das IWPP hat das Projekt KLIMA-N gezeigt, dass die in Thüringen entwickelten regionalen Ansätze umsetzbare Erkenntnisse für die internationale Politik liefern können. Angesichts der sich beschleunigenden globalen Klimaherausforderungen unterstreichen die Ergebnisse des Panels in Ottawa eine entscheidende Erkenntnis: Universitäten sind nicht nur unverzichtbare Triebkräfte für die Ausbildung künftiger Entscheidungsträger, sondern auch für die Entwicklung von Konzepten für genau jene politischen Maßnahmen, die eine nachhaltige Zukunft gestalten werden.“

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