Zu Gott Du sagen: Gott als Du in Gebet, Liturgie und Poesie

Gottesanrede und Gottesbilder gehören zusammen.

Gott als Du: Das Projekt untersucht die direkte Anrede Gottes (2. Person Singular) und ihre Wirkung auf Gottesbilder – von der Antike bis heute, unter postsäkularen Bedingungen.

Themen und Fragen

„Ich gebrauche den Namen N ohne feste Bedeutung.“
– Ludwig Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen §79.

„Die schönste Weise wäre, dass wir eingestehen:
Wir wissen nichts über die Götter –
weder über ihr Wesen noch über ihre Namen.
Denn klar ist: Sie – und zwar gerade sie – benennen das Wahre.
Die nächstbeste Weise – wie es in den Gebeten Brauch ist –
ist, sie so zu nennen,
wie sie Freude daran haben, genannt zu werden.“
– Platon, Kratylos 400d–e

Das Projekt untersucht Gottesanrede als Sprachhandlung: Beten vollzieht Sprechakte, formt Textgattungen sowie körperliche und rituelle Abläufe und organisiert Adressierung (Deixis, Rollen, Origotransfer/Wechsel des Sprecher-Ich). Zugleich rückt das Projekt den Körper als Voraussetzung und Ausdrucksform ins Zentrum: Stimme, Atem, Rhythmus, Haltung und Wiederholung tragen das Beten. Multimodal gelesen zeigen Gestus, Blick, Raum und Medien, wie Gottesanrede als vielschichtiges Gefüge entsteht.

MDR-Beitrag über die Chartula des Franz von Assisi und die Semiotik des Du

Chartula
(c) tetraktys, wiki commons, handschriftliche Gottesanrede bei Franz von Assisi – Chartula als Zeichenakt

Mit Guido Erbrich in der Sendung “Wort am Sonntag" wurde die poetische Kraft der “Chartula” des Franz von Assisi besprochen und das zusammenhängende Projekt “Semiotics of the Franciscan Tau: Language, Visuality and Embodiment issues in Francis’ Chartula” vorgestellt, das zusammen mit Prof. Jenny Ponzo von der Universität Turin durchgeführt wird.