Projektergebnisse

Abschlussbericht

Abschlussbericht von Frau apl. Prof. Dr. Bettina Hollstein

Sozial benachteiligte Menschen sind häufig Adressaten von caritativem Engagement bzw. sozialem Ehrenamt, aber seltener selbst Engagierte. Auch ist die Forschungslage zum Engagement dieses Personenkreises noch erweiterungsfähig. Am Beispiel des Engagements in Mütterzentren einerseits und in einer Suppenküche andererseits wurden Gelingensbedingungen für das Engagement von Menschen mit prekären Lebensbedingungen herausgearbeitet.

Auf Basis der Daten des Freiwilligensurveys – der größten quantitativen Erhebung zum Ehrenamt in Deutschland – kann man festhalten, dass sozial benachteiligte Menschen weniger engagiert sind als nicht benachteiligte und dass Ihnen somit Teilhabemöglichkeiten und Chancen auf ein gutes Leben vorenthalten werden. Denn ehrenamtliches Engagement ist eine wichtige Möglichkeit, um unterschiedlichen Vorstellungen des guten und sinnvollen Lebens in einer Gesellschaft einen konkreten Ausdruck zu verleihen: Im Ehrenamt vergewissern sich Menschen dieser Vorstellungen, sie erfahren Anerkennung, bilden Netzwerke, üben sich in demokratische Prozesse ein und schaffen Beziehungen in der Zivilgesellschaft. Freiwilliges Engagement schafft somit auch Lernräume für die Demokratie und ermöglicht Menschen Selbstwirksamkeit und Wertschätzung zu erfahren – jenseits des Arbeitsmarkts. Ehrenamtliches Engagement ist somit nicht nur wertvoll für die Gesellschaft, die von den ehrenamtlich erbrachten Leistungen profitiert, sondern auch für die Ehrenamtlichen selbst, für die es Teil ihres Lebens und ihrer Identität ist, auch weil es ihnen ermöglicht, ihren Vorstellungen eines guten Lebens sowie einer guten Gesellschaft einen konkreten und handgreiflichen Ausdruck zu verleihen. Sozial benachteiligten Menschen fehlt es daher nicht nur an Geld, sondern an Chancen für ein gutes Leben.

Im Projekt wurden zwei Gruppen von Engagierten betrachtet, einerseits benachteiligte Frauen in Mütterzentren und andererseits Engagierte in einer Suppenküche. Dabei wurden folgende empirischen Zugänge und Methoden genutzt:

  • teilnehmende Beobachtung über mehrere Jahre im Umfang von 5 Stunden/Monat im Rahmen eines ehrenamtlichen Engagements in der Suppenküche (teilweise unterbrochen aufgrund der Pandemie)
  • leitfadengestützte Interviews mit acht Engagierten in der Suppenküche von jeweils ca. 45-60 Minuten Dauer
  • Zweitverwertung von in einem vergangenen Projekt erhobenen Biographien von engagierten Frauen in Mütterzentren
  • eintägige Workshops mit Gruppen der Engagierten in Mütterzentren bzw. in der Suppenküche zu Fragen ihres konkreten Engagements.

Entscheidend war, dass den Engagierten auf Augenhöhe begegnet wurde und sie ihre eigenen Erfahrungen artikulieren konnten.

Die Forschungsergebnisse mündeten in einen Aufsatz, der bei einer Fachzeitschrift (Voluntaris) eingereicht wurde, in einer Handreichung für Mütterzentren „Empowerment durch Ehrenamt“ und einer Handreichung für Multiplikatoren der Caritas „Selbstwirksamkeit durch Ehrenamt“, in denen jeweils Gelingensbedingungen für Engagement von sozial benachteiligten Menschen vorgestellt wurden. Wichtige Aspekte sind dabei Erstkontakt und Engagementanlässe, Wohlfühlen und Vertrauen, Ermutigung und Verantwortung, Geben und Nehmen sowie Selbstwirksamkeit und Partizipation.

Projektbezogene Publikationen

Im Rahmen eines Citizen Science-Ansatzes wurden Gelingensbedingungen von Engagement sozial benachteiligter Personen entwickelt. Diese Bedingungen wurden mit Hilfe qualitativer Interviews erhoben und in Workshops mit Betroffenen validiert. Die Ergebnisse wurden in Form von zwei Handreichungen für Organisationen sowie in einer wissenschaftlichen Publikation festgehalten.

Pressespiegel