Universität Erfurt

Max-Weber-Kolleg

Prof. Dr. Jörg Rüpke: Stellvertretender Direktor des Max-Weber-Kollegs und Sprecher der Kolleg-Forschergruppe

Prof. Dr. Jörg Rüpke

Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien
Universität Erfurt
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Forschungsgebäude 1 (Haus 27 - Gelände Helios Klinikum), Raum 0013

Forschungsprojekt von Prof. Dr. Jörg Rüpke:

Individuelles religiöses Handeln zwischen legitimer Pluralität und Devianz

Seit Cicero findet sich das Wort superstitio im religionsbezogenen lateinischen Wortschatz und gewinnt zunehmende Popularität; Seneca verfasste eine eigene, nur in Fragmenten erhaltene Monographie „De superstitione“. Das Wort bezeichnet deviante religiöse Praktiken, die über die religio, die der pietas gegenüber den Göttern geschuldet ist, hinausgehen. Dieser spätrepublikanische normative Diskurs ist neu. Aber die Wortgeschichte bleibt bei dem spätrepublikanischen Umschwung nicht stehen. In den apologetischen Texten des dritten Jahrhunderts wird das Wort zu einem zentralen Kampfbegriff; superstitio ist die Religion des anderen. Als solche wird sie dann in den Rechtstexten des vierten und fünften Jahrhunderts kriminalisiert.
Das Projekt zielt auf eine Rekonstruktion von Diskursen über die Grenzen akzeptablen religiösen Verhaltens und ihrer Reflexionen in Äußerungen über Wahlmöglichkeiten und die Ausübung solcher Optionen im Bereich individuellen religiösen Handelns. Im Hinblick auf die religionsgeschichtliche Dynamik nimmt das Projekt so neben den Formen religiöser Alltagspraktiken und Sinnkonstruktionen auch die Versuche religiöser Kontrolle von öffentlicher Seite in den Blick, die neben dem intellektuellen Bereich mehr und mehr rechtswirksam werden.
Vorstudien haben gezeigt, dass religio in römischer Zeit als anthropologisches Konzept Verwendung findet und sich nicht eignet, Pluralität oder Individualität zu beschreiben. Begriffe wie secta oder disciplina können in Gruppen praktizierte Lebensführungsstile beschreiben, werden aber erst spät auf „Religionen“ übertragen. Solche begriffs- und wortgeschichtlichen Befunde sollen mit antiken Selbstzeugnissen und -reflexionen religiöser Praktiken (insbesondere brieflich und in Gebeten wie Hymnen) wie Rechtstexten und der Entwicklung des Religionsrechtes konfrontiert werden. Hier ist der Vergleich mit späteren europäischen Entwicklungen notwendig, um die Perspektive der Religionsgeschichte des römischen Reiches als Christianisierungsgeschichte zu überwinden.

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