Im Fokus unserer Forschung steht das sozial-emotionale Lernen. Zentrale Fragen sind die Diagnostik und Förderung der sozial-emotionalen Entwicklung. In empirischen Studien gehen wir der Frage nach, wie Lehrer:innen den gemeinsamen Unterricht gestalten können und welche Professionalisierung der Pädagog:innen hierfür notwendig ist. Dabei untersuchen wir insbesondere die Beziehungen und die Kooperation der Kinder und Jugendlichen und die multiprofessionelle Zusammenarbeit zwischen den Pädagog:innen.
Inklusionsspezifisches Wissen und inklusionsbezogene Überzeugungen sind wichtige Aspekte der professionellen Handlungskompetenz von Lehrer:innen. Häufig fühlen sich Lehrer:innen jedoch nicht ausreichend auf die Anforderungeninklusiven Unterrichts, speziell auf den Umgang mit Schüler:innen mit Auffälligkeiten in der emotionalen und sozialen Entwicklung, vorbereitet. Für die Hochschullehre stellt sich die Frage, wie Inklusion als Querschnittsthema in die lehrer:innenbildenden Curricula integriert und die Entwicklung professioneller Handlungskompetenz unterstützt werden kann. Ein vielversprechender Ansatz für die inklusionsbezogene Professionalisierung angehender Lehrkräfte ist interdisziplinäres Co-Teaching in der Hochschullehre, bei dem Lehrende mit unterschiedlichen Expertisen ko-konstruktiv zusammenarbeiten und multiple Perspektiven auf einen Lerngegenstand ermöglichen. Wir begleiten Lehrveranstaltungen wissenschaftlich und untersuchen die Wirkung verschiedener Formen des Co-Teaching auf das Wissen über die Gestaltung inklusiven Unterrichts und auf inklusionsbezogene Überzeugungen von Studierenden.
Ansprechpartner: Cedric Steinert
Sportunterricht hält für die emotionale und soziale Entwicklung Heranwachsender einzigartige Herausforderungen und Chancen bereit. Eine besondere Eigenschaft des Unterrichtsfachs ist die Exponiertheit der Akteure. So sind Handlungen von Lernenden häufig öffentlich sichtbar und gehen mit sozialen Bewertungsprozessen einher. Das Identifizieren von Mechanismen, die in diesem Zusammenhang positive emotionale Erfahrungen bei Schüler:innen fördern und negative Erfahrungen abmildern, kann von großem Wert sein. In einer ersten Studie wurde der Einfluss der Sozialbeziehungen innerhalb der Sportklasse auf das emotionale Erleben von Schüler:innen in unterschiedlich exponierten Situationen untersucht. Der zweite Teil des Projektes zielt darauf ab, den Zusammenhang zwischen der Wahrnehmung von Exponiertheit und persönlichen sowie interaktionalen Charakteristika zu untersuchen. Zu diesem Zweck wird ein Instrument entwickelt, das die Wahrnehmung von Exponiertheit im Sportunterricht aus Sicht der Schüler:innen erfasst.
Ansprechperson: Tino Edelmann
Das Erlernen von bildungswissenschaftlichen Erkenntnissen kann angehenden Lehrkräften dabei helfen, ihre zukünftige Unterrichtspraxis zu verbessern. Bislang existiert eine Vielzahl an Studien zur Rezeption, Aneignung sowie zum Ausmaß und Qualität der Nutzung von bildungswissenschaftlichen Erkenntnissen. Um jedoch noch besser zu verstehen, welche Angebote gezielt den angehenden Lehrkräften angeboten werden können, ist es relevant vorab zu adressieren, welche vorläufige Wahrnehmung und Konzeptualisierung angehende Lehrkräfte von (Bildungs-)Wissenschaft haben. Im Rahmen einer Interviewstudie möchten wir deshalb angehende Lehrkräfte, insbesondere des Förder- und des Grundschullehramtes, zu ihrer Wahrnehmung und ihrem Verständnis von Bildungswissenschaft befragen.
Ansprechperson: Madeleine Müller& Gesamtes Team der Professur für Inklusive Bildungsprozesse mit dem Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung
Ein inklusives Schulsystem geht für Lehrkräfte mit neuen Herausforderungen einher. Insbesondere der Umgang mit Schüler:innen mit sozial-emotionalen Verhaltensauffälligkeiten wird häufig als besonders herausfordernd beschrieben. Bereits bei Studierenden werden dahingehend Erwartungen und Einstellungen zu Inklusion geprägt. In einer Studie werden die Einstellungen und Selbstwirksamkeitserwartungen von Lehramtsstudierenden im Hinblick auf den späteren inklusiven Unterricht mit Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten untersucht. Mithilfe expliziter und impliziter Erhebungsinstrumente sowie Fall- und Videovignetten wird der Frage nachgegangen, auf welcher Grundlage Einschätzungen persönlicher Einstellungen und Selbstwirksamkeitserwartungen erfolgen. Durch die Befragung Studierender unterschiedlicher Jahr- und Lehramtsstudiengänge werden zudem spezifische Einflüsse evaluiert.
Ansprechpartner: Felix Piegsda
Die Ergebnisse zahlreicher Studien zeigen, dass Kinder und Jugendliche zunehmend psychisch belastet sind (Autorengruppe des DAK Kinder- und Jugendreports, 2022; Hanewinkel et al., 2021; Ravens-Sieberer et al. 2022). Dies geht häufig mit negativen Auswirkungen auf den Lernerfolg einher. Hattie (2015) hat in seiner Studie „Visible Learning“ mehr als 50.000 Einzelstudien aufgearbeitet und bestätigt, dass eine gute Lehrkraft-Lernenden-Beziehung einen starken positiven Effekt auf die Lernleistungen der Schülerinnen und Schüler hat. Seine Synthese weist diesem Faktor eine Effektstärke von d = 0.72 zu (Hattie 2015, S. 141). Aus bindungstheoretischer Perspektive wurde bislang die fundamentale Bedeutung der Beziehung für jegliche Bildungsprozesse wenig beforscht.
Um diese Lücke zu füllen, wurde die vom BMBFSFJ (ursprünglich BMBF) geförderte Veranstaltungsreihe „Bindung und Beziehungsgestaltung in der schulischen Bildung“ von Tanja Jungmann (Universität Oldenburg und Carina Hübner konzipiert, die auf eine Laufzeit von insgesamt drei Jahren angelegt ist (2023-2026). Ziel ist es eine Gruppe von Wissenschaftler*innen in Qualifizierungsphasen (Promovend*innen und Post-Docs) aus dem Bereich der (Sonder-)Pädagogik/ Erziehungswissenschaft dazu zu befähigen, sich mit der Bedeutung der Schüler*innen-Lehrkraft-Beziehung als Grundlage jeglicher Bildungsprozesse forschend auseinanderzusetzen. Sie umfasst 13 modular aufgebaute, wissenschaftlich und praxisorientierte Tagungen und Workshops, die Wissenschaftler*innen (Promovend*innen und Post Docs) dabei unterstützen sollen, eigene Forschungsprojekte im Austausch mit Expert*innen aus der Wissenschaft und Praxis zu entwickeln, Datenerhebungen durchzuführen, die gewonnenen Daten auszuwerten und erste Publikationen über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren zu veröffentlichen. Neben den methodischen Workshops werden auch Angebote zur Organisation und Wissenschaftskommunikation im Kontext von Forschungsprojekten offeriert.
Die Gestaltung einer tragfähiger Lehrkraft-Lernenden Beziehung stellt eine wesentliche Grundlage schulischer Bildungsprozesse dar. In dem Verbundprojekt mit Tanja Jungmann (Universität Oldenburg) inkl. eines Teilprojektes mit Tijs Bolz (LMU München), wird die Beziehung zwischen Schüler:innen der Primarstufe und deren Lehrkräfte aus der Perspektive der Bindungstheorie, die Transmission der Bindungsrepräsentation auf die Beziehung zur Lehrkraft sowie die sprachlichen und kognitiven Kompetenzen der Kinder erfasst. Zudem wird in einem Teilprojekt ein Instrument (Geschichtenergänzungsverfahren Schule [GEV-BS] T. Jungmann & C. Hübner) zur Erhebung der Beziehungsrepräsentation im Schulalltag entwickelt). Die Forschung ist als Mixed-Methods-Design konzipiert.
Das derzeitige Verbundprojekt mit Annika Krause (Universität Oldenburg) beleuchtet die mentale Gesundheit (Wohlbefinden, Belastungserleben, etc.) im Kontext der Entwicklungsaufgabe Beruf und die Bedeutung von Peers.
In der Querschnittsstudie werden in einem multi-methodalen Ansatz psychische Belastungen, Bindungsqualität und Stressbewältigungsstrategien erhoben, um Aufschlüsse für die pädagogische Begleitung und Förderung zu erfassen. Andererseits wird die Relevanz von Peers im Jugendalter, vor dem Hintergrund zu bewältigender Entwicklungsaufgaben, erfasst. Hierbei wird u. a. das Inventory of Parent & Peer Attachment (IPPA, Armsden & Greenberg 1987) eingesetzt. Der Fragebogen wird derzeit für den deutschsprachigen Raum validiert und nach Abschluss des Validierungsprozesses als deutschsprachige Adaption zur Verfügung gestellt. Diesbezüglich kooperieren wir aktuell mit Mark Greenberg, der als critical friend mit seiner Expertise und Autor des Fragebogens zur Verfügung beratend zur Seite steht.
Aktuell läuft die Pilotierung des Projektes. Projektlaufzeit: 09 I 2025 – 05 I 2026 (Pilotierung); 01 I 2027 – 09 I 2028.