EiLeBe - Einsamkeit im Leben von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen - Ein partizipatives Forschungsprojekt

Projektleitung: Prof. Dr. Erik Weber - Universität Erfurt, Professur Inklusive Bildungsprozesse bei geistiger und mehrfacher Behinderung / Projektmitarbeiter: Alexander Tix, B.A. - Universität Erfurt

 

Gesellschaftliche/wissenschaftliche Einordnung & Relevanz – kurz zusammengefasst

  • Aktualitätsbezug: Einsamkeit gilt heute als bedeutendes gesellschaftliches Phänomen mit Verknüpfungen zu Themenkomplexen wie Lebensqualität insgesamt, zu Gesundheit, Wohlbefinden und Teilhabe.

  • Die sozialwissenschaftliche wie psychologische Forschung unterscheidet zunehmend zwischen dem Fehlen sozialer Netzwerke, Alleinsein und subjektivem Einsamkeitserleben.

  • Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung bilden auch in diesem Zusammenhang eine vulnerablere Personengruppe: Der Zugang zu sozialen Kontakten, Netzwerken, Freizeitangeboten und zum Arbeitsmarkt ist oder wird eingeschränkt. Beschäftigung und Teilhabemöglichkeiten hingegen können Einsamkeit bei Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung reduzieren.

  • Forschungslücke: Größer angelegte Studien zur Bedeutung von Einsamkeit speziell bezüglich dieser Personengruppe fehlen bislang oder sind älteren Datums. Gerade die Frage, wie Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung subjektiv Einsamkeit erleben, wie sie diese bewerten und welche Strategien sie oder ihr Umfeld entwickeln, ist wenig untersucht.

 

Methodisches Design - kurz zusammengefasst

Folgend skizzierter Methoden-Mix aus qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden wird das Projektvorhaben rahmen:

Phase 1 (Erfurter Pilotstudie, gefördert von der Heidehof-Stiftung):

  • Fokusgruppe zur Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses von Einsamkeit in den Lebenswelten des Personenkreises Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung;

  • Fragebogen zu Dimensionen der Einsamkeit für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung selbst

  • leitfadengestützte, problemzentrierte Interviews mit Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung selbst, mit Angehörigen und Fachkräften [die Hinzunahme der Perspektive von Angehörigen und/oder Fachkräften kann dazu beitragen, auch die Perspektive von Menschen mit komplexen Beeinträchtigungen beleuchten].

Phase 2 (Folgestudie):

Nach einer Evaluierung der o.g. Forschungsinstrumente und ggf. Anpassung der entwickelten Methoden: Wiederholung des oben skizzierten Vorgehens in einem größeren Rahmen, mit einer größeren Stichprobe.

In der Folgestudie kooperieren wir mit der Bundesvereinigung Lebenshilfe, der Gesellschaft für teilhabeorientiertes Qualitätsmanagement (geteq) und dem Kompetenznetz Einsamkeit (KNE).

 

Zielsetzung von EiLeBe

Ziel des Projektes EiLeBe ist die Untersuchung des Verständnisses, der Bedeutung, Ausprägungen und Bewältigungsstrategien von Einsamkeit im Lebensalltag von erwachsenen Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung. Mit der partizipativen Entwicklung geeigneter Erhebungsinstrumente und, darauf aufbauend, der Erhebung von Perspektiven von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung selbst, ihren Angehörigen und Fachkräften, soll diese Studie die oben skizzierte Forschungslücke schließen.

Schließlich sollen aus dem Forschungsprojekt Empfehlungen und Materialien für die Praxis im Sinne teilhabefördernder Maßnahmen „gegen Einsamkeit“ entwickelt werden. Ausgehend von der Erwartung, dass die zu erhebenden Daten auch Hinweise darüber geben, wie Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung Einsamkeit erfolgreich bewältigen, sollen diese erfolgreichen Bewältigungsstrategien herausgearbeitet und für (behinderten-)pädagogische Handlungsfelder nutzbar gemacht werden.

ew/at – 03-2026