Digitalisierung und Tiefenerschließung von Handschriften der Bibliotheca Amploniana in der Universitätsbibliothek Erfurt

Die 889 mittelalterlichen Handschriften der Bibliotheca Amploniana, der Bibliothek des Collegium Porta Coeli der alten Universität Erfurt – seit 2002 als Depositum der Landeshauptstadt Erfurt in der Universitätsbibliothek Erfurt als Depositum verwahrt – sind ein einzigartiges Dokument zur Geistes- und Wissenschaftsgeschichte des Spätmittelalters. Ihren Kern bildet eine Schenkung von 633 Handschriften durch den kurkölnischen Leibarzt Amplonius Rating de Berka (gest. 1435), darunter ein besonders bedeutendes Konvolut medizinischer Schriften. Diese Codices aus dem 9.–15. Jahrhundert bilden zum einen die umfangreichste geschlossen erhaltene Büchersammlung eines mittelalterlichen Gelehrten, zum anderen sogar den reichsten Bestand einer Kollegienbibliothek dieser Zeit. Ihre Bedeutung liegt nicht nur in den (teils unikal) überlieferten Texten, sondern auch in den Handschriften selbst, die einzigartige Zeugnisse aus dem frühen Universitätsbetrieb in Frankreich, Italien, England und Deutschland sind und über ihre Besitzgeschichten Einblick in die internationalen Wissensnetzwerke des Spätmittelalters geben.
Da ein 1887 von Wilhelm Schum erstellter Bestandskatalog nicht mehr heutigen wissenschaftlichen Anforderungen entspricht, wurden zwischen 2008 und 2013 mit DFG-Förderung zunächst für 324 v.a. medizinisch-naturphilosophische Handschriften die inhaltlichen Erschließungsdaten in Manuscripta Mediaevalia vervollständigt und mit Normdaten versehen sowie eine Forschungsdokumentation mit über 3.000 Titeln im OPAC der UB Erfurt aufgebaut.
Das anhaltend starke Interesse der Wissenschaft an der Sammlung sowie bedeutende Funde aus neuerer Zeit (z.B. unbekannte Texte des Kirchenvaters Augustinus im Jahr 2008) machen es unabdingbar, die Amploniana nun nach den Maßstäben des 21. Jahrhunderts, also durch vollständige Digitalisierung und eine wissenschaftliche Erschließung (sog. Tiefenerschließung), zu bearbeiten.
In einem seit Oktober 2019 laufenden, auf drei Jahre angelegten Kooperationsprojekt der UB Erfurt mit dem Handschriftenzentrum Leipzig, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird, werden 317 der Handschriften durch die UB Erfurt digitalisiert und in der von der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena (ThULB) bereitgestellten „Digitalen Historischen Bibliothek Erfurt/Gotha“ zugänglich gemacht (zu den einzelnen Handschriften s.u. Umfang Digitalisierung).
Die Tiefenerschließung bezieht sich auf 118 medizinische Handschriften aus dem Digitalisierungsbestand (s.u. Umfang Tiefenerschließung). Sie stammen aus der Schenkung des Amplonius und deren nächstem Umfeld. Die Katalogisierungsarbeiten erfolgen nach den DFG-Richtlinien unter Leitung des Handschriftenzentrums Leipzig verteilt in Erfurt und Leipzig. Die Ergebnisse der Tiefenerschließung werden der Forschung über die Handschriftendatenbank „Manuscripta Mediaevalia“ kontinuierlich bereitgestellt und fließen später in ein gerade in der Entwicklung befindliches, neues Handschriftenportal ein.

Zum Projekt in der Datenbank der Forschungsprojektean der Universität Erfurt

Umfang des DFG-Projektes im Einzelnen

Umfang Digitalisierung: Die Digitalisierung umfasst 317 medizinisch-naturphilosophische Handschriften.

Übersicht zum aktuellen Stand(PDF)

Umfang Tiefenerschließung: Die Tiefenerschließung umfasst 118 medizinische Handschriften aus dem Digitalisierungsbestand.

Übersicht zum aktuellen Stand(PDF)

Projektteams

Team Erfurt

Gabor Kuhles Bibliotheksdirektor  
Thomas Bouillon Leiter der Sondersammlung thomas.bouillon@uni-erfurt.de
Dr. Katrin Ott Projekt-Koordinatorin katrin.ott@uni-erfurt.de
Dr. Berthold Kreß ehem. Mitarbeiter*  
Jelica Dietze Bestandserhaltung  
Olga Lachenmeier Meta- und Strukturdaten  
Andrea Langner Meta- und Strukturdaten  
Claudia Möschl Koordination Digitalisierung  
Sven-Philipp Brandt M.A./M.Ed. wissenschaftlicher Mitarbeiter Tiefenerschließung sven-philipp.brandt@uni-erfurt.de
Elke Ulber Digitalisierung  
Michaela Griesch-Höhn Digitalisierung  

*Wissenschaftlicher Volontär 2018-2020, Koordination des DFG-Antrags, Entwicklung des Geschäftsgangs zur Digitalisierung, jetzt Stellvertretende Leitung Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, www.sustb-augsburg.de/ueber-uns/abteilungen-und-mitarbeiter

Team Leipzig

Prof. Dr. Ulrich Johannes Schneider Bibliotheksdirektor  
Dr. Marek Wejwoda wissenschaftlicher Mitarbeiter Tiefenerschließung marek.wejwoda@uni-leipzig.de
Dr. Christoph Mackert Leiter des Handschriftenzentrums  
Dr. Matthias Eifler wissenschaftlicher Mitarbeiter Handschriftenzentrum  
Katrin Sturm wissenschaftliche Mitarbeiterin Handschriftenzentrum  

Team Jena

Michael Lörzer Bibliotheksdirektor
Silvio Hermann Anwendungsentwicklung