Perthes kolonial: Das Geschäft mit der Kartierung Afrikas, Lateinamerikas und Ozeaniens (1871–1945)

Auseinandersetzungen um die Kolonialgeschichte bewegen Wissenschaft, Gesellschaft und Politik. Am Forschungskolleg Transkulturelle Studien/Sammlung Perthes der Universität Erfurt untersuchen Wissenschaftler*innen seit März 2026 in einem neuen Projekt, wie der Kartenverlag Justus Perthes Gotha im 19. und 20. Jahrhundert Wissen aus Kontexten kolonialer Eroberungen und Landnahmen verarbeitete. Ein Schwerpunkt der Forschung liegt auf den damit verbundenen geschäftlichen Strategien: Mit Karten beispielsweise über Lagerstätten von Rohstoffen in Kolonien suchte der Verlag unter anderem Handelshäuser, Reedereien und Schulen als Kunden zu gewinnen. Die Sammlung Perthes – der von der Universität Erfurt bewahrte Sammlungszusammenhang des Verlags in Gotha – ermöglicht es als eine von weltweit nur wenigen Überlieferungen ihrer Art, dieser unternehmerischen Dimension von Kolonialkartographie auf die Spur zu kommen.

Anders als die meisten Kartensammlungen dokumentiert die Sammlung Perthes auch die Erarbeitung, den Vertrieb und fallweise auch die Rezeption von Karten. Dadurch erlauben die Überlieferungen in Gotha seltene Einsichten in das Geschäft mit der Kolonialkartographie, also etwa in den wirtschaftlichen Erfolg und Misserfolg von Verlagsprodukten oder in die Reichweite des Vertriebs. Fragen nach solchen wirtschafts- und unternehmensgeschichtlichen Aspekten werden im Projekt „Perthes kolonial“ mit dem übergeordneten Zusammenhang der Herausbildung einer kolonialen Wissenskultur in Europa in Beziehung gesetzt.

Bild: © Bruno Hassenstein, Specialkarte des Damara-Landes. Nach den neuesten Quellen, 1:1.750.000, 50 x 39 cm, Justus Perthes' Kolonien-Karten No. 2, Gotha 1885, Forschungsbibliothek Gotha, Sammlung Perthes, SPA lg2° 00332 (53).

Projektleitung

Beteiligte Wissenschaftler:innen

Laufzeit & Förderung

Laufzeit:
03/2026–02/2029

Förderung:
Das Projekt wird durch die Thüringer Aufbaubank gefördert.