Doktorand (Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien)

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C19 – Forschungsbau „Weltbeziehungen“ / C19.03.18

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Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien
C19 – Forschungsbau „Weltbeziehungen“
Max-Weber-Allee 3
99089 Erfurt

Postanschrift

Universität Erfurt
Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien
Postfach 90 02 21
99105 Erfurt

Lucas Auradniczek

Persönliche Informationen

Lehr- und Forschungsschwerpunkte

  • Musik und Gesellschaft (bes. Semiotik & Kultur, Weltbeziehungstheorie)
  • Musikalische Semiotik und Bedeutungskonstitution mit Schwerpunkt Popularmusik
  • Qualitative Musikpädagogikforschung und partizipative Musikformate

Akademischer Werdegang

04/2026–07/2026 Wissenschaftlicher Assistent
Universität Erfurt, Max-Weber-Kolleg

07/2025– Wissenschaftlicher Projektmitarbeiter
Stella Vorarlberg Privathochschule für Musik

01/2025– Promotionsstipendiat der Universität Erfurt
Universität Erfurt, Max-Weber-Kolleg

04/2023–04/2024 Wissenschaftliche Hilfskraft
Justus-Liebig-Universität Gießen, Stabsabteilung Forschung & Wissenschaftskommunikation

03/2023–06/2023 und 03/2024–06/2024 Musikwissenschaftlicher Lektor
Deutscher Musikrat gGmbH

10/2020–02/2024 M.A. Angewandte Musikwissenschaft (Note 0,8 mit Auszeichnung)
Justus-Liebig-Universität Gießen

10/2018–04/2024 Wissenschaftliche Hilfskraft
Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik
Für die Lehrstühle Musikpädagogik und Historische Musikwissenschaft sowie in der Medienbibliothek und am International Office

10/2015–09/2020 B.A. Musikpädagogik (Note 1,6 sehr gut)
Justus-Liebig-Universität Gießen
 

Forschungsprojekt

"Every Day Is Exactly the Same" – Musikalische Semiose, Weltbeziehungen und die Bedeutung von Entfremdung in populärer Musik

Musik bedeutet etwas. Sie verbindet uns mit Konzepten, Erinnerungen und Welten, die über den bloßen Klang hinausgehen – und tut dies auf eine Weise, die weder vollständig durch ihr Material noch durch ihre soziale Einbettung allein erklärt werden kann. Wie aber entsteht diese Bedeutung? Und was verrät sie über unser Verhältnis zur Welt?

Das Dissertationsprojekt entwickelt eine Theorie musikalischer Bedeutungskonstitution, die diese Frage mit Fokus auf den Prozess her angeht. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Musik in qualitativ verschiedenen Weisen bedeutungsvoll ist: Sie kann explizit auf die Welt verweisen, durch Konventionen, Genres und Texte; sie kann Weltbeziehungen leiblich und ikonisch mitgestalten, indem sie Bewegung, Emotion und Kognition erregt; und sie kann im Akt der Wahrnehmung selbst eine ursprüngliche Form von Weltkonstitution vollziehen, die jeder expliziten Bedeutung vorausgeht.

Diese drei semiotischen Modi – Musik über die Welt, Musik in der Welt, Musik als Welt – bilden die Struktur des Projekts. Theoretisch stützt es sich auf die Zeichentheorie von Charles Sanders Peirce, insbesondere sein Konzept der Abduktion: das regelkonstruierende Schlussfolgern unter Bedingungen der Irritation und Fremdheit. In dieser ursprünglichen Fremdheitserfahrung wird die Bedingung vermutet: Bedeutung entsteht dort, wo das Wahrgenommene zunächst fremd wird, bevor es in ein Zeichen überführt werden kann.

Hartmut Rosas Soziologie der Weltbeziehungen dient dabei als epistemologischer Leitfaden. Seine Unterscheidung von Resonanz und Entfremdung als Beziehungsqualitäten liefert den begrifflichen Rahmen, innerhalb dessen die semiotischen Prozesse verortet werden. Populäre Musik steht im Zentrum der Untersuchung, weil sie als semiotisch besonders dichtes Dispositiv gilt: Sie arbeitet gleichzeitig auf klanglicher, textueller, gestischer und medialer Ebene und macht damit ihren Zeichencharakter ungewöhnlich sichtbar. Darüber hinaus ist sie in diesem theoretischen Rahmen bisher kaum untersucht worden.

Publikationen

Sammelband / Herausgeberschaft

  1. [i. Ersch.] Resonant Self–World Relations in Ancient and Modern Socio-Religious Practices: Opening a Field of Researchhg. von Elisabeth Begemann, Ursula Gärtner, Stephan Moebius, Anna-Katharina Rieger, Hartmut Rosa, Jörg Rüpke, Wolfgang Spickermann. In Kooperation mit Lucas Auradniczek, J. William Santos, João Tziminadis. Berlin: De Gruyter.

Sammelband- und Zeitschriftenbeiträge [Blind Peer Reviewed]

  1. Auradniczek, Lucas [i. Ersch.]: “Music as Self, as Other, as World. On the Uses of Peircean Semiotics for Understanding Musical Representation and Meaning” In: Resonant Self–World Relations in Ancient and Modern Socio-Religious Practices: Opening a Field of Researchhg. von Elisabeth Begemann, Ursula Gärtner, Stephan Moebius, Anna-Katharina Rieger, Hartmut Rosa, Jörg Rüpke, Wolfgang Spickermann. In Kooperation mit Lucas Auradniczek, J. William Santos, João Tziminadis. Berlin: De Gruyter.
  2. Auradniczek, Lucas; Döller, Marcus; Fazio-Vargas, Daniela; Pettenkofer, Andreas; Vinzent, Marcus [i. Ersch.]: “Mediation Through Signs” In: Resonant Self–World Relations in Ancient and Modern Socio-Religious Practices: Opening a Field of Research, hg. von Elisabeth Begemann, Ursula Gärtner, Stephan Moebius, Anna-Katharina Rieger, Hartmut Rosa, Jörg Rüpke, Wolfgang Spickermann. In Kooperation mit Lucas Auradniczek, J. William Santos, João Tziminadis. Berlin: De Gruyter.
  3. Auradniczek, L, Wilde, B. & Schneider-Binkl, S. (2026): „Musikalische Bildung, ästhetische Erfahrungen und politische Bildung: Verbindungslinien am Beispiel einer Jazz-Oper mit Holocaust-Thematik“ In: Perspektiven verbinden - Schnittmengen, Synergien und Abgrenzungslinien von politischer und kultureller Bildung [Sammelband der Gesellschaft für politische Jugend- und Erwachsenenbildung], hg, von T. Bechtel, S. Göhmann & B. Vajen (Hrsg.). Frankfurt am Main: Wochenschau Verlag
  4. Auradniczek, Lucas (2024): Populäre Musik und Genozide. Musikpädagogische Chancen in der Erinnerungsarbeit am Beispiel des Songs Holy Mountains der Metal-Band »System Of A Down« (2005)” In: Erinnerungskulturen und Demokratiebildung : interdisziplinäre musikpädagogische Perspektiven, hg. von Sabine Schneider-Binkl. Augsburg: Wißner Musikbuch, S. 93-102.

Poster

  1. Schneider-Binkl, Sabine; Achhorner, Bernhard; Auradniczek, Lucas; Bosch Sanfélix, Mercé. (2026): »Mit-Tanzen« Live observations Interviews Video-Stimulated Recall Interviews Fostering participation through music and movement experiences: how can inclusive dance projects contribute to social cohesion? 8.-11.04.2026. 33rd EAS Conference Wien.
  2. Schneider-Binkl, S.; Immerz, A.; Auradniczek, L.; Lothwesen, H.; Niklosz, M. (2023): Zusammenhänge von stimmlichem Selbstkonzept und Identitätsentwicklung im Professionalisierungsprozess von Lehramtsstudierenden.Tagung „Lehrkräfteprofessionalisierung: Facetten, Förderung und zukünftige Herausforderungen“. 23. – 24.03.2023, Bergische Universität Wuppertal.
  3. Schneider-Binkl, S.; Immerz, A.; Auradniczek, L.; Keilhofer, M. & Lothwesen, H. (2022): Identitätsentwicklung und Selbstkonzept bei Lehramtsstudierenden am Beispiel Stimme. Jahrestagung des Arbeitskreises Musikpädagogische Forschung (AMPF) vom 21. – 23.09.2022 an der Universität Augsburg.

Wissenschaftliche Vorträge (Auswahl)

  • 07/01/2027                “We’re Free”: Word-Music Relationships and the Dialectics of Liberty in System of a Down’s “Holy Mountains”,  2027 MLA Convention, Los Angeles.

  • 10/07/2026                „Every Day is Exactly the Same” Musical Semiosis, World-Relations and the  Meaning of Estrangement in Popular Song. 11. IASPM D-A-CH Collegium Musicum Populare, Salzburg.

  • 31/10/2025                Performativität und soziale Räume. (Theoretische) Perspektiven auf das Format ‘Mit-Tanzen’. Symposium “Gesellschaftlicher Zusammenhalt durch Musik, Bewegung und Tanz”, Trossingen.

  • 20/10/2025                Kommentar zu Volkskörper: Performing the Austrian „Hoamat“ in Popular Music. Tagung Indifference. Hostility, Disgust: The Ambiguity of Heimat”, Graz.

  • 25/07/2025                Populäre Musik und Entfremdung. Forschung im Kontext der Weltbeziehungssoziologie nach Hartmut Rosa. 10. IASPM D-A-CH Collegium Musicum Populare, Paderborn.

  • 15/03/2024                (mit Sabine Schneider-Binkl) Musikalische Bildung, ästhetische Erfahrungen und politische Bildung: Verbindungslinien am Beispiel einer Jazz-Oper mit Holocaust-Thematik. GPJE-Tagung, Bremen. 

  • 07/11/2023                Chair der Podiumsdiskussion: Dear Erich. History and Memory in Music. Interdisziplinäre Perspektiven. Gießen.

  • 13/01/2023                       (mit Sabine Schneider-Binkl) Vocal Self-Concept and Identity Development of Student Teachers, Pedagogic Research in Music Education, Leeds (online).