Pauline Cholewczynski
Zur Person
2016 – 2017 FSJ in Sumba/Indonesien bei Redemptorist Volunteering Ministries
2017 – 2020 Bachelorstudium: Katholische Theologie und Philosophie an der Universität Erfurt, Bachelorarbeit mit dem Titel: „Die Suche nach dem Humanismus, ‚der die Menschheit aus der Nähe zum Sein denkt‘. Überlegungen zum Brief über den ‚Humanismus‘ von Martin Heidegger (1947)“, Abschluss: Bachelor of Arts
2018 – 2019 Studentische Hilfskraft am Projekt „Wissenstransfer“ der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt
2020 – 2025 Studium Lehramt für Gymnasium: Katholische Theologie an der Universität Erfurt, Deutsch und Erziehungswissenschaften an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Abschlussarbeit mit dem Titel: „Heideggers Augustinus-Rezeption der 1920er Jahre“, Abschluss: Erstes Staatsexamen für Lehrämter
2021 – 2025 Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Philosophie der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt
2025 PreDoc-Stipendiatin am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt
seit 2026 Promovendin bei der Meister-Eckhart-Forschungsstelle des Max-Weber-Kollegs der Universität Erfurt, gefördert durch das Cusanuswerk
Forschungsprojekt
Meister Eckhart aus den Händen der Schreiber und Schreiberinnen im späten Mittelalter am Beispiel seiner Predigt zu den „Zwei Wegen“ (Joh 14,6)
Meine Forschung beschäftigt sich mit der Frage, wie die Texte Meister Eckharts im späten Mittelalter gelesen, abgeschrieben, bearbeitet und weitergegeben wurden. Im Mittelpunkt steht eine Predigt zur biblischen Aussage „Ich bin der Weg“ (Joh 14,6), die unter dem Titel In festo Philippi et Jacobi apostolorum, die 1 maii: „Ego sum via“ überliefert ist.
Lange Zeit wurde die Predigt nicht Meister Eckhart, sondern dem etwas jüngeren Dominikaner Johannes Franko von Köln zugeschrieben und nicht als Predigt, sondern als „Traktat von zweierlei Wegen“ verstanden. Erst in später aufgefundenen Handschriften wird Eckhart ausdrücklich als Verfasser genannt. Zugleich ist der Text ungewöhnlich breit überliefert: Bislang sind 25 Handschriften bekannt, die teilweise erhebliche sprachliche, theologische und inhaltliche Unterschiede aufweisen. Besonders aufschlussreich ist dabei ein Fund aus dem Jahr 2023: Fragmente aus der Universitätsbibliothek Leipzig konnten die Predigt in die Zeit zwischen 1290 und 1310 datieren und stellen damit die ältesten bekannten handschriftlichen Zeugnisse einer mittelhochdeutschen Predigt Meister Eckharts dar.
Die verschiedenen Handschriften zeigen, dass der Text gekürzt, umformuliert, ergänzt, anonymisiert oder unter einem anderen Namen weitergegeben wurde. Dementsprechend zeugen diese Varianten von einer aktiven Auseinandersetzung mit Eckharts Denken und können sichtbar machen, welche theologischen Aspekte für unterschiedliche Leserinnen und Leser von Bedeutung waren und wo seine möglicherweise anspruchsvollen oder theologisch kontroversen Aussagen verändert oder abgeschwächt wurden. In meinem Promotionsprojekt geht es nicht primär darum, die vermeintlich „echten“ Worte Eckharts zu rekonstruieren, sondern vielmehr um die Frage, was mit seinen Gedanken geschieht, wenn sie von unterschiedlichen Menschen und Gemeinschaften weitergetragen werden. Welche theologischen Akzente setzen die verschiedenen Bearbeitungen? Welche Spuren hinterlassen die jeweiligen Entstehungs- und Nutzungskontexte? Welche Rolle spielten insbesondere Frauen und Laien in religiösen Gemeinschaften bei der Überlieferung und Gestaltung von Eckharts Denken? Auf diese Weise verbindet die Arbeit Handschriftenkunde, Editionsphilologie, Rezeptionsgeschichte und die Erforschung spätmittelalterlicher Spiritualität.

