Dr. Felix Schürmann

felix.schuermann@uni-erfurt.de

Projektleiter und Koordinator des BMBF-Forschungsverbunds "Karten-Meere. Für eine Geschichte der Globalisierung vom Wasser aus" (Forschungskolleg Transkulturelle Studien / Sammlung Perthes)

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Forschungskolleg Transkulturelle Studien / Sammlung Perthes (Schloss Friedenstein, Pagenhaus) / Raum 1.05

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nach Vereinbarung

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Forschungskolleg Transkulturelle Studien / Sammlung Perthes
Schloss Friedenstein – Pagenhaus
Schlossplatz 1
99867 Gotha

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Forschungskolleg Transkulturelle Studien / Sammlung Perthes
Schloss Friedenstein – Pagenhaus
Schlossplatz 1
99867 Gotha

Dr. Felix Schürmann

Curriculum Vitae

2019
Gastdozentur an der Bahir Dar University (Äthiopien)

Seit September 2018
Projektleitung und Koordination des BMBF-Forschungsverbunds »Karten-Meere: Für eine Geschichte der Globalisierung vom Wasser aus« am Forschungszentrum Gotha

2018
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (Mainz)

2014–2017
Wissenschaftlicher Mitarbeiter im LOEWE-Schwerpunkt »Tier - Mensch - Gesellschaft« und Lehrbeauftragter der Fachgruppe Geschichte der Universität Kassel

2016
PostDoc Visiting Fellow an der University of Canterbury (Christchurch, Neuseeland)

2015
Promotion (»summa cum laude«) in Mittlerer und Neuerer Geschichte, Goethe-Universität Frankfurt (Erstgutachter: Prof. Dr. Andreas Fahrmeir)

2013–2015
Freier Mitarbeiter im Projekt »EFG1914: Digitising Films on World War I« und als Kurator von Ausstellungs- und DVD-Projekten am Deutschen Filminstitut (Frankfurt a. M.)

2009–2013
Promotionsstipendien am Exzellenzcluster »Die Herausbildung normativer Ordnungen« der Goethe-Universität Frankfurt und am Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (Mainz); 2009–2010 Lehrbeauftragter am Institut für Ethnologie und Afrika-Studien der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

2006–2009
Assistent der Projektleitung in den EU-Projekten »Moving Image Database for Access and Re-use of European Film Collections« und »The European Film Gateway« am Deutschen Filminstitut (Frankfurt a. M.)

2008
Magister Artium (»sehr gut«), Leibniz Universität Hannover (Erstgutachterin: Prof. Dr. Brigitte Reinwald)

Studium der Geschichte (Schwerpunkt: Afrikanische Geschichte) und Germanistik an der Leibniz Universität Hannover und der University of Massachusetts Amherst; Praktika in den National Archives of Namibia und am Goethe-Zentrum Windhoek

Forschungsschwerpunkte

Maritime Geschichte (18.–20. Jh.): Walfang, Strände, Inseln, Häfen, Kartographie der Meere

Afrikanische Geschichte (18.–20. Jh.): Küstengesellschaften, Dekolonisation, Naturpolitik und Tier-Mensch-Beziehungen, Raum und Territorialität

Globalgeschichte (18.–20. Jh.): Verflechtungen, Mobilität und Migration, Konnektivität

Filmgeschichte (20. Jh.): Film und Kino im Ersten Weltkrieg

Laufendes Habilitationsprojekt

Das Rubondo-Experiment: Laborinsularität und Naturpolitik in der Dekolonisation Ostafrikas

Warum beinhaltete der postkoloniale Aufbruch in Ostafrika – die »Revolte gegen den Westen« (Geoffrey Barraclough) – nicht auch eine Abkehr von westlichen Konzepten von Natur und ihrem Schutz? Wie durchwirkte die Dekolonisation den Umgang mit der natürlichen Umwelt, und welchen Anteil trugen naturpolitische Initiativen an der Konfiguration der nachkolonialen Verhältnisse? Exemplarische Antworten auf diese Fragen suche ich in einer Nahbetrachtung der Geschichte von Rubondo Island, der ältesten und größten Naturschutzinsel Afrikas, gelegen im südwestlichen Teil des Viktoriasees.

Besondere Aussagekraft gewinnt der Fall dadurch, dass sich die Transition Rubondos von einer Fischer- zu einer Naturschutzinsel in der Umbruchphase von der spät- zur nachkolonialen Herrschaft vollzog: Am Vorabend der Unabhängigkeit Tanganjikas (1961) planten britisch-koloniale Wildhüter die Umsiedlung von Nashörnern aus den umliegenden Savannen nach Rubondo, um sie vor einer für die nachkoloniale Zeit befürchteten unkontrollierten Bejagung zu schützen. Für die 1963 begonnene Ansiedlung der gebietsfremden Tiere wiesen die Behörden die dort lebenden Menschen aus, die Banyarubondo. Ab 1966 erweiterte der deutsche Zoologe Bernhard Grzimek die Tieransiedlungen mit Mitteln der »Frankfurter Zoologischen Gesellschaft« auf Schimpansen, Elefanten und weitere Spezies, um Rubondo als »Arche Noah« für bedrohte Wildtiere zu profilieren und damit einer außerökologischen Nutzung zu entziehen. Mit der Konsolidierung des Einparteiensystems erklärte die Regierung Nyerere die Insel 1977 schließlich zum Nationalpark – nicht zuletzt, um sie für die nationale Tourismuswirtschaft in Wert zu setzen.

Die Untersuchung der oft vernachlässigten ökologischen Ebene der Dekolonisation trägt zu einem besseren Verständnis der Auswirkungen historischer Umbrüche auf die natürliche Umwelt bei. Auch hilft die Betrachtung eines Dekolonisationsprozesses von der Warte seiner naturpolitischen Facetten aus, die Tiefe der Zäsur für die Geschichte Ostafrikas zu ermessen und Natur als Einflussgröße auch auf politische und soziale Zusammenhänge begreifbar zu machen. Als erste monographische Darstellung der Geschichte von Rubondo Island bezieht die Untersuchung auch naturpolitische Maßnahmen auf der Insel während der deutschen Kolonialherrschaft ein und ist im Schnittfeld der Geschichtsforschung zur Dekolonisation in Ostafrika, der Umweltgeschichte, der Human-Animal Studies und der historisch orientierten Inselforschung positioniert.

Auszeichnungen

2018
Preis der Zeitschrift für Weltgeschichte für die beste Erstmonographie zur Welt-/Globalgeschichte der letzten drei Jahre (für »Der graue Unterstrom«)

2017
Shortlist-Nominierung »Opus Primum – Förderpreis für die beste Nachwuchspublikation des Jahres« der VolkswagenStiftung (für »Der graue Unterstrom«)

2016
Dissertationspreis »Internationale Geschichte« der AG Internationale Geschichte im Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD)

2016
Friedrich Sperl-Preis der Goethe-Universität Frankfurt für herausragende Arbeiten in der Geschichtswissenschaft (für die Dissertation)

2009
Absolventenpreis des Historischen Seminars der Leibniz Universität Hannover (für die Magisterarbeit)

2008
Nachwuchspreis der Vereinigung für Afrikawissenschaften in Deutschland (für die Magisterarbeit)

Mitgliedschaften und Mitarbeit in Redaktionen

Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD)

  • AG Weltregionale und Globale Geschichte
  • AG Internationale Geschichte


Vereinigung für Afrikawissenschaften in Deutschland (VAD)

  • Mitglied im Hauptausschuss (2018–2020)


Mitherausgeber von WerkstattGeschichte und Mitglied der Rezensionsredaktion

Gesellschaft für Überseegeschichte (GÜSG)

Mitglied im Editorial Team von Future of Food: Journal on Food, Agriculture and Society

Lehre (Auswahl)

Wintersemester 2020/21
Seminar: »Schwarze Wilderer, weiße Retter? Naturpolitik in Ostafrika seit 1800« (Universität Erfurt)

Wintersemester 2019/2020
Seminar (mit Prof. Dr. Iris Schröder): »Karten-Meere: Ein Forschungsseminar zur Arbeit mit historischen See- und Meereskarten« (Universität Erfurt)

Wintersemester 2017/2018
Seminar: »Historische Reportagen schreiben« (Universität Kassel)

Wintersemester 2016/2017
Seminar: »Geschichten schreiben: Das historische Erzählen im Widerstreit« (Universität Kassel)

Sommersemester 2016
Seminar (mit Prof. Dr. Mieke Roscher): »Beziehungen zwischen Menschen und Walen in umwelt- und tiergeschichtlicher Perspektive« (Universität Kassel)

Wintersemester 2015/2016
Seminar: »Das Afrika-Geschwader: Die Royal Navy im Kampf gegen den Sklavenhandel des 19. Jahrhunderts« (Universität Kassel)

Wintersemester 2015/2016
Seminar: »Film und Kino im Ersten Weltkrieg: Transnationale Perspektiven« (Universität Kassel)

Sommersemester 2015
Seminar: »Dekolonisation in Afrika: Befreiung und ihre Grenzen am Fall von Tansania und Mosambik« (Universität Kassel)

Wintersemester 2014/2015
Seminar: »Arbeit und Alltag in der neuzeitlichen Hochseeschifffahrt« (Universität Kassel)

Wintersemester 2009/2010
Seminar: »Das südliche Afrika im 19. Jahrhundert: Regionale Netzwerke und die Weltwirtschaft« (Johannes Gutenberg-Universität Mainz)

Publikationen (Auswahl)

Aktuelle Publikationsliste

(mit Josephine N. Msindai, Christian Roos & Volker Sommer:) »Genetically Deduced Origin and Population History of Chimpanzees Introduced to Lake Victoria’s Rubondo Island.« Primates, 02.02.2021. ‹https://doi.org/10.1007/s10329-020-00884-5

»Eine neue Arche für die alte Ordnung. Die Tierumsiedlungen aus dem Flutungsgebiet der Kariba-Talsperre (Zentralafrikanische Föderation) und ihre fotografische Repräsentation, 1958–1963.« WerkstattGeschichte 82 (2020): 95–107.

(mit Wolfgang Struck, Iris Schröder & Elena Stirtz:) Karten-Meere. Eine Welterzeugung. Wiesbaden: Corso, 2020.

»Rausch und Rebellion im Südatlantik: St. Helena und das Zeitalter der Revolutionen.« Aus Politik und Zeitgeschichte 32–33/2018, 22–8.

»Die Reisenden, die Fliehenden und die Kommenden: Amerikanische Walfänger als Objekte afrikanischer Aneignung.« WerkstattGeschichte 77 (2018): 7–27.

Der graue Unterstrom: Walfänger und Küstengesellschaften an den tiefen Stränden Afrikas, 1770–1920. (=Globalgeschichte, Bd. 25.) Frankfurt a. M./New York: Campus, 2017.

»Raum ohne Ort? Meere in der Geschichtsforschung.« Aus Politik und Zeitgeschichte 51–52/2017: 41–6.

»Rubondo und eine Reise dorthin: Der Feldaufenthalt in der Geschichtswissenschaft – und unter afrikanischen Wildtieren.« Den Fährten folgen: Methoden interdisziplinärer Tierforschung. Hrsg. Forschungsschwerpunkt »Tier - Mensch - Gesellschaft«. Bielefeld: Transcript, 2016: 133–53.

»Ships and Beaches as Arenas of Entanglements from Below: Whalemen in Coastal Africa.« InterDisciplines. Journal of History and Sociology 3.1 (2012): 25–47.

»Ungeahnte Wege: Mobilitätserfahrungen des befreiten Sklaven Timbo Samuel Samson im südlichen Afrika des 19. Jahrhunderts.« Historische Anthropologie 17.1 (2009): 75–91.