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Der Geist des Zuhörens - Ein Blick in die Weltkirche mit Bischof Thulani Victor Mbuyisa aus Südafrika

Organisiert von der Professur für Kirchenrecht fand am 21. Juli 2026 ein höchstinteressantes Gespräch mit Bischof Thulani Victor Mbuyisa aus Südafrika statt, das einen Blick in die Weltkirche ermöglichte.

Der 53-jährige Bischof der südafrikanischen Diözese Kokstad war im Rahmen der Priesterweihen einiger seiner Mitbrüder in der Ordensgemeinschaft Congregation of Mariannhill Missionaries zunächst in Bayern und auf dem Weg zu den Libori-Feierlichkeiten in Paderborn auf Einladung von Professorin Wijlens nach Erfurt gekommen. Im Gespräch berichtete er viel von seinem Leben, seinem Heimatland und seinen Erfahrungen mit der Weltsynode.

Zum Einstieg in das Gespräch erzählte Prof. Dr. Wijlens, wie sie Bischof Mbuyisa 2003 in Ottawa, Kanada, kennengelernt hatte. Damals lehrte sie an der Saint Paul University, an der Mbuyisa Kirchenrecht studierte. Nach seinem Lizenziat in Kanada kehrte er nach Südafrika zurück, wo er als Studentenseelsorger und in der Ausbildung von Novizen tätig war. Anschließend übernahm er verschiedene Leitungsaufgaben in seiner Ordensgemeinschaft, unter anderem in Nairobi, Kenia, und als Provinzoberer für Ostafrika. 2016 wurde Mbuyisa zum Generaloberen der Congregation of Mariannhill Missionaries gewählt und zog nach Rom. So wie einst auch Papst Leo XIV bereiste er in dieser Funktion die ganze Welt, bevor er 2022 von Papst Franziskus zum Bischof von Kokstad ernannt wurde und in sein Heimatland Südafrika zurückkehrte. Außerdem nahm er von 2021 bis 2024 an der Weltsynode teil, wo er und Myriam Wijlens sich schließlich wiedersahen.

Thulani Victor Mbuyisa ließ die zahlreichen Anwesenden – Studierende, Professorinnen, Angehörige des Priesterseminars, in Hilfsprojekten Engagierte und weitere Interessierte – auch an sehr persönlichen Erinnerungen aus seiner Kindheit und Jugend im Apartheid-Regime teilhaben. So berichtete er beispielsweise davon, wie die strengen Regeln des Regimes Familien zerrissen und wie selbst in Kirchen die Trennung nach Hautfarbe eingehalten werden musste. Gleichzeitig erinnerte er sich an das Selbstbewusstsein der katholischen Bischöfe, als sie sich offen gegen die Apartheid wendeten.

Er sprach über Nelson Mandela, die ersten demokratischen Wahlen 1994, die „wunderbare“ Verfassung von 1996 und die große Hoffnung, die damit einherging. Zugleich machte er deutlich, dass Südafrika bis heute stark von den Folgen der Apartheid geprägt ist, sodass noch viel Aufarbeitung geleistet werden muss und einige gesellschaftliche Herausforderungen zu bewältigen sind.

Auch die Situation der Katholischen Kirche in Südafrika kam zur Sprache. Nur etwa 6 % der südafrikanischen Bevölkerung sind katholisch. Im Land gibt es 27 Diözesen, aber nur ein einziges Priesterseminar. Aufgrund des Priestermangels in Südafrika kommen viele Priester aus anderen afrikanischen Ländern wie Kenia oder Tansania. Eine weitere Herausforderung sieht Bischof Mbuyisa in der theologischen Ausbildung: Da katholisch-theologische Ausbildungsstätten in Afrika in der Regel privat sind, können sich kaum Laien die hohen Studienkosten für ein Theologiestudium leisten. Die Entwicklung synodaler Strukturen im Anschluss an die Weltsynode und die Förderung theologischer Bildung zählen laut Bischof Mbuyisa daher zu den wichtigsten Aufgaben der südafrikanischen Bischöfe.

Die zahlreichen Einblicke in sein Leben, sein Land und seine Erfahrungen haben alle Teilnehmenden sehr beeindruckt. Auch der rege Austausch mit Professorin Wijlens und die vielen Anekdoten zur Weltsynode machten das Gespräch besonders. Als der Bischof gefragt wurde, was er persönlich aus der Synode mitnehme, antwortete er: „Den Geist des Zuhörens.“.

Ganz in diesem Sinne bedankten sich alle Teilnehmenden bei ihm für seine Ausführungen und bei Myriam Wijlens für die Organisation. Das Gespräch hat eindrucksvoll gezeigt, wie viel wir durch Zuhören über andere Lebensrealitäten, die Kirche in anderen Teilen der Welt und auch über synodales Miteinander lernen können.

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