Professur für Alte Kirchengeschichte, Patrologie und Christliche Archäologie

Die Alte Kirchengeschichte lebt als „Bürgerin zweier Welten“ zwischen Geschichtswissenschaft und Theologie. Sie verwendet die historisch-kritische Methode und hat eine wichtige Brücken- und Vermittlungsfunktion zwischen Theologie und Altertumswissenschaften. Neben der rein historischen Forschung legt die Patrologie besonderes Augenmerk auf die theologischen Quellentexte der Kirchenväter.

Neuerscheinung

Michael Bußer / Daniel Greb / Johannes Pfeiff (Hg.), Geschichtlichkeit als religiöses Existenzial. Gedenkschrift für Franz Dünzl (1960-2018), WTh 17, Würzburg 2020.

Franz Dünzl (1960-2018) prägte als Inhaber des Lehrstuhls für Kirchengeschichte des Altertums, christliche Archäologie und Patrologie beinahe zwanzig Jahre lang die Theologie in Würzburg und darüber hinaus. Seine beiden Monografien zur Geschichte des trinitarischen (2006/22011) und des christologischen (2019) Dogmas in der Alten Kirche entwickelten sich zu wahren ‚Bestsellern‘. Anlässlich seines 60. Geburtstages geben Dr. Johannes Pfeiff, Dr. Daniel Greb und Michael Bußer, M.A. wissenschaftliche Beiträge aus den 30 Jahren akademischer Tätigkeit Franz Dünzls heraus. Die Aufsätze und Beiträge zeichnen ein Bild davon, wie Franz Dünzl Theologie verstanden, gelehrt und gelebt hat. Der Band aus der Reihe „Würzburger Theologie“ (WTh) ist im Echter-Verlag Würzburg erschienen und Franz Dünzl als Gedenkschrift gewidmet.

Für den aus Regensburg stammenden Kirchenhistoriker war es ein wesentliches Ziel, die Geschichtlichkeit des christlichen Glaubens verstehbar zu machen. Diese Geschichtlichkeit prägt alle Lebensäußerungen des Christentums, sei es Glaube und Ethik, Verfassung und Recht oder Liturgie und Pastoral. Dabei war der Blick auf das Vergangene zugleich auch ein Blick nach vorne, ins Jetzt: Bei der Wahrnehmung der geschichtlichen Ereignisse aus ihren jeweiligen Bezügen heraus geht es immer auch darum, sie zu den Fragen, Träumen und Sehnsüchten der Gegenwart, d.h. zu unseren Idealen, Zielen oder auch Ängsten in Beziehung zu setzen.

Ganz entschieden plädierte Franz Dünzl daher für eine theologische Ausrichtung seines Faches. Dieses Verständnis von Alter Kirchengeschichte, das Franz Dünzl in seiner bisher unveröffentlichten Antrittsvorlesung beschreibt, dient als Fundament und Ausgangspunkt des vorliegenden Sammelbandes. In dieser Vorlesung wird die Historische Theologie zwischen Geschichtswissenschaft und Theologie verortet, woran sich die ersten beiden Bereiche dieses Buches orientieren.

Zunächst werden unter dem Gesichtspunkt der ‚Geschichtswissenschaft‘ vor allem diejenigen Aufsätze geführt, die sich ‚klassisch‘ historischen Themen widmen, wie der Entstehung des kirchlichen Bußverfahrens, Kaiser Konstantin oder der Geschichte als Gegenstand der Theologie. Im anschließenden Abschnitt ‚Theologie‘ finden sich neben zwei Schriften zu Franz Dünzls Forschungsschwerpunkt Gregor v. Nyssa auch ein Aufsatz zu Spuren theologischer ‚Aufklärung‘ bei Irenäus v. Lyon und ein Beitrag zum frühchristlichen Anachoretentum und seiner Spiritualität. Im abschließenden Kapitel ‚Impulse für heute‘ zeigt sich das Postulat Franz Dünzls, die Fragen der Gegenwart zu den Erkenntnissen aus der Vergangenheit in Beziehung zu setzen, sei es im Artikel zur Diakonin in altchristlichen Kirchenordnungen, in der Reflexion über die Schrift des Origenes zum Gebet oder in der Frage nach der Positionierung der Kirche zwischen Abgrenzung und Anpassung. Dünzl verschanzt sich gerade in diesen Artikeln nicht hinter der reinen Deskription historischer Entwicklungen, sondern vermag es eindrucksvoll, die Bedeutung der Geschichte für die gegenwärtige Situation von Kirche und Gesellschaft, im Besonderen aber für das Individuum erfahrbar zu machen. Geschichte wird dann lebendig und erfahrbar, wenn dem eigenen Geschichtsbild Tiefenschärfe verliehen wird, historische Entwicklungen aus ihren jeweiligen Bedingungen verstanden und die so gewonnenen Erkenntnisse mit der Gegenwart in Beziehung gesetzt werden – das ist das Erbe des ‚theologischen Programms‘ von Franz Dünzl.

460 Seiten mit 3 Farbseiten
14 x 22,5 cm. Broschur
€ 29,00 (D) / € 29,90 (A)
ISBN 978-3-429-05534-9 

Würzburger Theologie, Band 17
Verlag Echter, Würzburg
1. Auflage 2020

Lehrveranstaltungen

Bitte informieren Sie sich zu aktuellen Lehrveranstaltungen über die elektronische Lehrveranstaltungs- und Informationsplattform der Universität Erfurt E.L.V.I.S. sowie über die eLearning-Plattform moodle. Für Rückfragen steht Ihnen die Professur gern jederzeit zur Verfügung.

Vorlesungen im Wintersemester 2020/2021

Die Christenverfolgungen in den ersten vier Jahrhunderten

Dozent: Dr. Daniel Greb

Inhalt

Das Christentum stand von Beginn an in einem Spannungsverhältnis zu seiner heidnischen Umwelt. Eine Gemengelage aus Fremd- und Selbstisolation der frühen Christen führte zu Verdächtigungen, Vorurteilen und Anfeindungen. Christen galten als gesellschaftsschädlich und staatsfeindlich und so auch von Staats wegen als Verbrecher, die es wieder auf den rechten Weg zu bringen galt. Verfolgungen traten zunächst regional begrenzt, ab Mitte des 3. Jahrhunderts auch reichsweit und staatlich gelenkt auf. Die Vorlesung will die historische Abfolge der Verfolgungen der Christen in den ersten vier Jahrhunderten erschließen und ihre Hintergründe und Dynamik einsichtig machen. Die christlichen Reaktionen auf diese Verfolgungen sollen ebenfalls beleuchtet werden.

Bitte beachten Sie: Diese Vorlesung findet in Präsenz statt.

Literatur

  • Benedikt Dorbath, Die Logik der Christenverfolgungen durch den Römischen Staat, Würzburg 2016 (online verfügbar: opus.bibliothek.uni-wuerzburg.de/frontdoor/index/index/docId/14070).
  • Richard Freudenberger u. a., Christenverfolgungen, in: TRE 8 (1981), 23–62.
  • Wolfram Kinzig, Christenverfolgung in der Antike, München 2019.
  • Peter Guyot / Richard Klein (Hg.), Das frühe Christentum bis zum Ende der Verfolgungen. Eine Dokumentation. Band I: Die Christen im heidnischen Staat, Darmstadt 1993.

Termin

Dienstag, 14-16 Uhr.

Kaiser Konstantin und die sogenannte „Konstantinische Wende“

Dozent: Dr. Daniel Greb

Inhalt

Kaiser Konstantin I. nimmt einen bedeutenden Platz in der Kirchengeschichte ein. Mit ihm ist die sogenannte „Konstantinische Wende“ verbunden, die den großen Umschwung im Verhältnis von römischem Staat und christlicher Kirche unter seiner Herrschaft und der seiner Nachfolger im 4. Jh. bezeichnet: Die Zeit der Verfolgungen endete, die Ära der Begünstigung des Christentums durch den Staat begann. Die Vorlesung analysiert die Hintergründe und Voraussetzungen dieser Wende, nimmt dabei besonders die Person Konstantins und seine Religionspolitik in den Blick und diskutiert die unterschiedlichen Deutungen, die seine religiöse Entwicklung und sein Verhältnis zur christlichen Kirche in der Geschichtsschreibung erfahren haben. Auch die Auswirkungen, die die Religionspolitik Konstantins auf die Situation der Kirche hatte (z.B. im Streit um den Donatismus und in der Debatte um den Arianismus), werden beachtet.

Bitte beachten Sie: Diese Vorlesung findet als digitale Lehre (asynchron) statt. Wöchentlich werden Ihnen über den moodle-Kursraum die aufbereiteten Inhalte in Wort, Bild und Ton zur Verfügung gestellt. Dem Austausch und der Möglichkeit für Rückfragen dienen regelmäßige synchrone Videokonferenzen. Ausführliche Informationen erfolgen unmittelbar vor Semesterbeginn.

Literatur

  • Hartwin Brandt, Konstantin der Große. Der erste christliche Kaiser. Eine Biographie, München 2006;
  • Manfred Clauss, Konstantin der Grosse und seine Zeit, München 1996;
  • Franz Dünzl, Der Auftakt einer Epoche: Konstantin und die Folgen, in: Michael Bußer / Daniel Greb / Johannes Pfeiff (Hg.): Geschichtlichkeit als religiöses Existenzial. Gedenkschrift für Franz Dünzl (1960–2018), Würzburg 2020, 133-161.
  • Michael Fiedrowicz u.a. (Hg.), Konstantin der Große. Der Kaiser und die Christen. Die Christen und der Kaiser, Trier 2006;
  • Klaus Martin Girardet, Die Konstantinische Wende. Voraussetzungen und geistige Grundlagen der Religionspolitik Konstantins des Großen, Darmstadt 2006;
  • Elisabeth Herrmann-Otto, Konstantin der Große, Darmstadt 2007;
  • Klaus Rosen, Konstantin der Große: Kaiser zwischen Machtpolitik und Religion, Stuttgart 2013;
  • Heinrich Schlange-Schöningen (Hg,), Konstantin und das Christentum, Darmstadt 2007;
  • Martin Wallraff, Sonnenkönig der Spätantike. Die Religionspolitik Konstantins des Großen, Freiburg u.a. 2013.

Termin

Montag, 14-16 Uhr.

Seminar: Die Geschichte des Zölibats in der Alten Kirche

Dozent: Dr. Johannes Pfeiff, Lehrbeauftragter

Inhalt

Der Zölibat ist die Verpflichtung, allein und ehelos zu leben. Bis heute ist er nicht nur selbstverständliches Merkmal katholischer Priester, sondern auch fortwährender Anstoß gesellschaftlicher Diskussionen. Seine Wurzeln reichen bis in die Zeit der frühen Kirche. Dieses Seminar geht der Frage nach, wann geweihte Männer (und Frauen?) in der frühen Kirche begannen, Ehelosigkeit als Teil ihrer Berufung zu leben. Was sind biblische Motive? Welche theologischen Argumente spielten dabei eine Rolle? Gab es auch verheiratete Bischöfe? Und wann wurde der Zölibat verpflichtend für Kleriker? Die Auseinandersetzung mit zahlreichen, in der Forschung umstrittenen Quellen in diesem Blockseminar soll zu einem vertieften Verständnis des Zölibats führen und so fruchtbar für gegenwärtige Fragestellungen werden.

Literatur

  • Stefan Heid, Zölibat in der frühen Kirche, 3. Aufl., Paderborn 2003.
  • Georg Denzler, Die Geschichte des Zölibats, Freiburg 1993.
  • Peter Brown, Die Keuschheit der Engel, New York 1988.

Termin

Das Seminar findet als Blockveranstaltung an folgenden Terminen statt:

Di        03.11.2020      14:15–15:45
Fr        18.12.2020      15:00–20:00
Sa        19.12.2020      08:30–17:30
Fr        15.01.2021      15:00–20:00
Sa        16.01.2021      08:30–17:30

Vorlesungen im Sommersemester 2020

Die Frühchristlichen Apologeten

Dozent: Dr. Daniel Greb

Inhalt

Die Christen standen von Anfang an in Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt und rangen um den rechten Weg zwischen Abgrenzung und Anpassung. In der heidnischen Umwelt des Römischen Reiches galten sie zunächst als Anhänger einer obskuren, neuartigen und staatsfeindlichen Gruppierung, die sich dem gesellschaftlichen Leben und dem Kult verweigerte und mit den überlieferten Einrichtungen der Väter (mos maiorum) radikal zu brechen schien. Zahlreiche Vorurteile und Missverständnisse führten zum Ausbruch von Gewalt und Verfolgungen. Unter diesen Vorzeichen unternahmen es die Apologeten auf literarischem Weg, das Christentum einerseits gegen die erhobenen Vorwürfe zu verteidigen und diese zu widerlegen. Andererseits versuchten sie auch, ihre religiösen Überzeugungen mit rationalen Argumenten einsichtig zu machen und so neben der negativen Abgrenzung zum paganen Kult positiv für das Christentum zu werben. Darüber hinaus boten die apologetischen Schriften den Christen selbst die Möglichkeit der Vergewisserung des eigenen theologischen und ethischen Standpunkts.

Neben einem historischen Überblick, der die wichtigsten griechischen und lateinischen Apologeten und ihre Werke vorstellt, will die Vorlesung zentrale Themen und argumentative Strategien der Apologeten beleuchten und nach ihrer Relevanz für die Gegenwart befragen.

Literatur

  •  Luise Ahmed: Bilder von den Anderen. Christliches Sprechen über Heiden bei den lateinischen Apologeten (JbAC.E Kleine Reihe 14), Münster 2017.
  • Jakob Engberg /Anders-Christian Jacobsen / Jörg Ulrich (Hg.), In Defence of Christianity. Early Christian Apologists, Frankfurt a. M. u.a. 2014.
  • Michael Fiedrowicz, Apologie im frühen Christentum. Die Kontroverse um den christlichen Wahrheitsanspruch in den ersten Jahrhunderten, Paderborn / München 22001.
  • Michael Fiedrowicz, Christen und Heiden. Quellentexte zu ihrer Auseinandersetzung in der Antike, Darmstadt 2004.
  • Christine Mühlenkamp, „Nicht wie die Heiden“. Studien zur Grenze zwischen christlicher Gemeinde und paganer Gesellschaft in vorkonstantinischer Zeit (JbAC.E Kleine Reihe 3), Münster 2008.

Termin

Donnerstags, 18:00 - 20:00 Uhr.

Entwicklung des trinitarischen und christologischen Dogmas bis zum Konzil von Chalkedon (451)

Dozent: Dr. Daniel Greb

Inhalt

Die Vorlesung thematisiert die frühchristlichen Auseinandersetzungen um das Verhältnis Jesu zum Gott Israels und die Deutung der Inkarnation. Sie nimmt dabei die unterschiedlichen christologischen Entwürfe (z. B. Logostheologie, Monarchianismus, Subordinatianismus, Arianismus, die Diskussion um Nestorius von Konstantinopel und den Streit um den Monophysitismus) und ihr jeweiliges Anliegen in den Blick und beschreibt die Versuche, diese Probleme auf den Konzilien von Nizäa (325), Konstantinopel (381), Ephesus (431) und Chalkedon (451) zu lösen. Neben der dogmengeschichtlichen Entwicklung soll auch die Rolle der jeweiligen Herrscher Beachtung finden.

Literatur

  • Franz Dünzl, Kleine Geschichte des trinitarischen Dogmas in der Alten Kirche, Freiburg i. Br. 22011.
  • Franz Dünzl, Geschichte des christologischen Dogmas in der Alten Kirche (hg. von Michael Bußer / Johannes Pfeiff), Freiburg i. Br. 2019.
  • Josef Wohlmuth (Hg.), Dekrete der ökumenischen Konzilien. Band 1: Konzilien des ersten Jahrtausends, Paderborn 32002.
  • Wolfgang-Dieter Hauschild / Volker Henning Drecoll (Hg.), Lehrbuch der Kirchen-und Dogmengeschichte. Band 1: Alte Kirche und Mittelalter, Gütersloh 52016.

Termin

Donnerstags 12:00-14:00 Uhr.

Das Team der Professur

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Dr. Daniel Greb
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nach Vereinbarung

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Sekretariat der Professur für Alte Kirchengeschichte, Patrologie und Ostkirchenkunde
(Katholisch-Theologische Fakultät)
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Sprechzeiten
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