Forschung

Fachprofil

"Sie werden lachen, die Bibel."

Von Bertolt Brecht ist diese Äußerung überliefert. Sie soll im Jahre 1928 seine Antwort auf die Frage gewesen sein, welches sein Lieblingsbuch sei. Die Bibel hat viele beeindruckt, und sie vermag immer noch zu faszinieren. Das ist auch bei Leserinnen und Lesern der Fall, die sich selbst nicht näher den religiösen jüdisch-christlichen Traditionen zuordnen.

Doch zugleich ist die Bibel heutzutage etlichen unbekannt. So bei einer Mehrheit in den ostdeutschen Bundesländern. Hier hat mancher die Bibel noch niemals in der Hand gehabt, geschweige denn in ihr gelesen. Wenn man in diesem Horizont die Bibel ins Gespräch bringen will, wie hat dann ihre kompetente Erschließung auszusehen? Die Frage beschreibt eine Aufgabe für das Fach Exegese und Theologie des Alten Testamentes in Erfurt – also für das Fach, das sich mit der Auslegung und Durchdringung des ersten Teiles der Bibel beschäftigt.

Alttestamentliche Wissenschaften beschreiten unterschiedliche Zugänge zu den biblischen Texten. Sie gehen literaturwissenschaftlich und historisch vor. Sie durchschreiten die Weite von Jahrhunderten, in denen die biblischen Texte in Hebräisch, Aramäisch und Griechisch abgefasst worden sind. Sie erheben die darin enthaltene Theologie und die mit der Gottesrede verbundenen Auffassungen vom Menschen und von dessen Lebensbezügen.

Das Alte Testament ist in der Form des „Tanak“, d.h. der hebräischen Bibel, Heilige Schrift der jüdischen Religion. Zugleich bildet es zusammen mit dem Neuen Testament die eine, zweigeteilte Heilige Schrift des Christentums. Das Alte Testament will zweifach gelesen werden. Einerseits will es allein genommen und für sich ausgelegt werden. Andererseits ist das Alte Testament mit dem Neuen Testament zusammen in den Blick zu nehmen und unter dieser Perspektive auszulegen. Das Alte Testament eröffnet ein Erzählen, ohne das man das Neue Testament nicht verstehen kann. Nach christlichem Verständnis setzt das Neue Testament dieses Erzählen fort und bringt es zu einer Art Abschluss.

Den einzelnen Büchern des Alten Testamentes folgt oft eine breite Auslegungsgeschichte und Wirkungsgeschichte. Beide können Horizonte, bisweilen sogar Hilfestellungen für die Interpretation anbieten.

Alttestamentliche Wissenschaften sind eine stets neu herausgeforderte Disziplin, sei es durch die Fragen der Neuzeit oder die der Gegenwart. Wie hat man sich die Entstehung der alttestamentlichen Schriften vorzustellen? Worauf zielen ihre Weltbilder ab, die sich von gegenwärtigen, an den Naturwissenschaften orientierten Weltbildern unterscheiden? Befördert ein Denken, das von dem einen und einzigen biblischen Gott (Stichwort „Monotheismus“) ausgeht, Gewalt und Intoleranz? Oder kann solch ein Denken Freiheiten eröffnen und dem sozialen sowie politischen Austausch in Frieden dienen? Wie lesen Frauen, wie lesen Männer die Bibel? Wie verstehen Minderheiten oder Arme die Bibel? Wie wird sie von so genannten Mehrheiten vernommen?

Nicht zuletzt ereignet sich die Auslegung des Altes Testament im Echoraum gesellschaftlicher und kirchlicher Entwicklungen sowie der ökumenischen Bewegungen und interreligiösen Dialoge.

Derzeit liegt der Fokus des Faches in Erfurt auf den Forschungsschwerpunkten: die biblische Urgeschichte, intertextuelle Zusammenhänge im Buch Genesis und im Pentateuch, das Buch Richter und die Bücher der Könige.

Tagungen

Jahrestagung der AGAT 1.–4. September 2014 im Augustinerkloster (Erfurt)

"Es ist dir gesagt worden, Mensch, was gut ist" – Alttestamentliche Ethik

ATAG 23./24.09.2011 Neudietendorf

„Gewalt im Spiegel alttestamentlicher Texte“

Abschlussarbeiten

Abschlussarbeiten

Diplomarbeiten

Bunzel, Marlen (SS 2011)
"Ijob im Rahmen - Eine narrative Analyse zu Ijob 1–2; 42, 10–17"

Kochalski, Martin (WS 2010/2011)
"Jes 6. Ein exegetisch-theologisches Problem"

Nitsche, Martin (SS 2010)
"Die Riesen und der Tod des Mose. Untersuchungen zu Gen 6,1-4"

Trahms, Manuela (SS 2010)
"Der Sabbat im Horizont des Pentateuch. Sabbat und Todesstrafe"

Magisterarbeiten

Alt, Sarah (SoSe 2015)
"Tempelbau und JHWH-Kult in den Kapiteln 1Kön 5-8"

Aßmann, Cornelia (SoSe 2013)
"Und es begann in Ägypten… Das Verhältnis Israel – JHWH – Völker in Geschichte und Gegenwart. Eine Untersuchung zu Ezechiel 20"

Biller, Ansgar (WiSe 2014/2015)
"Grenzen und Chancen der Weisheit des jungen Elihu im Umgang mit dem Leid (Ijob 32-37)"

Böhmer, Franziska (SoSe 2012)
"Der Mensch als Kind, Erwachsener und Alter. Untersuchungen zur Biographie im Alten Testament."

Heinze, Clemens (WS 2014/2015)
"Dem Leben "Raum" geben - Eine Untersuchung über den Zusammenhang von Selbstliebe und Barmherzigkeit am Beispiel des Jonabuches"

Hohmann, Josephine Lisa (SoSe 2013)
"Psalm 22 als Klagepsalm"

Kotitschke, Sarah (SoSe 2015)
"Text, Konzepte und Geschichtstheologie in Daniel 7"

Neugebauer, Rebekka (SoSe 2014)
"Eine Moabiterin in Betlehem. Zum Buch Rut"

Roschka, Katharina (SoSe 2012)
"Unter Geschwistern. Die Brüder in der Josefsnovelle (Gen 37-50) zwischen Konflikten und Versöhnung. Exegetisch und religionspädagogisch aufgearbeitet"

Siegburg, Johannes (SoSe 2013)
"Zu Hohelied Kapitel 8 – Eine Auseinandersetzung mit exemplarischer Fachliteratur"

Uthe, Andrea (WiSe 2011/2012)
„Die Physiognomie in der Tradition des Alten Orients und Alten Testaments. Anwendungsorientiert aufgearbeitet mit einem Unterrichtsentwurf der Grundschule“

Staatsexamensarbeit

Fischer, Sarah (SoSe 2012)
"Der Liebe Raum schenken" - Eine exemplarische Aufarbeitung des "Raumes" im Hohenlied