Vom 24. bis 26. September 2025 fand in Erfurt die interdisziplinäre Tagung „Mit dem Tod leben. Altkirchliche Strategien zum Umgang mit der Sterblichkeit“ statt, organisiert von Prof. Dr. Notker Baumann (Universität Erfurt) und Prof. Dr. Monnica Klöckener (Universität Siegen). Die Veranstaltung brachte zehn Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Fachdisziplinen – von der Alten Kirchengeschichte über Archäologie bis hin zur Philosophie – zusammen.
Die Tagung widmete sich der Frage, wie Christinnen und Christen der Spätantike mit der menschlichen Sterblichkeit umgingen und ihr Leben unter dieser Perspektive bewusst gestalteten. Dabei wurden drei thematische Stränge verfolgt: Erinnerung, philosophische Auseinandersetzung und Jenseitshoffnung. Am ersten Tagungstag standen Formen der Erinnerung an Verstorbene im Mittelpunkt – von Grabinschriften und Sarkophagen über Grabreden Gregors von Nazianz bis hin zur Memorialkultur im altkirchlichen Brief. Besondere Einblicke ermöglichte die Besichtigung zweier Kolumbarien in Erfurt, die eine unmittelbare Verbindung zwischen antiker und moderner Bestattungskultur ermöglichte.
Der zweite thematische Strang beleuchtete die philosophische Auseinandersetzung mit Tod und Sterben, insbesondere die Rezeption der ars moriendi bei Gregor von Nyssa, die Gedanken von Seneca und christlicher Literatur sowie Antwortversuche von Seneca, Plinius und Lukian zur mors immatura. Am dritten Tag rückte die christliche Jenseitshoffnung in den Fokus – der Umgang mit dem Tod in der Poesie des Toledanischen Wisigotenreichs, das Jenseits als Grenzerfahrung in frühchristlichen Martyriumserzählungen und Zeugnisse der Jenseitshoffnung in der christlichen Praxis des späten 4. und frühen 5. Jahrhunderts.
Die Tagung bot nicht nur den Vortragenden Raum für intensive Diskussionen, sondern stand auch Studierenden offen. Die Beiträge werden publiziert, so dass die gewonnenen Erkenntnisse über altkirchliche Strategien im Umgang mit der Sterblichkeit einem breiteren Fachpublikum zugänglich gemacht wird.