Frank-Joachim Stewing

Assoziierter Forscher

Kontakt

frank-joachim.stewing@uni-erfurt.de

Universität Erfurt
Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit
Postfach 90 02 21
99105 Erfurt

Forschungsschwerpunkte

  • Universitätsgeschichte des Mittelalters und der Frühneuzeit mit Schwerpunkt Universität Erfurt
  • Buch- und Bibliotheksgeschichte im Spätmittelalter und in der Frühneuzeit
  • Bildungsgeschichte im Spätmittelalter und in der Frühneuzeit
  • Inkunabel- und Frühdruck sowie Fragen der handschriftlichen Überlieferung im Spätmittelalter und in der Frühneuzeit
  • Geschichte der Erfurter Kollegiatstifter St. Marien und St. Severi
  • Stadtgeschichte Erfurts im ausgehenden Mittelalter
  • Buchbesitz, Nachlass und Werk des Naumburger Bischofs Julius von Pflug
  • Bibliothek und Buchbesitz der Erfurter Niederlassung des Jesuitenordens

Zur Person

  • Studium der Mittelalterlichen Geschichte, Kunstgeschichte und Germanistischen Literaturwissenschaft an der Friedrich Schiller Universität Jena
  • 2005/2011 Leiter der Stiftsbibliothek und des Stiftsarchivs Zeitz
  • 2009/2011 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universitätsbibliothek Leipzig für die von der Thyssen-Stiftung geförderte Erschließung der Inkunabeln der Universitätsbibliothek Leipzig
  • 2012/2014 Erschließung des handschriftlichen Nachlasses und der Büchersammlung des Naumburger Bischofs Julius von Pflug
  • 2016, 2018/2019 und 2020 wissenschaftlicher Projektmitarbeiter an der Professur für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt

Abgeschlossene Forschungsprojekte

Die Sitzungsprotokolle der Erfurter Artistenfakultät 1411–1521

Die 1411 einsetzenden Sitzungsprotokolle des Fakultätsrates der Artistenfakultät der Erfurter Universität sind eine zentrale Quelle zur Geschichte der Erfurter Universität. Der aus Vertretern der beiden Hochschulkollegien, des Großen Kollegs und des Kollegs Zur Himmelspforte, und der großen Gruppe der freien Magister gebildete Fakultätsrat stand als Leitungsgremium an der Spitze der Artistenfakultät sowie der dort studierenden und lehrenden Universitätsangehörigen. Semesterweise von den amtierenden Dekanen geführt, gestatten die Sitzungsprotokolle einen einzigartigen Einblick in den Lehrbetrieb, die Studienorganisation, das Prüfungswesen, die Verwaltung und den Wirtschaftsbetrieb der Artistenfakultät sowie in die sich auf alle Bereiche des universitären Lebens erstreckende akademische Alltags- und Festkultur im ausgehenden Spätmittelalter und in der beginnenden Frühneuzeit. Durch die zentrale Stellung der Artistenfakultät innerhalb der Gesamtuniversität erlauben die Sitzungsprotokolle zugleich Rückschlüsse auf das Geschehen an den drei höheren Fakultäten der Theologen, Juristen und Mediziner sowie auf die Organisation der nachgeordneten zentralen Einrichtungen der Erfurter Universität wie das Universitätsarchiv, die Universitätskasse sowie die beiden im Großen Kolleg aufgestellten und durch die Artistenfakultät verwalteten universitären Büchersammlungen.

Die Sitzungsprotokolle der Erfurter Artistenfakultät sind in Form von zwei zeitnah in den 1670er Jahren angelegten, das verlorene Original willkürlich kürzenden Ab- bzw. Nachschriften überliefert. Im Rahmen der Edition werden sie erstmals vollständig und kommentiert vorgelegt, ergänzt um das bislang ebenfalls ungedruckte Kalendar der Artistenfakultät sowie eine kommentierte Neuedition der in verschiedenen Redaktionsstufen vorliegenden Statuten der Artistenfakultät, die unter Heranziehung bislang unbekannter Textzeugen die textkritisch überholte Ausgabe der 1880er Jahre ersetzt. Die zweibändige Ausgabe umfasst mit Band 1 eine den Gegenstand thematisierende Einleitung sowie Einleitung und Edition erschließende Konkordanzen und Register, während Band 2 den durch Regesten fortlaufend erschlossenen Text der Sitzungsprotokolle anhand der beiden Ab- bzw. Nachschriften im Paralleldruck bietet.   

Die Edition wird voraussichtlich 2023 in den Quellen und Abhandlungen zur Mainzer Kirchengeschichte erscheinen.

Darstellung aus den Sitzungsprotokollen

Weitere Forschungsaktivitäten

Aufsatz

Anlass zur Sorge um die Bücher? Zum Formierungsprozess der mit der Universität Erfurt institutionell verbundenen Büchersammlungen in den 1430er Jahren

Im ausgehenden Mittelalter waren mit der Erfurter Universität institutionell eine Reihe von Büchersammlungen verbunden. Als Wissensspeicher nahmen sie im Rahmen der inneruniversitären Literaturversorgung hinsichtlich Größe, Funktion sowie ihrer institutionellen Anbindung und ihrer Entstehungsumstände als Teil einer sich schrittweise etablierenden, dem strukturellen Wandel der Universität sowie ihrer Körperschaften und Gremien Rechnung tragenden inneruniversitären Bibliothekslandschaft einen unterschiedlichen Platz ein. Eine entscheidende, für die kommenden Jahrzehnte zugleich richtungsweisende Zäsur für ihre Formierung markieren die 1430er Jahre, die durch die Eröffnung des Kollegs Zur Himmelspforte und den institutionell, strukturell und organisatorisch mit weitreichenden Konsequenzen verbundenen tiefgreifenden Wandlungsprozess der Erfurter Rechtslehre geprägt waren, die ihrerseits mehr als einmal die Universität als Gesamtkorporation vor eine Zerreißprobe stellten. Dabei spielte der institutionelle bzw. universitäre Buchbesitz, d.h. seine unmittelbare Rückbindung an inneruniversitäre Institutionen/Korporationen/Personengruppen eine zentrale Rolle. Die Untersuchung wird 2023 erscheinen.

Forschung

Personal, Ämterstruktur und Organisation sowie geistliches Leben und Liturgie der Erfurter Kollegiatstifter St. Marien und St. Severi

Die beiden großen Erfurter Kollegiatstifter St. Marien und St. Severi waren im Hoch- und Spätmittelalter sowie in der beginnenden Frühneuzeit als der Sitz korporativ organisierter Gemeinschaften Weltgeistlicher die bedeutendsten geistlichen Institutionen Thüringens, die einschließlich der dort bepfründeten Geistlichen in der erzbischöflichen Verwaltung als Knotenpunkte geistlicher Verwaltungsstrukturen sowie im Rahmen der Erfurter Universität eine herausragende Stellung einnahmen. Ihrer Bedeutung wird der bisherige Bearbeitungsstand bestenfalls bedingt gerecht. In Vorbereitung weiter ausgreifender Untersuchungen werden aktuell anhand der im Rahmen der laufenden Arbeit erschlossenen und beschriebenen archivischen Überlieferung einmal als Grundlage prosopographischer Untersuchungen Datenbanken zum Personal beider Kollegiatstifter angelegt, die anhand der erhaltenen mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Quellen die an den beiden Stiftern mit oder ohne Pfründe und/oder in unterschiedlichen Funktionen nachweisbaren Geistlichen bis in das ausgehende 16. Jahrhundert erfassen. So konnten bislang beispielsweise bis einschließlich der beginnenden 1590er Jahre für das Severistift namentlich über 660 Vikare nachgewiesen werden. Auf der anderen Seite ist mit Blick auf die Ämterstruktur die Rechnungsüberlieferung Gegenstand von Erschließung und Erfassung. An dritter Stelle werden systematisch Quellen zur stiftischen Liturgie sowie zum Totengedenken an beiden Stiftern erfasst. Im Ergebnis konnte Anfang 2022 beispielsweise eine zwischenzeitlich um einen Kommentar erweiterte Abschrift des Nekrologs des Marienstiftes fertiggestellt werden, die mittelfristig für eine Edition vorzubereiten ist. Ein vierter und letzter Schwerpunkt hat die stiftischen Büchersammlungen zum Gegenstand. Ziel ist eine systematische Erfassung überlieferter Bücherverzeichnisse, die gleichermaßen institutionellen wie auch privaten Buchbesitz thematisieren, und der im Zusammenhang damit noch nachweisbaren Handschriften und Druckwerke.

Aufsatz

Wer stahl wem die Bücher? Die Bibliothek des Amplonius, gestohlene Handschriften, falsche Verdächtigungen, eine zum Auszug entschlossene Universität und der erste Lehrstuhl für Römisches Recht in Erfurt

Im Jahr 1432 wurden im universitären Umfeld Handschriften gestohlen. Schnell, so die chronikalische Überlieferung, standen die Täter fest. Eine bislang unbeachtete Quelle lässt den Bücherdiebstahl, der auch das in Basel tagenden Konzil beschäftigte und in den sich zuletzt auch der Mainzer Erzbischof einschaltete, in einem vollkommen neuen Licht erscheinen. Zu betrachten sind der Bücherdiebstahl und die daraus resultierenden Verwicklungen vor dem Hintergrund der sich insbesondere durch Bestrebungen zur Institutionalisierung auszeichnenden Formierungsphase des Rechtsstudium in Erfurt in den 1430er Jahren, die schließlich im Zusammenschluss der bislang nebeneinander bestehenden Fakultäten für kanonisches und römisches Recht kulminierte und zugleich die institutionellen Grundlagen für das Studium des römischen Rechts schuf. Die Quelle selbst gestattet es nicht nur, die Umstände des Bücherdiebstahles aufzuklären und den tatsächlichen Dieb, einen nicht unbedeutenden Angehörigen des Erfurter Rechtsstudiums, zu identifizieren. Mit ihrer Hilfe ist es zugleich möglich, die Umstände eingehender zu beleuchten, die sich, um es freundlich auszudrücken, bei näherer Betrachtung modern gesprochen als Versuch entpuppen, den Täter zu decken und die tatsächlichen Umstände zu vertuschen. Dass der Bestohlene, wegen falscher Verdächtigung jedoch rechtskräftig Verurteilte als Sühnemaßnahme schließlich den ersten ordentlichen Lehrstuhl für Römisches Recht stiftete, während der Täter abgesehen von einem spürbaren Karriereknick unbeschadet davonkam, kann als Ergebnis nicht verwundern. Die Untersuchung wird 2023 erscheinen.

Buchprojekt

Bibliothek und Buchbesitz der Erfurter Universität im ausgehenden Mittelalter und in der beginnenden Frühneuzeit

Mit der Erfurter Universität als Gesamtkorporation, d.h. ihren drei großen Kollegien, dem kurz nach 1400 entstandenen Großen Kolleg, dem 1434 eröffneten Kolleg Zur Himmelspforte sowie dem Ende der 1440er Jahre gegründeten Juristenkolleg, sowie mit den in den 1390er und in den 1430er Jahren entstandenen Lektoralpräbenden für Theologie, kanonisches und römisches Recht waren traditionell Büchersammlungen verbunden. Entsprechend ihrer Statuten standen sie als gemeinschaftlicher und genossenschaftlich verwalteter Buchbesitz den Lehrenden und Studierenden im Rahmen des universitären Lehrbetriebes mehr oder weniger offen. Daneben verfügten selbstverständlich auch die Universitätsangehörigen über privaten Buchbesitz, der oft über Generationen Lehrender und Studierender hinweg vererbt bzw. weitergeben wurde und nicht selten später Eingang in die universitären Büchersammlungen oder die der beiden großen Erfurter Kollegiatstifter St. Marien und St. Severi fand. Unter Rückgriff auf universitäts-, bildungs- und sozialgeschichtliche Fragestellungen soll den daraus hinsichtlich Literaturversorgung sowie Studienorganisation abzuleitenden Fragestellungen in einer vergleichend angelegten buch-, sammlungs- und bibliotheksgeschichtlichen Darstellung nachgegangen werden. Ergänzt wird die Untersuchung durch eine Neuedition bereits bekannter sowie die Edition bislang unbekannter mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Bücherverzeichnisse sowie einem Verzeichnis der den universitären Sammlungen zuweisbaren Handschriften und Inkunabeldrucke. Die Veröffentlichung ist für 2026 vorgesehen.

Publikationen

Mit Jörg Seiler
Dem Willen der Stifter folgend. Mittelalterliche und Neuzeitliche Urkunden im Bestand der Vereinigten Kirchen- und Klosterkammer Erfurt
Petersberg 2018
128 Seiten mit zahlreichen Abbildungen
ISBN 978-3-7319-0766-4

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Mit Sandra Kästner, Monika Suchan und Monika Tontsch
Dem Vergessen entrissen! Spätmittelalterliche Bücherschätze aus Duderstädter Sammlungen. Von Butterbriefen, Aderlass und Seelenheil
Duderstadt 2018
66 Seiten mit zahlreichen Abbildungen
ISBN 978-3-86944-184-9

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Spuren zum Erfurter Wolfram-Leuchter in Erfurt im Licht der schriftlichen Überlieferung des Hoch- und Spätmittelalters. In: Falko Bornschein, Karl Heinemeyer und Maria Stürzebecher Der Wolfram-Leuchter im Erfurter Dom. Ein romanisches Kunstwerk und sein Umfeld (Schriften des Vereins für die Geschichte und Altertumskunde von Erfurt, 11), Erfurt 2019, S. 65–134.
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Mit denen Handel zu treiben durch die Hochschulstatuten verboten ist … Das Schankrecht der Universität Erfurt im Spätmittelalter und der Handel mit Bier.
In: Jahrbuch für mitteldeutsche Kirchen- und Ordensgeschichte 14 (2018), S. 13–38.
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Zum Verzechen von Wein und Bier … Ein Beitrag zum Bier im studentischen Alltag der Erfurter Hochschule im 15. Jahrhundert. In: Jahrbuch für mitteldeutsche Kirchen- und Ordensgeschichte 14 (2018), S. 39–62.
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Publikationsverzeichnis​​​​​​​