Universität Erfurt

Katholisch-Theologische Fakultät - Theologie studieren und erforschen

Theologie in Erfurt studieren - um Gottes Willen?

Welche Relevanz besitzt das Studium der Theologie noch im 21. Jahrhundert? Wir sind der Meinung: Die Auseinandersetzung mit Fragen nach Glaube und gelebter Religion stellen sich uns dringender denn je zuvor! Denn Theologie beschäftigt sich nicht allein mit der Frage nach göttlichen Dingen. Weit darüber hinaus hinterfragt und reflektiert sie die Grundregeln des menschlichen Zusammenlebens. In Zeiten globaler Umbrüche und sozialer Neuordnungen geht die Theologie damit Kernelementen hochaktueller und brisanter Fragen auf den Grund.

Theologie: Was ist das überhaupt?

Philosophie (griechisch: "Liebe zur Weisheit") und Theologie (griechisch: "Rede von Gott") sind traditionsreiche Wissenschaften, die zugleich aber auch an der Grenzen dessen angesiedelt sind, was wir heute allgemein hin als "Wissenschaft" anerkennen. Denn: Die Philosophie und Theologie stellen Fragen, welche wir als Menschen zum Teil nur gerade so beantworten können, nichtsdestotrotz aber beantworten müssen, wenn wir Menschen bleiben wollen. Dabei handelt es sich um grundsätzliche Fragen wie: 

  • Warum lebe ich? Wozu lebe ich? Was soll das alles?
  • Was ist Wahrheit? Gibt es Freiheit - oder ist alles vorherbestimmt?
  • Existiert Gott? Was können wir von ihm wissen? Dürfen wir alles, was wir können? etc.

Alle Wissenschaften stellen naturgemäß Fragen. Fragen wie diese aber liegen außerhalb ihres Horizonts. Dennoch sind Sie natürlich von enormer Relevanz, denn wann immer Menschen "ins staunen" oder "ins grübeln" geraten, drängen sie sich ihnen auf. Entsprechend suchen die Philosophie und Theologie dort nach Antworten, wo die Einzelwissenschaften diese verweigern müssen.

Philosophie und Theologie haben daher die Aufgabe...

  • ...grundsätzliche Fragen wach zu halten, wenn andere Wissenschaften oder auch die Praktiker aller Art sie vergessen
  • ...Antworten auf diese Fragen, die hier und da gegeben werden, zu diskutieren (denn selbst in unklaren Antworten kann das berühmte Körnchen Wahrheit stecken)
  • ...zum Thema zu machen, was unser Menschsein "eigentlich" und schon immer ausmacht
  • ...und das auf wissenschaftlichem Niveau.

Studieren in der Diaspora, bedeutet: Glauben neu entdecken!

Indem sie in Forschung und Lehre nach Glaube und Kirche in der Diaspora fragt, lässt sich die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Erfurt dabei durch die ostdeutsche Gesellschaft herausfordern:

  • Wie können Menschen in einer ausgesprochen säkularen Umgebung ihren Glauben überzeugend leben?
  • Auf welche Weise lässt sich die christliche Gottesbotschaft in einer Gesellschaft vermitteln, der der christliche Glauben unbekannt ist?
  • Wie kann eine Theologie aussehen, die Gläubigen wie Ungläubigen, Kirchenmitgliedern ebenso wie Konfessionslosen etwas zu sagen hat?

Diesen und ähnlichen Fragen spürt die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Erfurt nach. Dabei ist sie sowohl an Phänomenen der Vergangenheit wie der Gegenwart interessiert.

Studierende aus dem In- und Ausland finden in Erfurt eine exzellente Betreuung durch Professorinnen und Professoren. Hier wird Theologie in überschaubaren Gruppen studiert. Dem Gespräch zwischen Lehrenden und Lernenden wird große Bedeutung beigemessen. Interdisziplinäre Seminare im Studium Fundamentale bieten die Chance, auch mit Studierenden wie Lehrenden aus anderen Fächern zusammenzuarbeiten. Darüber hinaus hilft das Laienmentorat bei der Entwicklung spiritueller und sozialer Kompetenzen, während sich im Priesterseminar Erfurt junge Männer auf den Dienst des Priesters in ihren Heimatbistümern vorbereiten.

Erfurt ist eine Universitätsstadt mit Atmosphäre in der Mitte Deutschlands – und mittendrin hat die Theologie etwas zu fragen und zu sagen. Damit bietet die Katholisch-Theologische Fakultät ihren Studierenden die Chance zu einem Studium, das sich auf Augenhöhe mit heutigen Fragehorizonten bewegt.

Wissenschaft mit Tradition

Philosophie und Theologie müssen dazu nicht bei Null anfangen, sondern können an jahrhundertelange Bemühungen anknüpfen. Während beispielsweise die Suche nach Schwarzen Löchern im Weltall relativ neu ist, sind die Fragen der Philosophie und Theologie so alt wie die Menschheit selbst. Beide Wissenschaften verfügen also im wahrsten Sinne über langjährige Erfahrungen im Umgang mit hochaktuellen Fragen. Die Grenze, an der Philosophie und Theologie angesiedelt sind, ist die Grenze zwischen Wissen und Glauben. Die Philosophie nähert sich diesem Grenzbereich von der Seite des Wissens her. Für sie gilt allein, was die Vernunft des Menschen aus sich heraus leisten kann. Für die Theologie dagegen ist wichtig, was viele Menschen glauben und worin sich die meisten Religionen einig sind: Wir müssen die Antworten nicht allein suchen, wir haben Antworten gehört. Gott hat sich geäußert, er hat sich "offenbart". Theologie ist also eine "Glaubenswissenschaft", die Glauben mit den Mittel der Vernunft reflektiert.

Warum braucht Glaube Wissenschaft? Drei Argumente

"Glaubenswissenschaft" scheint ein Widerspruch in sich zu sein. Denn sind Glauben und Wissen nicht grundverschieden: Was ich glaube, weiß ich (noch) nicht - was ich weiß, brauche ich nicht (mehr) zu glauben?

Theologie ist Wissenschaft und produziert wie jede Wissenschaft Sätze (Aussagen, Theorien etc.). Glauben dagegen drückt sich in sehr verschiedenen Formen aus: Gebet, Liturgie, sozialer Einsatz etc. So gesehen kann Theologie den Glauben nicht ersetzen, ebenso wie Reiseliteratur niemals das Reisen selbst ersetzen kann, aber Theologie ist hilfreich, denn: Obwohl sie verschieden sind, braucht der Glaube die Wissenschaft. Hierzu drei Argumente.

1. Glauben ist ein "Gemeinschafts-Unternehmen" ("Religion" oder "Kirche" genannt). Ähnlich wie Radioteleskope, die zusammengeschaltet wirksamer ins Weltall horchen, müssen sich Menschen auch in den grundsätzlichen Fragen gegenseitig weiterhelfen. Wenn aber verschiedene Menschen Verschiedenes verstanden haben - was wohl der "Normalfall" ist -, kann man die Dinge nicht einfach auf sich beruhen gelassen werden. Dazu sind die Fragen zu wichtig.

Wer recht haben könnte, ist nur durch Argumente zu klären. Für den Diskurs braucht es eine entsprechende Schulung und besondere wissenschaftliche Erfahrung, über welche die Theologie verfügt. Für eine Glaubensgemeinschaft wie die Kirche kann diese Kompetenz sehr wichtig sein - und nötigenfalls auch für mich selbst, wenn die Fragen kommen.

2. In unserer pluralen Gesellschaft müssen sehr verschiedene Meinungen und Lebenseinstellungen miteinander auskommen. Zuweilen verstehen wir nicht einmal, was das Gegenüber überhaupt für ein Problem hat. Kirchlicher Glauben ist nichts Absurdes oder Exotisches, er muß sich verständlich machen.

Theologie hilft, den eigenen Standpunkt zu klären und den anderen Standpunkt zu verstehen, also: die Glaubens- und Meinungswelten so gut wie möglich miteinander "kompatibel" zu machen. Auch dazu braucht es  wissenschaftliche Erfahrung und Übersicht. Aus diesem Grund arbeitet auch die Theologie mit der Philosophie zusammen - und mit vielen anderen Wissenschaften. Für eine plurale und multikulturelle Gesellschaft kann das überlebenswichtig sein - und vielleicht sogar schon für einen Freundeskreis oder ein Wirtschaftsunternehmen.

3. Für viele liegt das, was mit Religion überhaupt zusammenhängt, außerhalb ihres Verständnishorizonts. Sie haben nicht nur eine andere, sondern so gut wie gar keine Meinung in diesen Fragen. Besonders der Osten Deutschlands hat in den letzten 50 Jahren einen "religiösen Super-GAU" erlebt. Das ist ein Extremfall einer Entwicklung, die sich vielleicht ähnlich in ganz Europa findet. Denn Europa verliert zunehmend an Kontakt zu seinen christlichen Wurzeln - wird es dann noch Europa bleiben? Für die Kirchen und die einzelnen Gläubigen liegt hier eine enorme Herausforderung - und für die Theologie. 

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