Unter dem Titel „Nicht nur Text, nicht nur Daten“ rückte die diesjährige Jahrestagung des Verband Digital Humanities im deutschsprachigen Raum e.V. in Wien die Vielfalt digitaler Methoden, Materialien und Forschungszugänge in den Geisteswissenschaften in den Mittelpunkt. Im Fokus standen Fragen danach, wie digitale Werkzeuge nicht nur textbasierte Quellen, sondern auch Bilder, audiovisuelle Medien, räumliche Daten oder soziale Plattformen für die Forschung erschließen können. In Vorträgen, Postern und Workshops wurden aktuelle Projekte aus Bereichen wie KI, Kulturerbe, Social-Media-Analyse, historische Datenmodellierung oder computergestützter Textanalyse vorgestellt. Gleichzeitig bot die Tagung Raum für Diskussionen über methodische Grenzen, Forschungsdaten, Nachhaltigkeit und ethische Herausforderungen digitaler Forschung.
Die Professur für Digital Humanities war mit zwei Beiträgen vertreten.
Im Vortrag “I was JUST Cleopatra man” – ein quantitativer Zugang zu KI-generierten Geschichtsnarrativen und ihrer Rezeption auf TikTok wurde der virale Trend sogenannter „History-POV“-TikToks untersucht, in denen historische Szenarien mithilfe KI-generierter Bilder und Animationen aus einer Ich-Perspektive inszeniert werden. Anhand einer quantitativen Analyse von 210 Videos sowie ausgewählter Kommentar-Fallstudien zu Pest und Holocaust zeigte der Vortrag, welche historischen Narrative auf TikTok verbreitet werden und wie Nutzer*innen darauf reagieren. Dabei wurde deutlich, dass die Videos häufig auf emotionalisierte, sensationelle Geschichtsdarstellungen setzen und insbesondere bei sensiblen Themen Fragen nach Desinformation, Verharmlosung und historischem Verständnis aufwerfen.
Auf dem Poster DH on the Edge werden die Potenziale von Edge AI in den Digital Humanities vorgestellt und anhand eines Vergleichs verschiedener Modelle für Named Entity Recognition untersucht. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass kleinere, komprimierte Modelle eine ressourcenschonende und datenschutzfreundliche Alternative zu großen Sprachmodellen sein könnten. Abschließend plädiert das Poster jedoch vor allem dafür, mögliche Einsatzbereiche und Grenzen von „DH on the Edge“ gemeinsam in der Community weiter zu diskutieren.
Beiträge im Book of Abstracts der DHd:
- Nina Brolich, Anna Neovesky: “I was JUST Cleopatra man” – ein quantitativer Zugang zu KI-generierten Geschichtsnarrativen und ihrer Rezeption auf TikTok, Book of Abstracts – DHd 2026, hrsg. von Silke Schwandt, Gabriel Viehhauser, Tara Andrews, Thomas Wallnig. Zenodo, 2026, S. 254–258. https://doi.org/10.5281/zenodo.18591948.
- Nina Brolich, DH on the Edge? Book of Abstracts – DHd 2026, hrsg. von Silke Schwandt, Gabriel Viehhauser, Tara Andrews, Thomas Wallnig. Zenodo, 2026, S. 477–470. https://doi.org/10.5281/zenodo.18591948.

