Interdisziplinäre Forschungsstelle für historische Medien (IFhM)

Außenansicht des Max-Weber-Kollegs der Universität Erfurt am Steinplatz

Die Forschungsstelle hat sich zum Ziel gesetzt, historische Medien zu sammeln und für Forschung und Lehre zur Verfügung zu stellen. Bereits jetzt gibt es an der Uni Erfurt verschiedene Aktivitäten und Projekte, die sich methodisch mit historischen Medien beschäftigen. Die Forschungsstelle bietet eine Plattform, um die Akteure miteinander ins Gespräch zu bringen und gemeinsame Forschungsvorhaben zu initiieren. Die IFhM macht die vorhandenen Medien außerdem für alle Lehrenden der Universität Erfurt nutzbar,  akquiriert systematisch mediale Schlüsselbestände und verhilft den Forschungsperspektiven in der Universität und nach außen zu mehr Sichtbarkeit – beispielsweise durch historische Filmvorführungen, in Ausstellungen und öffentlichen Tagungen.

Das 20. Jahrhundert war das Zeitalter audiovisueller Umwälzungen und Innovationsschübe. Fotografie, Rundfunk und Film, ab den 1970er-Jahren auch digitale Technologien und das Internet haben sich zu dominanten Massenmedien entwickelt, die gesellschaftlichen Wandel maßgeblich spiegelten und diesen gleichzeitig selbst mit prägten. Zeitungen und Zeitschriften, Presse- und dokumentarische Fotografie, Rundfunksendungen, Dokumentar- und Spielfilme, Internetplattform oder Computerspiel sind dabei nicht nur eine Informationsressource für die dargestellten Sachverhalte. Sie repräsentieren auch das Wie der Darstellungsform. Sie geben damit einen tiefen Einblick in die Vorstellungen und Emotionen ihrer Entstehungszeit und konfrontieren uns mit zeitgenössischen Wahrnehmungspraktiken.

Ein historisch-kritisches Verständnis für das 20. und 21. Jahrhundert ist ohne Blick auf die medialen Quellen nicht möglich. Für ein vollständiges Bild muss die Rekonstruktion von gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Ereignissen und Prozessen gerade diese Quellen einbeziehen, die zwingend auch Gegenstand einer methodisch reflektierten Auseinandersetzung in Forschung und Lehre sein müssen. Eine methodisch kompetente Beschäftigung mit Medien als historischen Quellen fördert zudem die Fähigkeit zur kritischen Gegenwartsdiagnose mit historischer Tiefenschärfe. Nicht zuletzt dieser Aspekt macht die historische Medienforschung auch für die Lehrerbildung relevant. Mediale Quellen sind allerdings vielfach nur schwer zugänglich und häufig nicht systematisch nutzbar. Insbesondere umfangreiche Film- und Fernsehsammlungen gibt es kaum, der Zugang ist teuer und aufwendig – und vielfach stehen kommerzielle Interessen hinter den Angeboten, die eine systematische Nutzung in Forschung und Lehre unmöglich machen. Die Forschungsstelle macht bereits vorhandene historische Medien für Forschung und Lehre besser benutzbar und erschließt neue Ressourcen. Dabei kann auf umfassende, in den vergangenen Jahren erworbene Bestände insbesondere zur Filmgeschichte und der Illustriertenpresse der Weimarer Republik und der 2000er Jahre zurückgegriffen werden.

Unsere Flyer

Deutsche Kino-Wochenschauen

Lange bevor es Fernsehnachrichten gab, erfüllten Kino-Wochenschauen das Bedürfnis der Bevölkerung nach aktuellen Informationen zum Zeitgeschehen. Schon die Stummfilmvorführungen nach dem ersten Weltkrieg wurden von kurzen Berichten der frühen Bildreporter eingeleitet. Mit der Verbreitung des Ton- und des Farbfilms veränderten sich die Ansprüche an die Qualität der Reportagen, die auch nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Platz zu Beginn der Kinovorstellungen behaupten konnten. Einmal etabliert, blieb der wöchentliche Rhythmus, in dem neue Newsreels mit den Hauptfilmen verliehen wurden, bis zum Ende der Wochenschauen in den 1970er Jahren erhalten.


Die IZHM konnte von einem Sammler einen umfangreichen Bestand von etwa 600 westdeutschen Wochenschauen aus der Nachkriegszeit bis in die 1980er Jahre übernehmen. Da die Filme maximal eine Woche im Einsatz waren, bevor sie von der nächsten Ausgabe abgelöst wurden, sind sie weit überwiegend in einem sehr guten Erhaltungszustand. Die Aufnahmen atmen stets den Geist ihrer Zeit, sind mitunter eigenwillig oder skurril – zeigen aber auch wichtige Schlüsselereignisse der Epoche, von Kennedy bis zur Mondlandung, den Beatles bis zu den Olympischen Spielen, und immer wieder Reportagen aus dem „anderen“, östlichen Teil Deutschlands. 

Beispielhaft sei die Geschichte der Wochenschauen anhand von zwei Anbietern skizziert. Die „UFA-Wochenschau“ wurde ab 1956 in Hamburg produziert und sollte sich durch eine nüchterne Berichterstattung von den effektheischenden Reportage-Illustrierten abgrenzen. 1968 wurde sie in „UFA Dabei“ umbenannt, um sich vorwiegend an die junge Generation zu richten. Musik, Stars, Mode, Freizeit, Kriminalberichte und alle Themen, die für Teens und Twens interessant sein könnten, waren die neuen Inhalte. Trotz der Vielfalt der Themen konnte „UFA Dabei“ dem Medienwandel nicht standhalten und wurde Ende 1977 endgültig eingestellt. Ab 1964 konkurrierte sie mit „Die Zeit unter der Lupe“ (kurz: „Zeitlupe“) des Schorcht Filmverleihs, mit einem breiten Spektrum von Nachrichten aus dem In- und Ausland. 1969 wurde deren Produktion eingestellt, nachdem der Nora Filmverleih, der diese Wochenschau weiter vertrieben hatte, zusammengebrochen war.

Der Wochenschau-Bestand der IFhM ist durch eine Excel-Liste erschlossen, die auch Inhaltsangaben enthält, sofern diese noch in den originalen Verleihschachteln überliefert sind. Zur Betrachtung steht eine portable Zeiss TK 35 Kinoprojektoreinheit zur Verfügung; manche Filmrollen müssen vor der Benutzung noch umgespult werden. Digitalisierung und Streaming sind derzeit nicht vorgesehen, nachdem auch das Bundesarchiv seine Bestände 2024 aus dem Online-Angebot herausnehmen musste und eine abschließende Rechteklärung nach wie vor aussteht. Nach Rücksprache können einzelne Wochenschauen der IFhM zu wissenschaftlichen und Bildungszwecken ausgeliehen werden; bei öffentlichen Vorführungen obliegt die Rechteklärung den Ausleihenden.

Deutsche Kino-Wochenschauen

übernommen 2017 aus der Sammlung Christoph Winterberg

  • insgesamt etwa 600 Filmrollen im 35mm-Format, schwarz-weiß und in Farbe, meist aus der Zeit zwischen 1960 und 1980, durchweg vorführtauglich, z. T. mit originalen Ankündigungsplakaten und Inhaltsangaben
  • Bestandsschwerpunkte: „Fox Wochenschau“, ca. 160 Ausgaben (1955-1978); „Ufa-Wochenschau“ bzw. „Ufa dabei“, ca. 140 Ausgaben (1956-1977); „Blick in die Welt“, ca. 130 Ausgaben (1956-1984); und „Zeitlupe“, ca. 100 Ausgaben (1964-1969)
  • daneben vereinzelte Ausgaben der Anbieter „Neue Deutsche Wochenschau“, „Saar Wochenschau“, „Pathé Magazine“ und „Der Augenzeuge“; sowie rd. 20 neure Filme „Hallo Kino“ (Österreich 1988-1994)
  • Sortierung nach Titeln, darüber hinaus chronologisch; durch Excel-Datei erschlossen, incl. Themen (soweit aus Begleitmaterial zu entnehmen)

Filmplakate aus der BRD

Lange waren Plakate das wichtigste Medium zur Bewerbung eines Films und umwarben im Stadtbild die Aufmerksamkeit der Passanten. Bis in die 1970er Jahre war es üblich, spezielle Plakatzeichner mit einer möglichst aussagekräftigen Illustration zu beauftragen; danach setzte sich die Fotografie als wichtigstes Gestaltungsmittel durch. Die Plakate wurden zunächst von den Verleihen mit den Filmkopien abgegeben und mussten von den Kinos zurückgegeben (oder bezahlt werden) – ein Verkauf an Privatpersonen erfolgte nicht. Das Standardplakat wurde im Format DIN A1 gedruckt, größere und kleinere Varianten sind eher die Ausnahme.

Die in der IFhM überlieferten Filmplakate spiegeln die wechselnden grafischen Stile seit den 1950er Jahren. Frühe Beispiele zeigen die für die Wirtschaftswunderzeit typischen, gefälligen Starporträts in schmeichelnden Zeichnungen, bevor der Durchbruch der Fotoreproduktion auf entscheidende Szenen des beworbenen Films fokussierte. Ab Mitte der 1960er entstanden rund um die Kasseler Schule der Plakatkunst moderne, abstrahierende Motive. Das aktuelle Plakatschaffen konzentriert sich oft auf die Präsentation der Hauptdarsteller*innen in international eingesetzten Motiven, die vom nationalen Verleih nur ausnahmsweise durch eine eigene Gestaltung ergänz werden.

Gerade für die letzten 60 Jahre kann der Plakatbestand der IFhM auf einen reichhaltigen Fundus von Belegstücken zu den wichtigsten Filmproduktionen zurückgreifen, von den „Zehn Geboten“ bis zu den „Star Wars“-Episoden. Einzelne Exemplare (z. B. „Das 1. Evangelium“) verdeutlichen das Schaffen von Hans Hillmann, dem international wohl renommiertesten deutschen Plakatgestalter der „Kasseler Schule“, neben Arbeiten von Isolde Baumgart, Fischer-Nosbüsch oder Jan Lenica („Der Schatten“). Ein eigener Sonderbestand versammelt Filme aus dem Sexploitation-Bereich („Auch im Kloster wird gejodelt“), der seit den gesellschaftlichen Umbrüchen der 1968er aufblühte. Weitere Werkgruppen beschäftigen sich mit dem Animations- und dem Kinderfilm, dem gesellschaftskritischen und dem Dokumentarfilm. Zusätzlich sind ca. 100 Plakate unterschiedlicher Genres im Großformat A0 überliefert.

Die westdeutschen Filmplakate in der IFhM wurden nicht als eigenständiger Sammlungsschwerpunkt eingestellt, sondern dienen primär als Ergänzung zur umfassenden Sammlung der DDR-Filmpublizistik des Progress-Verleihs, darunter ebenfalls mehrere Tausend Plakate. Sie erlauben, für ausgewählte Zeiten und Sujets Filme und ihre Vermarktung in Ost und West gegenüberzustellen. Die Belege ab 1989 dokumentieren die Aufführungsgeschichte des gesamtdeutschen Kinos und werden durch Überlieferungen anderer IFhM-Sammlungen komplementiert (z. B. Nachlass Gad Klein, Archiv des Kinoclubs Erfurt), aber aktuell nicht weitergeführt. Eine Ausleihe für Ausstellungs- und Publikationszwecke ist möglich, bedarf wegen der Erschließungssituation aber erheblichen Vorlauf.

Filmplakate aus der BRD

Grundstock übernommen 2018 aus der Sammlung Christoph Winterberg, laufend ergänzt durch Zukäufe und Schenkungen

  • insgesamt etwa 2.500 Filmplakate von westdeutschen Filmverleihen seit ca. 1950, mit einem Schwerpunkt auf den Jahren seit 1970, weit überwiegend im Format DIN A1 und in sehr gutem Erhaltungszustand
  • alle Plakate lagern plano in passenden Grafikschränken mit Schubladen, waren aber fast alle ursprünglich vom Verleih gefaltet abgegeben worden
  • vorhanden sind die Erstaufführungsplakate zu wichtigen Blockbustern des Hollywood-Kinos, aber genauso zum Neuen Deutschen Film, europäischen Produktionen und zu B-Movies der Epoche
  • der Bestand ist (Stand 2025) nach Jahrzehnten und Themen sortiert, aber nicht auf Ebene der Einzeltitel erschlossen

Kino-Verleihmaterial aus der BRD

Der Film als Medium der bewegten Bilder bedarf für seine Bewerbung oft einzelner Abbildungen – sei es als Aushangfotos für die Schaukästen der Kinos, als Druckvorlagen für die Presse oder als Illustrationen für das Werbematerial des Verleihs. Diese Einzelfotos wurden seit je her von speziellen Set-Fotografen hergestellt, die zum einen den Fortgang der Dreharbeiten dokumentierten („Continuity“), zum anderen aber auch die hochwertigen Standfotos ermöglichten, die simple Vergrößerungen aus dem Filmstreifen qualitativ weit übertreffen. Die verbreiteten Motive enthalten oft die Schlüsselszenen des betreffenden Films.

Jede Schachtel birgt eine neue Überraschung: Die großformatigen Aushangfoto-Negative sind auf den ersten Blick nur schwer zu enträtseln – aber sobald Licht durch sie hindurchfällt, entfalten sie wieder ihre unwiderstehliche Wirkung, mit denen sie schon vor einem halben Jahrhundert das Publikum in die Kinosäle gelockt haben. Da die eigentlichen Aushangfotos in der Regel als Kontaktabzüge vom Negativ geprintet und später nachkoloriert wurden, ist die technische Qualität der Vorlagen hervorragend. Seit langem vom Tageslicht verborgen, repräsentieren sie eine analoge Überlieferung, deren Faszination erst noch zu entdecken ist. 

Schon die Filmtitel beflügeln die Phantasie des Cinephilen – aus „Eva und das nackte Paradies“ spricht die erwachende sexuelle Befreiung auf den Leinwänden der 1960er Jahre, mit offensichtlicher Werbung für die Nudistenbewegung. „Blond und brutal“ sei, so die katholische Filmkritik, ein „schlecht konstruierter Krimi, dessen angestrebte Gesellschaftskritik angesichts der unterdurchschnittlichen Machart nicht zum Tragen kommt.“ Und mit „Professor Lust“, einem amerikanischen Jekyll-and-Hyde-Verschnitt, war der Verleih endgültig auf dem Niveau der Sexploitation angekommen. Der Bestand der IFhM deckt damit ein Filmschaffen jenseits des Mainstream-Kinos und der bekannten Klassiker ab, das sich weniger an ein intellektuelles Publikum wandte, sondern eher an diejenigen, die für eine kurze Weile den Ausbruch aus dem Alltag gesucht haben – aber auch Klassiker wie „Fantomas“ oder Polanskis „Ekel“. 

Sowohl die Tausende von Aushangfoto-Negativen als auch die Archivkisten stellen ein unikales Material dar, das aus dem Archiv des untergegangenen Verleihs bzw. einer Kopieranstalt stammt und noch immer in den historischen Fotokartons mit der Originalbeschriftung aufbewahrt wird. Dieser einmalige Bestand, zu dem in den einschlägigen Institutionen des deutschen Filmerbes kein Pendant bekannt ist, wurde bislang noch nicht systematisch erschlossen oder ausgewertet. Der Inhalt der einzelnen Boxen variiert von Resten der Verleiharbeit bis zu deren weitgehend vollständiger Dokumentation. Bei Interesse an einer Nutzung für akademische Zwecke, Ausstellungen oder Publikationen bitten wir aufgrund der schwierigen archivalen Situation um rechtzeitige Kontaktaufnahme.

Kino-Verleihmaterial aus der BRD

übernommen 2017 aus der Sammlung Christoph Winterberg

  • Archivbestand von ca. 30.000 großformatigen Standfoto-Negativen ab Mitte der 1950er Jahre, verpackt in rd. 1.500 originalen Archiv-Fotoschachteln (zzgl. loser Negative) zu einzelnen Filmen verschiedener Verleihe
  • die Negative lagern wie überliefert in Stapeln ohne Zwischenblätter oder Pergaminhüllen, was nicht dem Aufbewahrungsstandard in Fotoarchiven entspricht
  • beigegeben sind mitunter Informationen zur Verbreitung, teilweise auch Papierabzüge der Standfotos
  • ca. 75 weitere Archivkartons des Ceres-Filmverleihs mit Materialien zu Filmen der 1950er und 1960er Jahre, sowie rd. 40 Produktionsalben
  • die einzelnen Schachteln sind historisch beschriftet, der Bestand ist (Stand 2025) weder sortiert noch auf Ebene der Einzeltitel oder des einzelnen Objekts erschlossen

Kino-Verleihmaterial aus der DDR (Progress)

Das Kino besaß in der Kulturszene der Deutschen Demokratischen Republik einen besonderen Stellenwert. Einerseits entstanden in den Studios der staatseigenen DEFA-Betriebe qualitativ hochwertige Spiel- und Dokumentarfilme; andererseits waren im heimischen Verleih viele Filme aus den sozialistischen Bruderstaaten zu sehen. Aber das größte Publikumsinteresse genossen meist die Produktionen aus dem westlichen Ausland, sofern sie dem Auge der Zensoren standhielten. Das Material des Progress-Filmverleihs dokumentiert dieses Spektrum umfassend und für die Zeit ab 1960 sogar nahezu lückenlos.

In der DDR war es üblich, das Material für die Filmreklame selbst bei Filmen aus dem Ausland selbst zu produzieren, insbesondere das Plakat als Schlüsselmedium für die Vermarktung. Unter Mitwirkung namhafter Grafiker*innen und Illustrator*innen wie Erhard Grüttner, Werner Klemke oder Paul Rosié entstand jenseits der kommerziellen Interessen von Produktionsfirmen im Westen, die oft genaue Festlegungen über den Aufbau eines Filmplakates trafen, eine eigenständige Plakat-Ästhetik. Gerade ab den 1960er Jahren bildete sich in der DDR eine eigene Formensprache heraus, die durch das polnische und tschechische Plakat beeinflusst war. Mit der Wiedervereinigung ging diese Plakatkultur schlagartig zu Ende.

Als Übernahme aus einem der letzten Bezirksbüros des Progress-Filmverleihs verfügt der Bestand der IFhM über einen breiten Querschnitt des in der DDR eingesetzten Werbematerials. Dies sind nicht nur die DIN A1-Filmplakate, die vor einiger Zeit bereits in einer enzyklopädischen Publikation der DEFA-Stiftung dokumentiert wurden, sondern insbesondere auch die Wandzeitungen im kleineren Format DIN A2, die als eigenständige Gestaltung mit Inhaltsangabe und Szenenbildern an kleinere Spielstätten abgegeben wurden, welche in einem eigenen Bereich ihre Aufführungsdaten eintragen konnten. Genauso wie die im Querformat angelegte Diawerbung, die meist die Plakatgestaltung im Hochformat grafisch variierte, sind diese Aushänge bislang nirgendwo systematisch erfasst. Einen wesentlichen Teil des Bestandes markieren außerdem die oft kompletten Sätze mit hochwertigen Abzügen der Stand- und Pressefotos.

Der Progress-Bestand, der in diesem Umfang derzeit bei keiner anderen Einrichtung des deutschen Filmerbes zugänglich ist, wird regelmäßig für Ausstellungen und Publikationen ausgewertet. Er umfasst selbst keinerlei Bewegtbilder (Filme); ergänzend sind diese in der IFhM über den Nachlass des Erfurter Kinoclubs in großer Breite verfügbar. Ein nahezu vollständiger Satz der Progress-Filmillustrierten ist im Bestand „Filmprogramme“ enthalten. Mehrere Dutzend der dreiteiligen Großflächenplakate der 1960er Jahre im Riesenformat 100x250 cm (Dreifach-A0) verwahrt die Universitätsbibliothek Erfurt für die IFhM. Als Pendant zum Plakatschaffen in der DDR sind westdeutsche Filmplakate in einem separaten Bestand der IFhM gesammelt.

Kino-Verleihmaterial aus der DDR (Progress)

übernommen 2017 aus der Sammlung Christoph Winterberg

  • über 100.000 Filmplakate, Wandzeitungen, Aushangfotos, Pressefotos und Dia-Ankündigungen zu insgesamt über 5.000 Filmtiteln, die zumeist ab ca. 1960 über den Progress-Verleih an Kinos und Abspielstätten in der DDR verliehen wurden
  • Lagerung in rd. 700 neueren Archivkartons, sortiert in alphabetischer Reihenfolge nach Filmtiteln, mit (falls vorhanden) mehreren Exemplaren der Plakate und einem Fotosatz
  • ergänzender Bestand von rd. 50.000 Dubletten, zusammengefasst in Papierkuverts pro Film, gelagert in gut 80 alphabetisch gebündelten Bananenkisten
  • der Bestand ist (Stand 2025) komplett sortiert und auf Ebene der Einzeltitel durch eine Excel-Datei erschlossen, allerdings nicht auf der Ebene der einzelnen Objekte

Deutsche Filmprogramme

Gestaltet nach ihrem Vorbild aus dem Theater erfreuten sich Filmprogramme im gesamten 20. Jahrhundert einer großen Beliebtheit beim Publikum. Erhältlich für einen geringen Kostenbeitrag, gaben sie einen Überblick über die Handlung und die Schauspieler. Insbesondere dienten Sie aber vielen Zuschauer*innen als Erinnerungsstück an den Kinobesuch und wurden als Teil der persönlichen Medienbiografie über Jahre aufbewahrt und gesammelt. Bereits vor 1945 erzielten mehrere große Serien Millionenauflagen mit ihren über 6.000 Titeln – eine Tradition, die in beiden Teilen Deutschlands bis in die 1970er Jahre fortgeführt wurde.

Wichtigste Programmserie der Vorkriegszeit ist der in Berlin ursprünglich als Zeitungsbeilage erschienene „Illustrierte Film-Kurier“, dessen zumeist großformatigen Ausgaben (ca. DIN A4) sich durch eine sorgfältige Gestaltung und hervorragende Druckqualität auszeichnen. Gerade die frühen Ausgaben dokumentieren inzwischen Filme, die heute gar nicht mehr erhalten sind. Ausgaben der Wiener „Film-Kurier“-Reihe aus den 1930er Jahren zeigen auch die ausländischen Filme, die im NS-Deutschland nicht mehr vorgeführt werden durften. Die Massenware der Nachkriegszeit rückt meist die prominenten Filmstars der jeweiligen Epoche in den Vordergrund. 

Als preiswerte Ephemera, gedruckt in gigantischen Auflagen, ergänzen Filmprogramme nahezu alle Kollektionen zur Filmpublizistik; dass sie in der Regel durchnummeriert und mit gedruckten Verzeichnissen erschlossen sind, machte sie über lange Zeit zu einem beliebten Sammelobjekt. Daher kann die IFhM aus verschiedenen Übernahmen auf ein umfassendes Programmkonvolut zurückgreifen. Kernbestand ist dabei der Nachlass des Erfurter Sammlers Jörg Pietschmann, der seine Ausgaben mit großer Akribie zusammengetragen und vorbildlich geordnet aufbewahrt hat. Mit Hilfe der einschlägigen Verzeichnisse lassen sich die gesuchten Filme leicht auffinden – insbesondere in den zahlreichen Jahrgängen der Progress-Filmprogramme seit den 1950ern. Unvermeidlich enthält das Konvolut auch eine größere Anzahl von Dubletten, so dass zu Präsentationszwecken oft sowohl der Umschlag als auch die Innenseiten gezeigt werden können.

Die Sammlung deutscher Filmprogramme der IFhM verteilt sich über mehrere Standorte und Bestände. Zahlreiche Ausgaben, insbesondere wertvollere Stücke der Serien „Illustrierter Film-Kurier“ Berlin bzw. Wien aus der Zeit vor 1945, verwahrt die Universitätsbibliothek Erfurt für die IFhM und sind über deren Sondersammlung zugänglich. In der IFhM lagern die knapp 100 Ringordner aus dem Nachlass Pietschmann, aufgeteilt nach den unterschiedlichen Serien und deren fortlaufenden Nummernbereichen. Diese beiden Hauptbestände werden durch Überlieferungen anderer IFhM-Sammlungen (z. B. Nachlass Gad Klein, Nachlass Dagmar Wagenknecht) komplementiert. Die einzelnen Programme sind weit überwiegend in neuwertigem Zustand und ungelocht in Folien aufbewahrt. Es existiert (Stand 2025) kein Gesamtverzeichnis.

Deutsche Filmprogramme

Grundstock übernommen 2025 aus dem Nachlass Jörg Pietschmann (Erfurt), ergänzt aus früheren Sammlungen und Schenkungen

  • insgesamt rd. 10.000 deutschsprachige Filmprogramme seit den 1920er Jahren, fast ausschließlich als lose Einzelstücke in sehr gutem Zustand
  • breite Nummernbereiche der Vorkriegsserien „Illustrierter Filmkurier“ aus Berlin (1919-1945) und Wien (1929-1938) mit jeweils rd. 2.000 Nummern
  • umfassende Sammlung wichtiger Nachkriegsserien, darunter die „Illustrierte Filmbühne“ (1946-1969) und „Das Neue Filmprogramm“ (bis 1960, insgesamt ca. 5.000 Ausgaben
  • weitere Bestände kleinerer Serien z. B. aus den Besatzungszonen oder Österreich, außerdem Souvenirprogramme der Filmverleihe und Aushangfotos
  • nahezu vollständiger Satz der verschiedenen Programmserien des Progress-Filmverleihs für die DDR (1946-1989), über 3.000 Exemplare

Archiv Kinoklub Erfurt / Nachlass Dagmar Wagenknecht

Der Kinoklub am Erfurt Hirschlachufer wurde am 6. Mai 1975 als Kinoklub der Bezirksfilmdirektion Erfurt eröffnet – eines der ersten Studiokinos in der DDR. Auch nach 1989 wurde er als Abspielstätte für das außergewöhnliche Filmerlebnis weitergeführt, inzwischen getragen von einem gemeinnützigen Verein. Das Programmprofil umfasst bis heute Filme in Originalsprache, Dokumentarfilme, länderspezifische Filme, Regieportraits, Filmreihen, Vorträge und manch besonderen Film. Im demnächst fertiggestellten Kulturquartier im alten Erfurter Schauspielhaus sollen dem Kinoclub ab 2027 zwei weitere Vorführsäle zur Verfügung stehen.

Seit etwa der Jahrtausendwende haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kinoklubs unsystematisch die Werbemittel beiseite gelegt und aufbewahrt, die ihnen mit den Filmkopien zugeschickt wurden. Aufgrund der Platzknappheit am Standort und dem absehbaren Umzug ins Kulturquartier hat der gegenwärtige Geschäftsführer Ronald Troué weite Teile dieses Werbemittelarchivs, die die Transformation der Erfurter Kinokultur seit den Nachwendejahren dokumentieren, in die Obhut der IFhM gegeben. Enthalten sind Verleihhefte, Presse- und Aushangfotos sowie vereinzelt auch gefaltete Plakate, gemeinsam mit Angaben zur Programmierung des Films im Kinoklub.

Ergänzend zu diesem operativen Bestand erhielt die IFhM Ende 2024 den Nachlass der langjährigen Geschäftsführerin des Kinoklubs, Dagmar Wagenknecht, zur Aufbewahrung. Von 1982 bis 2013 hatte sie die Geschicke des Programmkinos geleitet und parallel dazu in ihrem Wohnort Grammetal ein privates Archiv zum Thema Film aufgebaut. Neben einer umfassenden Literatursammlung mit rund 1.000 Titeln zur Filmgeschichte, die künftig als Handbibliothek die Arbeit in der IFhM unterstützen werden, und zahlreichen Progress-Filmprogrammen handelt es sich dabei insbesondere um ein mehr als 2.000 DVDs umfassendes Filmarchiv. Von wenigen kommerziellen Kauf-DVDs abgesehen handelt es sich weit überwiegend um aus dem Fernsehen aufgenommene oder von Verleihen aufgenommene Titel. Kernbestand sind zahlreiche DEFA-Produktionen aus der ehemaligen DDR, zahlreiche Polizeiruf 110-und Tatort-Produktionen, sowie Klassiker des Arthouse-Kinos und Kinderfilme.

Das Werbemittelarchiv des Kinoklubs ist in den originalen Papp-Stehsammlern mit alphabetischer Sortierung verblieben und bislang nicht weiter bearbeitet. Der Bestand ist weder auf der Ebene der Filmtitel noch auf der des einzelnen Objekts erschlossen, steht aber für Recherchen insbesondere zur Stadt- bzw. Kinogeschichte zur Verfügung. Die DVD-Sammlung ist nach Sachgebieten und dort alphabetisch nach Filmtiteln sortiert, die Filmreihen chronologisch nach Folgen (soweit erkennbar). Die Filme sind aufgrund der undeutlichen Lizenzlage nicht für Verleih oder Vorführung zugelassen, sondern können nur in der IFhM zur wissenschaftlichen Recherche gesichtet werden. Eine Liste der verfügbaren Filmtitel ist (Stand 2026) in Arbeit.

Archiv Kinoklub Erfurt / Nachlass Dagmar Wagenknecht

übernommen 2016 von Roland Troué und 2024 von Gregor Wagenknecht

  • rund 150 Stehsammler, in alphabetischer Reihenfolge geordnet, mit einzelnen Sichthüllen und Kuverts zu etwa 2.000 Filmen seit 1990, die im Kinoklub Erfurt vorgeführt wurden
  • pro Film variierendes Werbematerial; zumeist Verleih- bzw. Pressehefte und/oder Aushang- bzw. Pressefotos, in einzelnen Fällen auch gefaltete Plakate und Hintergrundmaterial
  • etwa 1.000 Bände neuerer Filmliteratur, vereinzelte Filmzeitschriften und ein größeres Konvolut Progress-Filmprogramme
  • über 2.000 DVDs mit Spiel- und Dokumentarfilmen, darunter weite Teile der DEFA-Produktion und des DDR-Fernsehens, zahlreiche Folgen von „Polizeiruf 110“ und „Tatort“ sowie Klassiker des Avantgarde- und Arthouse-Kinos

Deutsche Boulevardmedien / Archiv der Regenbogenpresse Prinz

Boulevardmedien verkaufen bis heute hohe Auflagen an den Kiosken und werden von breiten Bevölkerungsschichten regelmäßig konsumiert. Sie kommentieren das Zeitgeschehen unterhalb der klassischen politischen Themen, widmen sich ausführlich Katastrophen und Klatsch, und stellen in ihren emotional aufbereiteten Geschichten oft Prominente oder Durchschnittsbürger in den Mittelpunkt. Ungeachtet ihrer Relevanz für die Populärkultur sind diese Inhalte, obgleich gedruckt, vergleichsweise flüchtig: Sie werden in Deutschland von keiner Bibliothek systematisch gesammelt, weil sie aufgrund ihres niedrigen Anspruchs für kaum bewahrenswert und akademisch uninteressant gehalten werden.

Die IFhM konnte in den vergangenen Jahrzehnten zumindest ausschnittsweise solche in hohen Auflagen gedruckte Periodika von alltagsgeschichtlicher Bedeutung sichern, die über die üblichen wissenschaftlichen Repositorien nicht erhältlich und auch nirgendwo digitalisiert sind. Seit Anfang der 2000er Jahre wird die täglich erscheinende „Bild“-Zeitung, Ausgabe Thüringen, in gedruckter Form archiviert. Diese nach wie vor auflagen- und leserstärkste Tageszeitung Deutschlands mit ihren oft ikonischen Headlines ist ansonsten retrospektiv weder digitalisiert zugänglich noch in den herkömmlichen Forschungs- und Universitätsbibliotheken geführt. 

Ergänzt wird dieser Bestand seit 2023 durch eine vergleichsweise lückenlose Sammlung von Zeitschriften der wöchentlichen Regenbogenpresse zwischen 2007 und 2019, die sich mit dem Leben von Adel und Prominenz befassen. Der renommierte und weltweit agierende Rechtsanwalt Prof. Dr. Matthias Prinz, spezialisiert auf Medienrecht, Persönlichkeitsschutz und Urheberrecht, vertritt mit seiner Kanzlei häufig Mandanten, deren Rechte zuweilen in der Regenbogenpresse durch irreführende Berichterstattung oder den Abdruck von Paparazzi-Fotos verletzt werden könnten. Ihm dienten diese Illustrierten als Referenzstücke bei eventuellen Rechtsstreitigkeiten, bis er sich aus Platzmangel dazu entschloss, 13 Jahre seines Pressearchiv aufzulösen und der IFhM zu übergeben. Vertreten sind 20 verschiedene Titel von Klassikern wie „Bunte“ und „Gala“ bis hin zu „Die Zwei“ oder „Neue Post“.

Die gesammelten „Bild“-Zeitungen sind im Originalzustand gefaltet, jahrgangsweise in Kisten gebündelt, und innerhalb der Jahrgänge zumindest grob chronologisch sortiert; ein detailliertes Bestandsverzeichnis existiert (Stand 2025) nicht. Der Bestand an Zeitschriften der Regenbogenpresse befindet sich, wie vom Vorbesitzer überlassen, in beschrifteten Sammelboxen und Stehsammlern, in denen die Zeitschriftenausgaben systematisch, nach Medienorganen und Jahrgängen geordnet, zusammengefasst sind. Die Hefte sind zumeist im unberührten Originalzustand erhalten und digital nicht verfügbar; eine weitere Sammlung außerhalb der Pflichtexemplare in der Deutschen Bibliothek ist nicht bekannt.

Deutsche Boulevardmedien / Archiv der Regenbogenpresse Prinz

eigene Sammlung / Archiv übernommen 2023 von Prof. Dr. Matthias Prinz

  • über 6.000 Exemplare der seit 2002 gesammelten „Bild“-Zeitung, Ausgabe Thüringen, kartonweise gebündelt in Jahrestranchen (wird weiter fortgeführt)
  • über 10.000 Einzelhefte aus der deutschen Regenbogenpresse: 20 verschiedene Titel im Zeitraum von 2007 bis 2019; u.a. „Bunte“, „Gala“, „Grazia“, „In Touch“, „Das goldene Blatt“, „7 Tage“, „Freizeit Revue“, „Die Zwei“, „Neue Post“, „Neue Woche“, „Die neue Frau“ etc.
  • für jedes der 13 gesammelten Jahre mehrere Sammelboxen, die die 52 wöchentlichen Ausgaben chronologisch bündeln
  • Lagerung der Bestände ohne besondere archivalische Vorkehrungen in beschrifteten Kartons, ohne Gesamtverzeichnis oder Erschließung auf der Ebene einzelner Nummern
Inhaberin der Professur für Neuere und Zeitgeschichte und Geschichtsdidaktik
(Historisches Seminar)
C18 – Lehrgebäude 4 / Raum C18.01.21
Co-Leiter der Interdisziplinären Forschungsstelle für historische Medien (IFhM)
(Seminar für Medien- und Kommunikationswissenschaft)
SP2 – Steinplatz 2 / Räume 507 b, c und K05