Development and Socio-Economic Policies

Satellite map of Myanmar
Administrative boundaries of Myanmar on basis of GIS data from U.S. Navy

Forschungsprofil

In der Politik gibt es eine schwer zu überwindende, aber zunehmend überholte Unterscheidung zwischen reichen Ländern und Entwicklungsländern. Diese Unterscheidung hat zu einer Zweiteilung der Politik und der akademischen Forschung geführt. Ein Beispiel dafür ist der Bruch zwischen der Untersuchung internationaler Mittel zur Bekämpfung von Armut und Ungleichheit und nationaler Mittel zur Bekämpfung von Armut und Ungleichheit. An der Brandt School hinterfragen wir die Logik des "sie und wir" und versuchen, die Perspektiven zu kombinieren und nach Kohärenz und Inkohärenz zwischen der nationalen und der internationalen Ebene zu suchen.

Kürzlich haben wir zum Beispiel ein Projekt darüber abgeschlossen, wie nationale Sozialpolitik und internationale Entwicklungshilfe zusammenhängen. Wir haben herausgefunden, wie Kompromisse bei der armutsorientierten Hilfe deren Wirksamkeit beeinträchtigen, und nach Möglichkeiten gesucht, diese zu überwinden (lesen Sie mehr hier und hier). Derzeit befassen wir uns mit der Frage, wie Hilfe und nationale Sozialpolitik mit neuen und wachsenden räumlichen Ungleichheiten umgehen (mehr dazu hier und hier).

Zur Veranschaulichung sehen Sie sich das folgende Bild von nächtlichen Satellitendaten aus dem Jahr 2012 an. Sie können die blau umrandeten Verwaltungsgrenzen von Myanmar leicht erkennen. Satellitendaten sind sehr wertvoll, um Prozesse des Wirtschaftswachstums und des Stromverbrauchs zu veranschaulichen. Sie zeigen aber auch die enormen räumlichen Ungleichheiten in einem Land, in dem die Unterschiede zwischen dem birmanischen Kernland und seiner "Peripherie" immer größer werden.

„Entwicklung" selbst ist ein umstrittenes, aber dominantes Konzept, das eine starke und besondere Resonanz in der Wirtschaft findet. In der Brandt School erweitern wir die Perspektive, indem wir den politischen und sozialen Kontext der sozioökonomischen Politiken betrachten: Wie entstehen sie und welche Auswirkungen haben sie über den engen Rahmen des Wirtschaftswachstums hinaus? In ähnlicher Weise heben wir die Tatsache hervor, dass der Wissensaustausch keine Einbahnstraße von Nord nach Süd ist. Viele innovative Ideen - von den preußischen Bürokratiereformen des 19. Jahrhunderts, die durch die Berichte der Jesuiten über die chinesische Verwaltung angeregt wurden, bis hin zur Verbreitung innovativer Formen der Bürgerbeteiligung, die in Orten wie Porto Alegre in Brasilien ihren Ursprung hat - stammen tatsächlich aus den so genannten Entwicklungsländern.

Es gibt noch weitere Ähnlichkeiten zwischen den Regionen. So sehen wir in vielen verschiedenen Regionen ähnliche, manchmal chronische politische Probleme im Bereich der Steuer-, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik. Man denke nur an die jüngste Wiederverstaatlichung der privaten Rentensysteme in Lateinamerika und Osteuropa. Genauer gesagt untersuchen wir eine besondere Art von Politikversagen in diesen Bereichen: Instabilität und Boom-and-Bust-Zyklen. Warum schießen die Hoffnungen und Erwartungen an politische Interventionen manchmal über das Ziel hinaus? Warum implodieren gute Ideen wie die Mikrofinanzierung nach kurzer Zeit? Ist dies auf übermäßige Interventionen von außen oder auf Instabilitäten im Inland oder auf beides zurückzuführen? Und wie können wir unter solchen Umständen solide und widerstandsfähige politische Lösungen entwickeln?

Schließlich interessieren wir uns für die neuen Herausforderungen, denen sich das Wohlfahrtssystem weltweit gegenübersieht. Wie reagiert die Sozial- und Arbeitspolitik auf die internationale und nationale Migration? Wie wirken sich Digitalisierung und Automatisierung auf etablierte Sozialschutzsysteme aus und wie lassen sich daraus neue oder innovative Strategien ableiten (mehr dazu hier und hier).

Interessiert? Kontaktieren Sie uns unter kathrin.eisenhauer@uni-erfurt.de oder folgen Sie uns unter @achkem auf Twitter.

News

Am 18. November hielt Professor Marco Buente (University Erlangen Nuremberg) einen Vortrag in der Reihe "Virtual Guest Lecture Series".

 

Überall auf der Welt hat die Covid-19-Krise verheerende Folgen für die Arbeitsmärkte: So sind bereits die Hälfte der weltweit vorhandenen Arbeitsplätze von den Auswirkungen der Pandemie betroffen und die Einkommen, auch im informellen Sektor, sind um…

Achim von Heynitz spricht in seinem Gastvortrag über alternative Budgetansätze.

Achim Kemmerling hat gemeinsam mit Renira Angeles vom Norwegian Research Center Bergen einen Artikel im Socio-Economic Review veröffentlicht.