Hochschullernwerkstatt

Projektbeschreibung

Direkt am Eingang der Universität Erfurt liegt unterhalb des Audimax die Hochschullernwerkstatt. Vielfältige formale und informelle Lehr-Lern-Formate werden hier angeboten: Lernwerkstattseminare aus verschiedenen Fachbereichen und Didaktiken finden an den Vormittagen statt; sie sind curricular verankert und im Vorlesungsverzeichnis der Universität als reguläre Lehrveranstaltungen ausgewiesen. Informelle Formate wie Workshops, Filmabende, Projekte von Studierenden für Studierende finden an Nachmittagen, Abenden oder Wochenenden statt. Und während der freien Öffnungszeiten (i.d.R. montags bis donnerstags zwischen 14 und 18 Uhr) können Lehramtsstudierende dort selbstständig lernen.

Das pädagogische Konzept der Hochschullernwerkstatt wurde empiriebasiert entwickelt und integriert vier Bereiche:

  • Erfahrungslernen
  • Situiertes Lernen
  • Materialität
  • Ästhetik 

Das heißt beispielsweise, dass Lernwerkstattseminare sich daran orientieren, inwieweit Studierende in einem solchen Seminar

  • die Gelegenheit haben, Fachinhalte zu erkunden und/oder experimentell zu erforschen, selbstständig fachbezogene und persönlich bedeutsame Problemstellungen zu bearbeiten und ihren Lernprozess zu dokumentieren und zu reflektieren? 
  • gemeinsam in heterogenen Gruppen komplexe, anwendungsbezogene, inter- und transdisziplinäre Inhalte aufbereiten, in Simulationen in bzw. für Bildungseinrichtungen pädagogische Inhalte erschließen und zu Expert*innen in spezifischen Themenfeldern werden? 
  • an unterschiedlichen Dingen, Materialien, Objekten, Artefakten, Technologien usw. fachbezogenes Wissen konstruieren und/oder in dieses einschreiben, Gebrauchsgewohnheiten mit Dingen reflektieren und aufgreifen und/oder Materialien selbst herstellen? 
  • die Möglichkeit haben, mit verschiedenen Sinnen Zugang zu fachlichen Inhalten zu bekommen und diese aus ästhetischer Perspektive zu beurteilen, gestalterisch-schöpferisch-kreativ anstatt zweckrational zu handeln und Gegenwelten zu visionieren, zu phantasieren bzw. zu imaginieren?

Die Hochschullernwerkstatt versteht sich als Ort der Kooperation zwischen den Phasen der Lehrerbildung (Studium, Referendariat und Fortbildung). Studierende sollen Möglichkeiten erhalten, vor dem Hintergrund einer forschenden Haltung kreative Lösungen auf eigene Problemstellungen und Fragen des Lehrens und Lernens zu entwickeln. 

Ab dem Sommersemester 2020 gibt es für Lehrerbildner der Universität Erfurt die Möglichkeit, an einer dreisemestrigen hochschuldidaktischen Fortbildung zum Lehren und Lernen in Werkstätten teilzunehmen. Die Fortbildung mit dem Titel “Design your Education” zielt darauf ab: 1. spezifische Kompetenzen von Lehrenden im Kontext des Werkstattlernens auszubilden sowie 2. entsprechende hochschuldidaktische Konzepte für die jeweiligen Studienbereiche der Lehrerbildung zu entwickeln.

 

Zielstellung:

Das Projekt zielt auf die universitätsinterne und -externe Verbreitung und Vernetzung sowie die Qualitätsentwicklung und -sicherung der Lernangebote in der Lernwerkstatt. So werden neben bereits etablierten Lernwerkstattformaten neue Angebote implementiert, um eigenaktives und selbstbestimmtes Lernen in der Didaktik der Lehrerbildung über weitere Studienfächer hinweg auszubauen. Zugleich machte die 1. Förderphase darauf aufmerksam, dass es Maßnahmen systematischer akademischer Personalentwicklung bedarf, um die Qualität der Lernangebote evidenzbasiert zu sichern und weiterzuentwickeln. Im Projekt wird deshalb eine dreisemestrigen hochschuldidaktische Fortbildung konzipiert, durchgeführt und evaluiert, in deren Verlauf die beteiligten Lehrerbildner ihre LWS-Angebote (1) modellieren und erproben (hochschuldidaktische Konzeptentwicklung), (2) in ihrer Wahrnehmung, Akzeptanz und Wirkung seitens der Studierenden überprüfen (Evidenzsicherung/Evaluierung) und (3) als  konzeptuell verallgemeinerte und in ihrer Wirkung empirisch geprüfte Konzepte in den wissenschaftlichen Diskurs zur Didaktik der Lehrerbildung einbringen (Theoriebildung). Den Teilnehmenden eröffnet sich durch diese Doppelrolle als Lehrende und Forschende die Möglichkeit, ihre eigenen professionsbezogenen hochschulpädagogischen und -didaktischen Kompetenzen (Wissen, Können, Einstellungen und Überzeugungen) weiterzuentwickeln und zugleich aus den bisherigen Best-Practice-Beispielen hochschuldidaktische Lehr-Lern-Konzeptionen mit höherer Verbindlichkeit und gesicherter Evidenz hervorzubringen. Konzepte für die Lehrerbildung in die wissenschaftliche Diskussion eingebracht werden. 

 

Fragestellungen

Die zentrale Leitfrage der 1. Förderphase, wie der Lernwerkstattansatz in das Lehramtsstudium der Universität Erfurt nachhaltig eingebunden werden kann, besteht weiterhin und konkretisiert sich in der 2. Förderphase bezüglich des Handlungsfeldes der Personalentwicklung. Gefragt wird, wie hochschuldidaktische Kompetenzen von Lehrerbildner gefördert werden können, damit diese den Lernwerkstattansatz empiriegeleitet in ihrer Lehre anwenden und verallgemeinerbare Lehrkonzepte zur Professionalisierung zukünftiger Lehrkräfte entwickeln, umsetzen und evaluieren.

Zudem stellt sich für das Projekt die zweite Frage, wie die Lernwerkstatt zu einem etablierten Ort des kommunikativen Austauschs und der Kooperation zwischen den Phasen der Lehrerbildung in Thüringen werden kann?



Ergebnisse

Perspektiven auf Hochschullernwerkstätten. Wechselspiele zwischen Individuum, Gemeinschaft, Ding und Raum

herausgegeben von Sandra Tänzer, Marc Godau, Marcus Berger und Gerd Mannhaupt (2019)

Zum Download



QUALITEACH-Teilprojektleiterin "Hochschullernwerkstatt"
Lehrgebäude 2 / Raum 210a
QUALITEACH-Teilprojektleiter "Hochschullernwerkstatt"
Lehrgebäude 2 / Raum 202
Marcus Berger
Marcus Berger
Wissenschaftlicher Mitarbeiter im QUALITEACH-Teilprojekt "Hochschullernwerkstatt"
Mitarbeitergebäude 2 / Raum 1.03
Wissenschaftliche Mitarbeiterin im QUALITEACH-Teilprojekt "Hochschullernwerkstatt"
Lehrgebäude 2 / Raum 211