Stipendium für literarische Recherche

Auf gemeinsame Initiative der Kulturstiftung des Freistaats Thüringen, des Freundeskreises der Forschungsbibliothek Gotha e. V., des Forschungszentrums Gotha  sowie der Literarische Gesellschaft Thüringen e. V. erhielten Schriftstellerinnen und Schriftsteller 2021 erstmals die Möglichkeit, mit einem Stipendium in der Forschungsbibliothek Gotha zu recherchieren.

Das Bibliotheksstipendium eröffnet Autorinnen und Autoren aller literarischen Gattungen (Roman, Lyrik, Drama, etc.) die Gelegenheit, sich in der Recherchephase ihrer literarischen Projekte mit Beständen der Forschungsbibliothek auseinanderzusetzen.

In diesem Jahr erhält Yulia Marfutova das Gothaer Bibliotheksstipendium. Die in den USA lehrende Autorin wurde 1988 in Moskau geboren, studierte Germanistik und Geschichte in Berlin und wurde in Münster promoviert. Heute lebt sie in Boston. Ihr Debütroman „Der Himmel vor hundert Jahren“ stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2021. In diesem Jahr erhielt sie bereits den Debütpreis des Buddenbrookhauses Lübeck und darf den Friedrich-Hölderlin-Förderpreis der Stadt Bad Homburg in Empfang nehmen.
Für ihren aktuellen Roman möchte Yulia Marfutova an der Forschungsbibliothek vor allem mit den Beständen der Auswandererbriefsammlung arbeiten und sich von Korrespondenzen europäischer Auswanderer nach Nordamerika aus der Zeit um 1900 inspirieren lassen. Die Stipendiatin hat ihren Aufenthalt für August 2022 geplant. Während dieser Zeit ist auch eine Lesung mit der Autorin geplant.

Erster Stipendiat in 2021 war der in Berlin lebende Schriftsteller Rainer Merkel, dessen hohe literarische Qualität die Jury überzeugte. Der vielfach ausgezeichnete Autor hat bereits mehrere Romane veröffentlicht. An der Forschungsbibliothek arbeitete er für sein aktuelles Romanprojekt mit den Beständen der Auswandererbriefsammlung und zur Geschichte des Protestantismus. Aufgrund weiterer hervorragender Bewerbungen wurden darüber hinaus für 2021 ausnahmsweise Xenia Helms (Berlin), Ralph Grüneberger (Leipzig) und Sebastian Stuertz (Hamburg) zu einem je einwöchigen Aufenthalt nach Gotha eingeladen.