Forschung

Forschungsprojekte am Lehrstuhl

(Ir-) Relevanz und (Im-)Plausibilität der Gottesfrage

Cover des Buchs Die Gottesfrage zwischen Umbruch und Abbruch von Julia Knop

Die Frage nach Gott lässt sich, ob explizit oder implizit gestellt, kaum mehr als anthropologische Konstante und damit allgemein akzeptable Basis zur Begründung theologischer Arbeit, ihrer Rationalität und Relevanz sowie ihres Standorts an staatlichen Universitäten ansetzen. Sie ist ihrem Gehalt und vor allem ihrer Relevanz nach längst zu einem möglichen Narrativ neben diversen anderen Lebens- und Deutungsoptionen geworden. Statt, wie vormals, den Rahmen des Feldes zu markieren, innerhalb dessen über Sinn und Unsinn der Welt und des Lebens gestritten werden kann, ist die „Hypothese Gott“ nurmehr eine Möglichkeit neben anderen, die eigene Sinnsuche und Sinnstiftung zu gestalten. Theologie bestellt demnach – anders, als viele gängigen Selbstvergewisserungsstrategien es suggerieren möchten – nur mehr eine von vielen möglichen Parzellen auf dem Feld menschlicher und gesellschaftlicher Verständigung. Aber sie umgreift nicht (mehr) den Horizont möglichen Wissens und Forschens. Diese Verschiebung der Gottesfrage vom Ganzen zum Teil, von einer gemeinsamen Rahmengröße zur Option, ist eine theologische Herausforderung ersten Ranges. Systematische Theologie, die sich dem Anspruch der Offenheit für die „Zeichen der Zeit“ verpflichtet weiß und nicht nur Symptome kurieren, sondern deren Ursache bedenken und bearbeiten will, muss sich dieser Herausforderung stellen: Wie kann angesichts der epochalen Verschiebung der Gottesthematik zu einem Teil- und Minderheitennarrativ Theologie betrieben werden? Welche Konsequenzen und Aufgaben ergeben sich für die universitäre Theologie angesichts des Phänomens, dass ihre Kernfrage, also die Frage nach Gott und seiner Bedeutung für den Menschen, fundamental anders oder gar nicht mehr gestellt wird?

Das Buch "Die Gottesfrage zwischen Umbruch und Abbruch - Theologie und Pastoral unter säkularen Bedingungen"

Theologie der Ehe – nach Amoris laetitia

Cover des Buchs Beziehungsweise - Theologie der Ehe, Partnerschaft und Familie von Julia Knop

Der synodale Prozess, den Papst Franziskus bald nach Beginn seiner Amtszeit zu Fragen von Ehe und Familie angestoßen hat, wurde in Kirche und Gesellschaft mit großem Interesse wahrgenommen. Allein das wahrzunehmen ist von immenser Bedeutung, hat die katholische Kirche in den letzten 50 Jahren nicht nur ihr Deutungsmonopol, sondern in weiten Teilen der Bevölkerung auch jeglichen Anspruch auf kompetente Deutung partnerschaftlichen Lebens verloren. Innerhalb der systematischen Theologie führt die Theologie der Ehe, abgesehen von akuten gesellschaftspolitischen Fragen, eine Randexistenz. In Form einer monographischen Aufarbeitung der katholischen Ehetheologie soll diese inzwischen jahrzehntelange Lücke geschlossen und zugleich die Impulse, die Franziskus mit Amoris laetitia setzte, zugunsten einer erneuerten Theologie der christlichen Ehe aufgegriffen und konstruktiv weitergeführt werden.

Das Buch "Beziehungsweise - Theologie der Ehe, Partnerschaft und Familie"

Aktuelle Promotionsprojekte

Dominique-Marcel Kosack: "Erlösung des Selbst. Hermeneutik und Kategorien einer spätmodernen Soteriologie"

Theologische Verstehensmodelle verändern sich mit dem Kontext, in dem Sie entwickelt werden. Das zeigt sich besonders deutlich an der Reflexion des christlichen Erlösungsglaubens (Soteriologie). Eine Theologie, die z.B. mit Vorstellungen einer hierarchischen Welt- und Gesellschaftsordnung arbeitet, bringt einen anderen soteriologischen Entwurf hervor als eine Theologie, die vom modernen Autonomie- und Subjektdenken bestimmt ist. Dieser geschichtliche Wandel der Kategorien ist notwendig, da sonst eine Ungleichzeitigkeit von soteriologischer Reflexion und deren Kontext entsteht.

Die katholische Theologie, insbesondere die Soteriologie ist in den letzten Jahrzehnten zunehmend durch die modernen Schlüsselbegriffe ‚Autonomie‘ und ‚Subjekts‘ geprägt. Diese (epochal verspätete) Entwicklung wirkt dem Problem der Ungleichzeitigkeit entgegen, löst es aber möglicherweise nicht. Denn die Voraussetzungen für theologische Modelle haben sich bereits gegenüber der ‚klassischen‘ Moderne weiterentwickelt. Um überhaupt als freies Subjekt auftreten zu können, muss der einzelne Mensch zunächst bestimmen, wer er eigentlich ist – muss ständig beruflich, privat, virtuell usw. artikulieren und inszenierten, was ihn authentisch ausmacht.

Ziel des Dissertationsprojektes ist es, diese spätmoderne Verschiebung der Schlüsselkategorien für die Soteriologie nachzuvollziehen – von der ‚Autonomie‘ zur ‚Authentizität‘ und ‚personalen Identität‘. Bietet ein solcher, veränderter Zugang zum christlichen Erlösungsglauben die Möglichkeit, diesen unter spätmodernen Voraussetzungen nachvollziehbar zu explizieren und zu reflektieren?

Zur Übersicht aller Arbeiten der Mitglieder des Nachwuchskollegs

Abschlussarbeiten

Bachelorarbeiten

  • Michelle Dylong: „Gott hatte schon gelitten.“ (Esther M. Magnis)​ Christologische Zugänge zur Theodizeefrage in der Diskussion​ (SS 2017)​

Master-/Magisterarbeiten

  • Lukas Hennecke: "Einheit in Synodalität? Römisch-katholisch / orthodoxer Dialog zu Kirche und Kircheneinheit" (SoSe 2019)
  • Michelle Dylong: "Kirchliche Segnung für gleichgeschlechtliche Partnerschaften? Dogmatische und liturgietheologische Perspektiven" (WS 2019/20)
  • Friederike Schüffny: "Kirche der Sünder – sündige Kirche? Kirchliche Vergebungsbitten in der Diskussion. Analysen und Perspektiven" (WS 2019/20)
  • Angelika Abel: "Versöhnung verstehen - Versöhnung feiern. Theologische Grundlagen und litugische Bewährungsfelder" (SoSe 2020)