| Willy Brandt School of Public Policy, Entrepreneurship and Public Policy

Korruption als systemische Herausforderung: Politik, Macht und Prävention

Wie funktioniert Korruption in der Praxis? Warum ist sie so schwer zu verhindern? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines zweitägigen Workshops zum Thema „Theorien der Korruption und wirksame Politikgestaltung zur Korruptionsbekämpfung“ an der Brandt School.

Der Workshop behandelte Korruption nicht als isoliertes Fehlverhalten, sondern als systemische Herausforderung für die Regierungsführung, die Entwicklungsergebnisse, das Vertrauen der Öffentlichkeit und die Leistungsfähigkeit von Institutionen beeinflusst. In den ersten Sitzungen wurden die Zusammenhänge zwischen Korruption und den SDGs untersucht und dabei hervorgehoben, wie Korruption öffentliche Dienstleistungen schwächt, die Nutzung von Ressourcen verzerrt und die wirksame Umsetzung von Politikmaßnahmen untergräbt. 

Das gesamte Programm war stark praxisorientiert. In Sitzungen zu Integrität und Compliance im öffentlichen und privaten Sektor wurden konkrete Risiken im Zusammenhang mit dem Missbrauch öffentlicher und privater Gelder untersucht. Die Teilnehmer diskutierten, wie Integritätsverstöße, Risikobewertung, Compliance-Instrumente und institutionelle Schutzmaßnahmen die Möglichkeiten für Missbrauch verringern können, bevor dieser systemisch wird.

Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt des Workshops war die Rolle der freien Presse, offener Daten und der Zivilgesellschaft bei der Bekämpfung von Korruption. In den Vorträgen wurden investigativer Journalismus und Transparenzmechanismen als wesentliche Instrumente der Rechenschaftspflicht hervorgehoben, insbesondere in Kontexten, in denen formelle Kontrollinstitutionen schwach oder politisiert sind. In den Sitzungen wurden auch praktische Methoden vorgestellt, mit denen Forscher und Aktivisten Daten und Beweise strategisch in ihrer politischen und advocacy-Arbeit nutzen können.

Ein besonders eindrucksvoller Moment des Workshops war der Besuch der Gedenkstätte Stasi-Gefängnis in Erfurt. Der Besuch dieser Stätte machte auf eindringliche Weise deutlich, wie Geheimhaltung, Angst und unkontrollierte Macht zu langfristigem Machtmissbrauch führen können. Der Besuch verband die Erinnerungskultur Deutschlands mit aktuellen Debatten über Korruption und zeigte, wie das Erinnern an vergangene Ungerechtigkeiten heute als eine Form der Prävention und demokratischen Wachsamkeit dienen kann.

Die Brandt School dankt Professorin Heike Grimm, Christoph Kowalewski (Berater für Integrität und Compliance), Matthew Jenkins und Katja Bechtel (Transparency International) sowie Rukshana Nanayakkara (Sustainable Procurement Pledge, Global Outreach and Community) für ihren fachlichen Beitrag und die Einbindung praktischer Erfahrungen aus der Politik in den Workshop.

Inhaberin der Aletta Haniel Professur für Public Policy and Entrepreneurship
(Willy Brandt School of Public Policy)
C19 – Forschungsbau „Weltbeziehungen“ / C19.02.08
Sprechzeiten
nach Vereinbarung per E-Mail (kathrin.eisenhauer@uni-erfurt.de)
zur Profilseite

Sie befinden sich im News-Bereich der Willy Brandt School of Public Policy.

Weitere Meldungen, Pressemitteilungen sowie aktuelle Themen finden Sie auf den "Aktuelles"-Seiten der Universität Erfurt.