Das internationale Entwicklungshilfesystem befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Der Aufstieg „neuer“ Geber wie China, Spannungen innerhalb des westlichen Gebersystems, die wachsende Bedeutung der Süd-Süd-Zusammenarbeit sowie umfassendere politische und theoretische Verschiebungen stellen das traditionelle Verständnis von Hilfe und Entwicklung zunehmend in Frage. Vor diesem Hintergrund führte der Kurs die Studierenden in die Geschichte, Struktur und aktuellen Herausforderungen des internationalen Entwicklungshilfesystems ein und regte sie dazu an, Entwicklungshilfe sowohl als politisches Instrument als auch als umkämpftes Machtfeld zu betrachten.
Während des Kurses setzten sich die Studierenden mit einigen der wichtigsten Debatten der zeitgenössischen Entwicklungspolitik auseinander. Der Kurs begann mit der „großen Hilfsdebatte“ und der Frage, ob Hilfe als Lösung, als Misserfolg oder als etwas dazwischen betrachtet werden sollte. Von dort aus wandte sich der Kurs grundlegenden Fragen zu, was Entwicklung und Hilfe eigentlich bedeuten, bevor er sich der politischen Ökonomie der Hilfe, kritischen und postkolonialen Kritiken sowie den sich wandelnden Rollen traditioneller Geber, Chinas, multilateraler Institutionen, NGOs und philanthropischer Akteure zuwandte.
Das Wiener Blockseminar bot Raum, diese Themen in konzentrierten Sitzungen zusammenzuführen, die sich mit einem in Unordnung geratenen globalen Hilfssystem, Hilfe innerhalb einer ungleichen Weltwirtschaftsordnung, der Wirksamkeit und Evaluierung von Hilfe sowie mit Szenario-Entwicklungsübungen zur Zukunft der Entwicklungszusammenarbeit befassten. Das intensive Format förderte zudem lebhafte Diskussionen und den Austausch zwischen Studierenden mit unterschiedlichem akademischem und nationalem Hintergrund.
In der Gastvorlesung „Entwicklungspolitik in der neuen Weltunordnung“ regte Prof. Stephan Klingebiel die Studierenden zu einer aktuellen Reflexion darüber an, ob die gegenwärtige Dynamik des globalen Hilfssystems in erster Linie als Herausforderung oder auch als Chance verstanden werden sollte. Im Mittelpunkt der Diskussionen standen die zunehmende Fragmentierung der Entwicklungszusammenarbeit, sich verschiebende geopolitische Allianzen und der wachsende Druck auf multilaterale Institutionen. Gleichzeitig regte der Vortrag die Studierenden dazu an, über einfache Untergangsbilder hinauszudenken und zu überlegen, wie Momente des Umbruchs auch Raum für institutionelle Reformen, neue Partnerschaften und alternative Entwicklungspfade schaffen können. Der Vortrag förderte die kritische Auseinandersetzung mit aktuellen politischen Debatten und eine sorgfältige Reflexion über die Zukunft der Entwicklungshilfe in einer sich wandelnden internationalen Ordnung.
Die Zusammenarbeit mit der CEU ermöglichte zudem die Schaffung eines intellektuell bereichernden, transnationalen Unterrichtsraums. Die Zusammenführung von Studierenden verschiedener Institutionen und Standorte verlieh dem Kurs eine vergleichende Dimension und schuf Raum für lebhafte Diskussionen über die Zukunft der Entwicklungshilfe in einer Zeit, in der die Entwicklungszusammenarbeit grundlegend überdacht wird.
Da sich Debatten über Entwicklungshilfe zunehmend um Fragen der Macht, des Zwecks und der globalen Ungleichheit drehen, werden Fragen danach, wer Hilfe leistet, zu welchen Bedingungen, in wessen Interesse und mit welchen Auswirkungen, in den kommenden Jahren sowohl für die Entwicklungspolitik als auch für die globale Governance von zentraler Bedeutung bleiben.

