Diese Tagung setzt die im vergangenen Jahr begonnene Reihe fort. Das erfolgt mit dem Ziel, innerhalb der deutschen Internationalen Beziehungen Raum zu schaffen für die Reflexion über die Rolle unserer Disziplin im Nahostkonflikt. Der aktuelle Waffenstillstand zwischen Israel und Hamas mag den Eindruck einer Beruhigung erwecken, doch die strukturellen Konfliktdynamiken anhaltende Dehumanisierung, Blockaden humanitärer Versorgung, die Gewalt der Besatzung und die Nichtahndung von Kriegs- und Menschheitsverbrechen - bestehen fort. Gerade in Phasen, in denen der Konflikt nicht mehr im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit steht, zeigt sich, dass die deutsche IB bisher kaum Räume für eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit Israel-Palästina geschaffen hat.
Die erste Veranstaltung machte deutlich, dass die Disziplin den Nahostkonflikt oft nur in Momenten akuter Eskalation thematisiert - und dabei die Frage ausblendet, wie sie selbst zur deutschen Außen- und Nahostpolitik steht. Die Fähigkeit und Bereitschaft der deutschen IB, eine kritische Distanz zu politischen Narrativen und Handlungsmustern einzunehmen, bleibt damit unausgeschöpft. Diese Tagung vertieft die Debatte und widmet sich der Frage, wie der Konflikt jenseits von kriegerischen Eskalationen erörtert werden kann. Im Mittelpunkt stehen drei zentrale Aspekte: die Notwendigkeit, die Verflechtung von Wissenschaft, Politik und gesellschaftlichen Machtverhältnissen offenzulegen; die Auseinandersetzung mit den strukturellen Bedingungen, die bestimmte Perspektiven und Expertisen in der IB verdrängen; sowie die Verantwortung der Disziplin, strukturelle Gewalt und Menschenrechtsfragen nicht nur in Extremsituationen, sondern als dauerhaften Gegenstand der Forschung zu behandeln.
Aufgrund begrenzter Sitzplätze ist eine Teilnahme nur nach Anmeldung per E-Mail (karadag@uni-bremen.de) möglich!
Organisator*innen:
Prof. Dr. Sophia Hoffmann (Universität Erfurt)

