Universität Erfurt

Ausbau der Forschungsbibliothek Gotha zu einer Forschungs- und Studienstätte für die Kulturgeschichte des Protestantismus in der Frühen Neuzeit

Luthers Gothaer Testament von 1537

Einleitung zur digitalen Präsentation und Transkription des Gothaer Testaments Martin Luthers

FB Gotha, Chart. A 86, Bl. 260r-v.

Als Martin Luther am 27. Februar 1537 nach Gotha kam, hatte er eine schwere Zeit hinter sich. Vom 7. bis 26. Februar nahm er an der Tagung des Schmalkaldischen Bundes teil, auf der seine im Auftrag des sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich verfassten Schmalkaldischen Artikel von den dort versammelten Fürsten als verbindliches Glaubensbekenntnis der neuen evangelischen Kirche beschlossen werden sollten. Aufgrund eines Nierenleidens, das ihm unerträgliche Schmerzen bereitete, konnte Luther jedoch keinen Einfluss auf die Verhandlung seiner Glaubensgrundsätze nehmen und reiste noch vor Ende der Tagung ab. Die Fahrt ging über den Rennsteig nach Tambach und weiter nach Gotha, wo er am 27. Februar ankam. Luther wohnte hier höchstwahrscheinlich im Hause des alten Schöffers Fabian Löwe am Hauptmarkt (heutige Nr. 42). Dort erlitt er am 28. Februar eine neuerliche Kolik, so dass er glaubte, sterben zu müssen. Die Beichte nahm ihm sein Freund und Begleiter Johannes Bugenhagen (1485–1558) ab, der sie am 9. April auf Wunsch des Kürfürsten aus der Erinnerung niederschrieb. Die lateinische Originalfassung beginnt mit den Worten: „Confessio et testamentum venerandi patris nostri D. Lutheri“ und wird als sogenanntes Gothaer Testament bezeichnet. Sie befindet sich heute im Thüringischen Hauptstaatsarchiv in Weimar (ThHStAW, Ernestinisches Gesamtarchiv, Reg. N 182, Bl. 4v-5r). Dort findet sich im Anhang auch eine deutsche Übersetzung (Bl. 7r-9v). Eine Abschrift dieser Übersetzung findet sich wiederum in der Forschungsbibliothek Gotha im Nachlass des Jenaer Theologen Johann Gerhard (1582–1637), die hier zum ersten Mal digital zusammen mit einer Transkription veröffentlicht wird. Wie diese Abschrift in Gerhards Bibliothek kam, lässt sich nicht mehr feststellen. Auch dieses Dokument bildet einen Teil der umfangreichen protestantischen Erinnerungskultur, die bereits im 16. Jahrhundert jede Äußerung Luthers als überlieferungswürdig ansah. Das Gothaer Testament ist jedoch von besonderer Bedeutung, weil es sich hierbei um ein persönliches und zugleich theologisches Vermächtnis des Reformators handelt.

Es beginnt mit der festen Überzeugung, dass der Angriff auf das Papsttum richtig gewesen sei und fortgesetzt werden müsse. Luther hatte die Hoffnung, dass die Obrigkeit, namentlich Kurfürst Johann Friedrich, in der „reinen lehr verharren und bleiben“ und sich nicht von der katholischen Kirche beeindrucken lassen. Persönlich wandte er sich an Philipp Melanchthon (1497–1560), Justus Jonas d.Ä. (1493–1555) und Caspar Cruciger (1504–1548), die ihm wegen seiner Sünden verzeihen sollten. Vermutlich ist hier an die theologischen Spannungen zwischen ihnen und Luther zu denken, die auch die Tagung in Schmalkalden beeinträchtigt hatten. Bemerkenswert ist auch, dass Luther seiner Frau Katharina gedachte, die mit ihm zwölf Jahre „fröhlich“ zusammen gelebt habe. Er trug Bugenhagen und seinen Freunden auf, für sie und seine Kinder zu sorgen. Die Beichte endet mit einem Bekenntnis zum Herrn Jesus Christus, den er auf dieser Welt verkündet habe.

Wie sehr Luther der Stadt Gotha verbunden war, wird daran ersichtlich, dass er gegenüber seinem Freund, dem Gothaer Superintendenten Friedrich Myconius (1590–1564), den Wunsch äußerte, hier, und nicht etwa in Wittenberg, begraben zu werden. Mit der glücklichen Genesung von seinem schweren Leiden und der Rückkehr nach Wittenberg blieb dieser Wunsch jedoch unerfüllt. Bereits am nächsten Tag, dem 1. März 1537, war Luther wieder in der Lage, mit Martin Bucer (1491–1551) und Bonifatius Wolfart (um 1490–1543) theologische Gespräche zu führen. Damit war das Kapitel Gotha für Luther beendet.

(Text: Sascha Salatowsky)

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Literatur

Caspar Sagittarius: Historia Gothana plenior … et duobus supplementis indiceque illustravit Wilhelmus Ernstius Tenzelius. Jena 1703, S. 427.

Martin Luther: Luther deutsch. Die Werke Martin Luthers in neuer Auswahl für die Gegenwart. Bd. 10: Die Briefe. Hrsg. von Kurt Aland. Göttingen 1983.

Martin Brecht: Martin Luther. Dritter Band. Die Erhaltung der Kirche, 1532–1546. Stuttgart 1987, S. 185-189.

Henning Reinhardt: Eine Aufzeichnung über Luthers Unterredung mit Martin Bucer und Bonifatius Wolfart 1537 in Gotha. In: Lutherjahrbuch 78 (2011), S. 315-321.

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