Jacopo Stradas Magnum ac Novum Opus: Ein numismatisches Corpus des 16. Jahrhunderts

Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden die Kunstkammer des Herzogs von Bayern in München plünderten, war das bekannteste Objekt das Corpus mit numismatischen Zeichnungen von Jacopo Strada, Magnum ac Novum Opus continens descriptionem vitae, imaginum, numismatum omnium tam Orientalium quam Occidentalium Imperatorum ac Tyrannorum, cum collegis ac coniugibus liberisque suis, usque ad Carolum V. Imperatorem. Die 30 Bände mit den hauptächlich kaiserzeitlichen Münzen gelangten schließlich in die Bibliothek des Herzogs Ernst des Frommen von Sachsen-Gotha-Altenburg, der heutigen Forschungsbibliothek Gotha (Chart. A 2175, 1–14, 16–30). Strada hat wahrscheinlich einen Dukaten für jede der ca. 8.500 Zeichnungen erhalten, in Feder und Tusche auf Folio ausgeführt. Sie waren von seinem ersten Patron, Hans Jakob Fugger, bei ihm in Auftrag gegeben worden. Herzog Albrecht V. von Bayern erwarb die losen Blätter später, zusammen mit Fuggers Bibliothek und Sammlung. Er ließ sie prachtvoll in rotes Leder binden und die Einbände mit seinem Porträt und Wappen versehen.

Obwohl dieses Münzcorpus damals hochgeschätzt wurde, ist es bis heute nicht eingehender untersucht worden. Die Gründe dafür liegen im Aufschwung der wissenschaftlichen numismatischen Forschung Ende des 18. Jahrhunderts. Da das Corpus deren Anspruch nicht mehr genügte, verlor es sehr an Renommee.

Herzog Albrecht hatte nicht die Münzbeschreibungen Stradas erworben, die nach dessen Aussage komplementär zu den Münzzeichnungen sein sollen. Sie sind ein separates Werk, das in zwei Kopien in Wien und Prag überliefert ist, mit dem Titel A<ureorum> A<rgenteorum> A<ereorum> NumismatΩn Antiquorum ΔΙΑΣΚΕΥΕ. Daher wurden dessen Beschreibungen nie mit den Zeichnungsbänden verglichen. Diese elf Bände enthalten strukturierte und methodische Beschreibungen, Anmerkungen und Herkunftsangaben, wo Strada die Münzen gesehen haben will. Damit ist eine genaue Untersuchung von Stradas Interpretationen der Münzen möglich, wodurch sich wiederum die Möglichkeit eröffnet, die Herangehensweise der damaligen Antiquare im Detail zu studieren.

Die wichtigste Voraussetzung für diese vergleichenden Studien war die Digitalisierung von Zeichnungen und Texten, um sie vergleichen zu können. Die Münzen und Beschreibungen werden, wenn sich ein antikes Original als Vorbild identifizieren läßt, in die Datenbank des Census of Antique Works of Art and Architecture known in the Renaissance, unserem Projektpartner, eingegeben. Die Münzbeschreibungen werden darüber hinaus zusätzlich in der Datenbank „Translatio Nummorum“ eingegeben (KHI Florenz), um den Text und die nicht mit einem antiken Original verbundenen Münzzeichnungen zugänglich zu machen.

Als Ergebnis des Projekts soll eine digitale Edition der Zeichnungen von Stradas Magnum ac novum opus und der dazugehörigen Beschreibungen des A<ureorum> A<rgenteorum> A<ereorum> NumismatΩn Antiquorum ΔΙΑΣΚΕΥΕ entstehen, die über die Datenbanken des Census und des KHI in Florenz allgemein zugänglich sein sollen.

In einer Monographie sollen ausgewählte Zeichnungen Stradas zusammen mit den Münzbeschreibungen veröffentlicht und kommentiert werden. Weiter wird sie eine Zustandsbeschreibung des Materials enthalten, Angaben zu dessen Herkunft und eine Rekonstruktion der Reihenfolge der Münzzeichnungen, wie Strada sie ursprünglich geplant hatte. Darüber hinaus erfolgt eine Einordnung des Magnum ac novum opus in die Wissenschaftsgeschichte der Numismatik und in den Kontext der antiquarischen Studien im 16. Jahrhundert. Im Anhang werden zusätzlich eine Auswahl von Transkriptionen und Übersetzungen der wichtigsten Textstellen veröffentlicht.

Das Bild zeigt eine Zeichnung einer Münze in weiß.
Stradas Magnum AC Novum Opus The man, the patron, the work
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