Neuerscheinungen

2022

Was ist Geheimdiplomatie und wie wurde sie früher betrieben? Die Suche nach Antworten führt in den zwielichtigen Untergrund der politischen Ereignisse, in den dunklen Gang der Geschichte. Dahinter verbirgt sich ein Labyrinth von Verrat, Geheimnissen, Täuschung und Risiko. Die Abenteurer, Spione und ihr Metier bekommen in den Berichten ihrer Jäger eine Kontur. Geradezu filmreif sind manche ihrer Karrieren bis zum Staatsgefangenen auf der Festung Königstein. Bis zur Spionagehysterie im Siebenjährigen Krieg ging das Powerplay im Wettbewerb der Höfe um die beste Chiffre und den kleinsten Informationsvorteil. Aus unzähligen verschlüsselten Briefen und Chiffrentafeln wird das System durchdachter Nachrichtendienste deutlich. Der "stille Krieg" hatte viele Protagonisten, geheime Orte und Praktiken.

Anne-Simone Rous, 2009–2013 Stipendiatin am Graduiertenkolleg "Untergrundforschung 1500–1800" des Forschungszentrums Gotha, analysiert erstmals die Faktoren, Akteure und Methoden von Geheimdiplomatie systematisch und erörtert sie an Beispielen aus den großen europäischen Konflikten der Frühen Neuzeit, als Sachsen die zweitwichtigste Macht im Heiligen Römischen Reich war. Die Quellen erzählen von der frühen Bürokratie in den Kanzleien und der Angst der Beteiligten, aber auch von Fallstricken, die bis heute wirken.

2021

Das vormoderne Kriegsunternehmertum war keineswegs nur ein Übergangsphänomen in einer linearen Entwicklung zum 'verstaatlichten' Heer des 18. bis 20. Jahrhunderts, wie es die in Medien und Politikwissenschaft umgehende Rede von einer 'Rückkehr des Söldnerwesens' suggeriert, sondern eine Raum und Epochen übergreifende Erscheinung. Der Band fragt, unter welchen politischen, sozialen, technologischen und ökonomischen Bedingungen eine solche Verbindung von kriegerischem und unternehmerischem Handeln entstehen, aber auch wieder an Bedeutung verlieren konnte - ohne je ganz zu verschwinden. Als analytische Kategorie wird dafür der Begriff der Kapitalisierung des Krieges herangezogen.

2021

Unter Ernst II. wurde die thüringische Residenzstadt Gotha im späten 18. Jahrhundert zu einem Zentrum der aufgeklärten Wissenschaften. In den 1770er und 1780er Jahren befasste sich ein größerer Kreis von bürgerlichen und adligen Amateurwissenschaftlern um den fürstlichen Mäzen mit den neuesten Erkenntnissen aus Physik und Chemie. Angeleitet wurden sie dabei von dem herzoglichen Archivar Ludwig Christian Lichtenberg, dem älteren Bruder des Göttinger Physikprofessors Georg Christoph Lichtenberg, der über den aktuellen Wissensstand und die nötigen Experimentierapparate verfügte. In Vorlesungen, Vorträgen, Aufsätzen, Lehr- und Forschungsexperimenten diskutierten die Gothaer über Entdeckungen und Theorien in den Naturwissenschaften, über Gott und Natur.

Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes stellen dar, vor welchem Hintergrund sich die Aktivitäten des Gothaer Liebhaberzirkels entfalteten, wozu geforscht, gelehrt und publiziert wurde, welche Kontakte in die europäische Gelehrtenwelt, zu Technikern und Instrumentenherstellern bestanden und welches Schicksal die wertvolle Gerätesammlung erfuhr. Mit seinem Einblick in die residenzstädtische Wissensproduktion, die auf der Grundlage der reichen Gothaer Überlieferung erschlossen wird, leistet der Band einen wichtigen Beitrag zur Wissensgeschichte der Aufklärung.

2020

When looking at the early modern period (c. 1500–c. 1800), we often speak of "the military" or "the army". But what exactly do we mean when using these terms? The forms and structures of the armed forces have not only changed between 1500 and 1800, but also varied throughout different regions of the world and even within Europe. The contributors to this volume examine twelve early modern examples of armed forces in the Holy Roman Empire, Western and Eastern Europe, Eastern Asia and North America and paint a multifarious and even disparate picture during this period. The findings suggest that modern notions of the armed forces common in the early modern period should be used more prudently to avoid prevalent implications of non-existing continuity and uniformity.