Neuerscheinungen

Cover zu das Haar als Argument

Ob Bart, Glatze, Perücke oder Zopf, lange, kurze oder hohe Frisur – die Haartracht sagt immer etwas aus. Dabei kann es um sichtbare Abgrenzungen zwischen Religionen, Konfessionen, Ethnien oder Ständen gehen, um einen individuellen Distinktionswillen, um einen Ausdruck von Emotionen, oder die Demütigung durch andere, etwa bei der Rasur des Bartes oder des Haupthaars. Wissen über historische Haarmoden und ihre Bedeutung ist im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit immer wieder in zeitgenössische Debatten eingespeist worden.

Die Autorinnen und Autoren, die ein breites Spektrum literarischer, religiöser, politischer, gelehrter und pharmazeutischer Quellen sowie künstlerischer Werke erschließen, verstehen die Kulturgeschichte des Haares zugleich als seine Wissensgeschichte. Sie diskutieren, wie Wissen über Haar-Praktiken und -Bedeutungen in 'haarkundigen' Gesellschaften archiviert, zirkuliert und als Argument instrumentalisiert wurde. Dabei verbinden sich traditionell textphilologisch und objektbezogen arbeitende Disziplinen mit aktuellen sozial- und körpergeschichtlichen Fragestellungen.

2021

Unter Ernst II. wurde die thüringische Residenzstadt Gotha im späten 18. Jahrhundert zu einem Zentrum der aufgeklärten Wissenschaften. In den 1770er und 1780er Jahren befasste sich ein größerer Kreis von bürgerlichen und adligen Amateurwissenschaftlern um den fürstlichen Mäzen mit den neuesten Erkenntnissen aus Physik und Chemie. Angeleitet wurden sie dabei von dem herzoglichen Archivar Ludwig Christian Lichtenberg, dem älteren Bruder des Göttinger Physikprofessors Georg Christoph Lichtenberg, der über den aktuellen Wissensstand und die nötigen Experimentierapparate verfügte. In Vorlesungen, Vorträgen, Aufsätzen, Lehr- und Forschungsexperimenten diskutierten die Gothaer über Entdeckungen und Theorien in den Naturwissenschaften, über Gott und Natur.

Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes stellen dar, vor welchem Hintergrund sich die Aktivitäten des Gothaer Liebhaberzirkels entfalteten, wozu geforscht, gelehrt und publiziert wurde, welche Kontakte in die europäische Gelehrtenwelt, zu Technikern und Instrumentenherstellern bestanden und welches Schicksal die wertvolle Gerätesammlung erfuhr. Mit seinem Einblick in die residenzstädtische Wissensproduktion, die auf der Grundlage der reichen Gothaer Überlieferung erschlossen wird, leistet der Band einen wichtigen Beitrag zur Wissensgeschichte der Aufklärung.

2022

Was ist Geheimdiplomatie und wie wurde sie früher betrieben? Die Suche nach Antworten führt in den zwielichtigen Untergrund der politischen Ereignisse, in den dunklen Gang der Geschichte. Dahinter verbirgt sich ein Labyrinth von Verrat, Geheimnissen, Täuschung und Risiko. Die Abenteurer, Spione und ihr Metier bekommen in den Berichten ihrer Jäger eine Kontur. Geradezu filmreif sind manche ihrer Karrieren bis zum Staatsgefangenen auf der Festung Königstein. Bis zur Spionagehysterie im Siebenjährigen Krieg ging das Powerplay im Wettbewerb der Höfe um die beste Chiffre und den kleinsten Informationsvorteil. Aus unzähligen verschlüsselten Briefen und Chiffrentafeln wird das System durchdachter Nachrichtendienste deutlich. Der "stille Krieg" hatte viele Protagonisten, geheime Orte und Praktiken.

Anne-Simone Rous, 2009–2013 Stipendiatin am Graduiertenkolleg "Untergrundforschung 1500–1800" des Forschungszentrums Gotha, analysiert erstmals die Faktoren, Akteure und Methoden von Geheimdiplomatie systematisch und erörtert sie an Beispielen aus den großen europäischen Konflikten der Frühen Neuzeit, als Sachsen die zweitwichtigste Macht im Heiligen Römischen Reich war. Die Quellen erzählen von der frühen Bürokratie in den Kanzleien und der Angst der Beteiligten, aber auch von Fallstricken, die bis heute wirken.

2021

Das vormoderne Kriegsunternehmertum war keineswegs nur ein Übergangsphänomen in einer linearen Entwicklung zum 'verstaatlichten' Heer des 18. bis 20. Jahrhunderts, wie es die in Medien und Politikwissenschaft umgehende Rede von einer 'Rückkehr des Söldnerwesens' suggeriert, sondern eine Raum und Epochen übergreifende Erscheinung. Der Band fragt, unter welchen politischen, sozialen, technologischen und ökonomischen Bedingungen eine solche Verbindung von kriegerischem und unternehmerischem Handeln entstehen, aber auch wieder an Bedeutung verlieren konnte - ohne je ganz zu verschwinden. Als analytische Kategorie wird dafür der Begriff der Kapitalisierung des Krieges herangezogen.