Tagungen & Workshops

Tagung: Verheiratet, verstoßen, verbannt: geschiedene hochadelige Frauen 1600–1900

Termin: 28.-30.9.2026
Organisation: PD Dr. Corinna Dziudzia (Wolfenbüttel), Dr. Markus Meumann (Gotha)

Das Jahr 1826 stellt in der europäischen Dynastiegeschichte eine entscheidende Zäsur dar: Im November des Jahres entstand durch den Erbvertrag von Hildburghausen das Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha, dessen Herrscherhaus im 19. und frühen 20. Jahrhundert durch eine geschickte Heiratspolitik verwandtschaftliche Beziehungen mit einer Vielzahl regierender Fürstenhäuser knüpfte und in mehreren europäischen Ländern auf den Thron gelangte. Schon die Entstehung des Herzoghauses beruhte auf einer Heirat, der 1817 aus politischen Gründen geschlossenen Ehe Herzog Ernsts von Sachsen-Coburg-Saalfeld (1784–1844) mit Prinzessin Luise von Sachsen-Gotha und Altenburg (1800–1831), der Tochter des vorletzten Gothaer Herzogs August. Obwohl diese Verbindung wesentlich dafür war, dass sich die Coburger Linie gegenüber den anderen ernestinischen Häusern durchsetzen konnte, ließ sich Ernst I. bereits im Jahr der Gründung des neuen Herzogtums von seiner Ehefrau scheiden. Bereits zwei Jahre zuvor war Luise nach St. Wendel im Fürstentum Lichtenberg (im heutigen Saarland) verbannt worden, getrennt von ihren beiden Söhnen, mit denen sie fortan keinerlei Kontakt mehr haben durfte. 

Die vom Forschungszentrum Gotha und der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel gemeinsam geplante Tagung nimmt anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Entstehung des neuen Herzogtums solche Fälle geschiedener hochadeliger Frauen vom 16. bis zum frühen 19. Jahrhundert erstmals systematisch in den Blick. Neben bekannten Beispielen wie der englischen Königin Katharina von Aragon (1485–1536), der als „Prinzessin von Ahlden“ berühmt gewordenen hannoverschen Kurprinzessin Sophie Dorothea (1666–1726) oder der dänischen Königin Caroline Mathilde (1751–1775) steht eine Vielzahl weiterer Fälle, die bislang von der historischen Forschung wenig oder keine Beachtung gefunden haben. Dazu gehört auch eine Zeitgenossin Luises: Elisabeth Christine Ulrike von Braunschweig-Wolfenbüttel (1746–1840) wurde 1769 von ihrem Ehemann Friedrich Wilhelm II. von Preußen geschieden und nach Stettin verbannt, wo sie die restlichen 70 Jahre ihres Lebens verbrachte. 

Einzelne Fälle haben dabei als ,tragische Frauenschicksale‘ durchaus mediale Beachtung gefunden; bisweilen handelte es sich bereits zeitgenössisch um hochgradig diskursive Ereignisse, die in Pamphleten, Zeitungen oder auf Medaillen verhandelt wurden. Die dahinterliegenden Motive und Zusammenhänge, etwa die in diesen Trennungen sichtbar werdenden komplexen rechtlichen Aspekte von Eheschließungen mit herrschafts- und machtpolitischer Konnotation, sind bislang allerdings noch nicht umfassend untersucht worden. 

Ziel der Tagung ist dementsprechend eine systematische Analyse verschiedener, ähnlich gelagerter Beispiele von Frauen aus dem Hochadel, die verstoßen und/oder deren Ehen geschieden wurden. Gleichermaßen von Relevanz sind versuchte Scheidungen und die Gründe, warum diese letztendlich nicht erfolgten. Warum wurden Scheidungen angestrebt? Welche Akteure waren beteiligt? Wer intervenierte auf wessen Seite? Wie erfolgten die jeweiligen rechtshistorischen oder juristischen Argumentationen im Detail? Wurde die Trennung auch medial zum Thema? Inwieweit haben sich die betroffenen Frauen dazu selbst brieflich oder literarisch geäußert? 

„mit invettierung meiner müntzen zu tun gehabt…“ – Numismatik und Münzkabinette im Spiegel der Jahrhunderte

Datum: 8. bis 10. Oktober 2026
Ort: Vortragssaal des Forschungszentrums Gotha der Universität Erfurt, Schloßberg 2
Leitung: Uta Wallenstein
Eine Veranstaltung der Friedenstein Stiftung Gotha in Kooperation mit dem Forschungszentrum Gotha. 

Als Herzog Ernst I. der Fromme von Sachsen- Gotha (1601-1675) Schloss Friedenstein 1646 bezog, brachte er neben anderen Kunstschätzen auch 516 Münzen und Medaillen aus ernestinischem Familienbesitz von Weimar mit nach Gotha und legte damit den Grundstein für die bereits Anfang des 18. Jahrhunderts zu europäischer Bedeutung aufsteigende numismatische Sammlung. Seinem Enkel, dem münz- und medaillenbegeisterten Friedrich II. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1676-1732), gelang 1712 der spektakuläre Ankauf der berühmten, mehr als 18.000 Münzen und Medaillen umfassenden Sammlung des Fürsten Anton Günther II. von Schwarzburg-Sondershausen zu Arnstadt (1653-1716), in dessen Folge ein prächtiges Münzkabinett auf dem Friedenstein eingerichtet wurde.

Seither genießt das Gothaer Münzkabinett inter-nationalen Ruf. Heute reiht es sich in Deutschland mit seinen ca.145.000 Münzen, Medaillen und numismatischen Zeugnissen unmittelbar hinter die großen Kabinette von Berlin, Dresden und München ein und ist eine wichtige Anlaufstelle für internationale Forschungen und Publikationsprojekte.

Die Vorträge des Kolloquiums setzen unter anderem den Fokus auf die Bedeutung höfischer Münzkabinette, auf die Bestandserfassung, Forschung und Publikation von Münz- und Medaillensammlungen in der Historie; ebenso geben sie Ausblicke in das digitale numismatische Zeitalter. Anlass für die Veranstaltung des Kolloquiums sind der bis dato überaus erfolgreiche Stand der Digitalisierung im Münzkabinett Gotha im Rahmen des Projekts Gotha Transdigital 2027 sowie der Eintritt von Uta Wallenstein, der langjährigen Leiterin und wissenschaftlichen Mitarbeiterin des Gothaer Münzkabinetts, in den Ruhestand im Dezember 2026.

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Food History als Globale Kulturgeschichte

Termin verschoben auf: 15.-19. März 2027

Organisation: Veranstaltet vom Forschungszentrum Gotha in Zusammenarbeit mit der Forschungsbibliothek Gotha und der Friedenstein Stiftung Gotha; gefördert von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung

Leitung und Konzeption: Prof. Dr. Martin Mulsow

Die seit mehr als zwei Jahrzehnten blühende „Food History“ ist eine Richtung der Geschichtswissenschaft, in der viele Disziplinen zusammenwirken: Ernährungsgeschichte, Botanikgeschichte, Globalgeschichte, Humangeographie, Wirtschaftsgeschichte sowie die Erforschung materieller Kultur. Die Kultur menschlicher Essweisen, Nahrungsmittel und Gewürze über die Jahrhunderte, das Zusammenwirken von Nahrung, Infrastruktur und Kultur in bestimmten Regionen (sogenannte „Foodscapes“), die globalen Transfers von Nutzpflanzen, Gewürzen und Rezepten (sogenannte „Foodways“), die Produktions- und Diffusionsgeschichte von zentralen Konsumwaren (Salz, Zucker, Tee, Kaffee, Schokolade), die soziopolitischen und emotional-kulturellen Kontexte von Diäten und Ernährungsweisen (wie Vegetarismus, Ritualgesetze), die kulturell-symbolischen Ausformungen von Nahrung (Sprichworte, Metaphern, Bildlichkeit, Romane) bis hin zur Wissensbewahrung und -übermittlung durch Rezepte markieren Forschungsaspekte, die in diesem Bereich verfolgt werden und sich vielfach überlagern. Es gibt heute zahllose Veröffentlichungen über die Globalgeschichte einzelner Lebens- und Genussmittel, aber auch große Überblicke über die Geschichte der Esskultur sowie damit zusammenhängende Transfer- und Verflechtungsphänomene (vom „Columbian Exchange“ über die „Gewürzstraßen“, von der Übersetzung von Kräuterbüchern bis zur Ausbreitung von amerikanischem Fast Food). 

Der Sommerkurs wird in die verschiedenen Fragestellungen einführen und sich auf die globalen Aspekte der Food History in der Vormoderne (von den frühesten Zivilisationen bis ca. 1800) konzentrieren. Da in Gotha zahlreiche Sammlungen beherbergt sind, wird der Kurs exemplarisch auf Objekte (in Schloss Friedenstein), alte Drucke, Manuskripte und Karten (in der Forschungsbibliothek Gotha und der Sammlung Perthes) zurückgreifen. Außerdem wird er eine praktische Komponente enthalten: das gemeinsame Nachkochen von historischen Rezepten (vom mesopotamischen Linseneintopf bis zur höfischen Küche des 18. Jahrhunderts). 

Thematisch wird zu erkunden sein, was Food History zur Globalgeschichte beiträgt und inwieweit sie sich in die globale Kultur- und Wissensgeschichte hinein verlängern lässt: von Kaffeehäusern und drogenindizierten religiösen Erfahrungen bis zu esskulturspezifischen Denkformen und Problemen der Übermittlung impliziten Wissens durch Rezepte.

Der einwöchige Kurs wendet sich an fortgeschrittene Studierende während der Masterarbeit, an Promovierende und Post-Doktorand:innen, die im weiteren Umfeld dieser Thematik arbeiten und ihr Interesse vertiefen wollen, sowie an Mitarbeiter:innen von Museen und ähnlichen Institutionen, die sich mit Food History beschäftigen. 

Ort der Veranstaltung: Forschungszentrum Gotha, Schloßberg 2, 99867 Gotha. 

Kontakt
Kristina Petri M. A.
Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt
Schloßberg 2
99867 Gotha
E-Mail: forschungszentrum.gotha@uni-erfurt.de 
Tel.: +49 (0)361 737 1712