Datum: Freitag, den 24. April 2026
Ort: Vortragssaal im Forschungszentrum Gotha, Schloßberg 2
Kontakt: Prof. Dr. Martin Mulsow, Dr. Thomas Moenius
E-Mail: forschungszentrum@uni-erfurt.de
Programm
Chair: Martin Mulsow
9.30 Uhr – 9.45 Uhr
Einführung
9.45 Uhr – 10.15 Uhr
Florian Ebeling (München): Die Alchemie als ägyptische Weisheit in der Freimaurerei des 18. Jh.
10.15 Uhr – 10.45 Uhr
Holger Zaunstöck (Halle): Der Medicus Malabaricus von 1712 – eine Quelle für die Alchemiegeschichte?
10.45 Uhr – 11.00 Uhr
Pause
Chair: Thomas Moenius
11.00 Uhr – 11.30 Uhr
Volkhard Wels (Berlin): Alchemie und das literarische Spiel
11.30 Uhr – 12.00 Uhr
Kathrin Pfister (Heidelberg): Briefwechsel von Joachim Polemann (1624-?)
12.00 Uhr – 14.00 Uhr
Mittagessen im Augustinerkloster
Chair: Rainer Werthmann
14.00 Uhr – 14.30 Uhr
Alexander Kraft (Eichwalde): Wege zur Universaltinktur: Dorothea Juliana Wallich. Ihr Leben und ihre Werke.
14.30 Uhr – 15.00 Uhr
Nils Lenke (Rheinbach):Gertraud von Veltheim (1585-1622) – „verständige Matrone“ oder versteckte Alchemistin?
15.00 Uhr – 15.30 Uhr
Pause
Chair: Alexander Kraft
15.30 Uhr – 16.00 Uhr
Rainer Werthmann (Kassel): Baron von Schwarzstein – ein Sammler alchemischer Vorschriften für Herzog Friedrich I. von Sachsen-Gotha
16.00 Uhr – 16.30 Uhr
Juergen Hollweg (Bayreuth): Netzwerkstrukturen frühneuzeitlicher Chemiker um 1600. Regionale Verteilung
16.30 Uhr – 17.00 Uhr
Abschluss
Termin: 28.-30.9.2026
Organisation: PD Dr. Corinna Dziudzia (Wolfenbüttel), Dr. Markus Meumann (Gotha)
1826 – eine Vereinigung und eine Trennung
Das Jahr 1826 stellt in der europäischen Dynastiegeschichte eine entscheidende Zäsur dar: Im November des Jahres entstand durch den Erbvertrag von Hildburghausen das Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha, dessen Herrscherhaus im 19. und frühen 20. Jahrhundert durch eine geschickte Heiratspolitik verwandtschaftliche Beziehungen mit einer Vielzahl regierender Fürstenhäuser knüpfte und in mehreren europäischen Ländern auf den Thron gelangte. Schon die Entstehung des Herzoghauses beruhte auf einer Heirat, der 1817 aus politischen Gründen geschlossenen Ehe Herzog Ernsts von Sachsen-Coburg-Saalfeld (1784–1844) mit Prinzessin Luise von Sachsen-Gotha und Altenburg (1800–1831), der Tochter des vorletzten Gothaer Herzogs August. Obwohl diese Verbindung wesentlich dafür war, dass sich die Coburger Linie gegenüber den anderen ernestinischen Häusern durchsetzen konnte, ließ sich Ernst I. bereits im Jahr der Gründung des neuen Herzogtums von seiner Ehefrau scheiden. Bereits zwei Jahre zuvor war Luise nach St. Wendel im Fürstentum Lichtenberg (im heutigen Saarland) verbannt worden, getrennt von ihren beiden Söhnen, mit denen sie fortan keinerlei Kontakt mehr haben durfte.
Die vom Forschungszentrum Gotha und der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel gemeinsam geplante Tagung nimmt anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Entstehung des neuen Herzogtums solche Fälle geschiedener hochadeliger Frauen vom 16. bis zum frühen 19. Jahrhundert erstmals systematisch in den Blick. Neben bekannten Beispielen wie der englischen Königin Katharina von Aragon (1485–1536), der als „Prinzessin von Ahlden“ berühmt gewordenen hannoverschen Kurprinzessin Sophie Dorothea (1666–1726) oder der dänischen Königin Caroline Mathilde (1751–1775) steht eine Vielzahl weiterer Fälle, die bislang von der historischen Forschung wenig oder keine Beachtung gefunden haben. Dazu gehört auch eine Zeitgenossin Luises: Elisabeth Christine Ulrike von Braunschweig-Wolfenbüttel (1746–1840) wurde 1769 von ihrem Ehemann Friedrich Wilhelm II. von Preußen geschieden und nach Stettin verbannt, wo sie die restlichen 70 Jahre ihres Lebens verbrachte.
Einzelne Fälle haben dabei als ,tragische Frauenschicksale‘ durchaus mediale Beachtung gefunden; bisweilen handelte es sich bereits zeitgenössisch um hochgradig diskursive Ereignisse, die in Pamphleten, Zeitungen oder auf Medaillen verhandelt wurden. Die dahinterliegenden Motive und Zusammenhänge, etwa die in diesen Trennungen sichtbar werdenden komplexen rechtlichen Aspekte von Eheschließungen mit herrschafts- und machtpolitischer Konnotation, sind bislang allerdings noch nicht umfassend untersucht worden.
Ziel der Tagung ist dementsprechend eine systematische Analyse verschiedener, ähnlich gelagerter Beispiele von Frauen aus dem Hochadel, die verstoßen und/oder deren Ehen geschieden wurden. Gleichermaßen von Relevanz sind versuchte Scheidungen und die Gründe, warum diese letztendlich nicht erfolgten. Warum wurden Scheidungen angestrebt? Welche Akteure waren beteiligt? Wer intervenierte auf wessen Seite? Wie erfolgten die jeweiligen rechtshistorischen oder juristischen Argumentationen im Detail? Wurde die Trennung auch medial zum Thema? Inwieweit haben sich die betroffenen Frauen dazu selbst brieflich oder literarisch geäußert?
Im Zentrum der Analyse stehen Fälle aus den beiden Linien des Hauses Wettin sowie des Welfenhauses, die Tagung ist aber ausdrücklich nicht auf diese beschränkt. Aufschlussreich können entsprechend auch Fallstudien aus anderen europäischen Ländern sein, genauso wie Beiträge aus anderen Disziplinen, etwa aus theologischer, rechtshistorischer oder literaturwissenschaftlicher Perspektive. Vorschläge für Vorträge von ca. 25 Minuten Länge sind bis zum 30. April 2026 erbeten an markus.meumann@uni-erfurt.de und dziudzia@hab.de.
Literatur (Auswahl):
Baumann, Anette u. Inken Schmidt-Voges u. Siegrid Westphal: Venus und Vulcanus. Ehen und ihre Konflikte in der Frühen Neuzeit, München 2011.
Gäde, Katrin: Umstrittenes Eherecht. Handlungsstrategien und Aushandlungsprozesse in Ehescheidungsverfahren adliger Paare vom 18. bis zum 19. Jahrhundert, in: Frühneuzeit-Info 26 (2015), S. 142–151.
Iffert, Katrin: Gescheiterte Ehen im Adel. Trennung und Scheidung des Herzogpaares Alexius Friedrich Christian und Marie Friederike zu Anhalt-Bernburg (1794–1817), in: Eva Labouvie (Hrsg.): Adel in Sachsen-Anhalt, Köln 2007, S. 9–122.
Lettmaier, Saskia: Spouses, Church, and State. Marriage Law in England and Protestant Germany from the Reformation until the Close of the Nineteenth Century, Tübingen 2025.
Walther, Stefanie: Die (Un-)Ordnung der Ehe. Normen und Praxis ernestinischer Fürstenehen in der frühen Neuzeit, München 2011.