Forschungsschwerpunkte

ANTIKE UND FRÜHCHRISTLICHE EPISTOLOGRAPHIE

Während der römischen Kaiserzeit war der Brief bei Griechen und Römern ein wichtiger und beliebter Bestandteil der alltäglichen Kommunikation und der Literatur. Die frühen Christinnen und Christen partizipierten an dieser kommunikativen und literarischen Praxis. Das frühe Christentum etablierte sich geradezu als eine Bewegung des Briefschreibens. Typische Funktionen frühchristlicher Briefe waren religiöse und moralische Unterweisung, theologische Propaganda, pastorale Sorge und Ausübung von (amtlicher) Autorität.

Thomas Johann Bauer hat mehrere Studien zu antiken und frühchristlichen Briefen, besonders zu den Briefen des Paulus vorgelegt. Gegenstand seiner Forschung sind auch frühchristliche pseudepigraphische Briefe, darunter die pseudepigraphischen Paulusbriefe und die kontrovers diskutierten Briefe des Ignatius von Antiochia.

Zur Zeit arbeitet Thomas Johann Bauer an einem Kommentar zum Brief des Polykarp von Smyrna an die Gemeinde in Philippi. Der Kommentar wird in der Reihe “Kommentar zu den Apostolischen Vätern” erscheinen.

APOKALYPTIK, DIE OFFENBARUNG DES JOHANNES UND DAS TAUSENDJÄHRIGE MESSIASREICH

Apokalyptik und apokalyptisches Denken hatten einen bedeutenden Einfluss auf die Anfänge und die frühe Entwicklung der Jesusbewegung bzw. des Christentums. Jesus von Nazaret teilte apokalyptische Erwartungen, und apokalyptische Vorstellungen und Motive finden sich überall in den neutestamentlichen und frühchristlichen Schriften. Dennoch ist die Offenbarung des Johannes im Neuen Testament die einzige Schrift, die in ihrer literarischen Form gänzlich als „Apokalypse“ gestaltet ist. Sie gibt vor, eine besondere Offenbarung an einen Seher zu sein und besondere Einblicke in Gottes Plan für die Menschen, die Welt und die Geschichte zu enthalten.

Thomas Johann Bauer hat mehrere Studien zur Johannesoffenbarung vorgelegt. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf Kapitel 20. Hier findet sich die Erwartung eines tausendjährigen messianischen Reiches, in dem diejenigen, die Gott und Christus bis in den Tod die Treue bewahren, einen besonderen Lohn empfangen, bevor die gegenwärtige Welt ihr Ende findet und die neue Schöpfung und das ewige Gottesreich anbrechen.

URSPRÜNGE UND GESCHICHTE DER LATEINISCHEN BIBEL

Es gibt zwei verschiedene Formen des lateinischen Bibeltextes, die Vetus Latina und die Vulgata. Der Begriff Vetus Latina oder altlateinische Version bezieht sich nicht auf eine einzelne und spezifische Übersetzung oder Form des Textes, sondern ist ein Sammelbegriff, der alle Formen des lateinischen Bibeltextes umfasst, die sich deutlich von der Vulgata-Version unterscheiden und vor Hieronymus entstanden sind. Bei den Büchern des Alten Testaments sind viele dieser Unterschiede auf die Tatsache zurückzuführen, dass die altlateinische Version aus der griechischen Bibel (Septuaginta) und nicht aus dem hebräischen Text übersetzt wurde. Die altlateinische Fassung blieb in ihren verschiedenen Formen in Gebrauch und war fast bis zum Ende des ersten Jahrtausends die vorherrschende lateinische Übersetzung der Bibel. Nachdem die von Hieronymus und anderen vollendete Vulgata-Version seit dem 8. Jahrhundert allmählich zum gemeinsamen Text der lateinischen Bibel geworden war, bestand kein Interesse mehr an der altlateinischen Version.

Thomas Johann Bauer hat Abhandlungen über den älteren lateinischen Text und die Geschichte der lateinischen Bibel veröffentlicht. Er ist verantwortlich für die Beuroner Vetus Latina, die vollständigste Ausgabe aller Zeugen des älteren lateinischen Textes der Bibel.

Aktuelle Forschungsprojekte

Promotionen

Hannah Kronegger arbeitet seit dem WiSe 2020/21 zu dem Thema

Frauen im lukanischen Doppelwerk

Wie erzählt der Evangelist Lukas, der auch der "Evangelist der Frauen" genannt wird, von weiblichen Figuren? Welche Rollen und Funktionen schreibt er ihnen zu? Welchen Traditionen folgt er und welche eigenen Akzente setzt er im Laufe seines Doppelwerks? Diesen Fragen soll im Rahmen des Dissertationsprojekts nachgegangen werden - mit historisch-kritischen und narratologischen Forschungsinstrumenten, gendersensibel.

Mehr zu Hannah Kronegger finden Sie hier

Lizentiat

Gustavo Vega Toro arbeitet seit dem WiSe 2020/21 zu dem Thema

KIRCHE UND WELT - Die frühchristlichen Apologeten und die aktuellen Diskurse 

Wir Christen weisen oft darauf hin, dass wir uns in einer säkularisierten Welt befinden, um zu betonen, dass die Umstände, in denen wir heute unseren Glauben leben müssen, sich grundlegend von denen unterscheiden, die vor wenigen Jahrzehnten vorherrschten, und dass diese außergewöhnliche Transformation uns dazu zwingt, uns zu fragen, wie wir wirklich den Glauben leben sollen. Die Tatsache, dass wir diesem radikalen soziokulturellen Wandel nicht in angemessener Form begegnen konnten, hat kürzlich zu einer beispiellosen Glaubwürdigkeitskrise des Christentums geführt. Im Rahmen dieser Arbeit bietet sich mir die Gelegenheit auszuführen, was unter Glaubwürdigkeitskrise zu verstehen ist. Diese Krise zu beleuchten, verfolgt primär die Absicht, Erkenntnis- und Lernprozesse vorzustellen, wie man sich angesichts bestimmter Aspekte der zeitgenössischen soziokulturellen Realität, die ich im weiteren Verlauf zusammenfassen werde, positiv und negativ gegenüberzustellen hat.

Ziel der vorliegenden Lizenzarbeit ist es, die frühchristliche Apologie zu untersuchen und sie als eine Antwort auf die aktuellen Diskurse vorzustellen.

Magister- und Masterarbeiten

Annika Heberling arbeitet seit dem WiSe 2021/22 zu dem Thema

Hohepriester der künftigen Güter und  Mittler des neuen Bundes. Kultische Vorstellungen und Traditionen in Hebr 9,11-28 

In Hebr 9 wird Erlösung ausgehend von alttestamentlichen kultischen Traditionen in kultischen Begriffen beschrieben, vor allem ausgehend vom Versöhnungstagsritual (Lev 16) und vom als Reinigungsritual gedeuteten Bundesschlussritual (Ex 24). Diese Arbeit soll untersuchen, wie der Verfasser in Hebr 9 bei der Rezeption  der kultischen Traditionen vorgeht und welche Funktion dies für seine Beschreibung von Erlösung hat.

Paula Greiner-Bär hat im SoSe 2021ihre Magisterarbeit eingereicht zum Thema

"Wo ist der neugeborene König der Juden?" (Mt 2,2) - Zur Disposition von orten und Räumen in der matthäischen Kindheitserzählung

Im Zentrum dieser Untersuchung zur Kindheitserzählung in den ersten beiden Kapiteln des Matthäusevangeliums stehen vor allem die Orte und Räume, die in der Erzählung genannt werden und in denen sich die geschilderten Ereignisse und Handlungen vollziehen. Die Orte und Räume werden dabei jedoch nicht nur als physische und geographischen Vorgabe verstanden, die lediglich den passiven, historisch zufälligen und kontingenten Rahmen einer referierten und imaginierten Abfolge von Ereignissen und Handlungen darstellen. Vielmehr geht es um die Frage, ob und inwiefern Orte und Räume integrative Bestandteile der Erzählung sind, durch die sie überhaupt erst definiert und durch die Intention des Erzählers konstruiert werden. Des Weiteren wird der Frage nachgegangen, inwiefern diese Orte und Räume ihrerseits die Erzählung strukturieren und zur Konstituierung des Textsinns in vielfältiger Weise beitragen. Ziel der Arbeit ist es, die Frage nach dem „wo“ des neugeborenen Königs der Juden (vgl. Mt 2,2) mit Hilfe der kritischen Raumtheorie (nach Sybille Bauriedl) zu beantworten, um so einen neuen Interpretations- und Verstehenshorizont zu eröffnen.

Die Arbeit wurde ausgezeichnet mit dem Förderpreis der Katholisch-Theologischen Fakultät Erfurt