Archiv zu Gotha Manuscript Talks

17. November 2021: "Martin Schreiner (1863-1926) between the Study of Islam and the Science of Judaism" mit Prof. Dr. Sabine Schmidtke (Princeton)

17. November 2021, 18.15 Uhr

Vortrag von Prof. Dr. Sabine Schmidtke (Princeton, New Jersey) 

Martin Schreiner (1863-1926) between the Study of Islam and the Science of Judaism

Informationen zum Inhalt der Veranstaltun und zur Referentin erhalten Sie in der englischen Version dieser Seite.

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03. November 2021: "Verborgene Literaturgeschichte: Ismailitische Sammelhandschriften aus Syrien" mit Prof. Dr. Verena Klemm (Leipzig)

Literaturgeschichte

03. November 2021, 18.15 Uhr

Verborgene Literaturgeschichte: Ismailitische Sammelhandschriften aus Syrien

Prof. Dr. Verena Klemm (Leipzig)

Soziale und politische Faktoren, wie Mission, Auswanderung, Verfolgung und Diaspora, trugen wesentlich zur weiträumigen Verbreitung und zur Diversifizierung von Lehre und Literatur der heterodoxen Gemeinschaft der Ismailiten bei. Anhand einer Gruppe von Sammelhandschriften (maǧmū'āt) befasst sich der Vortrag mit der Literaturgeschichte der Ismailiten in Syrien, deren Überlieferung weitgehend verborgen, nicht erfasst oder zerstört worden ist. Multiple text und composite manuscripts erweisen sich hierbei als wahre Fundgruben, die Einblick in die Zirkulation und Rezeption von Texten sowie in die Bedingungen und Formen ihrer Tradierung und Bewahrung bieten können.

Verena Klemm ist Professorin für Arabistik und Islamwissenschaft am Orientalischen Institut der Universität Leipzig mit Schwerpunkt Kultur und Geschichte. Sie initiierte mehrere DFG-Projekte zur Erfassung und Erforschung der Sammlung der arabischen, persischen und osmanischen Manuskripte der Universität Leipzig, wie das Projekt zur Damaszener Privatbibliothek Rifāʿīya (Refaiya). Seit 2018 ist sie Leiterin des Langzeitprojekts „Bibliotheca Arabica. Neue Geschichte der arabischen Literatur“ an der Sächsischen Akademie der Wissenschaften. Ihre Veröffentlichungen behandeln Geschichte und Literatur der Fatimidenzeit, islamische Handschriften im kulturgeschichtlichen Kontext sowie die moderne arabische Literatur und Literaturdebatte.

20. Oktober 2021: "Eine Handschriftensammlung als Spiegel ihrer Besitzer. Was die arabischen Handschriften der Kustodie des Heiligen Landes in Jerusalem über das Interesse der Franziskanermönche an ihrer Lebensumwelt verraten" mit Dr. Carsten Walbiner

20. Oktober 2021, 18.15 Uhr

Eine Handschriftensammlung als Spiegel ihrer Besitzer – was die arabischen Handschriften der Kustodie des Heiligen Landes in Jerusalem über das Interesse der Franziskanermönche an ihrer Lebensumwelt verraten

Dr. Carsten Walbiner

Als offizielle vatikanische Hüter der heiligen Stätten in Palästina sind die Franziskaner der älteste katholische Orden mit einer ununterbrochenen Präsenz in der arabischen Welt. Die Kustodie des Heiligen Landes in Jerusalem, die ursprünglich auf dem Zionsberg beheimatet war, ehe sie ihren jetzigen Platz im Erlöserkloster im christlichen Viertel der heiligen Stadt fand, beherbergt eine ungemein reiche Sammlung an Büchern, Handschriften und Archivmaterial.

Der Vortrag von Dr. Carsten Walbiner wird sich den arabischen Handschriften widmen, die in Sankt Salvator verwahrt werden. Die Leitfrage wird dabei sein, inwieweit diese Dokumente Zeugnis für ein Interesse und tieferes Verständnis seitens der Franziskaner gegenüber jener arabischen Gesellschaft ablegen, in deren Mitte sie lebten. Entwickelten sie ein vergleichbares Interesse an den intellektuellen und literarischen Errungenschaften des Islam, das aus den Sammlungen der melkitischen Mönchskongregationen des Libanon herausgelesen werden kann? Fanden die Traditionen der vielen lokalen christlichen Gemeinschaften Berücksichtigung? Besondere Aufmerksamkeit wird dem 19. und frühen 20. Jahrhundert gewidmet werden. Gibt es Spuren der bekannten arabischen Nahḍa in den Handschriftenbeständen der Bibliothek? Inwieweit finden die massiven politischen Veränderungen, die sich in der späten Osmanen- und frühen Mandatszeit vollzogen, Widerspiegelung in den Manuskripten? Traten die Franziskaner in Jerusalem selbst als Autoren hervor und falls ja, welche Themen wurden behandelt?

Die Analyse wird sich auf den publizierten Katalog von Vincent Mistrih (2000) stützen, der 65 Handschriften umfasst, sowie die vom Verfasser zwischen 2013 und 2020 vorgenommene Untersuchung von 65 weiteren, bisher nicht katalogisierten Manuskripten. In einem kleinen Exkurs werden auch die frühen Drucke der franziskanischen Presse einer Betrachtung unterzogen. Auch wenn die Sphäre des Lernens und der Gelehrsamkeit im 19. Jahrhundert immer noch von handschriftlichen Manuskripten geprägt war, änderte sich die Situation doch in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts, und die Franziskaner gehörten mit ihrer Tipografia Franciscana zu den Vorreitern einer Druckkultur in Palästina.

Dr. Carsten Walbiner, derzeit für den DAAD in Beirut/Libanon tätig, ist ein Spezialist für das arabische Christentum in der Osmanenzeit. Er ist Mitglied der Forschungsstelle Christlicher Orient an der Universität Eichstätt-Ingolstadt und Sektionsherausgeber für christlich-arabische Texte im internationalen Großprojekt “Christian Muslim relations, a bibliographical history (CMR)” (Birmingham/Leiden). Seine wissenschaftlichen Arbeiten basieren in einem hohen Maße auf handschriftlichen Materialien. Aktuell arbeitet er an der Katalogisierung der Sammlung Rehm (Kloster Andechs) sowie der noch nicht erfassten arabischen Handschriften der Kustodie des Heiligen Landes in Jerusalem.

06. Oktober 2021: "Book Culture in Nineteenth-Century Egypt through the Lens of Seetzen’s Manuscript Collection" mit Prof. Dr. Ahmed El Shamsy (Chicago)

06. Oktober 2021, 18.15 Uhr

Vortrag von Prof. Dr. Ahmed El Shamsy (Chicago)

Book Culture in Nineteenth-Century Egypt through the Lens of Seetzen’s Manuscript Collection

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28. April 2021: "Arabische Buchkultur im 9. Jahrhundert" mit Prof. Dr. Beatrice Gründler (Berlin)

28. April 2021, 17:00–18:30 Uhr

Arabische Buchkultur im 9. Jahrhundert

Prof. Dr. Beatrice Gründler (Freie Universität Berlin)

Im Gespräch befasst sich Prof. Dr. Beatrice Gründler mit der Frage, warum der arabische Kodex so früh schon so populär wurde, während dieses Medium sich in Europa langsamer durchsetzte. Sie verfolgt diese Frage mit detaillierten Fallstudien zu Buchhändlern, Büchersammlern, Papierherstellern, Bibliothekaren, Wissenschaftlern und Dichtern des 9. Jahrhunderts. Die Geschichte des Buches wurde bisher mit dem Fokus auf Europa geschrieben, über die Rolle von Büchern in anderen Kulturen ist weniger bekannt. Gründler führt in das reiche literarische Milieu der frühen arabischen Welt ein.

Beatrice Gründler (PhD Harvard University 1995) ist Professorin für Arabistik an der Freien Universität Berlin. Ihre Hauptarbeitsgebiete sind die arabische Schrift, die klassische arabische Dichtung in ihrem sozialen Umfeld, die arabische Buchkultur und die Rolle des Arabischen in der Weltliteratur. Zu ihren Büchern zählen The Development of the Arabic Scripts: From the Nabatean Era to the First Islamic Century (1993, arabische Übersetzung 2004), Medieval Arabic Praise Poetry: Ibn al-Rūmī and the Patron’s Redemption (2003), The Life and Times of Abū Tammām (Akhbār Abī Tammām) by Abū Bakr Muhammad ibn Yaḥyāal-Ṣūlī (2015) und The Rise of the Arabic Book (2020). Für ihre Forschung erhielt sie den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, einen Advanced Grant des Europäischen Forschungsrates (beides 2017) und den Berliner Wissenschaftspreis (2019).

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14. April 2021: "Die Briefsammlung des Valis von Habesch-Dschidda" mit Prof. Dr. Henning Sievert (Heidelberg)

14. April 2021, 17:00–18:30 Uhr

Die Briefsammlung des Valis von Habesch-Dschidda

Prof. Dr. Henning Sievert (Universität Heidelberg)

Die osmanische Provinz Abessinien (Habesch-Dschidda) lag auf beiden Ufern des Roten Meeres, auf der afrikanischen und auf der arabischen Seite. Aus Sicht Konstantinopels war es einerseits eine entlegene Region, andererseits aber nah am Zentrum der muslimischen Welt. Über diese Welt ist weniger bekannt als über andere Teile des Osmanischen Reiches, denn die Quellen sprudeln hier weniger reich als anderswo.

Der Vortrag stellt eine Sammlung ein- und ausgehender Briefe von Ebu Bekr Pascha vor, der ab 1725 als osmanischer Generalgouverneur in dieser Provinz amtierte. Schreiben dieser Art, die sind nur selten erhalten sind, erlauben Einblicke in Praktiken des Korrespondierens und Reisens, in transregionale und personale Beziehungen, Probleme und Zustände in Dschidda und am Roten Meer vor der Dominanz westlicher Grossmächte.

Henning Sievert studierte Islamwissenschaft, Mittlere und Neuere sowie Osteuropäische Geschichte in Kiel und Kairo, wurde in Bochum promoviert und in Zürich habilitiert und leitet seit 2018 die Abteilung Islamwissenschaft am Seminar für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients der Universität Heidelberg mit Schwerpunkt auf arabischer und türkischer Geschichte der Neuzeit und Osmanistik. Wichtige Veröffentlichungen behandeln Geschichtsschreibung und Herrscherwechsel im Mamlukenreich des 15. Jh., Bildung, Buchkultur und Elitennetzwerke im Osmanischen Reich des 18. Jh., Wissen und politische Kommunikation im osmanischen Libyen um 1900.

24. März 2021: "Die Bibel auf Arabisch? Ein Blick in frühe Handschriften" mit Prof. Dr. Ronny Vollandt (München)

24. März 2021, 17:00–18:30 Uhr

Die Bibel auf Arabisch? Ein Blick in frühe Handschriften

Prof. Dr. Ronny Vollandt (Ludwig-Maximilians-Universität München)

Es gibt schätzungsweise etwa zehntausend Manuskripte mit arabischen Versionen der Bibel. Dieses Korpus ist recht divers. Es umfasst Übersetzungen der hebräischen Bibel bzw. des Alten Testaments, aber auch des Neuen Testaments. Eine beachtliche Zahl geht auf deuterokanonische Bücher zurück. Einige dieser Manuskripte haben die Zeiten als intakte Kodizes überdauert. Ein nicht unbedeutender Teil hat sich jedoch nur fragmentarisch überliefert oder in Form von Objekten, die wiederverwendet wurden. Sie finden sich in öffentlichen oder kirchlichen Sammlungen weltweit. Hergestellt wurden die Bibelmanuskripte vom 9. bis zum 20. Jahrhundert. Einige arabische Versionen sind jüdischer Herkunft, andere sind christlichen oder samaritanischen Ursprungs. Jede religiöse Gruppe schuf und bewahrte einen eigenständigen Korpus von Bibelübersetzungen ins Arabische, basierend auf verschiedenen Quellentexten (dem masoretischen Text, aber auch griechischen, syrischen, koptischen und lateinischen Versionen).

Im Vortrag wird Prof. Vollandt den Stand der Forschung zur arabischen Bibel darstellen. In diesem Forschungsfeld ist noch einiges ungeklärt. Viele Fragen zu den Ursprüngen von Bibelversionen auf Arabisch, zu den verschiedenen Texttypen, den Vorlagen und Übersetzungsstrategien, der geographischen und konfessionellen Verteilung, wie auch zur Art der Produktion, Verbreitung und Rezeption können momentan nur vorläufig beantwortet werden. Auch fehlen noch einige grundlegende Instrumente, wie eine umfassende Bibliographie oder ein Inventar von Manuskripten. Prof. Vollandt wird versuchen, unterschiedliche Tendenzen in einem dynamischen Wissenschaftsfeld zusammenzuführen, das seit dem Jahrtausendwechsel bedeutende Impulse erhalten hat und in dem ein Großteil der jüngeren Forschung auf kaum untersuchten Primärtexten basiert.

Ronny Vollandt ist Professor für Judaistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München und gegenwärtig der erste Vorsitzende des Verbands der Judaisten in Deutschland e.V. Er lehrt rabbinisches Judentum und die Geistesgeschichte der Juden in der islamischen Welt. Er forscht zu arabischen Versionen der Bibel, judäo-arabischer Literatur und zum jüdischen kulturellen Erbe, insbesondere von Handschriften, im Nahen Osten.

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10. März 2021: "Die Bücher des Burhan al-Dins - Bibliotheksarchäologie und Buchkultur im mamlukischen Jerusalem" mit Prof. Dr. Konrad Hirschler (Berlin)

10. März 2021, 17:00–18:30 Uhr

Die Bücher des Burhan al-Dins - Bibliotheksarchäologie und Buchkultur im mamlukischen Jerusalem

Prof. Dr. Konrad Hirschler (Freie Universität Berlin)

Im Gespräch wird Prof. Dr. Konrad Hirschler die  früheste dokumentierte arabische Privatbibliothek vorstellen. Sie geht auf das späte 14. Jahrhundert zurück und gehörte einem Gelehrten namens Burhan al-Din, dessen Nachlass nach seinem Tod öffentlich versteigert wurde. Die bis heute erhaltene Liste der verkauften Bücher eröffnet einen einzigartigen Einblick in seine Bibliothek und bietet eine seltene Gelegenheit, eine der vielen verschwundenen nahöstlichen Bibliotheken dieser Periode zu rekonstruieren. Damit wird erkennbar, inwieweit breitere Schichten der Gesellschaften an der Zirkulation des geschriebenen Wortes partizipierten und inwieweit sie Akteure in der Bibliothekslandschaft waren.

Konrad Hirschler ist Professor für Islamwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Sein Hauptarbeitsgebiet ist die Sozial- und Kulturgeschichte Ägyptens und der Levante (Bilad al-sham) in den ayyubidischen und mamlukischen Perioden (ca. 1200–1500). In den vergangenen Jahren hat er insbesondere zur Geschichte des Lesens, der Materialität von Manuskripten und der historischen Entwicklung von Bibliotheken gearbeitet. Seine Veröffentlichungen wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und mit internationalen Buchpreisen ausgezeichnet. Zu seinen Büchern zählen: A Monument to Medieval Syrian Book Culture – The Library of Ibn ʿAbd al-Hādī (2020), Medieval Damascus: Plurality and Diversity in an Arabic Library (2016), The Written Word in the Medieval Arabic Lands: A Social and Cultural History of Reading Practices (2012) and Medieval Arabic Historiography: Authors as Actors (2006). Derzeitig forscht er insbesondere zur Bibliotheks- und Archivgeschichte Jerusalems.

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