Universität Erfurt

Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt

Aktuelles

Feierliche Eröffnung des neuen Forschungszentrums

Am 26. Juni feierte das Forschungszentrum Gotha seinen Umzug in das aufwändig restaurierte Landschaftshaus am Schlossberg 2. Prof. Dr. Martin Mulsow und Prof. Dr. Iris Schröder hießen im Namen des Forschungszentrums rund 75 geladene Gäste im neuen Domizil willkommen.

Grußworte sprachen der Präsident der Universität Erfurt, Prof. Dr. Walter Bauer-Wabnegg, der Oberbürgermeister der Stadt Gotha, Knut Kreuch, sowie der Vorstand der Fritz Thyssen Stiftung, Dr. Frank Suder. Während Walter Bauer-Wabnegg noch einmal die Geschichte des 2004 auf Anregung des Wissenschaftsrats als zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Universität gegründeten Forschungszentrums Revue passieren ließ, widmete sich Knut Kreuch der bewegten Geschichte des Landschaftshauses und seiner Vorgängerbauten: Hier wohnte nicht nur im 17. Jahrhundert der bedeutende Gelehrte Hiob Ludolf, das Haus war zudem im Jahr 1918 Schauplatz historischer Ereignisse, als der Gothaer Reichstagsabgeordnete Wilhelm Bock von der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) am 9. November 1918 vom Balkon die Republik ausrief und Herzog Carl Eduard für abgesetzt erklärte. Frank Suder verwies auf die über 300 Stipendiatinnen und Stipendiaten, die seit 2004 durch das bis heute mit rund 1,5 Mio Euro geförderte Herzog-Ernst-Stipendienprogramm der Thyssen Stiftung mit den Gothaer Bibliotheks- und Sammlungsbeständen arbeiten konnten und während ihres Aufenthalts und darüber hinaus am Forschungszentrum eine wissenschaftliche Heimat gefunden haben. Den Festvortrag hielt der international renommierte Historiker Anthony Grafton von der Princeton University, der die Anfänge der wissenschaftlichen Paläographie zwischen Kalligraphie und Textkritik beleuchtete. Im Anschluss an die Festveranstaltung lud das Forschungszentrum zu einem Empfang im soeben fertiggestellten Innenhof des Gebäudes.

Mit der Eröffnung des Forschungszentrums am neuen Ort endet die fast 10-jährige Sanierung und Restaurierung des repräsentativen Gebäudes am Schlossberg 2, das zwischen 1993 und 2008 leer stand und verfiel. Die Universität Erfurt hat durch ein langfristiges Nutzungskonzept den Weg für die Sanierung geebnet; die Kosten in Höhe von rund 4,5 Mio. Euro wurden aus Mitteln des Freistaates Thüringen, der EU sowie der Stadt Gotha aufgebracht. Im ehemaligen Landschaftshaus stehen dem Forschungszentrum nun geräumige und modern eingerichtete Veranstaltungs- und Büroräume zur Verfügung. Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler können darüber hinaus künftig sogar direkt neben ihren Arbeitsplätzen wohnen, denn im angrenzenden Gebäude am Hauptmarkt 17a-b entstehen derzeit neben zwei weiteren Büroetagen auch Gästewohnungen.

Die Thüringer Allgemeine widmete sich der Eröffnungsveranstaltung in einem eigenen Artikel:

https://gotha.thueringer-allgemeine.de/web/gotha/startseite/detail/-/specific/Mitten-im-Herzen-Gothas-waechst-ein-Campus-1421985910

Das Forschungszentrum zieht um

Das Forschungszentrum Gotha bezieht im Frühjahr und Sommer 2018 neue Räumlichkeiten in zentraler Lage der Gothaer Altstadt direkt am oberen Hauptmarkt. Schon seit dem 2. Mai sind Direktion und Verwaltung im aufwändig sanierten ehemaligen Landschaftshaus am Gothaer Schlossberg 2 zu finden; auch ein Teil der Wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen und Gastwissenschaftler/innen hat hier neue Arbeitsplätze gefunden. Die übrigen Mitarbeiter/innen und Stipendiat/innen verbleiben voraussichtlich bis Anfang September im gewohnten Sitz des Forschungszentrums im östlichen Pagenhaus von Schloss Friedenstein; dann werden auch sie an den oberen Hauptmarkt in das direkt neben dem Landschaftshaus gelegene moderne Gebäude mit der Adresse Hauptmarkt 17a-b umziehen, in denen neben zwei Büroetagen auch Gästewohnungen für Stipendiat/innen und Gastwissenschaftler/innen zur Verfügung stehen. Pünktlich zum Beginn des Wintersemesters wird das Forschungszentrum damit zur Gänze am neuen Standort zu finden sein.

Die Vorträge des Wissenschaftlichen Programms sowie größere Tagungen finden künftig in der Regel im Vortragssaal des Forschungszentrums am Schlossberg 2 statt. Der Seminarraum im Pagenhaus wird jedoch weiterhin für Kolloquien und Workshops genutzt. Wir bitten um Beachtung der jeweiligen Veranstaltungsorte, sie werden im Programm ausgewiesen.

HES-Stipendiat des Jahres 2013 mit renommiertem Natalie-Zemon-Davis-Preis ausgezeichnet

Dr. Marco Lamanna von der Universität Luzern (Schweiz), der im Jahr 2013 mit einem Herzog-Ernst-Stipendium der Fritz Thyssen Stiftung in Gotha über „Liborius Capsius (1589–1654) and the Evangelical University of Erfurt“ geforscht hat, hat kürzlich den renommierten Natalie-Zemon-Davis-Preis erhalten. Mit dem Preis, der das Lebenswerk der kanadisch-amerikanischen Historikerin würdigt, wird alljährlich der beste Artikel des in Kanada erscheinenden Journals Renaissance et Reformation ausgezeichnet, das Zemon Davis mitbegründet hat. Lamannas preisgekrönter Artikel "Tommaso Campanella in the Schulmetaphysik: The Doctrine of the Three Primalities and the Case of the Lutheran Liborius Capsius (1589-1654) in Erfurt" ist das unmittelbare Ergebnis seines Forschungsaufenthaltes in Gotha und fasst die dabei gewonnenen Erkenntnisse zusammen.
Das Forschungszentrum und die Forschungsbibliothek Gotha gratulieren Dr. Marco Lamanna sehr herzlich und freuen sich über die Auszeichnung.

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Freigeist-Fellowship für Bernhard Schirg am Forschungszentrum Gotha

Die VolkswagenStiftung hat Dr. Bernhard Schirg für sein Projekt „Reaching for Atlantis. The cultural biographies of objects under the Swedish Empire and beyond“ ein Freigeist-Fellowship am Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt bewilligt. Die Stiftung unterstützt damit nach eigenen Angaben „junge außergewöhnliche Forscherpersönlichkeiten, die sich zwischen etablierten Forschungsfeldern bewegen und risikobehaftete Wissenschaft betreiben möchten“. Das Stipendium ist mit einer knappen Million Euro dotiert und zunächst auf die Dauer von fünf Jahren angelegt.

„Das Fellowship ist für mich die wunderbare Chance, eine Idee mit größtmöglicher Eigenständigkeit, Freiheit und Offenheit in einem Umfeld und mit einem Team meiner Wahl umzusetzen und meinen Forschungen über disziplinäre Zwänge und klassische Karrieremuster der akademischen Realität hinweg nachgehen zu dürfen“, freut sich Bernhard Schirg. Der promovierte Neo-Latinist, im Frühjahr 2017 Herzog-Ernst-Stipendiat am Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt, war bis Ende 2017 in einem Berliner Projekt zur schwedischen Wissenschaftsgeschichte und zum Antiquarismus im Ostseeraum tätig, aus dem schließlich sein Gothaer Forschungsvorhaben hervorging.

„Ziel meines Freigeist-Projekts ist es, gleichzeitig Wissenschafts-, Natur- und Sammlungsgeschichte zu erzählen und sichtbar zu machen – anhand ausgewählter Objekte, auf deren Basis Gelehrte zur Zeit des schwedischen Großreichs (ca. 1650–1720) das ruhmreiche Narrativ der Frühgeschichte ihrer Nation entwickelten“, erläutert Schirg. Mithilfe einer digitalen Plattform und der Einbindung historischer Quellen möchte er darstellen, wie diese Objekte zu unterschiedlichen Zeiten kontextualisiert und interpretiert worden sind. Dabei arbeitet Schirg mit internationalen Forschern, Bibliotheken, Museen und Experten in den Digital Humanities zusammen. Diese vielschichtige Perspektive auf Objekte wird Erkenntnisse über ihre soziale Geschichte(n), über wissenschaftliche Paradigmenwechsel sowie frühneuzeitliche Sammlungspraktiken in einem bisher wenig erforschten Feld gestatten. „Gotha ist dafür ein idealer Ort, weil Gotha Objektsammlungen mit einer historischen Bibliothek sowie einem exzellenten Forschungszentrum mit regem internationalen Austausch vereint. Die Forschungsbibliothek auf Schloss Friedenstein bietet einzigartige Bestände und stellt auch mit Blick auf die technischen Herausforderungen des Projekts einen starken Kooperationspartner dar.“

Ausgangspunkt der Arbeit von Bernhard Schirg ist die monumentale vierbändige „Atlantica“, in der der Universalgelehrte Olof Rudbeck (1630–1702) aus Uppsala nicht nur Platons Atlantis, sondern auch den Ursprung der gesamten klassischen Tradition auf den Norden zurückführte. In der Folge fanden umfangreiche Deutungen und Umdeutungen der materiellen Kultur sowie des klassischen Erbes statt. Das systematische Studium und die Deutung archäologischer Funde und der nordischen Natur eröffneten einen Zugang, mit dem sich die Texte klassischer Autoren als (missverstandene) Zeugnisse einer glanzvollen Frühgeschichte Schwedens – des wahren Atlantis – lesen ließen. Als Artefakte und Naturalia in zeitgenössischen Sammlungen vereint, lieferten sie greifbare Belege für die rudbeckianischen Antiquare, die in ihren hermeneutischen Anstrengungen das Defizit der Großmacht an historiografischen Quellen auszugleichen versuchten.

Das interdisziplinäre Projekt wagt einen Perspektivwechsel auf eine enorm einflussreiche, doch bisher wenig beachtete Epoche in der europäischen Geistesgeschichte. Mit zahlreichen Textdokumenten und Bildern – darunter Reiseberichte, akademische Publikationen und Gelehrtenkorrespondenzen – zeichnet es die Laufbahn ausgewählter Objekte in akademischen und sozialen Kontexten nach und trägt zu einer Neuverortung von aus früheren Sammlungs- und Interpretationskontexten gelösten Objekten bei.

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