Universität Erfurt

Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt

Aktuelles

HES-Stipendiat des Jahres 2013 mit renommiertem Natalie-Zemon-Davis-Preis ausgezeichnet

Dr. Marco Lamanna von der Universität Luzern (Schweiz), der im Jahr 2013 mit einem Herzog-Ernst-Stipendium der Fritz Thyssen Stiftung in Gotha über „Liborius Capsius (1589–1654) and the Evangelical University of Erfurt“ geforscht hat, hat kürzlich den renommierten Natalie-Zemon-Davis-Preis erhalten. Mit dem Preis, der das Lebenswerk der kanadisch-amerikanischen Historikerin würdigt, wird alljährlich der beste Artikel des in Kanada erscheinenden Journals Renaissance et Reformation ausgezeichnet, das Zemon Davis mitbegründet hat. Lamannas preisgekrönter Artikel "Tommaso Campanella in the Schulmetaphysik: The Doctrine of the Three Primalities and the Case of the Lutheran Liborius Capsius (1589-1654) in Erfurt" ist das unmittelbare Ergebnis seines Forschungsaufenthaltes in Gotha und fasst die dabei gewonnenen Erkenntnisse zusammen.
Das Forschungszentrum und die Forschungsbibliothek Gotha gratulieren Dr. Marco Lamanna sehr herzlich und freuen sich über die Auszeichnung.

Freigeist-Fellowship für Bernhard Schirg am Forschungszentrum Gotha

Die VolkswagenStiftung hat Dr. Bernhard Schirg für sein Projekt „Reaching for Atlantis. The cultural biographies of objects under the Swedish Empire and beyond“ ein Freigeist-Fellowship am Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt bewilligt. Die Stiftung unterstützt damit nach eigenen Angaben „junge außergewöhnliche Forscherpersönlichkeiten, die sich zwischen etablierten Forschungsfeldern bewegen und risikobehaftete Wissenschaft betreiben möchten“. Das Stipendium ist mit einer knappen Million Euro dotiert und zunächst auf die Dauer von fünf Jahren angelegt.

„Das Fellowship ist für mich die wunderbare Chance, eine Idee mit größtmöglicher Eigenständigkeit, Freiheit und Offenheit in einem Umfeld und mit einem Team meiner Wahl umzusetzen und meinen Forschungen über disziplinäre Zwänge und klassische Karrieremuster der akademischen Realität hinweg nachgehen zu dürfen“, freut sich Bernhard Schirg. Der promovierte Neo-Latinist, im Frühjahr 2017 Herzog-Ernst-Stipendiat am Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt, war bis Ende 2017 in einem Berliner Projekt zur schwedischen Wissenschaftsgeschichte und zum Antiquarismus im Ostseeraum tätig, aus dem schließlich sein Gothaer Forschungsvorhaben hervorging.

„Ziel meines Freigeist-Projekts ist es, gleichzeitig Wissenschafts-, Natur- und Sammlungsgeschichte zu erzählen und sichtbar zu machen – anhand ausgewählter Objekte, auf deren Basis Gelehrte zur Zeit des schwedischen Großreichs (ca. 1650–1720) das ruhmreiche Narrativ der Frühgeschichte ihrer Nation entwickelten“, erläutert Schirg. Mithilfe einer digitalen Plattform und der Einbindung historischer Quellen möchte er darstellen, wie diese Objekte zu unterschiedlichen Zeiten kontextualisiert und interpretiert worden sind. Dabei arbeitet Schirg mit internationalen Forschern, Bibliotheken, Museen und Experten in den Digital Humanities zusammen. Diese vielschichtige Perspektive auf Objekte wird Erkenntnisse über ihre soziale Geschichte(n), über wissenschaftliche Paradigmenwechsel sowie frühneuzeitliche Sammlungspraktiken in einem bisher wenig erforschten Feld gestatten. „Gotha ist dafür ein idealer Ort, weil Gotha Objektsammlungen mit einer historischen Bibliothek sowie einem exzellenten Forschungszentrum mit regem internationalen Austausch vereint. Die Forschungsbibliothek auf Schloss Friedenstein bietet einzigartige Bestände und stellt auch mit Blick auf die technischen Herausforderungen des Projekts einen starken Kooperationspartner dar.“

Ausgangspunkt der Arbeit von Bernhard Schirg ist die monumentale vierbändige „Atlantica“, in der der Universalgelehrte Olof Rudbeck (1630–1702) aus Uppsala nicht nur Platons Atlantis, sondern auch den Ursprung der gesamten klassischen Tradition auf den Norden zurückführte. In der Folge fanden umfangreiche Deutungen und Umdeutungen der materiellen Kultur sowie des klassischen Erbes statt. Das systematische Studium und die Deutung archäologischer Funde und der nordischen Natur eröffneten einen Zugang, mit dem sich die Texte klassischer Autoren als (missverstandene) Zeugnisse einer glanzvollen Frühgeschichte Schwedens – des wahren Atlantis – lesen ließen. Als Artefakte und Naturalia in zeitgenössischen Sammlungen vereint, lieferten sie greifbare Belege für die rudbeckianischen Antiquare, die in ihren hermeneutischen Anstrengungen das Defizit der Großmacht an historiografischen Quellen auszugleichen versuchten.

Das interdisziplinäre Projekt wagt einen Perspektivwechsel auf eine enorm einflussreiche, doch bisher wenig beachtete Epoche in der europäischen Geistesgeschichte. Mit zahlreichen Textdokumenten und Bildern – darunter Reiseberichte, akademische Publikationen und Gelehrtenkorrespondenzen – zeichnet es die Laufbahn ausgewählter Objekte in akademischen und sozialen Kontexten nach und trägt zu einer Neuverortung von aus früheren Sammlungs- und Interpretationskontexten gelösten Objekten bei.

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