Kondolenzbuch für Herrn Professor Dr. Frank Ettrich
Die Universität Erfurt und ihre Staatswissenschaftliche Fakultät haben mit großer Bestürzung die Nachricht erhalten, dass Herr Professor Dr. Frank Ettrich am 11. Januar 2026 verstorben ist. Um Anteilnahme zu bekunden und Erinnerungen zu teilen, hat die Fakultät ein virtuelles Kondolenzbuch eingerichtet. Einträge können über das unten stehende Formular oder per E-Mail an staatswissenschaften@uni-erfurt.de gesendet werden.
Ihre Kondolenz wird mit dem von Ihnen eingetragenen Namen – in der Regel innerhalb von ein bis zwei Werktagen – auf dieser Seite veröffentlicht.
Kondolenzen
Lieber Herr Ettrich, mit Bestürzung habe ich die Nachricht Ihres plötzlichen und viel zu frühen Todes aufgenommen. Nur Tage vorher haben wir uns noch gesehen und ich habe mich – wie immer – über diese Begegnung gefreut. Wortwechsel mit Ihnen waren nie langweilig; Sie vermochten immer, das Gegenüber zu überraschen. Ich war beeindruckt von Ihrem großen Wissensschatz und Ihrer rhetorischen Gabe. Ich hätte es Ihnen von Herzen gegönnt, dass Sie Ihren wohlverdienten Ruhestand sehr viel länger hätten auskosten können. Ihr Tod ist ein großer Verlust – es bleibt uns nichts anderes übrig, als Sie nun in unserer Erinnerung weiterleben zu lassen. Eine Erinnerung, die sehr warm und herzlich ist.
Prof. Dr. Miriam Zschoche (Dekanin der Staatswissenschaftlichen Fakultät)
Frank Ettrich war für mich immer der Inbegriff, wofür die Brandt School steht: in Forschung und Lehre den Ausgleich zwischen unterschiedlichen Anschauungen und Regionen zu suchen, zwischen West- und Ostdeutschland, West- und Osteuropa, Globalem Norden und Globalen Süden. Wir werden ihn vermissen. Mein Beileid an seine Familie
Prof. Dr. Achim Kemmerling (Vizedirektor der Willy Brandt School of Public Policy; Inhaber der Gerhard Haniel Professur für Public Policy and International Development )
Mit großer Bestürzung habe ich heute vom Tod Frank Ettrichs erfahren. Als Student der Staatswissenschaften waren es seine Vorlesungen, die mich für die Soziologie begeisterten. Ein Mann des gesprochenen Wortes, der stets präzise sowie fundiert und gleichzeitig mit trockenem Humor seine Zuhörer für sich einnehmen konnte. Für die Grundlagen, die er bei mir gelegt hat, bin ich ihm zutiefst dankbar. Ich habe mich daher sehr gefreut, ihn noch einmal anlässlich seiner Emeritierung an der Uni Erfurt – leider ein letztes Mal – zu treffen. Seine menschliche Art, sowie seine Weise, Soziologie zu denken, werden mir nachhaltig in Erinnerung bleiben.
Dr. Lukas Pfäffle (Max-Weber-Insitut für Soziologie, Universität Heidelberg)
Vielen Dank für Ihre klugen Worte, Ihr Engagement für Ihre Studierenden und Ihre ostdeutsche Perspektive im durch und durch westdeutschen Wissenschaftsdiskurs. Es war mir immer eine Freude zuzuhören und mit Ihnen zu diskutieren. Ohne Ihre Klugheit, die manchmal auch ins Kautzige abgedriftet ist, hätte ich viele Perspektiven im Studium nicht erfahren. Ihrer Familie wünsche ich in dieser Zeit alles Gute. Kevin Groß
Er war geprägt von der Zeitenwende, die sein Leben in zwei Teile schied - das gab ihm einen weiteren Blick als den Meisten, sowie unbedingte Empathie mit all jenen überall auf der Welt, die ähnlichen Verwerfungen ausgesetzt waren und sind. Er konnte kantig, eigenwillig und manchmal auch etwas geheimnisvoll sein, stets aber war sein Verstand messerscharf, sein Wortwitz gewaltig, seine letztliche Ernsthaftigkeit maßgebend. Viel zu früh müssen wir nun ohne ihn auskommen, er fehlt uns schon jetzt ! Seiner Familie mein tiefes Beileid, Kraft und Zuversicht angesichts dieses so plötzlichen Wegganges. Uns allen sein Andenken, dass wir in der neuerlichen Zeitenwende, die wir gerade erleben, mehr denn je brauchen werden. Danke ! Prof. Dr. Florian F. Hoffmann (PUC-Rio / 2010-12 sein Stellvertreter, 2012-15 sein Nachfolger als Direktor der Brandt School / Universität Erfurt)
Prof. Ettrich war der Erste, der akademisch an mich geglaubt hat, der mich forderte und förderte und das weit über meine Zeit als Hilfskraft hinaus. Er hat die Liebe zur Wissenschaft in mir entfacht, mir gezeigt wie wichtig kritisches Hinterfragen ist und dass ich es schaffen kann, meinen Weg zu gehen. Er hat meine Bachelorarbeit betreut und sich jeder noch so nervigen Frage angenommen, immer auf Augenhöhe, niemals von oben herab. Er hat Türen geöffnet, von denen ich nicht einmal wusste, dass sie existieren. Ich werde die ewigen Nachmittage in seinem Büro, das wohl für immer nach Zigaretten und starkem Kaffee riechen wird, vermissen. Die endlosen Diskussionen, die wir führten und die Lebensweisheiten („Wählen Sie niemals ein Leben, in dem sie von einem Mann abhängig sind!“), die er mir mit auf den Weg gab. Ich verabschiede mich vielleicht von meinem Professor, aber nicht von dem Mentor, der er immer für mich bleiben wird und dessen akademisches Vermächtnis ich weitertrage. Alicia Strobach (Studentin)
Prof. Ettrich, Danke für die schöne Zeit und die schönen Unterhaltungen im Hilgenfeld. Ich werde sie vermissen. Ich habe es geliebt, mit ihnen über Bourdieu und Reckwitz zu sprechen. Wir waren nicht immer einer Meinung, auch was die SPD und das Engagement im Stura angeht. Muss gestehen bin da immer noch selbst in Osnabrück aktiv. Aber am Ende haben sie mich am meisten von all den Profs geprägt und mit ihnen geht für mich auch die Ära von Thumfart , Blanke etc. zu Ende. Philipp Bönnen
Mit Frank Ettrich haben wir nicht nur einen großen Gelehrten verloren, dessen gesellschaftspolitische Einschätzungen ich immer mit großem Interesse verfolgt habe. Vielmehr haben wir einen geschätzten Kollegen verloren, der erfrischend gerade heraus gesagt hat, was er dachte, dabei aber immer herzlich war. Er wird sehr fehlen. Lena Kiesewetter (Willy Brandt School)
Mit großer Bestürzung und Trauer nehmen die Mitglieder des Max-Weber-Kollegs Abschied von Prof. Dr. Frank Ettrich. Er war von 2019 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2024 kooptierter Fellow aus der Staatswissenschaftlichen Fakultät im Kollegrat des Max-Weber-Kollegs. Darüber hinaus war er bis zu seinem Tod einer der beiden Editors-in-Chief des Berliner Journals für Soziologie, das am Max-Weber-Kolleg herausgegeben wird.
In seiner Forschung hat er sich, in steter Auseinandersetzung mit dem Werk und Forschungsprogramm Max Webers, insbesondere mit der Dynamik und den Folgen der postkommunistischen Transformation beschäftigt. Vergleichende soziologische Fragen analysierte er auch mit Blick auf Russland, das er durch vielfältige Forschungsaufenthalte sehr gut kannte.
Das Berliner Journal, dessen Gründungsredakteur er war, prägte er über die gesamten fünfunddreißig Jahre seiner Existenz. Noch in der Woche vor seinem Tod hat er an mehreren Sitzungen teilgenommen und seine Perspektive mit der ihm eigenen Verbindung von Scharfsinn, Hingabe und großer Empathie eingebracht.
„Wir haben Frank Ettrich als warmherzigen, stets gradlinigen und leidenschaftlich an der Sache orientierten Kollegen und Freund kennen und schätzen gelernt. Sein Tod reißt eine große Lücke – insbesondere in unser Herausgeberteam des Berliner Journals. Wir werden sein Andenken ehren. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie“, so Hartmut Rosa (Direktor des Max-Weber-Kollegs und Editor-in-Chief des Berliner Journals. Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien der Universität Erfurt)
In Frank Ettrich haben wir einen scharfsinnigen, authentischen und schlichtweg beeindruckenden Wissenschaftler verloren, dessen Tod mich persönlich ergreift. Dank ihm durfte ich die Disziplin der Sozialstrukturanalyse und schließlich die Wissenschaft der Soziologie kennenlernen, was sich als richtungsweisend für meinen weiteren akademischen Weg erweisen sollte. Ich habe ihm mehr zu verdanken, als ich ihm jemals mitteilen konnte. W.U.
Mit großer Betroffenheit habe ich vom Tod von Frank Ettrich erfahren.
In einem Beratungsgespräch überzeugte er mich, für den Master nach Erfurt zu kommen. Rückblickend erwies sich diese Entscheidung – auch vor dem Hintergrund meiner westdeutschen Sozialisation und meiner ostdeutschen Familiengeschichte – als akademisch wie persönlich prägend. Später habe ich meine Masterarbeit bei Frank Ettrich geschrieben. Er verband großen Scharfsinn mit einer zugewandten, wertschätzenden Haltung gegenüber seinen Gesprächspartnern. Diese Verbindung prägte die Gespräche mit ihm und wird mir in Erinnerung bleiben. Meine Anteilnahme gilt der Familie und den Freunden von Frank Ettrich. Jannis Seifert
Ich bin unglaublich schockiert von der Nachricht über den Tod von Prof. Ettrich. Eine gewaltige Dankbarkeit macht sich in mir breit, wenn ich über die Zeiten nachdenke, die ich als Studierender bei ihm erleben durfte.
Sein fulminanter Wissensschatz, seine enormen rhetorischen Fähigkeiten und die gewisse Portion Witz begeisterten mich stets enorm. Seine Analysen, die auch Kontroversen nicht außen vorließen, werden fehlen.
Er begegnete einem immer in seiner besonderen, aber allzeit wertschätzenden Art und offenbarte bei jeder Begegnung Inspirationen, die mich für mein ganzes Leben prägen werden. Wir müssen nun leider auf einen ganz großen Denker verzichten, der mich aber immer im Geiste begleiten wird. Ich wünsche seiner Familie viel Kraft in dieser Zeit. Rick Schulze
Frank Ettrich war inhaltlich und didaktisch einer der Lichtblicke der Staatswissenschaften der Universität Erfurt zu meiner Zeit dort als Student. Sein Tod betrübt mich aber besonders deshalb, weil ich ihn in meiner Zeit an der Uni Erfurt von 2012 bis 2015 als Mann erlebt habe, der klare Positionen hatte, nicht scheute, diese zu verteidigen und in der Lage war, hart in der Sache - aber niemals unfreundlich zu diskutieren. Er hat fachlich, aber auch besonders menschlich meinen Respekt und meine Anerkennung gewonnen. Meine Anteilnahme gilt Angehörigen und Freunden. Lucas R. S. Abele
Ruhe in Frieden, lieber Frank, und danke dir für dein großes Herz. Andreas Häckermann
Prof. Ettrich guided me with patience, interest and useful literature approaches on my Master’s thesis at Willy Brandt School. We shared a vision and interest in analyzing the dynamics and approaches of academic knowledge exchange between the global North and the global South countries. I appreciated and enjoyed these discussions. Juliana Olave
Wer immer die Chance hatte, ihn kennenzulernen, war danach überzeugt. Freundlich, hilfsbereit und bescheiden ging er auf seine Mitmenschen zu und wo er unterstützen konnte, half er. Dabei war er ein großer Soziologie, Intellektueller und ein überzeugender Grenzgänger zwischen östlichen und westlichen Welten. Ich lernte ihn in Heidelberg 1990 kennen, als mein Chef, Prof. Dr. M. Rainer Lepsius, ihn sofort an unsere Universität eingeladen hatte. "Das ist einer der klügsten Soziologen aus Ostdeutschland – kümmern Sie sich um ihn", war der Rat an seinen Assistenten. Dieses Hinweises hätte es gar nicht bedurft, denn schon bei unserer ersten Begegnung funkte es – intellektuell. Der hatte was auf dem Kasten und war auch noch ein netter Mensch – im akademischen Bereich eine seltene Kombination. Meist sind diese "Akademicker" ziemlich eingebildet auf das, was sie besser zu wissen glauben als ihre Mitmenschen. Frank war nicht so.
Und dann die Überraschung, dass es uns vergönnt war, zusammen zu arbeiten. Als mich der Ruf an die Humboldt-Universität 1992 als junger Privatdozent aus Heidelberg erreichte, hatte ich das unfassbare Glück, ihn als meinen "ersten Assistenten" zu bekommen. Frank Ettrich war nie ein Assistent, sondern von Anfang an mein befreundeter Kollege. Zusammen versuchten wir mit einem Kollegenkreis das "Berliner Journal für Soziologie", eine ostberliner Gründung der ostdeutschen Gesellschaft für Soziologie, zu einem anerkannten Blatt zu machen. Es ist gelungen und natürlich war Frank die Seele des Journals – von Anfang an bis zu seinem vorzeitigen Tod. Und natürlich haben wir zusammen mit Steffen Sigmund (jetzt Heidelberg) eine theoretische Ausbildung aufgebaut, die in der ganzen Republik ihresgleichen suchen konnte. Denn zusammen mit dem Lehrstuhl Politik von Herfried Münkler gelang es bis zur unseligen Bologna-Reform, eine Theorieausbildung aufzubauen, die von Aristoteles und Platon bis heute über Marx, Durkheim, Weber, Simmel bis zu Adorno, Habermas, Foucault und Bourdieu aufzubauen. Wer dieses Studium in den guten, alten Zeiten durchlaufen durfte, konnte sich als gebildet betrachten. Zahllose Professuren im In- und Ausland sind aus dieser Zeit hervorgegangen, , denn wie mir meine Erfahrungen aus Harvard, Princeton, New York und Berkeley bestätigten, gab es so etwas nicht einmal mehr an den reichen amerikanischen Eliteuniversitäten. Hier im kleinen Kreis (Simmel) und mit überzeugten Mitarbeitern und Assistenten war so etwas noch möglich, aber eben auch nicht ewig. Und bis zu seinem Ruf nach Erfurt waren Frank Ettrich neben Harald Bluhm, Assistent bei Münkler, entscheidend daran beteiligt. Es war die goldene Zeit der Humboldt-Universität nach ihrem Wiederaufbau. Die Leistung von Frank Ettrich dazu war ganz großartig. Das kann ich erst jetzt sagen, nachdem er gestorben ist. Denn er hätte diese Ehre sofort weit von sich gewiesen. Aber ich versichere, es war wirklich so und er war wirklch so, denn das hat er bestimmt in seinem unermüdlichen Einsatz für die Universität Erfurt, die Willy Brandt-School und das Max Weber Kolleg genau so fortgesetzt. Er konnte einfach nicht anders als gut (old school), ach was sensationell gut (new school) zu sein. Die Leidenschaft seines Denkens und Schaffens ließ nichts andreres zu. So war er wirklich ein vorbildlicher und verbindlicher Lehrer. Wer wirklich wollte, konnte unfassbar viel von diesem fruchtbaren intellektuellen Kopf für sich und das Leben mitnehmen. Wir haben öfters gewitzelt. Ich habe ihn darum gebeten, eines Tages meinen Nachruf zu schreiben. Keiner kannte mich so gut und vermochte mich auch so kritisch einzuschätzen wie Frank Ettrich. Mist, nun ist es anders gekommen und ich werde seinen Nachruf verfassen müssen, ach was wollen. Hoffentlich schaffe ich es, diese vielen guten Seiten seiner Persönlichkeit in einem kurzen Beitrag zusammen zu packen. Frank, Du fehlst – schon jetzt! Prof. Dr. Hans-Peter Müller
Lieber Herr Ettrich, seit meinem Bachelorstudium haben Sie mich als Mentor begleitet. Ohne Sie hätte ich kein Masterstudium begonnen und wäre kein Teil der Wissenschaft, die ich inzwischen als Beruf und Berufung ansehe. Zu gerne hätte ich mich mit Ihnen noch über meinen weiteren akademischen Weg ausgetauscht; neben den Themen, über die wir sonst gesprochen haben. Meine Lieblingsthemen waren die Universität Erfurt, ostdeutsche Transformation und Zeitdiagnosen – oft begleitet von Kaffee und einem Stück Kuchen. Ich bin sehr dankbar, dass ich über ein Jahrzehnt Teil davon sein durfte. Sie hatten ein bemerkenswertes Gespür für die feinen Unterschiede, verstanden es zu entzaubern, ohne zu entmutigen. Ich habe Ihre Ansichten und Ihre Analysefähigkeit immer sehr geschätzt und bewundert. Sie haben meine Forschungsinteressen und mein Engagement maßgeblich mitgeprägt. Mein aufrichtiges Beileid gilt Ihren Angehörigen. Mögen die schönen Erinnerungen Ihnen Trost spenden. Veronika Stein (ehem. wissenschaftliche Hilfskraft; wissenschaftliche Mitarbeiterin Karlsruher Institut für Technologie)
Die Nachricht von Frank Ettrichs Tod hat mich völlig überrascht (hatte ich ihn doch noch gerade erst im Café Hilge getroffen) und mich tief getroffen. Als ich vor rund 16 Jahren an meinem ersten Arbeitstag in den Gängen des Lehrgebäude 1 mein Büro suchte, stand Frank Ettrich vor mir, ein Manuskript in der einen und eine Zigarette in der anderen Hand, und rief mir ein lautes „Herr Kollege…“ durch den leeren Flur entgegen. In solchen zufälligen Begegnungen sowie in den vielen Gremiensitzungen, die wir beide gemeinsam besucht haben, entwickelten sich immer wieder Gespräche, in denen es um die Uni, die Fakultät, die Lehre, aber auch um Musik und immer wieder um die Soziologie und deren unterschiedlichen Paradigmen und Methoden ging (die er oft ganz anders bewertete als ich). Ich habe aus diesen Gesprächen viel mitgenommen und werde sie vermissen. Mein herzliches Beileid möchte ich seiner Familie aussprechen. Guido Mehlkop (Universität Erfurt, Staatswissenschaftliche Fakultät).
Frank Ettrich habe ich im März 2000 kennengelernt, und wir waren schnell beim du. Wir hatten mehr als den Jahrgang gemeinsam. In einem etwas kuriosen Sinn waren wir beide Ausländer. Er der Ostdeutsche, der jetzt an einer von Westdeutschen dominierten Universität war und ich als Schweizer. In den Profilen hatten wir Überschneidungen aber noch mehr Komplementaritäten. Gerade wissenschaftlich schätzten wir beide die gleichen Phänomene und Herausforderungen so unterschiedlich ein wie der Bergsteiger und der Skifahrer den gleichen Berg sehen. Der eine sieht die schattigen Steilwände und die Gefahren des Steinschlags und der andere sieht die Möglichkeiten des sonnenbeschienen Neuschneehangs. Was das wissenschaftliche und universitäre Handwerk angeht, war Frank Ettrich ein Weber. Er verwob so viele Fäden zu so viel Themen und dazu mit soviel anderen Menschen, dass daraus ein wirklich bedeutender Teppich wurde. Und wenn die Teile mal nicht zusammenpassten, dann nahm er Zwirn und Nadel, um sie zu verbinden. Der trennende Schnitt des Schere war weniger sein Ding. Mit Frank Ettrich verlässt uns ein Vollblutwissenschaftler. Wenige haben in ihrem akademischen Leben so viel erlebt und im besten Sinne überlebt. Er wird mir fehlen. Prof. Dr. Tobias Rötheli
Prof. Ettrich ist nicht mehr, ganz plötzlich. Ein schöner Tod also. Aber viel zu früh. Noch im November sah ich ihn, als nach Jahren der gemeinsamen Arbeit nun endlich die Verteidigung meiner Dissertation anstand. Mit meinem Doktorvater hätte ich noch vieles zu besprechen gehabt, das nun ungesagt bleiben muss. Prof. Ettrich war einzigartig in vielen Bereichen. Sei es seine Position mit oder trotz ostdeutschem Hintergrund. Sei es sein unabhängiger Geist. Sei es seine Fähigkeit, jungen Menschen zu eigenständigem Denken zu verhelfen. Sei es seine Kärrnerarbeit abseits des wissenschaftlichen Mainstreams. Er fehlt. Bestimmt nicht nur mir. Franziska Schneider
Plötzlich und viel zu früh bist Du von uns gegangen. Du warst einer meiner beiden Doktorväter an der Universität Erfurt in Staatswissenschaften und ein brillanter, herzlicher Mensch, Sozi und Soziologe. Ich verdanke Dir sehr viel, Frank. Ruhe in Frieden. Du bleibst ein unvergessenes und unersetzliches Unikat. Seitdem ich 1999 StaWi an der Erfurt studiert habe, hast Du mich inspiriert und mein Interesse an der Soziologie und sozialen Fragen entfacht.
Du bleibst als wunderbarer Gesprächspartner in Erinnerung, der scharfsinnig und redselig war, aber nie verletzend. Du warst authentisch und aufrecht, hast das Herz auf der Zunge getragen. Du warst sehr politisch, aber Mikropolitik wolltest Du nicht mitmachen. Deine Ost-Biografie war selten in der Wissenschaft und hatte viele gute Seiten, die ich an Dir schätzte. Es muss mehr Fügung als Zufall gewesen sein, dass ich gerade bei Dir meine Promotion abgeschlossen habe, der einst bei meinem alten Freund und ehemaligen Rektor der Humboldt-Universität zu Berlin, Heinrich "Heiner" Fink habilitierte, wie wir später zufällig bemerkten. Ihr beide lebt nicht mehr, aber was ich von Euch über Gerechtigkeit gelernt habe, brennt weiter. Danke Frank Ettrich. Henryk Balkow
Mit großer Bestürzung habe ich vom plötzlichen Tod von Frank Ettrich erfahren und stehe noch immer unter Schock. 13 Jahre lang durfte ich mit ihm zusammenarbeiten - eine Zeit, für die ich unendlich dankbar bin. Er war nicht nur ein herausragender Wissenschaftler, sondern vor allem ein ganz besonderer Mensch mit einem einzigartigen Humor, Empathie und echter Wertschätzung für sein Gegenüber. Sein offenes Ohr, seine klugen Gedanken und seine Fähigkeit, Wissen mit Begeisterung weiterzugeben, haben viele Menschen geprägt - auch mich persönlich! Die Gespräche mit ihm waren bereichernd, inspirierend und oft voller Wärme und Witz.
Ich bin sehr dankbar, dass ich ihn noch ein paar Tage vor seinem Tod treffen konnte. Ich verabschiedete mich mit den Worten "Ich habe unsere Gespräche so sehr vermisst. Wir sollten uns jetzt wieder öfter mal sehen"... Leider wird es dazu nicht kommen. Sein Verlust hinterlässt eine schmerzliche Lücke in meinem Herzen. Die Erinnerungen an die gemeinsamen Jahre werden mich stets begleiten. Sabrina Hörning (Staatswissenschaftliche Fakultät)
Am Mittwoch vor seinem Tod hatte ich noch eine Email von ihm erhalten mit der Ankündigung, sehr bald von ihm ausführlicher zu hören in der Angelegenheit, in der ich ihm geschrieben hatte, und um die er sich am Wochenende kümmern wollte. Stattdessen erreichte mich dann die Nachricht von seinem plötzlichen Tod. Ich habe Frank Ettrich nur kurz kennenlernen dürfen, als er mich einlud, bei der Gedenkkonferenz für M. Rainer Lepsius vorzutragen, die er zu seinem Ausstand in Erfurt organisierte. Doch schon in diesen drei Tagen und der daraus folgenden Korrespondenz hat er mich fachlich und menschlich tief beeindruckt - in seiner argumentativen Klarheit, seiner zwischenmenschlichen Herzlichkeit, seiner konsequenten Ermutigung der Jüngeren. Dr. Lotta Mayer (Max-Weber-Institut für Soziologie, Universität Heidelberg)
Herr Prof. Dr. Frank Ettrich war für die meisten Studierenden der Staatswissenschaftlichen Fakultät der erste Kontakt mit der Soziologie. Nicht immer konnten wir seinen ausschweifenden Erläuterungen folgen, doch er regte stets zum Diskurs an und forderte uns Studierende auf, zu hinterfragen, nachzudenken und zu widersprechen. In lebhaften Diskussionen blieb er dabei immer wertschätzend und sah gerade im kontroversen Meinungsaustausch einen Gewinn. Nur mit einfachen Antworten gab er sich nie zufrieden. Durch seine Art erweckte er bei den Studierenden das Interesse für die Soziologie und den wissenschaftlichen Diskurs. Auch unsere Fakultät hat Prof. Dr. Ettrich maßgeblich mitgestaltet und die Staatswissenschaften so zu dem gemacht, was sie heute sind. Er wird uns mit seiner Authentizität, seinem Humor und seiner spürbaren Leidenschaft für die Soziologie in Erinnerung bleiben. Seiner Familie wünschen wir in dieser Zeit viel Kraft. Fachschaftsrat Staatswissenschaften
Lieber Frank, viel zu früh und unvermittelt bist Du von uns gegangen. Du hattest in Deinem noch jungen (Un-)Ruhestand doch noch so viel vor. Du warst ein im besten Sinne Urgestein unserer Fakultät. Wissenschaft hast Du mit Leidenschaft gelebt. Von Deinen Erfahrungen und Deinem Wissen - nicht nur über Soziologie und Transformationsprozesse - haben wir Einiges mitnehmen dürfen. Deine oft pointierten Einschätzungen waren wichtig; Dein kluger Humor hat sie zu verstehen geholfen und zu verbinden vermocht. Wir werden all das und insbesondere Dich sehr vermissen. RIP. Till Talaulicar (Staatswissenschaftliche Fakultät)
Vertrauen, Menschlichkeit, Herzlichkeit, Offenheit, Wertschätzung, Güte, Geborgenheit, Fels in der Brandung… Lieber Herr Ettrich, all dies und mehr im gemeinsamen letzten Vierteljahrhundert, hier an der Universität in Erfurt. Es ist nie der richtige Zeitpunkt, es ist nie der richtige Tag, es ist nie alles gesagt, es ist immer zu früh. Mein tiefempfundenes Beileid gilt der Familie. Ich wünsche Ihnen für diese schwere Zeit viel Kraft und Zuversicht trotz des schmerzlichen Verlustes. Kathrin Eisenhauer
Frank Ettrich konnte begeistern, provozieren, hinterfragen, man konnte mit ihm streiten und lachen, von ihm lernen und mit ihm Dinge auf den Weg bringen. Ich verdanke ihm meinen lebensprägenden Übergang von der Wissenschaft ins Wissenschaftsmanagement, er gab mir die erste Chance einer solchen Stelle als damaliger Vizepräsident und wusste, dass es der richtige Einstieg für mich war, noch ehe ich mir selbst ganz sicher war. Fortan - und das ist fast zwanzig Jahre her - sind wir uns immer wieder begegnet und haben argumentiert, überlegt, sind aneinandergeraten und haben danach gewitzelt. Ich mochte seine total offene, direkte Art sehr - er teilte aus, konnte aber auch einstecken. Das trifft man so selten. Und er war immer interessiert an den Dingen, an der Wissenschaft, an der Förderung von Forschung und "early researchers". Ich bin traurig, dass er so früh und unerwartet gegangen ist. Katharina Klinger (Präsidialbüro / Stabsstelle Universitätsentwicklung)
In den vergangenen sechs Jahren durfte ich mit Frank Ettrich mein akademisches und oft auch mein persönliches Leben teilen. Darüber bin ich unendlich froh. Es gibt wohl keinen Menschen, mit dem ich mich lieber gestritten habe, und auch keinen, mit dem ich mir lieber einig war. Besonders fehlt mir jetzt schon seine unentschuldigte Ehrlichkeit und die Fähigkeit, Integrität über alles andere zu stellen. Jedes Mal, wenn ich einen Blick in mein Bücherregal werfe und da die besten Abschlussgeschenke stehen sehe, die ich mir hätte wünschen können, darf ich mich an einen einzigartigen Menschen erinnern. Danke, lieber Frank, für so viele Dinge. Mirjam Lörcher (ehem. wissenschaftliche Hilfskraft)
I am struggling to come to terms with the fact that my PhD supervisor, Prof. Frank Ettrich, is no more. Prof. Ettrich mentored me between 2014 and 2017, alongside Prof. Florian Hoffmann. When Prof. Hoffmann moved to Brazil, Prof. Ettrich became my go-to person during my PhD years; especially in moments of difficulty, which were not infrequent. What stood out most was his unwavering support and his deep confidence in my work. He gave me the intellectual space to question, to disagree, and to argue - something every young scholar needs but rarely finds. Even when things were not going particularly well, he believed in my work, often more than I believed in myself.
He graded my thesis summa cum laude, and after my defence, he gifted me his book Die Andere Moderne, with a beautiful handwritten note - something I will cherish for the rest of my life.
As I write this, countless memories come rushing back, including one that still makes me smile. Anyone who worked with Prof. Ettrich would know that finding him in his office was quite a challenge. I often joked that “finding God is easier than finding Prof. Ettrich.” When I once shared this with him, he laughed out loud and said, “But you have done a good job catching hold of me at the Anger bus stop!”
And that was true. Quite often, I would meet him there while he waited for his bus. We discussed many things - academic and otherwise - while waiting at the same stop. Eventually, the bus would take me to Plauener Weg and him home. Those brief conversations, in that ordinary space, now feel extraordinarily precious.
It is difficult for me to imagine Erfurt without Prof. Ettrich. If I ever return, I know I will still believe that he is around somewhere - that I simply haven’t been able to locate him yet, but eventually I will.
Thank you, Professor, for your mentorship, generosity, trust, and kindness. You will always remain a part of my intellectual journey and my life. Anwesha Ghosh ( CSMP PhD- 2013-2017)
Professor Ettrich’s passing comes as a profound shock to all who had the privilege of knowing him. A remarkably generous and kind soul, he played an instrumental role in the academic journeys of many, offering guidance that extended far beyond the confines of formal scholarship. Without his unwavering support, insight, and encouragement, completing my PhD would have been immensely more difficult. I shall forever remain indebted to him for reposing his faith in me and my work at a particularly vulnerable juncture of my academic journey. I fondly recall the long, often animated conversations we shared—conversations that seamlessly wove together questions of work, research, and life. These exchanges were not just intellectually enriching; they were grounding, humane, and reflective of the compassion and curiosity that defined him as a mentor and as a person.
For me, Erfurt will forever carry the imprint of his presence. It is difficult to imagine visiting the city without the familiar comfort of knowing he was there.Professor Ettrich will be deeply missed—by his students, colleagues, and all those whose lives he touched with his wisdom, warmth, and generosity of spirit. May he rest in peace. I send my condolence's and prayers to his family to find strength to overcome their grief. Raghav Sharma
Die Nachricht von seinem Tod hat mich sehr erschüttert. Stets freundlich, dankbar und vor allem authentisch, hinterließ er bleibende Eindrücke. Er war ein Mensch, dem man sofort mit Respekt und Wertschätzung begegnete, und der einem dieses Gefühl ebenso selbstverständlich zurückgab. In jeder Begegnung spürte man, dass man gesehen, ernst genommen und als gleichwertig geschätzt wurde.
Sein feiner Humor, seine offene Art und seine Ehrlichkeit – er trug das Herz auf der Zunge und stand aufrichtig hinter dem, was er sagte. Das machte ihn für mich zu einer außergewöhnlichen Persönlichkeit.
Ich werde unsere Begegnungen in besonderer Erinnerung behalten. Meine Anteilnahme gilt der Familie und den Freunden von Frank Ettrich. Sandra Nier
Ich möchte mein aufrichtiges Beileid zum viel zu frühen Tod von Prof. Dr. Frank Ettrich aussprechen. Ich hatte das Privileg, während unserer Russlandreise im Jahr 2014 Zeit mit ihm und anderen Kolleginnen und Kollegen zu verbringen. Auf persönlicher Ebene fühlte ich mich ihm verbunden, da er großzügig Einblicke in sein Studentenleben mit mir teilte. Sein Verlust wird zutiefst empfunden. Ruhe in Frieden, Herr Professor. Krishna Giri
Es fällt schwer, Worte für den plötzlichen Tod von Frank Ettrich zu finden. In Erinnerung wird mir sicher seine wortgewaltige, freundliche, debattierende Stimme bleiben. Er liebte das Gespräch, stellte These neben Antithese, debattierte, fragte nach, widersprach, dachte weiter. Er konnte laut und direkt sein, dann wieder herzlich, humorvoll und scharfsinnig zugleich. Gespräche mit ihm waren nie kurz oder kurzweilig, sie waren auch nie oberflächlich. Er förderte meine wissenschaftliche Arbeit, die Diskurse darüber waren stets wertvoll. Er zeigte Haltung und warnte früh vor Entwicklungen, die unser Wissenschaftsgefüge aushöhlen, und behielt dabei oft recht. Er gab mir und vor allem dem wissenschaftlichen Nachwuchs über viele Jahre hinweg Orientierung, gerade dann, wenn die Zeiten unruhig wurden. Er wirkte aus Berufung heraus, getragen von einem Gelehrtentum, das aus seiner Zeit heraus entstanden ist und wir in Zukunft meines Erachtens schmerzlich vermissen werden. Seine Stimme ist nicht verstummt, sie lebt fort in unseren Erinnerungen und in dem, was er angestoßen hat. Mein tief empfundenes Beileid gilt seiner Familie und allen, die ihm nahestanden. Prof. Dr. Heike Grimm (Willy Brandt School)
Lieber Herr Ettrich, ich hatte die Ehre, Sie, als Mentor, Unterstützer, Wegbereiter, einen tollen Arbeitgeber und wunderbaren ( und auch streitbaren ;) ) Menschen kennengelernt zu haben, der jederzeit ein offenes Ohr hatte. Meine Zeit als Ihre Assistentin am soziologischen Lehrstuhl in der StaWi-Fakultät habe ich sehr genossen, Sie haben mich gefordert und gefördert - dafür bin ich Ihnen sehr dankbar. Die Tassen Kaffee im Café Hilgenfeld oder in Ihrem Büro mit politischen Diskussionen, dem Philosophieren über das, was die wichtigen Dinge im Leben darstellen, werden mir immer sehr präsent und wertvoll in meiner Erinnerung verbleiben. Ich werde Ihnen nie vergessen, wie Sie mich ermutigt haben, meinen akademischen Weg weiter zu bestreiten und mir des Öfteren meine Selbstzweifel genommen haben. Ihre Todesnachricht hat mich sehr erschüttert, ich hoffe, Sie finden Frieden sowie Ruhe auf "der anderen Seite".
Den Hinterbliebenen wünsche ich mein aufrichtiges Beileid. Ganz herzlich,AR. Alina Roßkothen
Mit großer Trauer habe ich vom Tod von Prof. Dr. Frank Ettrich erfahren. Ich werde ihn besonders aus den Sprechstunden in Erinnerung behalten – rauchend im Büro, in der stillen Ruhe eines alten Kanzlers aus Hamburg. Gleichzeitig hat er Diskussionen geliebt: klug, pointiert, fordernd. Ich habe ihn dafür bewundert, dass er Studierende zum Denken angeregt hat – und zugleich den Fleiß und die Geduld hatte, sie an die Hand zu nehmen und besser zu machen. Er war im besten Sinne ein Mentor für Menschen auf dem Weg. Mein tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm nahestanden. Christopher Hubrich
Mit Frank Ettrich verlieren die Universität Erfurt und ihre Staatswissenschaftliche Fakultät nicht nur einen herausragenden Hochschullehrer und Wissenschaftler, sondern eine Persönlichkeit, die beide seit ihrer (Wieder-)Gründung maßgeblich geprägt hat. Leider war es ihm nicht vergönnt, mehr als kaum eineinhalb Jahre lang den wohlverdienten Ruhestand zu genießen, in den er nach dem Sommersemester 2024 eingetreten war. Seine Abschiedsvorlesung fand seinerzeit nicht im großen Rahmen statt, sondern war, wie er es sich ausdrücklich gewünscht hatte, Teil der M. Rainer Lepsius-Tagung, die im September 2024 an unserer Universität stattfand. Wer ihn dort erlebte, verstand diesen Wunsch: Seine Kolleginnen und Kollegen aus der Soziologie waren Frank Ettrich vertraut, in ihrem Kreis hatte er erkennbar seine wissenschaftliche Heimat. Dort vom Dekan verabschiedet zu werden, machte ihm sichtlich Freude.
Frank Ettrich war ein Mann der klaren Zielansprache. Davon kommt man sich in Gremiensitzungen, aber auch in manchem kürzeren oder längeren Gespräch überzeugen. Aber zugleich nahm er es auch nicht krumm, wenn ein anderer ebenso deutlich seine Meinung sagte. Gerade das war es, was den Umgang mit ihm so angenehm machte. Jede Begegnung mit ihm war ein Gewinn. Seine Ernsthaftigkeit war so beeindruckend wie seine zugewandte Art und sein Humor. Man konnte sich auf ihn verlassen. Entscheidenden Anteil an unserem mit der Zeit immer engeren persönlichen Verhältnis hatte ein kalter Herbstabend vor ein paar Jahren. Da stand ich auf dem Bahnsteig des Westbahnhofs in Jena und wartete auf den Zug nach Erfurt, als ich unter den zahlreichen anderen Wartenden Frank Ettrich erblickte. Mein erster Impuls war, ihn besser nicht anzusprechen. Er dürfte, so schoss es mir durch den Kopf, von einer Tagung oder einer Besprechung kommen und im Zug lieber seine Ruhe haben wollen. Glücklicherweise tat ich es doch, und es wurde eine vergnügliche halbe Stunde, denn er gab mir einen Abriss der Fakultätsgeschichte, und zwar voller Anekdoten. Nie habe ich so sehr bedauert, dass der Regionalzug nicht länger braucht bis Erfurt. Mit seinen Angehörigen trauere ich um Frank Ettrich und werde mich immer gerne an ihn erinnern, so wie er war: liebenswürdig, zuverlässig - und mit Haltung. Carl-Heinz Witt (Staatswissenschaftliche Fakultät)
Was für ein großer Verlust. Während meines Soziologiestudiums in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre habe ich so viel von ihm gelernt. Von seinem Theorieverständnis zehre ich noch heute. Er war integer in einer Zeit, wo es andere nicht waren. Mein Mitgefühl gilt seiner Familie. Heike Trappe (Universität Rostock)
Frank Ettrich hat die Brandt School in wichtigen Jahren geprägt. Der wissenschaftliche Nachwuchs lag ihm ebenso am Herzen wie seine Studierenden. Tiefe Menschlichkeit und eine klare Haltung ist was ihn als Person auszeichnete. Er wird uns sehr fehlen - als Kollege, Mentor und Mensch. Prof. Dr. Andreas Goldthau (Willy Brandt School)
Es war großartig mit dir zu diskutieren. Ich habe sehr viel von dir gelernt. Mein tiefstes Beileid allen Freunden und Familienmitgliedern. Janina Puder

