„Mit inventierung meiner müntzen zu tun gehabt…“ – unter diesem Titel nimmt das Kolloquium „Numismatik und Münzkabinette im Spiegel der Jahrhunderte“ vom 8. bis 10. Oktober 2026 die Entwicklung numismatischer Sammlungen und ihrer wissenschaftlichen Erschließung in den Blick.
Das Forschungszentrum Gotha blickt dabei auf eine besondere numismatische Tradition zurück. Als Herzog Ernst I. der Fromme von Sachsen-Gotha (1601–1675) Schloss Friedenstein 1646 bezog, brachte er neben weiteren Kunstschätzen auch 516 Münzen und Medaillen aus ernestinischem Familienbesitz aus Weimar nach Gotha. Damit legte er den Grundstein für eine Sammlung, die bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts europäische Bedeutung erlangte.
Einen entscheidenden Ausbau erfuhr das Gothaer Münzkabinett unter Ernsts Enkel Friedrich II. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1676–1732). Der münz- und medaillenbegeisterte Herzog erwarb 1712 die berühmte Sammlung des Fürsten Anton Günther II. von Schwarzburg-Sondershausen zu Arnstadt (1653–1716), die mehr als 18.000 Münzen und Medaillen umfasste. In der Folge wurde auf Schloss Friedenstein ein repräsentatives Münzkabinett eingerichtet.
Bis heute genießt das Gothaer Münzkabinett internationalen Ruf. Mit rund 145.000 Münzen, Medaillen und weiteren numismatischen Zeugnissen gehört es zu den bedeutendsten Sammlungen seiner Art in Deutschland und ist eine wichtige Anlaufstelle für internationale Forschungs- und Publikationsprojekte.
Das Kolloquium greift verschiedene Facetten dieser Sammlungsgeschichte auf. Die Vorträge beschäftigen sich u. a. mit der Bedeutung höfischer Münzkabinette sowie mit der Bestandserfassung, Erforschung und Publikation von Münz- und Medaillensammlungen im historischen Wandel. Zugleich richtet sich der Blick auf aktuelle Entwicklungen und die Perspektiven der Numismatik im digitalen Zeitalter.
Anlass für die Veranstaltung sind zum einen die erfolgreichen Fortschritte bei der Digitalisierung des Münzkabinetts Gotha im Rahmen des Projekts ‚Gotha Transdigital 2027‘. Zum anderen nimmt das Kolloquium den bevorstehenden Ruhestand von Uta Wallenstein, der langjährigen Leiterin und wissenschaftlichen Mitarbeiterin des Gothaer Münzkabinetts, im Dezember 2026 zum Anlass, ihre langjährige Arbeit und die Entwicklung der Sammlung in einen größeren wissenschaftshistorischen Kontext zu stellen.
Kolloquium „Numismatik und Münzkabinette im Spiegel der Jahrhunderte“
8.–10. Oktober 2026
Vortragssaal des Forschungszentrums Gotha der Universität Erfurt
Schlossberg 2, Gotha

