Sommerschule 2027

Jetzt bewerben: Food History als Globale Kulturgeschichte

Termin: 15. bis 19. März 2027

Organisation: Veranstaltet vom Forschungszentrum Gotha in Zusammenarbeit mit der Forschungsbibliothek Gotha und der Friedenstein Stiftung Gotha; gefördert von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung

Leitung: Prof. Dr. Martin Mulsow

Die seit mehr als zwei Jahrzehnten blühende „Food History“ ist eine Richtung der Geschichtswissenschaft, in der viele Disziplinen zusammenwirken: Ernährungsgeschichte, Botanikgeschichte, Globalgeschichte, Humangeographie, Wirtschaftsgeschichte sowie die Erforschung materieller Kultur. Die Kultur menschlicher Essweisen, Nahrungsmittel und Gewürze über die Jahrhunderte, das Zusammenwirken von Nahrung, Infrastruktur und Kultur in bestimmten Regionen (sogenannte „Foodscapes“), die globalen Transfers von Nutzpflanzen, Gewürzen und Rezepten (sogenannte „Foodways“), die Produktions- und Diffusionsgeschichte von zentralen Konsumwaren (Salz, Zucker, Tee, Kaffee, Schokolade), die soziopolitischen und emotional-kulturellen Kontexte von Diäten und Ernährungsweisen (wie Vegetarismus, Ritualgesetze), die kulturell-symbolischen Ausformungen von Nahrung (Sprichworte, Metaphern, Bildlichkeit, Romane) bis hin zur Wissensbewahrung und -übermittlung durch Rezepte markieren Forschungsaspekte, die in diesem Bereich verfolgt werden und sich vielfach überlagern. Es gibt heute zahllose Veröffentlichungen über die Globalgeschichte einzelner Lebens- und Genussmittel, aber auch große Überblicke über die Geschichte der Esskultur sowie damit zusammenhängende Transfer- und Verflechtungsphänomene (vom „Columbian Exchange“ über die „Gewürzstraßen“, von der Übersetzung von Kräuterbüchern bis zur Ausbreitung von amerikanischem Fast Food). 

Der Sommerkurs wird in die verschiedenen Fragestellungen einführen und sich auf die globalen Aspekte der Food History in der Vormoderne (von den frühesten Zivilisationen bis ca. 1800) konzentrieren. Da in Gotha zahlreiche Sammlungen beherbergt sind, wird der Kurs exemplarisch auf Objekte (in Schloss Friedenstein), alte Drucke, Manuskripte und Karten (in der Forschungsbibliothek Gotha und der Sammlung Perthes) zurückgreifen. Außerdem wird er eine praktische Komponente enthalten: das gemeinsame Nachkochen von historischen Rezepten (vom mesopotamischen Linseneintopf bis zur höfischen Küche des 18. Jahrhunderts). 

Thematisch wird zu erkunden sein, was Food History zur Globalgeschichte beiträgt und inwieweit sie sich in die globale Kultur- und Wissensgeschichte hinein verlängern lässt: von Kaffeehäusern und drogenindizierten religiösen Erfahrungen bis zu ess-kulturspezifischen Denkformen und Problemen der Übermittlung impliziten Wissens durch Rezepte.

Der einwöchige Kurs wendet sich an fortgeschrittene Studierende während der Masterarbeit, an Promovierende und Post-Doktorand:innen, die im weiteren Umfeld dieser Thematik arbeiten und ihr Interesse vertiefen wollen, sowie an Mitarbeiter:innen von Museen und ähnlichen Institutionen, die sich mit Food History beschäftigen. 

Ort der Veranstaltung: Forschungszentrum Gotha, Schloßberg 2. 

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