Forschungsprojekte und Kooperationen

© Susanne Froehlich

Laufende Projekte

Dr. Cordula Bachmann (Habilitationsprojekt)

Wie lassen sich die griechischen Komödien für die Erforschung des Wandels im Verhältnis von Herren und Sklaven historisch nutzbar machen?

Werden in der modernen Forschungsliteratur die griechischen Komödien zitiert, so finden sich zu deren Quellenwert zwei entgegengesetzte Meinungen: Auf der einen Seite wird die Alltags- und Realitätsnähe dieser dramatischen Form betont und somit ihr Quellenwert sehr hoch angesiedelt. Auf der anderen Seite verweist man auf die Gattungszwänge dieser Werke, die im Falle der Alten Komödie drastische Übertreibungen hervorbringen, in der Neuen Komödie aber reinen Typenspott bieten würden. Die Entscheidung, wie der Quellenwert der Komödien zu beurteilen ist, scheint dabei eher von dem gewünschten Ergebnis hinsichtlich einer historischen Problemstellung abzuhängen als auf einer gründlichen Analyse der griechischen Komödien zu beruhen. Am Beispiel einer detaillierten Erforschung des Verhältnisses der Herren- und Sklavenfiguren in den griechischen Komödien soll versucht werden, für die Inanspruchnahme dieser Gattung als historische Quelle eine methodisch abgesicherte Grundlage zu schaffen.

Dabei ist zunächst festzustellen, dass sich Sklaven im Besonderen für die Komödie anbieten, sind sie doch häufig und zuweilen in nicht unmaßgeblichen Rollen in den Komödien zu finden und leisten oft entscheidende Beiträge zur humorvollen Darstellung verschiedenster Sachverhalte. Man wird dann untersuchen müssen, worüber genau bei ihren Auftritten gelacht wurde: Stellte das Publikum in Athen lebensweltliche Bezüge her – und wenn ja, lachte es über die pointierte Darstellung von Verhaltensweisen im Miteinander von Herr und Sklave, die diesem Publikum aus dem Alltag vertraut waren, die seinem Sklavenbild entsprachen oder gar seine Vorurteile bedienten? Oder wurde umgekehrt die Heiterkeit der Athener Bürger durch die Diskrepanz erregt, die sie zwischen ihren realen Erfahrungen und Usancen im Umgang mit ihren Sklaven und deren Handlungsmustern im Theater wahrzunehmen glaubten? Es ist damit zu rechnen, dass beide Fälle auftreten, und es ist Ziel dieses Projektes, ein Instrumentarium zu entwickeln, realistische Darstellung und komische Verzerrung zu unterscheiden und jeweils historisch gewinnbringend zu kontextualisieren.

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Jonas Langer (Promotionsprojekt)

Das antike Pamphylien umfasst gerade einmal einen 80 Kilometer langen Küstenstreifen, der sich bis zu 25 Kilometer in das Landesinnere ausdehnt. Trotz seiner geringen Größe kann es topographisch wie kulturell jedoch keinesfalls als homogen gelten. Das Dissertationsprojekt unternimmt eine vergleichende Analyse der Struktur und Funktionsweise städtischer Eliten in den pamphylischen Poleis in der römischen Kaiserzeit bis in das dritte Jahrhundert. Im Zentrum stehen Perge und Side, die zwei dominierenden Städte der Region. Diese Städte weisen eine höchst unterschiedliche geographische wie auch soziale Topographie auf. Zugleich verbindet sie eine Reihe von Gemeinsamkeiten, nicht zuletzt die enormen Bauprogramme im Verlauf des 2. und 3. Jhs., deren gegenseitige Bezugnahme deutlich ist. Im Fokus steht die Frage, wie die städtischen Eliten strukturell konstituiert waren – vor allem im Hinblick auf deren horizontale wie vertikale Stratifikation –, wie sie sich im städtischen Umfeld präsentierten und wie sich deren Verhältnis zueinander sowie zu den Organen der Polis gestaltete.

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Raphael Thun (Promotionsprojekt)

 Im Zentrum dieses Promotionsprojekts steht die Frage nach der Ausprägung und literarischen Reflektion sozialer und physischer Mobilität im Römischen Reich während der ersten beiden nachchristlichen Jahrhunderte. Dieser Zeitraum markiert in der römischen Welt sowohl einen Höhepunkt physischer Mobilität als auch den Beginn einer weitreichenden sozialen Mobilität, indem sich provinziale Eliten zunehmend in die zentralen Machtstrukturen integrierten und Teil einer gesamtreichischen Elite wurden. Ziel der Arbeit ist es, nachzuvollziehen, wie Mobilität in der Literatur der römischen Kaiserzeit nicht nur als eigene Erfahrung direkt wiedergegeben, sondern auch literarisch erzählt und verhandelt wird. Dabei verstehe ich Mobilität nicht allein als Bewegung im physischen Raum, sondern als eine Form sozialer Praxis und kultureller Selbstreflexion. Die Untersuchung konzentriert sich auf griechischsprachige Autoren der sogenannten Zweiten Sophistik, die im 2. Jahrhundert n. Chr. als Vertreter einer gebildeten Elite im Römischen Reich eine besondere Position zwischen lokaler Identität und imperialer Zugehörigkeit einnehmen. Ziel ist es, die literarischen Darstellungen von Mobilität, erlebt oder imaginiert, als Ausdruck sozialer und kultureller Aushandlungsprozesse zu verstehen.

Autoren wie die Vertreter der Zweiten Sophistik sowie periegetische und geographische Schriftsteller bilden eine Akteursgruppe, die in besonderer Weise auf die sozialen und kulturellen Dynamiken innerhalb des römischen Reiches reagiert. Sie bewegen sich nicht nur physisch durch den Raum eines weit ausgedehnten Imperiums, sondern artikulieren zugleich Narrative sozialer Positionierung und kultureller Identität in einem Spannungsfeld zwischen griechischem Erbe und römischer Hegemonie.

Zugleich ist diese Elite aber keineswegs homogen. Viele der Autoren des 2. Jahrhunderts gehören kulturell der griechischen Bildungstradition an, bewegen sich aber innerhalb der politischen Ordnung des römischen Imperiums, sie sind oftmals Inhaber des römischen Bürgerrechts, haben dieses aber zugleich verliehen bekommen und nicht per Geburt erhalten. So lautet die Leitfrage meines Promotionsprojekts: Wie werden die politischen und sozialen Veränderungen im Römischen Reich, soziale Zugehörigkeit und Permeabilität sowie Status durch narrative Darstellungen von Mobilität in der griechischsprachigen Literatur des 2. Jahrhunderts n. Chr. konstruiert und reflektiert?