Publikationen

Symeon Seth, Fabelbuch.

Um Antike Tierfabeln für ein gedeihliches Miteinander geht es in der neuen Publikation von Kai Brodersen.

Die altgriechischen Tierfabeln des Äsop sind vielen vertraut, ja, man setzt oft "Fabel" und "Äsop" gleich. Dabei gibt es im antiken Orient eine reiche Fabeltradition, die in die arabische Welt kam und dann auch die griechische Mittelmeerwelt interessierte. Am byzantinischen Hof wirkte im 11. Jahrhundert der gelehrte Symeon Seth. Neben Schriften zur Naturkunde, zur Astronomie und zur Medizin schuf er zwei einflussreiche Werke: ein "A und O vom Essen und Trinken" und eine griechische Version der alten indischen, über Arabien nach Byzanz gekommenen Fabelsammlung "Kalila wa-Dimna". In Dialogen und Fabeln wird hier einem König erklärt, was für ein gedeihliches Miteinander das Beste ist.

Die erste zweisprachige Ausgabe des Fabelbuchs von Symeon Seth hat nun Kai Brodersen, Professor für Antike Kultur an der Universität Erfurt, publiziert. Sie ermöglicht es, in Originaltext und Übersetzung ein Werk zu lesen, das enormen Einfluss auf neuzeitliche Konzepte vom guten gesellschaftlichen Leben hatte.

Kai Brodersen
Symeon Seth, Fabelbuch.
zweisprachige Ausgabe
Speyer: KDV 2021
ISBN: 9783939526469
172 Seiten
6,- EUR

Fabelbuch
Nikomachos

Nikomachos von Gerasa: Einführung in die Arithmetik.

Unter dem Titel "Nikomachos von Gerasa: Einführung in die Arithmetik." ist bei De Gruyter ein neues Buch von Kai Brodersen, Professor für Antike Kultur, erschienen.

Nikomachos von Gerasa verfasste im frühen 2. Jahrhundert n. Chr. ein Werk über Arithmetik, in dem er die auf Pythagoras und seine Schule zurückgehende Zahlentheorie didaktisch geschickt präsentiert und veranschaulicht. Behandelt werden die Primzahlen mitsamt dem "Sieb des Eratosthenes" sowie Zahlen aller anderen Art, die Relation von Zahlen, aber auch Quadrat- und Kubikzahlen und Mittelwerte. Nikomachos stellt die antike Zahlentheorie übersichtlich dar und wurde so zu einer Schlüsselfigur für die spätere Mathematik. Das Werk war nämlich höchst einflussreich: Die Gelehrten Apuleius (2. Jh.) und Boethius (5./6. Jh.) übertrugen es ins Lateinische, mehrere Kommentare aus der Spätantike sind erhalten, und der griechische Philosoph Proklos (5. Jh.) sah sich gar als Wiedergeburt das Nikomachos. Ja, noch im 14. Jh. erscheint Nikomachos neben Sokrates und Cicero als einer der bedeutendsten Denker der Antike auf dem Schönen Brunnen in Nürnberg.

Kai Brodersen hat das Werk nun erstmals ins Deutsche übersetzt und mit einer Einführung und Erläuterungen in einer zweisprachigen Ausgabe präsentiert. Das Buch ermöglicht so einen neuen Zugang zu einer der wirkungsmächtigsten Darstellungen der antiken Mathematik.

Kai BrodersenKai Brodersen
Nikomachos von Gerasa: Einführung in die Arithmetik.
zweisprachige Ausgabe (Sammlung Tusculum)
Berlin: De Gruyter, 2021
ISBN: 978-3-11-073526-0
240 Seiten
39,95 EUR

Soziale Unterstützung in Online-Kommunikationsmodi

Stehr_Soziale_Unterstützung

Unter dem Titel "Soziale Unterstützung in Online-Kommunikationsmodi. Die Perspektive der prosozial Handelnden" erschien im Halem Verlag eine neue Publikation von Paula Stehr, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt Soziale Kommunikation an der Universität Erfurt.

Soziale Interaktionen und Beziehungen haben einen großen Anteil an unserer Gesundheit. Ein zentrales Konstrukt ist hierbei die sogenannte "soziale Unterstützung". Die Perspektive jener, die Unterstützung leisten, findet in der Forschung bisher wenig Beachtung. Unter Bezugnahme auf den Wissensstand zu prosozialem Handeln soll im neuen Buch von Paula Stehr die Sichtweise der Akteure ergänzt werden.

Online-Modi bieten spezifische Voraussetzungen für den Austausch sozialer Unterstützung: In anonymen Online-Foren tauschen sich Menschen zu stigmatisierenden Krankheiten aus, sozial Ängstliche profitieren von der größeren Kontrolle über die Selbstdarstellung in kanalreduzierten Modi und Personen mit Mobilitätseinschränkungen können medienvermittelt ortsunabhängig und selbstbestimmt an Gemeinschaften teilhaben. Das Buch beschäftigt sich zum einen mit den Rahmenbedingungen von Online-Modi für den Austausch sozialer Unterstützung und zum anderen mit den Folgen für das psychische und subjektive Wohlbefinden.

Der empirische Teil stützt sich auf ein sogenanntes "sequenzielles Mixed-Method-Design", in dem drei verschiedene Studien aufeinander aufbauen: eine teilstandardisierte Tagebuchstudie zu Unterstützungsleistungen in unterschiedlichen Kommunikationsmodi, Leitfadeninterviews mit prosozial handelnden Akteuren auf sozialen Netzwerkseiten und eine abschließende standardisierte Befragung von Foren-Nutzer*innen. Die Ergebnisse zeigen, dass Online-Modi die prosozialen Interaktionsmöglichkeiten der Menschen verbreitern und spezifische Handlungsmöglichkeiten für den Austausch sozialer Unterstützung bieten. Dieser Austausch kann einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden haben, der nicht nur auf das Empfangen, sondern vor allem auch auf das aktive Leisten von Unterstützung zurückgeführt werden kann.

Paula Stehr
Soziale Unterstützung in Online-Kommunikationsmodi
Die Perspektive der prosozial Handelnden
Halem Verlag, 2021
ISBN 978-3-86962-592-8
336 Seiten
36,- EUR

"Großes Kino. Monumentale DDR-Filmplakate der 1960er-Jahre"

Großes Kino

Unter dem Titel "Großes Kino. Monumentale DDR-Filmplakate der 1960er-Jahre" ist im Verlag Bertz und Fischer ein neues Buch von Patrick Rössler, Professor für Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt Empirische Kommunikationsforschung/Methoden, erschienen.

Dokumente zum Film in der DDR sind wichtige Materialien zur Erforschung der jüngeren deutschen Kulturgeschichte. Eine besondere Wertschätzung genießt dabei das Filmplakat, handelte es sich dabei doch fast ausnahmslos um Auftragsarbeiten renommierter Grafiker, die für jeden Film eine eigenständige visuelle Lösung konzipierten. Heute weitgehend unbekannt ist allerdings ein spezieller Plakattyp, der gerade in der Kinowerbung sehr effektiv eingesetzt wurde: die so genannte ›Großfläche‹ im Format Dreifach-A0, die an der Plakatwand aus drei einzelnen Teilen zusammengesetzt werden musste. Diese gut meterhohen und annähernd zweieinhalb Meter breiten Panoramen entfalteten eine herausragende visuelle Kraft – sie sind aber heute in den Archiven kaum mehr überliefert: Von den aufwändigen, überformatigen Drucken auf stärkerem Papier wurde nur eine geringe Anzahl hergestellt und diese primär durch Aufkleistern verarbeitet, so dass sie nach Verwendung verloren waren und schlicht überklebt wurden.

Zum 75. Gründungsjubiläum der DEFA präsentiert der vorliegende Band erstmals über 150 dieser seltenen Großflächenplakate, hergestellt in der ersten Hälfte der 1960er Jahre. Nicht nur aufgrund ihrer schieren Größe beeindrucken diese Erzeugnisse der zeitgenössischen Gebrauchsgrafik bis heute: Da die Werbebotschaft im Querformat angelegt werden musste, sind hier reizvolle Variationen bekannter Motive zu entdecken. So haben die Gestalter den zusätzlichen Raum gerne genutzt, um Filmtitel und Slogans hervorzuheben, während Elemente der ursprünglichen Plakatgestaltung neu arrangiert, platziert und grafisch eingebunden wurden.
Die Publikation dokumentiert einen Plakatbestand der Interdisziplinären Forschungsstelle für historische Medien (IFhM) an der Universität Erfurt.

Patrick Rössler
Großes Kino. Monumentale DDR-Filmplakate der 1960er-Jahre
Verlag Bertz und Fischer, 2021
ISBN 978-3-86505-420-3
184 Seiten
29,- EUR

Lycosthenes: Zeichen und Wunder

Lycosthenes

Die Welt ist ein unsicherer Ort: Immer wieder drohen uns Epidemien, Katastrophen und Kriege, die wir nicht vorhersehen, die aber unser Leben völlig durcheinanderwirbeln. Seit der Antike hat man deshalb versucht, die Zukunft anhand von Zeichen und Wundern zu erkunden. Der Humanist Lycosthenes hat dieses Wissen für die Neuzeit nutzbar machen wollen: Wer nämlich versteht, was es in der Geschichte an Vorzeichen gab, kann sein Verhalten ändern und das Unheil vielleicht noch abwenden.

Das Buch des Lycosthenes war nach seinem Erscheinen 1552 ein "Bestseller". Kai Brodersen, Professor für Antike Kultur an der Universität Erfurt, stellt es nun in einer neuen Übersetzung erstmals zweisprachig vor. Beigegeben sind die 56 Holzschnitte der Erstausgabe, die sehr anschaulich machen, wie man sich die Zeichen und Wunder vorgestellt hat und noch heute vorstellen mag. Vielleicht hatte Lycosthenes ja recht – und wir können aus der Geschichte lernen?

Kai Brodersen
Lycosthenes: Zeichen und Wunder
Wiesbaden: Verlagshaus Römerweg, 2021
ISBN: 978-3-7374-1169-1
224 Seiten
15,- EUR

Fakten-Check Impfen: Pro & Contra auf den Grund gegangen

Betsch_Fakten

Im Verlag Gräfe und Unzer erscheint am 2. März ein neuer Ratgeber zum Impfen. Darin gehen die Autor*innen Nicola Kuhrt, Jan Oude-Aost und Cornelia Betsch dem Für und Wider des Impfens auf den Grund.

Beim Impfen scheiden sich oft die Geister – viele folgen den Empfehlungen ihrer Ärztin oder ihres Arztes, andere denken lange nach, suchen Informationen, bis die Köpfe rauchen, wissen nicht mehr, was und wem sie glauben sollen. Der neue Ratgeber "Fakten-Check Impfen" liefert kompakte Antworten auf die wichtigsten praktischen Fragen und klärt nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft über verbreitete Mythen und Falschinformationen auf. Wer es kurz, praktisch und verständlich will, erhält mit diesem Buch eine wertvolle Entscheidungsgrundlage. So kann jeder die beste Entscheidung für sein Kind oder auch sich selbst treffen.

Nicola Kuhrt, Jan Oude-Aost und Cornelia Betsch
Fakten-Check Impfen: Pro & Contra auf den Grund gegangen
(Reihe: GU Reader Körper, Geist & Seele)
Gräfe und Unzer Verlag, 2021
ISBN-10:3833877723
ISBN-13: 978-3833877728
160 Seiten
14,99 EUR

Die Evangelische Kirche zwischen Mitbestimmung und Selbstbestimmung

Mitbestimmung

Mit der Ambivalenz der Evangelischen Kirche in Fragen der Arbeitnehmermitbestimmung von der Nachkriegszeit bis zur Verabschiedung des Mitbestimmungsgesetzes von 1976 beschäftigt sich eine neue Publikation von René Smolarski, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Geschichte der Universität Erfurt, die gerade im Verlag Mohr Siebeck erschienen ist.

Die Entwicklung des Mitbestimmungsrechts in der Bundesrepublik Deutschland war seit dem Kriegsende immer wieder von heftigen Auseinandersetzungen geprägt. Auch von evangelischer Seite wurden im Untersuchungszeitraum immer wieder, und insbesondere im Vorfeld der verschiedenen Gesetzesinitiativen, Äußerungen zur Mitbestimmungsdebatte getätigt. Dies geschah sowohl durch offizielle Stellungnahmen als auch seitens verschiedener evangelischer Arbeitskreise und zahlreicher Einzelpersonen. Das Verhältnis von Protestantismus und Mitbestimmungsdebatte ist von besonderer Tragweite, da die Kirche von der Mitbestimmungsfrage nicht nur mittelbar als sozialethische Instanz berührt, sondern auch unmittelbar als einer der größten Arbeitgeber des Landes von den damit zusammenhängenden staatlichen Regelungen direkt betroffen war. Aus diesem Grund zeigt René Smolarski, der aktuell in dem Projekt "Der Protestantismus in den ethischen Debatten der Bundesrepublik Deutschland 1949-1989" an der Universität Erfurt arbeitet, auf der Basis ausgewählter evangelischer Stellungnahmen die Ambivalenz der kirchlichen Position in dieser Frage auf.

René Smolarski

Die Evangelische Kirche zwischen Mitbestimmung und Selbstbestimmung. Zur Ambivalenz der Evangelischen Kirche in Fragen der Arbeitnehmermitbestimmung von der Nachkriegszeit bis zur Verabschiedung des Mitbestimmungsgesetzes von 1976
(Reihe: Religion in der Bundesrepublik Deutschland, 8)
Tübingen: Mohr Siebeck, 2020
ISBN 978-3-16-159887-6
481 Seiten
99,- EUR

Orthodox Christian Identity in Western Europe. Contesting Religious Authority

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Bei Routledge ist die überarbeitete Habilitationsschrift des langjährigen Mitarbeiters und Lehrbeauftragten der Erfurter Religionswissenschaft, PD Dr. Sebastian Rimestad, erschienen. Das Buch mit dem Titel „Orthodox Christian Identity in Western Europe. Contesting Religious Authority“ setzt sich mit der Präsenz orthodoxer Christen in Westeuropa auseinander, wo sie als Minderheit mit verschiedenen Identitätsfragen konfrontiert sind.

Diese Fragen werden anhand vier Diskursfelder abgearbeitet, wobei der Fokus auf publizierte Quellen seit dem Ersten Weltkrieg liegt. Das erste Feld umfasst die Frage, ob orthodoxe Christen in Westeuropa eine Diaspora-Identität haben oder sich als Einheimische fühlen können. Dabei ist vor allem das Thema der Konversion von belang. Als zweites befasst sich der Autor mit der Frage nach der kirchlichen Organisation in Westeuropa, wo sich verschiedene Vorstellungen beißen. Das dritte Diskursfeld ist die institutionelle Anpassung an das westeuropäische gesellschaftliche Umfeld. Hier werden Fragen der Finanzierung. der Anerkennung säkularer Werte sowie Beziehungen zwischen den verschiedenen national konnotierten Kirchen behandelt. Zuletzt wird auch das Diskursfeld der Ökumene – der Vorstellung der christlichen Einheit – unter die Lupe genommen, das für orthodoxe Christen in Westeuropa knifflige Fragen aufwirft.

Sebastian Rimestad
Orthodox Christian Identity in Western Europe. Contesting Religious Authority
London: Routledge, 2020
ISBN 978-0-0367-484187 (Hardcover) // ISBN: 978-1-003-039754 (e-Book)
282 Seiten
£ 120.00 (Hardcover) // £ 36.99 (e-Book)

Verbindung halten. (Post)kommunikation unter schwierigen Verhältnissen

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In der Reihe „Post – Wert – Zeichen“ hat René Smolarski von der Universität Erfurt einen neuen Band unter dem Titel "Verbindung halten" herausgegeben. Darin geht es um (Post)kommunikation unter schwierigen Verhältnissen.

1982 stellte der damalige Bundespostminister Kurt Gscheidle in einem Porträt über die Bundespost fest, dass die Post zwar lebensnotwendig, doch für die meisten Menschen uninteressant sei. Diese Feststellung lässt sich auch auf das bisherige Interesse der Geschichtswissenschaft an diesem Thema übertragen. Viele Analysen zur Postgeschichte stammen vor allem aus der außeruniversitären Philatelie. In der Geschichtswissenschaft gelten Philatelie und Postgeschichte hingegen als randständig. Dieser Band betrachtet die besondere Bedeutung der Post(kommunikation) aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive. Denn mit der Post, so auch Gscheidle, hätten doch fast alle Bürgerinnen und Bürger jeden Tag zu tun. Das hochkomplexe Konstrukt Post würden die Leute jedoch nur wahrnehmen, wenn es mit all seinen Wechselbeziehungen in seiner Funktion gestört wäre.

René Smolarski (Hrsg.)
Verbindung halten
(Post)kommunikation unter schwierigen Verhältnissen
(Reihe „Post – Wert – Zeichen“) // open access)
Vandenhoek & Ruprecht, 2020
ISBN 978-3-8471-0937-2
513 Seiten
45 EUR

Gut beschaffbare Heilmittel / Euporista

Heilmittel

In der Stadt ist die ärztliche Versorgung gut – aber was tut man unterwegs? Drei dem großen Mediziner Galenos im 2. Jahrhundert n. Chr. zugeschriebene Bücher über Euporista verzeichnen dafür gut beschaffbare Heilmittel. Steine, Pflanzen und Tiere samt ihrer Produkte und Ausscheidungen sollen dazu beitragen, Krankheiten von Kopf bis Fuß zu behandeln.

Die im Corpus Galenicum überlieferten Bücher wurden über viele Jahrhunderte weitergeschrieben: Während die Art der Krankheiten weitgehend konstant blieb, wurden neue Heilmittel und -verfahren notiert und neue Autoritäten – darunter auch Heilige – herangezogen. Die Bücher sind damit zugleich ein wichtiges Dokument der Medizingeschichte und ein Spiegelbild der bunten Alltagswelt in Antike und byzantinischem Mittelalter. Die drei Bücher hat Kai Brodersen, Professor für Antike Kultur an der Universität Erfurt, nun erstmals in eine moderne Sprache übersetzt. Sie werden zweisprachig in einem Band präsentiert und durch eine Einführung, einen Anhang und ein Register erschlossen.

Kai Brodersen
Gut beschaffbare Heilmittel / Euporista
(Bibliothek der griechischen Literatur, Bd. 91)
Stuttgart: Hiersemann, 2020
ISBN 978-3-7772-2038-3
464 Seiten
98,- EUR

Coping with Change: Orthodox Christian Dynamics between Tradition, Innovation, and Realpolitik

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2015 fand der große Weltkongress der International Association for the History of Religion (IAHR) in Erfurt statt. In dessen Rahmen widmeten sich auch zahlreiche Beiträge dem Orthodoxen Christentum und den Herausforderungen einer modernen globalisierten Welt für die Orthodoxe(n) Kirche(n). PD Dr. Sebastian Rimestad und Prof. Dr. Vasilios N. Makrides vom Seminar für Religionswissenschaft der Universität Erfurt haben nun eine Auswahl dieser Beiträge in dem Sammelband „Coping with Change. Orthodox Christian Dynamics between Tradition, Innovation, and Realpolitik“ herausgegeben.

In zehn Beiträgen von Forscher*innen aus der ganzen Welt werden verschiedene Aspekte der heutigen Orthodoxie beleuchtet, die das herkömmliche Bild der Orthodoxen Kirche als unveränderlich in Frage stellen. Dabei geht es um Orthodoxe Identitäten in Amerika und der Ukraine, um Beteiligung an (geo)politischen Gemengelagen in Südosteuropa und um inner-orthodoxe Konflikte und Uneinigkeiten.

Sebastian Rimestad und Vasilios N. Makrides
Coping with Change: Orthodox Christian Dynamics between Tradition, Innovation, and Realpolitik
Berlin: Peter Lang, 2020
ISBN 978-3-631-67146
266 Seiten
59,95 EUR

 

„Mensch Opa, du bist noch so fit!“

Mensch Opa

Bei Nomos ist ein neues Buch erschienen, in dem sich Paula Stehr, Constanze Rossmann, Johanna Geppert, Hanna Lütke Lanfer und Tabea Kremer von der Universität Erfurt der Entwicklung einer evidenzbasierten Kommunikationsstrategie zur Förderung körperlicher Aktivität bei älteren und hochaltrigen Menschen in Deutschland annehmen.

Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil gesunden Alterns – ein Thema, das aufgrund des demografischen Wandels und der steigenden Lebenserwartung zunehmend an gesellschaftlicher Relevanz gewinnt. Um die körperliche Aktivität langfristig zu fördern, muss das Bewusstsein für den Einfluss von körperlicher Aktivität auf die Gesundheit und das Interesse für Bewegung bei den Älteren und Hochaltrigen gesteigert werden. Das nun erschienene Buch schafft eine evidenzbasierte Grundlage für die Gestaltung effektiver und effizienter Kommunikationsmaßnahmen. Mittels einer Methodenkombination aus leitfadengestützten Interviews und einer standardisierten Telefonbefragung wurden die entscheidenden Verhaltensdeterminanten und das Gesundheitsinformationsverhalten von Personen ab 65 Jahren in Deutschland identifiziert. Auf dieser Basis wurde eine evidenzbasierte Kommunikationsstrategie für Ältere und Hochaltrige in Deutschland insgesamt sowie für besonders vulnerable Teilzielgruppen formuliert.

Paula Stehr, Constanze Rossmann, Johanna Geppert, Hanna Lütke Lanfer und Tabea Kremer
"Mensch Opa, du bist noch so fit" Entwicklung einer evidenzbasierten Kommunikationsstrategie zur Förderung körperlicher Aktivität bei älteren und hochaltrigen Menschen in Deutschland
Reihe Gesundheitskommunikation | Health Communication (Band 21)
Nomos, 2020
ISBN 978-3-8487-6561-4
122 Seiten
26 EUR

Planudes: Rechenbuch

Bei De Gruyter ist soeben ein neues Buch von Kai und Christiane Brodersen erschienen. Im Blickpunkt steht Maximos Planudes, ein klassisch gebildeter Gelehrter und Lehrer des 13. Jahrhunderts, der in seinem "Rechenbuch nach den Indern" didaktisch geschickt zeigt, wie man auch komplizierte mathematische Aufgaben einfach lösen kann.

Dazu nutzt er die in der Antike unbekannte "Null" und das erst damit ermöglichte Stellenwertsystem, das aus Indien über den arabischen Raum nach Europa gekommen war. Planudes zeigt für Addition, Subtraktion, Multiplikation, Division und Wurzelziehen, wie man im Alltag, aber auch bei astronomischen Fragen diese seinerzeit neuartige Form des Rechnens einsetzen kann. Mehr als 40 erhaltene mittelalterliche Abschriften zeugen vom Erfolg des Werks, das zwar nicht das allererste war, in dem das "indische" Rechnen auf Griechisch vorgestellt wurde, doch sicher das einflussreichste Rechenbuch in seiner Zeit und darüber hinaus – wir rechnen noch heute so.

Kai Brodersen, Professor für Antike Kultur an der Universität Erfurt, und Christiane Brodersen, Gymnasiallehrerin für Mathematik, haben das Werk nun erstmals vollständig ins Deutsche übersetzt und in einer zweisprachigen Ausgabe zugänglich gemacht.

Kai und Christiane Brodersen
Planudes: Rechenbuch
Berlin: De Gruyter, 2020
ISBN 978-3-11-071192-9
240 Seiten
39,95 EUR (auch als e-book erhältlich)

Planudes

Gustav Landauer - Zwischen Anarchismus und Tradition

Gustav Landauer

Bei Hentrich & Hentrich, dem Verlag für jüdische Kultur und Zeitgeschichte, ist unter dem Titel "Gustav Landauer - Zwischen Anarchismus und Tradition" eine neue Publikation von Sebastian Kunze, Mitarbeiter an der Professur für Judaistik an der Universität Erfurt, erschienen.

Gustav Landauer (1870–1919) zählt zu den exponiertesten Vertretern des deutschsprachigen Anarchismus seiner Zeit und ist heute dennoch weitgehend unbekannt. Als politischer Denker, Philosoph, Intellektueller und Literaturkritiker war Landauer in unterschiedlichen Gruppen wie dem Arbeiteranarchismus oder dem Forte-Kreis aktiv und wurde breit rezipiert. Sein Werk entfaltete aber vor allem innerhalb der jüdischen Jugend eine große Wirkung: Gershom Scholem, Walter Benjamin, Manés Sperber, Paul Celan und viele andere lasen und priesen Landauers Schriften. Dieser Band skizziert Landauers Leben und Wirken, um einen Einblick in die verschiedenen Facetten dieses faszinierenden Intellektuellen zu eröffnen.

Sebastian Kunze
Gustav Landauer: Zwischen Anarchismus und Tradition
Leipzig: Verlag Hentrich & Hentrich, 2020
ISBN 978-3-95565-385-9
74 Seiten
8,90 EUR

Culture of Da’wa

Um das Predigen in der modernen Welt geht es in einem neuen Buch, das Itzchak Weismann und Jamal Malik soeben unter dem Titel "Culture of Da’wa" herausgegeben haben.

Das Buch bietet eine eingehende, breit angelegte Untersuchung der „da'wa“, dem „Ruf zum Islam“ bzw. dem „Ruf zu Gott“. Als schwer zu übersetzender Begriff deckt „da'wa“ ein semantisches Feld ab das vom Aufruf oder der Einladung zum Islam über religiöses Predigen und Bekehrungseifer bis hin zur Mission und Botschaft des Islam reicht. Die Beiträge in der neuen Publikation analysieren die wichtigsten Diskurse der da'wa, ihre Verankerung in den großen islamischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts und ihre Umwandlung in neue Formen des Aktivismus durch die Medien, den Staat und Jihadi-Gruppen - einschließlich al-Qaida und ISIS - im 21. Jahrhundert.

Die Autoren
Itzchak Weismann ist außerordentlicher Professor für Islamwissenschaft und ehemaliger Direktor des Jüdisch-Arabischen Zentrums an der Universität von Haifa. Er hat umfassend über modernes islamisches Denken, islamische Bewegungen, Sufismus und interreligiösen Dialog publiziert. Jamal Malik ist Inhaber der Professur für Islamwissenschaft an der Universität Erfurt. Er hat zahlreiche Publikationen über islamische Bildung und religiösen Pluralismus, Sufismus und die Mobilisierung der Religion veröffentlicht.

Itzchak Weismann und Jamal Malik
Culture of Da’wa Islamic Preaching in the Modern World
University of Utah Press, 2020
ISBN 978-1-60781-745-1
325 Seiten
45.00 $

Da'wa
Was ist unser Lohn

Was also ist unser Lohn? Die Finanzen der nordafrikanischen Kirchen in vorvandalischer Zeit.

Dr. Ansgar Teichgräber, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Antike Kultur an der Universität Erfurt, hat unter dem Titel "Was also ist unser Lohn? Die Finanzen der nordafrikanischen Kirchen in vorvandalischer Zeit" ein neues Buch veröffentlicht.

Geld und Kirche. Diese Kombination sorgte schon seit der Entstehung des Christentums für Konflikte. Auch die nordafrikanischen Kirchen des vierten und frühen fünften Jahrhunderts bildeten dabei keine Ausnahme. Doch die Finanzen spielten eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der kirchlichen Strukturen. Gerade in der Zeit nach der Tolerierung und Förderung des Christentums durch Konstantin I. stellte sich die Frage, wie die Kirchen mit ihren wachsenden Ressourcen umgehen sollten. Die verschiedenen Antworten darauf lassen sich in den zahlreichen Quellen aus Nordafrika finden, mit deren Hilfe ein facettenreiches Bild der dortigen Kirchen gezeichnet wird.

Von entscheidender Bedeutung waren dabei die neuen Möglichkeiten, die sich aus dem wachsenden Besitz der Kirchen ergaben. Nun waren die Kirchen nicht mehr allein von den Spenden ihrer Mitglieder abhängig, sondern verfügten über eigene finanzielle Mittel. Gleichzeitig wuchsen jedoch auch die Ausgaben der Kirchen, da die kirchlichen Strukturen größer und komplexer wurden. Deswegen mussten neue, ausdifferenzierte Organisationsstrukturen geschaffen werden, die wiederum gegenüber den Gemeinden legitimiert werden mussten. Damit wurden grundlegende Entwicklungen eingeleitet, die auch über Nordafrika hinaus wirksam werden konnten.

Ansgar Teichgräber
Was also ist unser Lohn? Die Finanzen der nordafrikanischen Kirchen in vorvandalischer Zeit.
(Jahrbuch für Antike und Christentum, Ergänzungsband. Kleine Reihe 16)
Münster: Aschendorff, 2020
ISBN 978-3-402-10925-0
248 Seiten
39 EUR

Lateinamerikaberichterstattung der deutschen Presse

Unter dem Titel "Lateinamerikaberichterstattung der deutschen Presse" ist bei Springer ein neues Buch von Dr. Regina Cazzamatta erschienen. Es untersucht die Struktur und Entstehungsbedingungen dieser Berichterstattung und basiert auf der Dissertation, die Cazzamatta an der Philosophischen Fakultät der Uni Erfurt vorgelegt hat.

Das Dissertationsprojekt von Regina Cazzamatta zielte darauf ab, die Struktur und Entstehungsbedingungen lateinamerikanischer Berichterstattung in der deutschen Presse hinsichtlich einer aktuellen politischen Ordnung zu untersuchen. Wie wird Lateinamerika gegenwärtig in der deutschen Presse dargestellt? Verbindet man auch heutzutage die Region mit Bürgerkrieg, Umsturzversuchen, Guerillabewegungen, Wahlmanipulation und Schuldenkrisen? Wurde das Image Lateinamerikas als „Hinterhof der USA“ abgelöst? Konzentriert sich die Berichterstattung weiterhin auf wenige Länder bzw. Brasilien, Chile und Argentinien wie Wöhlcke  in den 70er-Jahren konstatiert? Hatte die Veränderung in der Politik und Wirtschaft des Kontinentes Einfluss, wenn auch nicht unbedingt, hinsichtlich der Quantität auf die Berichterstattung? Sind die Länder innerhalb des Kontinents gleichmäßig porträtiert oder gibt es Ländermerkmale, die ihre Nachrichtenfaktoren erhöhen? Werden große Heterogenität, kulturelle Vielfalt und unterschiedliche geografische, wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Gegebenheiten der Länder in der Berichterstattung berücksichtigt? Sind die in der früheren Forschung identifizierten Nachrichtenfaktoren für Lateinamerika stabil geblieben? Welche Faktoren und Ausprägungen treten gegenwärtig in der Berichterstattung am häufigsten auf?

Um diese Fragen beantworten zu können, hat Regina Cazzamatta für ihre Arbeit ein Mehr-Methoden-Design entwickelt, das quantitative und qualitative Inhaltsanalysen kombiniert. Die Autorin füllt damit eine Forschungslücke in einem außenpolitisch extrem relevanten Thema. Ihr Buch betrachtet Themen und Merkmale des Mediendiskurses in kombinierter Form, zeigt Länderprofile und sucht nach theoretischen Erklärungen für die Bildkonstruktionen innerhalb der Berichterstattung. Mit dem Ergebnis, dass es das Lateinamerikabild in der deutschen Presse nicht gibt, sondern sich eine Perzeption nach Ländern und Landesgruppen ausdifferenziert lässt.

Regina Cazzamatta
Lateinamerikaberichterstattung der deutschen Presse Struktur und Entstehungsbedingungen
Wiesbaden: Springer, 2020
ISBN 978-3-658-30783-7
619 Seiten
64,99 EUR (auch als e-book erhältlich)

Cazzamatta
Karten-Meere

Karten–Meere. Eine Welterzeugung

Meere überwältigen allein schon durch ihre Größe. Sie produzieren eine Flut schier unerschöpflicher Datenmengen. Diese zu bändigen, ist die Aufgabe von Karten. Sie ermöglichen es, mit einem Blick zu überschauen, was sich in der Fülle einzelner Beobachtungen aufzulösen droht, Routen zu planen und zu navigieren, schaffen darüber hinaus Fluchträume für Phantasien von einem anderen Leben, von Idylle, Exotik und Abenteuer.

Ein neues Buch unter dem Titel "Karten-Meere. Eine Welterzeugung" lädt dazu ein, Karten als Dokumente einer Welterzeugung zu lesen und präsentiert eine Reihe literarischer und nichtliterarischer Texte, die ihrerseits das Experiment unternehmen, Karten zu lesen: indem sie ihre Erzählungen aus Karten hervorgehen lassen oder sie dort fortsetzen, wo die Karten enden; indem sie von den Sehnsüchten und Phantasien berichten, die sich den Karten eingeschrieben haben oder die aus dem Blick oder der Fingerreise auf Karten entstehen können; indem sie die Zuverlässigkeit von Karten feiern oder hochtrabende Phantasien an unberechenbaren Riffs und Eisbergen scheitern lassen.

Das Buch von Prof. Dr. Wolfgang Struck, Prof. Dr. Iris Schröder, Dr. Felix Schürmann und Elena Stirtz von der Universität Erfurt ist Teil des Verbundprojektes „Karten–Meere. Für eine Geschichte der Globalisierung vom Wasser aus“.

Wolfgang Struck, Iris Schröder, Felix Schürmann und Elena Stirtz
Karten–Meere. Eine Welterzeugung
Wiesbaden: Corso Verlag, 2020
ISBN 978-3-6-7374-0763-2
192 Seiten
20 EUR

Riskante Substanzen. Der 'War on Drugs' in den USA (1963-1992)

Riskante Substanzen

Unter dem Titel "Riskante Substanzen. Der 'War on Drugs' in den USA (1963-1992)" ist im Campus Verlag ein neues Buch von Timo Bonengel erschienen, das auf seiner Dissertation am Historischen Seminar der Universität Erfurt beruht.

Die Debatte um Drogenkonsum und dessen Bekämpfung hat Konjunktur. Timo Bonengel zeichnet die Geschichte der Drogenpolitik in den USA nach, die sich in den 1980er Jahren von wohlfahrtsstaatlichen Strategien in eine konservative, auf Abschreckung und Bestrafung setzende Sozialpolitik verwandelte. Das Buch zeigt, dass der "War on Drugs" auch mithilfe von wissenschaftlichen Expert*innen geführt wurde und dennoch ethnische Minderheiten und arme Menschen diskriminierte. Damit problematisiert die Studie Forderungen nach einer wissenschaftsbasierten und deshalb angeblich gerechten Drogenpolitik.

Timo Bonengel
Riskante Substanzen. Der "War on drugs" in den USA (1963-1992)
Campus Verlag, Frankfurt/New York 2020
ISBN 9783593511726
433 Seiten
45 EUR