Kontakt: raphael.thun@hu-berlin.de
- Seit 10/2026 Doktorand (Professur Geschichte der Mobilitäten)
- 02/2026–09/2026 Doktorand am Fachgebiet Alte Geschichte an der TU Darmstadt
- 03/2025 M.A. Geschichtswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin
- 08/2023–03/2024 Studium an der Universidad Nacional Autónoma de México, Mexiko-Stadt
- 09/2022 B.A. Geschichtswissenschaften und Mathematik an der Humboldt-Universität zu Berlin
- 10/2021–09/2022 sowie 10/2024–03/2025 Stud. Mitarbeiter beim Corpus Inscriptionum Latinarum an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
- 09/2020–08/2021 Studium an der Universidad de Sevilla, Sevilla und der Universitat de Barcelona, Barcelona
Im Zentrum dieses Promotionsprojekts steht die Frage nach der Ausprägung und literarischen Reflektion sozialer und physischer Mobilität im Römischen Reich während der ersten beiden nachchristlichen Jahrhunderte. Dieser Zeitraum markiert in der römischen Welt sowohl einen Höhepunkt physischer Mobilität als auch den Beginn einer weitreichenden sozialen Mobilität, indem sich provinziale Eliten zunehmend in die zentralen Machtstrukturen integrierten und Teil einer gesamtreichischen Elite wurden. Ziel der Arbeit ist es, nachzuvollziehen, wie Mobilität in der Literatur der römischen Kaiserzeit nicht nur als eigene Erfahrung direkt wiedergegeben, sondern auch literarisch erzählt und verhandelt wird. Dabei verstehe ich Mobilität nicht allein als Bewegung im physischen Raum, sondern als eine Form sozialer Praxis und kultureller Selbstreflexion. Die Untersuchung konzentriert sich auf griechischsprachige Autoren der sogenannten Zweiten Sophistik, die im 2. Jahrhundert n. Chr. als Vertreter einer gebildeten Elite im Römischen Reich eine besondere Position zwischen lokaler Identität und imperialer Zugehörigkeit einnehmen. Ziel ist es, die literarischen Darstellungen von Mobilität, erlebt oder imaginiert, als Ausdruck sozialer und kultureller Aushandlungsprozesse zu verstehen.
Autoren wie die Vertreter der Zweiten Sophistik sowie periegetische und geographische Schriftsteller bilden eine Akteursgruppe, die in besonderer Weise auf die sozialen und kulturellen Dynamiken innerhalb des römischen Reiches reagiert. Sie bewegen sich nicht nur physisch durch den Raum eines weit ausgedehnten Imperiums, sondern artikulieren zugleich Narrative sozialer Positionierung und kultureller Identität in einem Spannungsfeld zwischen griechischem Erbe und römischer Hegemonie.
Zugleich ist diese Elite aber keineswegs homogen. Viele der Autoren des 2. Jahrhunderts gehören kulturell der griechischen Bildungstradition an, bewegen sich aber innerhalb der politischen Ordnung des römischen Imperiums, sie sind oftmals Inhaber des römischen Bürgerrechts, haben dieses aber zugleich verliehen bekommen und nicht per Geburt erhalten. So lautet die Leitfrage meines Promotionsprojekts: Wie werden die politischen und sozialen Veränderungen im Römischen Reich, soziale Zugehörigkeit und Permeabilität sowie Status durch narrative Darstellungen von Mobilität in der griechischsprachigen Literatur des 2. Jahrhunderts n. Chr. konstruiert und reflektiert?