Blogeinträge von MESH Studierenden über ihren Libanon-Aufenthalt 2022

Sole insight - lediglich ein Einblick

von Lea Schulze-Naumburg

Sole Insight. An welchem Ort habe ich die meiste Zeit verbracht während der letzten Monate. In einem kleinen Café. Der erste Besuch, klar ist, das ist DER Ort für mich, eine kleine Oase in der großen Stadt. Fernab von all dem Lärm und doch mittendrin. Nur ein paar Stufen hinunter und schon ist man in der Party Straße: Armenia Street. Der einzige ruhige Moment hier, Sonntagvormittag. Fast fremd wirkt es dann. So leer.

 

Leere Armenia Street an einem Sonntagmorgen
Treppe, die zum Sole Insight führt

Im Kontrast zu den Nächten. Die Straße entlang und alle paar Meter musst du dich zu einem anderen Beat bewegen. Das Klackern der losen Kopfsteinpflaster, wenn ein Auto langsam die die Straße entlang rollt. Langsam der Menschenmassen wegen, die ausgelassen, betrunken nicht mehr Straße und Bürgersteig unterscheiden. Ich höre immer, dass es so anders war. Und natürlich, die Krise im Land kann nicht unbemerkt bleiben. Noch immer erinnern leerstehende Restaurants an die Explosion. Das Geld fehlt, um sie wieder aufzubauen. Die Trümmer sind nicht angerührt. So wie die Tankstelle. Unter ihr vergraben, noch immer Autos. Wenn das Geld den Besitzer*innen fehlt, kommt es nicht von anderswo. Außer von Menschen, denen es selbst fehlt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Explosion erst ein Jahr her ist. Ohne eine Regierung, so viel wieder aufgebaut.

"How to fix Lebanon? Did you google?“

All die Menschen, all der Lärm, die Musik, auch wie es jetzt ist, für mich meist zu viel. Deshalb die Stufen hinauf. Meine Oase. Tagsüber scheint die Sonne auf die bunten Schirme. Kinder spielen auf den Stufen. Erhoffen sich einen der süßen Säfte aus dem Café. Alte Menschen grüßen. Man genießt hausgemachte Spezialitäten, Fatayer und Molokhia, von der Mutter gemacht.

Am Nachmittag fühlt sich das Café langsam. Die Stimmung heiter in den Nächten. Junge Katzen erobern Herzen. Gin Basil mit frisch gemachter Basilikumlimonade. Einzigartiger Persönlichkeiten. Backgammon. Zigarettenrauch und Almaza Flaschen mehren sich. Gitarre. Gesang. Tanz.

Auf den Stufen sammeln sich junge Menschen. Sie hinterlassen Schriftzüge auf ihnen:

Per Anhalter nach Tannourine

von Teresa Walter

Man kann es ja mal per Anhalter versuchen!

Wir fuhren mit dem Bus von Beirut in den Norden Richtung Tannourine. Am letzten Stopp stiegen wir aus und wollten per Anhalter weiter. Leider hatte aber niemand einen freien Platz für uns. Nach einiger Zeit stießen wir auf das Haus eines alten Ehepaares, das uns mit Äpfeln versorgte. Vor allem die Frau hat sich sehr um uns gesorgt, denn sie wusste, dass keine Busse zu unserem Ziel, dem Campingplatz „Joz Camping“ (Walnuss), fuhren und uns wahrscheinlich auch niemand mitnehmen würde. Wir wollten aber trotzdem unser Glück versuchen. Die Landschaft war beeindruckend: komplette Einöde mit sehr wenigen Häusern, felsig, grau, sehr still und wunderschön. Plötzlich tauchte ein Auto auf, es war der Sohn unserer Bekannten, sie hatte ihn geschickt, um uns zu unserem Ziel zu bringen. Wir waren superglücklich und erleichtert.

Auf Höhlenexpedition

Der Campingplatz liegt im Wald direkt am Fluss Jaouz, die Zelte sind sehr komfortabel eingerichtet mit richtigen Betten. Abends kochten wir im Freien auf einem Feuer. Am nächsten Tag wanderten wir ins Dorf „Wata Houb“. Dort haben uns zwei Männer ein Stück in ihrem Auto mitgenommen. Sie erzählten uns von dem maronitischen Kloster „Couvent Saint Antonius“ gleich in der Nähe und brachten uns auch dorthin. Das Kloster ist direkt am Hang gebaut, es gibt dort Weinreben, eine Riesen-Zeder im Innenhof, Gewölbekeller und coole Mönche. Ein Mönch erzählte uns von dem „Baatara Wasserfall“ in der Nähe. Dieser fällt 250 Meter tief durch eine Kalksteinhöhle, das wollten wir natürlich sehen und machten uns auf den Weg. Die Höhle ist wirklich toll und machte mich ganz ehrfürchtig.

Aussicht auf das Kloster

Wir freundeten uns dort auch mit einem Teeverkäufer an, der ganz in der Nähe wohnte. Er brachte uns nach einer Tasse Tee mit seinem Jeep zurück zum Kloster. Dort lernten wir bei einem Abendessen mit den Mönchen viel über die verschiedenen Konfessionen im Libanon. Am nächsten Tag besuchten wir den Gottesdienst in der dortigen Kapelle und konnten später mit einem der Mönche zurück nach Byblos fahren. Von da nahmen wir den Bus nach Beirut. Dies ist meine Lieblingstour im Libanon, die mir die Augen für die Schönheit des Landes und die enorme Gastfreundschaft seiner Menschen geöffnet hat.