Sex, Mobilität, Moral. Raumpraktiken und -wahrnehmungen des „Mädchenhandels" zwischen Deutschland, Frankreich und Nordafrika (1900-60)

In dem Projekt geht es um eine Geschichte transnationaler Mobilität und kommerzieller Sexualität zwischen Deutschland, Frankreich und Nordafrika vom beginnenden 20. Jahrhundert bis in die 1960er Jahre. Im Mittelpunkt steht die Idee des sogenannten „Mädchenhandels" oder „traite des blanches", einer Vorstellung, die seit Ende des 19. Jahrhunderts in globalem Maßstab Frauen- und Sittlichkeitsvereine, Polizeiinstitutionen und seit den 1920er Jahren als Trafficking in Women and Children auch den Völkerbund beschäftigte. Dabei geht es erstens um die damit verbundenen Raum- und Moralvorstellungen, etwa öffentliche Annahmen über weit verzweigte kriminelle Netzwerke und grenzübergreifende moral panics. Zweitens finden internationale Kooperationen zur politischen und polizeilichen Raumkontrolle Beachtung. Drittens kommen die Praktiken, Erfahrungen und Bewegungsweisen der in die transnationale Prostitution involvierten Akteur*innen, ihre Raumbezüge, Netzwerke und Routen in den Blick.

Untersucht wird die Vorstellung eines „Mädchenhandels" und die tatsächliche Mobilität von Akteur*innen zwischen Deutschland, Frankreich und Nordafrika: Dies umfasst nicht nur Frauen, sondern auch Männer wie Touristen oder Soldaten und eine Mobilität nicht nur von Europa nach Nordafrika, sondern auch entgegengesetzt: Zentrale Kontexte sind unter anderem Bordelle im französisch besetzten Rheinland sowie deutsche Fremdenlegionäre und ihre Verbindung mit der kolonialen Prostitution. Das Ziel besteht in einer transnationalen und -imperialen Geschichte von Mobilität und Globalität „kleiner Akteur*innen" im Kontext (post)kolonialer politischer, geschlechtlicher und sozialer (Raum)Ordnungen.

Bild: La Rue Bouterie à Marseille, Postkarte 1919, L. L., Louis Lévy, Paris © Wikimedia Commons

Kontakt

Wissenschaftliche Mitarbeiterin des VolkswagenStiftung-Freigeist Projekts "The Other Global Germany: Transnational Criminality and Deviant Globalization in the 20th Century"
(Historisches Seminar)
Lehrgebäude 4 / Raum 115