Studierende der Romanistik berichten von ihren Erfahrungen im Ausland

Jasper war in Boyacá, Kolumbien

Im Rahmen meines weltwärts-Freiwilligendienstes war ich von August 2023 bis Juli 2024 in Boyacá, Kolumbien. In dieser Zeit durfte ich nicht nur in einem für mich neuen Land leben und arbeiten, sondern auch vielfältige persönliche, sprachliche und kulturelle Erfahrungen sammeln.

Während meines Freiwilligendienstes war ich an drei Einsatzstellen tätig: im Sekretariat für wirtschaftliche Entwicklung und Wettbewerb der Stadtverwaltung Paipa, im Kulturzentrum Culturama in Duitama sowie an der Universidad Pedagógica y Tecnológica de Colombia (UPTC), Sede Duitama. Im Rathaus von Paipa unterstützte ich bei der Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen, Märkten und Verteilaktionen, half bei organisatorischen Aufgaben sowie bei der Digitalisierung von Dokumenten. Nach einem Projektwechsel war ich an der Universität in Duitama als Assistent im Sprachinstitut tätig und engagierte mich zugleich im Kulturzentrum der Stadt, wo ich einen freiwilligen Deutschklub, sowie einen Englisch-Konversationsklub gestalten durfte.

Besonders prägend war für mich die enge Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort. Durch meine Tätigkeiten kam ich mit vielfältigen Lebensrealitäten in Kontakt und konnte viele bereichernde Begegnungen machen. Der Austausch mit Studierenden, Lehrkräften und Kursteilnehmenden hat meinen Blick auf Gesellschaft, Bildung und Gemeinschaft erweitert. Gleichzeitig habe ich das weltwärts-Programm noch stärker als interkulturellen Lerndienst, denn als entwicklungspolitischen Freiwilligendienst kennengelernt. Ich lernte, Vorurteile zu hinterfragen, meine privilegierte Position bewusster wahrzunehmen und viele wertvolle Bekanntschaften zu schließen.

Eine der größten Herausforderungen war für mich die Sprachbarriere, da ich vor meiner Ausreise noch keine Spanischkenntnisse hatte. Gerade in den ersten Wochen war die Verständigung nicht immer leicht. Umso mehr freut es mich, dass ich im Laufe des Jahres durch den Alltag, meine Projekte und den direkten Kontakt mit meiner Gastfamilie und Menschen in den Projekten große sprachliche Fortschritte machen konnte.

Der Freiwilligendienst hat mir gezeigt, wie wichtig globales Lernen und persönlicher Austausch sind. Wer längere Zeit in einem anderen Land verbringt, entdeckt Unterschiede, aber vor allem auch viele Gemeinsamkeiten. Solche Erfahrungen fördern Verständnis, Offenheit und das Bewusstsein dafür, dass wir in einer gemeinsamen Welt leben. Für mich war dieses Jahr deshalb nicht nur ein Dienst in einem anderen Land, sondern eine prägende Lebenserfahrung. Diese bewegte mich dazu, im weiteren Verlauf meines Bildungswegs ein Studium der Romanistik an der Universität Erfurt anzufangen um mich dort intensiver und tiefgreifender mit den Sprachvariationen, Literaturen und Kulturen des spanischsprachigen Raumes auseinanderzusetzen. Erfreulicherweise konnte ich mir den Dienst als Auslandspraktikum im Bereich Landeskunde, Kultur und Interkulturalität anrechnen lassen.

 

Jasper Adden

4. Semester, Romanistik mit dem Hauptfach Internationale Beziehungen

Judith war in La Plata, Argentinien

Ich absolvierte mein Auslandssemester an der Universidad Nacional de La Plata im Rahmen des BA 6+1 Programms im Wintersemester 21/22. Ursprünglich hatte ich mich beworben, um im Wintersemester 20/21 in Argentinien zu studieren, jedoch musste dieser Plan, wie bei so vielen, aufgrund der Corona Pandemie verschoben werden. Dementsprechend konnten die anderen zwei Stipendiatinnen und ich erst im folgenden Jahr nach Argentinien fliegen, und auch das erst ab dem 1.November anstatt, wie ursprünglich geplant, im August. Das war zwar sehr schade, aber wir waren alle froh, dass unser Auslandssemester doch noch stattfinden konnte. Daher wird dieser Erfahrungsbericht sich wahrscheinlich von den vorherigen Berichten wesentlich unterscheiden.

(Online)-Studium an der Universidad Nacional de La Plata

Das gesamte Semester fand online statt, so auch das Willkommenstreffen für die Austauschstudierenden, bei dem uns der Ablauf des Semesters und die Auswahl der Kurse erklärt wurden. Danach vereinbarten wir einen Termin mit Fernando, einem Mitarbeiter des Internationalen Büros, um die individuelle Kurswahl zu besprechen. Die große Auswahl an interessanten Seminaren ist mir besonders positiv aufgefallen. Uns wurde empfohlen, insgesamt vier Kurse zu belegen und es ist auch sinnvoll bei dieser Anzahl zu bleiben, da der Arbeitsaufwand durch die vielen Texte, die jede Woche zu lesen sind, recht hoch ist. Neben einem Spanischsprachkurs und zwei Literaturseminaren konnten wir noch ein zusätzliches Seminar frei nach unserem Interesse auswählen. 

In den ersten zwei Wochen habe ich mir insgesamt sechs Kurse angeschaut, um mich danach für die vier entscheiden zu können, die mir am meisten zusagten. Der Sprachkurs fand einmal die Woche statt mit einer kleinen Gruppe aus Austauschstudierenden. Die anderen Seminare teilten sich in teoréticos und prácticos, wobei nur die prácticos für uns verpflichtend waren und die teoréticos die Themen der Seminare noch einmal vertieften. Obwohl die Dozierenden sich sehr bemüht haben, die Seminare kreativ und interessant zu gestalten, war die Onlinelehre doch eine Herausforderung, zumal die Veranstaltungen in den ersten Monaten für uns in Deutschland durch die vier Stunden Zeitverschiebung teilweise sehr spät stattfanden. Vor Ort war das Onlinestudium ebenfalls nicht immer einfach, so war v.a. die Gruppenarbeit online eher schwierig und es gab kaum Möglichkeiten sich mit anderen argentinischen Studierenden über die Inhalte der Kurse auszutauschen, was wirklich sehr schade war. Einige Dozierende boten jedoch Sprechstunden an, in denen wir Fragen stellen konnten, was mir sehr geholfen hat. 

Prüfungen und Abgaben fanden in der Mitte und zum Ende des Semesters statt. Dabei variierte die Art der Prüfung abhängig vom jeweiligen Seminar. Meist bekamen wir ein paar Fragen zu den gelesenen Texten, die wir innerhalb einer bestimmten Zeit (zwischen einem Tag und einer Woche) abgeben sollten. Dabei haben wir teilweise Dozierende gefragt, ob wir etwas mehr Zeit für die Abgaben bekommen, was nie ein Problem war. Dies erleichterte es uns, alle Texte zu lesen und die Fragen rechtzeitig zu bearbeiten. Zum Ende des Semesters fand ein Treffen vom Internationalen Büro und den Studierenden, die an dem BA 6+1 Programm teilnahmen, auf dem Campus statt. So konnten wir uns wenigstens kurz die Universität anschauen und ein paar Menschen persönlich kennenlernen.

Anreise und Wohnen in La Plata

Coronabedingt war die Einreise nach Argentinien ein wenig komplizierter als sonst. Vorab mussten wir auf der Webseite der argentinischen Regierung ein Formular ausfüllen, unseren Reisepass und einen Nachweis hochladen, dass wir krankenversichert sind und dass diese Versicherung auch im Falle einer Erkrankung an Corona für alle Kosten, inklusive einer eventuellen Quarantäne, aufkommt. Ein Vorteil war jedoch, dass wir aufgrund unserer Einreise im November mit einem Touristenvisum für 90 Tage auskamen. Dies wird automatisch bei der Einreise ausgestellt und muss nicht vorher beantragt werden. Bei der Einreise hatten wir keine Probleme und teilten uns anschließend ein Taxi vom Flughafen Buenos Aires nach La Plata, was ca. eine Stunde dauerte. 

Die ersten zwei Wochen wohnten wir in einer Wohnung, die wir über Airbnb gebucht hatten. Das restliche Semester haben wir bei einer Philosophiestudentin gewohnt, die wir über die anderen argentinischen Austauschstudierenden kennengelernt hatten. Wir haben für den Monat, den wir dort gewohnt haben, 100 € Miete gezahlt. Durch unsere Mitbewohnerin haben wir sehr viele Menschen kennengelernt und konnten schnell neue Freundschaften schließen und das Studierendenleben in La Plata kennenlernen, so wurde unsere Zeit dort besonders schön.

Sonstiges

Eine gute Kenntnis der spanischen Sprache ist schon sehr empfehlenswert, da im Raum Buenos Aires ein eigener Dialekt gesprochen wird, der viele Wörter umfasst, die es so nur in Argentinien gibt. Ich habe einfach immer nachgefragt, wenn ich mal ein Wort nicht verstanden habe und meine Freund:innen haben mich immer gern über die Bedeutung der Begriffe aufgeklärt und sich sehr gefreut, als ich angefangen habe, das sogenannte Lunfardo zu benutzen. Ich kann auch empfehlen, sich im Internet ein paar Listen mit argentinischen Wörtern anzuschauen, das hilft schon sehr. Für die öffentlichen Verkehrsmittel im Raum Buenos Aires haben wir uns eine Subte-Karte an einem Kiosk in der Stadt gekauft, dort ist es auch möglich, die Karte wieder mit Guthaben aufzuladen. Allgemein sind Bus und Bahn sehr günstig, z.B. kostet die Zugfahrt von La Plata bis nach Buenos Aires nur 40 Pesos hin und zurück. Generell kann ich sehr empfehlen, oft nach Buenos Aires zu fahren, mittwochs sind die Museen, wie das MALBA oder das MAMBA, für Studierende umsonst und die Stadt hat auch sonst viel zu bieten. Eine besondere Erfahrung war am 10. Dezember, dem Tag der Demokratie, gemeinsam mit Freund:innen zum Plaza de Mayo zu fahren, um dort die Reden von Cristina Kirchner, Brasiliens Ex-Präsidenten Lula und José Mujica zu hören. 

Geld ist in Argentinien, gerade durch die Inflation, ein schwieriges Thema und die Leute stehen oft lange vor den Bankautomaten Schlange. Da aber in Argentinien sehr viel in bar gezahlt wird, ist es sinnvoll, aus Deutschland Euros oder US-Dollar mitzubringen, um das Geld vor Ort wechseln zu können. Dadurch ist der Wechselkurs wesentlich besser und die Gebühren sehr gering. Am besten ist es, in Begleitung einer Argentinierin oder eines Argentiniers zu einem Wechselbüro zu gehen. Auch sollte man sich nicht auf seine Kreditkarte verlassen, um an Bargeld zu kommen. Bei vielen Bankautomaten hat meine Karte nicht funktioniert oder ich musste eine hohe Gebühr zahlen, um mein Geld abheben zu können. Sonst kann ich noch empfehlen, sich Geld über Western Union schicken zu lassen, dort kann man sich einen Account anlegen und kann jemanden aus seinem Bekanntenkreis bitten, das Geld zu überweisen. So konnte ich das Bargeld in einer der vielen Filialen abholen, teilweise bieten auch Supermärkte oder Kiosks den Service von Western Union an. Aus Sicherheitsgründen kann ich raten, das Geld nicht allein abzuholen oder wenn, anschließend ein Taxi nach Hause zu nehmen. 

Zum Thema Reisen kann ich noch den Tipp geben, Zugtickets sechs bis acht Wochen im Voraus zu buchen. Da die Züge sehr günstig sind, leider aber nur selten fahren, sind die Zugtickets schnell ausverkauft.

Trotz der Einschränkungen aufgrund von Corona und der verkürzten Zeit in Argentinien hat sich das Auslandssemester für mich gelohnt. Ich konnte meine Spanischkenntnisse vertiefen und habe durch die Seminare viel neuen Input bekommen. Darüber hinaus habe ich Freundschaften schließen können und habe das Land und seine Kultur kennengelernt. Ich bin mir sicher, dass ich Argentinien auch in Zukunft noch häufig besuchen werde. 

 

Judith Hentschel