Elisa studierte Germanistik und Romanistik an der Universität Erfurt und war im Sommersemester 2026 mit Unterstützung eines DAAD-Stipendiums in Kigali, Ruanda:
Im Rahmen meines Studiums der Germanistik absolvierte ich von April bis Juli ein Praktikum in der Programm- und Kulturabteilung des Goethe-Instituts Ruanda, in welchem ich dankenswerterweise durch ein Stipendium des DAAD unterstützt wurde. Der folgende Bericht soll einen Überblick über meine Zeit in Kigali geben und einen Eindruck von meinem dreimonatigen Leben in Ruanda vermitteln.
Meine Bewerbung beim Goethe-Institut Ruanda lief im Sommer 2025 über das dafür vorgesehene Portal ab – ich schickte meine Bewerbung ein und innerhalb weniger Wochen erhielt ich eine Rückmeldung, die nach einem erfolgreichen Interview eine Zusage zur Folge hatte. Ab dem Zeitpunkt meiner Zusage bereitete ich mich auf den Auslandsaufenthalt vor – so kümmerte ich mich in Deutschland um alle vorgesehenen Impfungen und Vorkehrungen, wie beispielsweise die Malaria-Prophylaxe. Viele, die ich kennenlernte, nahmen diese nicht, ich persönlich hatte allerdings keine Nebenwirkungen oder sonstige Beschwerden, weshalb ich diese Tabletten während meiner gesamten Zeit in Ruanda verwendete. Reisen in die Nachbarländer Ruandas sind sehr gängig bei internationalen Studierenden und Praktikant:innen, weshalb es sich lohnt, sich auch hier über die benötigten Impfungen zu informieren (z.B. Gelbfieber in Uganda). Definitiv sollte auch – wie bei jeder Reise ins außereuropäische Ausland – der Reisepass auf seien Gültigkeit überprüft werden und sich zudem um alle benötigten Dokumente für das Visum gekümmert werden. Diese konnte ich alle über die Seite des Goethe-Instituts herausfinden und beantragte beispielsweise mein Führungszeugnis zeitnah.
Das Visum in Ruanda mit einem deutschen Pass zu bekommen, stellte sich für mich als sehr einfach und reibungslos heraus. Ich musste für das visa on arrival bei Ankunft am Flughafen 50$ zahlen und musste mich innerhalb der nächsten Woche um ein Arbeitsvisum kümmern, das ich beim Immigration Office in Kaciyru beantragte und nach etwa einer Woche Bearbeitungszeit abholen konnte. Ab einem Aufenthalt von 6 Monaten kann man die Möglichkeit einer residency in Anspruch nehmen, die dazu führt, dass die meisten touristischen Attraktionen deutlich günstiger sind. Dies konnte ich mit meinem dreimonatigen Aufenthalt leider nicht nutzen. Mein Visum endete am letzten Tag meines Arbeitsvertrags, weshalb ich die grace period von vier Tagen in Anspruch nahm, die nach Ablauf des Visums eintritt und während der man ohne Kosten verspätet ausreisen kann. Dies würde ich definitiv bei der Rückreiseplanung beachten oder sich im Vorhinein um eine Verlängerung des Visums kümmern, welche sich ebenfalls leicht als Tourist:innenvisum beantragen lässt.
Die Zimmersuche in Kigali gestaltete sich für mich relativ einfach, da ich durch die vorherigen und gegenwärtigen Praktikantinnen Kontakte zu Vermieter:innen bekam. Ich habe während meiner Zeit hier niemanden kennengelernt, der:die Schwierigkeiten bei der Wohnungsfindung hatte. Die meisten internationalen Praktikant:innen und Studierenden wohnten in Kimihurura, Rugando, Kaciyru oder Kiyovu, es gibt aber durchaus noch viele andere sehr lebenswerte Viertel. Preislich bewegen sich hier die Mieten in etwa zwischen 250 und 350€, abgerechnet wird meist in Dollar per Überweisung oder im Äquivalent von RWF über MoMo (Mobile Money). MoMo wird hier als das gängigste Zahlungsmittel genutzt, Kreditkarten werden meistens (außer an sehr touristischen Orten) nicht akzeptiert. Mobile Money erhält man durch das Einsetzen einer ruandischen SIM-Karte, da über die ruandische Nummer das Geld aufgeladen und versendet wird.
Die Kontaktaufnahme zu meiner Gastinstitution stellte sich als sehr einfach und sympathisch heraus. Ich hatte seit dem Interview und meiner Zusage eine Mailadresse, an die ich mich wenden konnte und habe auch zu den Praktikantinnen vor Ort bereits regen Kontakt gepflegt, die mir einige Empfehlungen und Ratschläge vor meiner Anreise geben konnten. Ende des Jahres 2025 habe ich meinen Vertrag zugeschickt bekommen, demnach etwa vier bis fünf Monate vor meinem Arbeitsstart.
Vor Ort habe ich mich sehr schnell mit meinen Praktikumskolleg:innen angefreundet und war somit auch innerhalb meiner ersten Tage in Kigali bereits am Institut und konnte meine anderen Kolleg:innen kennenlernen. Das Team des Goethe-Instituts Ruanda ist sehr offen, kommunikativ und aufgeschlossen, weshalb ich mich von Anfang an sehr aufgehoben und wohl fühlte. Da ich Ende April/Anfang Mai mit meiner Arbeit begann – nach dem Commemoration Monat April und Kwibuka 32 – waren von Beginn an viele Projekte geplant, da diese im April nicht stattfanden.
In meinem Praktikum in der Programm- und Kulturabteilung des Goethe-Instituts Ruanda habe ich sehr gute Einblicke in die Kulturarbeit des Instituts bekommen und in einem internationalen Team zu kulturellen, wie gesellschaftlichen Themen gearbeitet, wodurch sich meine interkulturellen Kompetenzen deutlich verbessert haben. Wenngleich ich auch zuvor schon an einigen Anti-rassismus-Trainings teilgenommen habe, wurde mir doch erst durch direkte Begegnungen klar, wie sehr ein subtiler internalisierter westlicher Rassismus doch bewusst ungewollt das Denken durchzieht und wie kolonialistisch die eigene Sprachverwendung im Endeffekt sein mag.
Während meiner Zeit am Institut durfte ich an einigen interessanten Veranstaltungen teilnehmen. So fuhren wir in meiner ersten Woche im Rahmen von Kwibuka 32 (dem Erinnerungsmonat April) gemeinsam mit den in Ruanda vertretenen deutschen Institutionen unter der Anleitung der Deutschen Botschaft Kigali in ein Reconciliation Village in der südlichen Provinz Bugesera; ein Ort, an dem Täter:innen und Opfer des Genozids von 1994 zusammenleben. Es gibt einige dieser Orte in Ruanda, die für eine gemeinsame Aufarbeitung des Genozids stehen. Dies direkt zu Beginn zu erleben, prägte meinen Blick auf die ruandische Gesellschaft sehr.
Des Weiteren wurde ich als Vertreterin des Instituts zu einigen Veranstaltungen gesandt, so beispielsweise zu einem Projektwochenende von The Creative Link und dem Demokratieförderungsprojekt Shaping Futures, welches von dem Institut Français du Ruanda, dem Ishyo Arts Center sowie dem Goethe-Institut Ruanda ins Leben gerufen wurde. Über das Wochenende wurden Ausstellungen, Paneldiscussions und Theaterworkshops präsentiert, immer mit dem Hintergedanken einer impliziten Demokratieförderung durch Kunst und Kultur. An diesen Kulturinstitutionen waren vermehrt Veranstaltungen, zu denen wir als Goethe-Institut Ruanda eingeladen waren. Generell ist es wichtig zu wissen, dass die Kulturinstitutionen in Kigali sehr eng zusammenarbeiten und vermehrt gemeinsame Projekte planen.
Darüber hinaus besuchte ich ein Symposium der Kent State University, welche hier in Ruanda im Jahre 2026 ihren ersten afrikanischen Standpunkt eröffnen wird. Der Fachzweig der Universität wird sich besonders auf Design wie Mode spezialisieren und seinen Sitz in Kigali haben. Zu diesem Anlass waren Regierungsvertreter:innen und Kunst- wie Modeschaffende aus Ruanda präsent.
Ruanda ist ein lebendiges und junges Land, welches sich aktuell sehr schnell und stark verändert wie modernisiert. Seit dem Genozid der Hutu an den Tutsi 1994 – vor 32 Jahren – musste sich das Land neu finden und lernen, mit dieser Vergangenheit umzugehen. Diese Erinnerungskultur spielt in jedem Fall eine sehr große Rolle im gesellschaftlichen Diskurs, da beinahe alle ruandischen Personen entweder direkt oder über Familienbeziehungen einen Zusammenhang mit dem Genozid haben; entweder als Täter:innen oder als Opfer.
Die Hauptstadt Kigali ist sehr modern und organisiert. Ich habe mich hier als Frau nie unsicher gefühlt, ganz im Gegenteil, eher sehr willkommen und ich bin stetig auf hilfsbereite Menschen getroffen. Kigali ist sehr lebendig, man findet immer etwas zu tun, sei es eine breite Auswahl an Abendprogramm oder Veranstaltungen untertags. Um durch die Stadt zu kommen, werden meist Motorrad-Taxis (Motos) genommen, deren Preis vorab auf der Straße verhandelt wird. Kigali ist auf Hügeln gebaut, entsprechend dem Namen des Landes Mille Collines, wodurch sich die Viertel vor allem auf die Hügel verteilen, was sich stadttopographisch als sehr spannend herausstellt. Die Entfernungen sind meist nicht sonderlich weit, ich habe wohl nie länger als höchstens 20 Minuten (und das selten) mit dem Moto zu meinem Ziel gebraucht. So fuhr ich auch nur etwa 7 Minuten zu meinem Arbeitsplatz.
Durch den hohen Anteil an internationalen Praktikant:innen in Kigali habe ich schnell Anschluss in der Stadt gefunden und demnach die meiste Zeit mit meinen neu gewonnenen Freund:innen verbracht. Fast jeden Abend trafen wir uns zu verschiedenen Anlässen in der Stadt, gerne in verschiedensten Vierteln in unseren Lieblingsbars oder bei Freund:innen zuhause. Die Kulturinstitute der verschiedenen Länder veranstalteten ein breites Programm, besonders im Centre Culturel Francophone du Ruanda (CCFR) – von Konzerten über Tanzworkshops bis hin zu Lesungen. Ich würde sehr empfehlen, sich über das Programm dieser Institutionen regelmäßig zu informieren, da es dort wirklich tolle Veranstaltungen gibt. Dadurch, dass der Arbeitstag meist bis 17 Uhr dauert, die Sonne allerdings schon um 18 Uhr untergeht, scheinen die Tage meist etwas kurz, weshalb ich mir angewöhnte, zumindest in der Früh vor der Arbeit ein bisschen an die frische Luft ins Tageslicht zu kommen. So befanden sich die meisten Programme am Abend in geschlossenen Räumen; dies war für mich zumindest am Anfang eine Herausforderung, da ich meine Sommerabende sehr gerne draußen verbringe.
An den Wochenenden fuhren wir viel im Land herum – so beispielsweise mehrfach an den Lake Kivu nach Kibuye und Gisenyi, in den Nyungwe-Nationalpark zum Nyungwe-Marathon Ende Juni, in den Akagera Nationalpark im Osten des Landes oder in den Vulcano-Nationalpark, um den schlafenden Vulkan Bisoke zu besteigen. Aber auch um Kigali herum gibt es einige Möglichkeiten für Tagesausflüge. Es bietet sich besonders an, ein Taxi zu nehmen und den Preis unter allen Beteiligten aufzuteilen, billiger sind jedoch die Busse, die allerdings weniger komfortabel und zuverlässig sowie mit einer langen Wartezeit verbunden sind.
Viele meiner Bekannten reisten während ihrer Zeit in Kigali in die benachbarten Länder, besonders Uganda, Kenia und Tansania; nach Uganda konnte ich leider aufgrund der Ebola-Situation seit Mai 2026 nicht reisen, entschied mich aber für eine Zeit in Tansania nach meinem Praktikum, bevor ich an meine nächste Station in Brasilien weiterreiste.
Ich habe mich während der gesamten Stipendiumszeit sehr gut beim DAAD aufgehoben und betreut gefühlt. Was ich allerdings gerne verändert sehen würde: die Dokumente zur Personendatenänderung lassen sich nicht auf jedem PC oder Laptop einwandfrei herunterladen und somit auch nicht adäquat ändern. Dies könnte definitiv ein wenig unkomplizierter und niedrigschwelliger gestaltet werden.
Ich danke dem DAAD sehr für die Unterstützung meiner Zeit am Goethe-Institut Ruanda und hoffe auf zukünftige Kooperationen.
Elisa studierte Germanistik und Romanistik an der Universität Erfurt und war im Wintersemester 2024/25 im Rahmen des ERASMUS-Programms in Lille, Frankreich:
1. Vorbereitung, Organisation und Bewerbung bei der Gasthochschule
Dass ich mein 5. Semester im fremdsprachigen Ausland verbringen möchte, stand für mich seit Beginn meines Studiums fest. Somit erkundigte ich mich schon im Vorhinein bei Kommiliton:innen aus höheren Semestern über den Ablauf und besuchte zudem die äußerst lohnenden Informationsveranstaltungen des Internationalen Büros der Uni Erfurt, die einen guten Überblick über die einzelnen Schritte bei der Bewerbung geben. Folglich nutzte ich die Weihnachtszeit und den Januar, um meine Bewerbung zu schreiben und mich um die erforderlichen Dokumente (wie Sprachzertifikate, Notenspiegel etc.) zu kümmern. Ich empfehle wirklich wärmstens, früh genug mit der Bewerbung anzufangen, um etwaige Stresssituationen zu vermeiden – der Januar als Prüfungsmonat ist nicht zu unterschätzen.
Die Rückmeldung über meine Annahme an meinem Erstwunsch (Université de Lille) bekam ich einige Wochen vor Beginn des Sommersemesters. Relativ schnell musste ich mich mit der Anmeldung an der Uni Lille auseinandersetzen und das Learning Agreement erstellen. Da die Université de Lille das Learning Agreement nicht über das Onlinetool zur Verfügung stellt, musste ich das mir zugeschickte pdf-Dokument ausfüllen – in diesem Fall habe ich die Mitarbeiter:innen des Internationalen Büros um Hilfe gebeten, die auf alle meine Fragen kompetent antworteten. Während dieses Prozesses kann es gut sein, dass die Lust auf das kommende Auslandssemester ein wenig sinkt, es ist doch ziemlich viel Bürokratie, viele verschiedene Dokumente und einige Unterschriften von verschiedenen Personen; letztendlich geht es aber doch immer gut aus, so viel zur Beruhigung. Die Informationsmails beider Hochschulen sowie das mobility-Portal geben immer einen guten Leitfaden an, der bei der Strukturierung der Vorbereitung gut weiterhilft.
Da das Semester in Frankreich bereits Mitte September beginnt, empfiehlt es sich, bereits zu Beginn des Monats nach Lille zu reisen – das Maison International (situiert sich am Campus Cité Sciéntifique, ist aber für alle international Studierenden eingerichtet) bietet ein volles Programm mit dem Namen „welcome days“ an, das verschiedene Veranstaltungen zum Kennenlernen unter den internationalen Studierenden organisiert, aber auch Informationen über die Organisation des Studiums an der Université de Lille gibt. Ich habe im Rahmen dieser „welcome days“ viele Leute kennengelernt, die mich durch das ganze Semester hindurch begleitet haben und zu wirklich guten Freund:innen geworden sind. Anfang September findet in Lille jedes Jahr die Braderie de Lille statt, ein großer (Floh)markt, der sich über die gesamte Stadt zieht – überall wird Musik gemacht, Antiquitäten und Kleidung werden verkauft (entweder von Privatpersonen oder auch von etablierten Läden) und die Straßen verwandeln sich in eine einzige große Feiermeile voller Menschen jeden Alters. Hier kann es auch mal passieren, dass man 15 Minuten in einer Kreuzung stecken bleibt und weder vor noch zurückkann. Allein wegen der Braderie würde ich ganz stark empfehlen, schon zu Beginn des Septembers nach Lille zu fahren!
2. Studium an der Gasthochschule
Das Studium an der Université de Lille unterscheidet sich meiner Meinung nach sehr stark von dem deutschen System an der Uni Erfurt. Zunächst ist der Bachelor (frz.: licence) anders aufgebaut: er unterscheidet sich in L1, L2 und L3, welche jeweils das Jahr des dreijährigen Studiums angeben, in dem sich die Studierenden befinden. Als Student:in des ERASMUS-Programms ist es möglich, aus allen Jahren gleichermaßen zu wählen – ich persönlich habe nur die Kurse ausgewählt, die mich thematisch sehr interessiert haben; da ich mir an der Uni Erfurt zwei StuFus anrechnen lasse, war ich relativ frei in der Wahl meiner Kurse. Das Vorlesungsverzeichnis/der Kurskatalog (frz.: guide des études) erschien erst sehr spät, somit orientierte ich mich für mein ursprüngliches Learning Agreement an dem des Vorjahres und änderte das LA vor Ort beinahe komplett ab.
Ich studierte in Frankreich im Studiengang Lettres Modernes, aus dem ich ausschließlich literaturwissenschaftliche Seminare in französischer Sprache belegte. In diesem Falle waren die Seminare je nach Jahr (L1, L2, L3) sehr unterschiedlich, mir persönlich gefielen die Seminare aus L3 am besten, die zwar in den Prüfungsleistungen und dem Inhalt anspruchsvoller waren, aber auch deutlich interessanter und lehrreicher. Die meiner Meinung nach interessantesten Kurse belegte ich bei Madame Barjonet, Madame Dupart und Madame Wilker, die äußerst kompetent in ihrem jeweiligen Fachbereich sind. Für mich war es wichtig, die Unterschiede in der Herangehensweise der Literaturwissenschaft in Frankreich zu sehen, die sich doch in einigen essenziellen Punkten sehr von der in der Literaturwissenschaft an der Uni Erfurt unterscheiden. Insgesamt ist die Lehre in Frankreich deutlich frontaler, weniger partizipativ und sehr rezipierend – in jedem Fall ein Erlebnis, ich persönlich präferiere allerdings eindeutig die persönlicheren und interagierenden Seminare der Uni Erfurt. Zudem musste ich in keinem Seminar einen Essay oder eine Hausarbeit schreiben, die Prüfungsleistungen wurden ausschließlich über Klausuren sur table (die auch mal 4 Stunden dauern können) und Referate erbracht. Die ausschließlich französischen Kurse haben mir persönlich keine großen Schwierigkeiten bereitet, ich habe mich nie verloren gefühlt und meine Sprach- und Wortschatzkenntnisse haben sich in diesem Kontext in Wort und Schrift deutlich verbessert. Ich empfehle demnach sehr die französischsprachigen Kurse, aber es gibt auch gute englische Alternativen. Fakultativ ist es außerdem möglich, an einem einwöchigen Intensivsprachkurs vor Beginn der Vorlesungszeit teilzunehmen und/oder einen Extensivkurs studienbegleitend zu belegen. Ich persönlich habe nur den Intensivkurs besucht und dort auch gute Freund:innen gefunden; den Extensivkurs konnte ich leider nicht belegen, da er sich mit einem anderen meiner Kurse überschnitt.
Mit den französischen Studierenden meiner Kurse kam ich – außer in meinem Tandem-Kurs – nicht wirklich in Kontakt, da die Kurse aufgrund ihrer Frontalität nicht sonderlich auf Gruppenarbeit ausgelegt sind. Teilweise war ich auch die einzige ERASMUS-Studentin in den Literaturkursen; aber ich kam trotzdem immer gut zurecht, da ich den Lehrpersonen immer im Vorhinein darüber Bescheid gegeben habe. Der Umgangston mit den Dozierenden war immer sehr freundlich und anders als in Deutschland, werden die Student:innen mit ihren Vornamen angesprochen, aber trotzdem gesiezt.
Der Campus Pont de Bois ist der geisteswissenschaftliche Campus der Université de Lille und im Vergleich zu dem grünen Campus der Uni Erfurt wirklich sehr, sehr grau. Die Universitätsbibliothek wird gerade renoviert und wurde demnach durch die BU provisoire ersetzt, die aber deutlich weniger Arbeitsplätze bietet. Um deshalb Bücher auszuleihen oder zu arbeiten, würde ich die fachspezifischen Bibliotheken aufsuchen, die sich in den Lehrgebäuden befinden. Während der Mittagspause (die für alle Studierenden von 12:00 – 13:00 Uhr stattfindet), ist es anstrengend, etwas zu essen zu finden, da die Mensa immer sehr überfüllt ist und man auch an allen anderen Essenständen sehr lang anstehen muss. Ich habe mir deshalb meist etwas in die Uni mitgenommen, das ist billiger und spart gerade in der Mittagspause sehr viel Zeit. Die Seminare und Vorlesungen gehen immer genau 2 Stunden und fangen s.t. an – also immer zur vollen Stunde. So bleibt oftmals wenig Zeit, von dem einen Raum zum anderen zu kommen, irgendwie funktioniert es aber dann doch immer.
Ich bin sehr froh, die Erfahrung eines Studiums an einer französischen Universität gemacht zu haben, jedoch präferiere ich persönlich die Lehre in Erfurt, die deutlich freier, weniger schulisch und vor allem partizipativer ist.
3. Unterkunft
Während meines Auslandssemesters habe ich im Süden von Lille gewohnt, nahe der Metrohaltestelle Porte des Postes, im Quartier Wazemmes – ein wunderbar buntes, lebendiges und am Boden gebliebenes Viertel, das ich sehr empfehlen kann. Hier reihen sich Bars und Cafés aneinander, jeden Sonntag, Dienstag und Donnerstag findet ein großer Markt statt und es gibt viele kleine und unabhängige lokale Läden. Bis zum Campus Pont de Bois habe ich von Tür zu Tür etwa 30 Minuten gebraucht und auch die Innenstadt ist schnell mit der Metro erreicht. In Lille gibt es zwei große Metrolinien (gelb und rot, die Haltestelle der Uni (Pont de Bois) ist auf der gelben Linie), mit denen es sehr einfach ist, herumzukommen.
Meine WG war sehr international mit Studierenden aus Mexico, Peru und Ghana. Wir haben uns eine Küche geteilt, sonst waren die Zimmer immer mit eigenem Badezimmer ausgestattet. Im Laufe der Zeit hat sich die WG leider sehr zu einer Zweck-WG entwickelt, dies war sicher auch dem ständigen Wechsel der Mitbewohner:innen geschuldet. Die Unterkunft selbst habe ich über die Webseite LivinFrance gefunden, wie viele anderen meiner Freund:innen auch. Hier empfiehlt es sich auch sehr, früh mit der Suche anzufangen, da die Wohnungen begehrt sind. Gestoßen bin ich auf diese Webseite über eine Empfehlung durch die Université de Lille. Über Webseiten wie Le Bon Coin oder La Carte des Colocs habe ich zunächst ebenfalls gesucht, jedoch nicht erfolgreich, da der Vertrag dort immer für mindestens ein Jahr unterschrieben werden musste.
4. Alltag und Freizeit
Mein Alltag gestaltete sich viel durch Treffen mit meinen Freund:innen, die Kurse an der Uni, verschiedene Ausflüge und durch diverses Abendprogramm. Wir waren immer viel in Wazemmes unterwegs, am liebsten in dem Café/der Bar (irgendwie alles) Les Sarrazins, ein sehr offener Ort, der viel Kulturprogramm bietet, aber auch einfach nur zum Verweilen, Reden, Häkeln, Tee oder Bier trinken und Tanzen einlädt. Lille an sich ist eine sehr studentische Stadt, die für alle etwas Passendes bereithält. So waren wir bei Konzerten, Second Hand- und Vintage-Läden, in Bars, in Cafés, später im Jahr auf dem Weihnachtsmarkt oder einfach im Zitadellen-Park spazieren. Außerdem ist Lille sehr gut angebunden an diverse Ausflugs- und Reisemöglichkeiten: so waren wir in Gent, Brügge und Brüssel in Belgien, in London (die Fähre ist zwar ein wenig umständlich zu nehmen, aber dafür preiswert; alternativ schneller natürlich mit dem Eurostar, der in 1 ½ Stunden in London ist) und in einigen französischen Städten wie Paris, Amiens, Rouen, Calais und Dunkerque als Tagesausflüge (oder auch länger). Eines meiner Highlights war ein einwöchiger Roadtrip mit einem gemieteten Van, den wir Ende Oktober von Lille an der Küste entlang bis in die Bretagne machten und dabei Étretat, den Mont St. Michel, St. Malo und andere kleinere Orte abklapperten. Nordfrankreich ist meiner Meinung nach sehr, sehr lohnenswert und nicht so touristisch wie der Süden. Gerade durch die geschichts- und literaturträchtige Vergangenheit bietet er sich sehr für geisteswissenschaftliche Student:innen an. Ich habe die Gegend hier wirklich in mein Herz geschlossen und freue mich, bald wieder hierher zurückzukehren.
Der Alltag in Frankreich war für mich deutlich entspannter als in Erfurt, ich hatte weniger (ehrenamtliche) Verpflichtungen, keinen besonderen Notendruck und konnte viel außerhalb der Uni machen. Ich habe nur auch gemerkt, dass genau das mir teilweise fehlte und kann für mich nun festhalten, wie sehr ich ein Leben schätze, das sich zu einem großen Teil am Campus abspielt und wie schön eine so familiäre Atmosphäre wie die der Uni Erfurt eigentlich ist.
5. Fazit
Ich bin unfassbar froh und dankbar, die Möglichkeit eines Auslandssemesters ergriffen und auch Frankreich gewählt zu haben. Ich konnte mein Französisch deutlich verbessern, bin mit sehr tollen Menschen zusammengetroffen, die mein Leben bereichert haben und die ich nach diesem gemeinsamen Semester nun zu meinem engen Freund:innenkreis zählen kann. Es ist faszinierend, in welch kurzer Zeit so gute Freundschaften entstehen können, aber auch, wie schnell diese wenigen Monate in einem anderen Land doch vergehen. Wirklich schlechte Erfahrungen hatte ich persönlich eigentlich nicht. Was mich jedoch sehr mitgenommen hat, war die Obdachlosigkeit in Lille, die doch gerade in der Innenstadt und in Wazemmes sehr präsent ist. Es scheint nicht so, als gäbe es eine ausreichende Versorgung für diese Menschen. Nicht helfen zu können und trotzdem täglich dieses Leid zu sehen, war herausfordernd.
Zwei meiner schönsten Momente waren definitiv einmal die Braderie de Lille und der Urlaub mit meinen zwei engsten Freudinnen aus Lille, in dem wir mit dem Van an der französischen Küste entlanggefahren sind – ich konnte mir damit wirklich einen Kindheitstraum erfüllen. Woran ich mich aber auch immer erinnern werde, ist das Gefühl, das Lille mir im Gesamten gegeben hat, die Tage und Abende mit fremden Leuten, die plötzlich zu engen Freund:innen werden, die interessanten Kurse an der Uni, viele unerwartete Erlebnisse. Ich kann Lille als Stadt für ein Auslandssemester sehr, sehr empfehlen und freue mich darauf, hier wieder herzukommen. Der nächste Besuch ist schon für Mai geplant.
Jasper studiert Romanistik an der Universität Erfurt und war von August 2023 bis Juli 2024 in Kolumbien:
Im Rahmen meines weltwärts-Freiwilligendienstes war ich von August 2023 bis Juli 2024 in Boyacá, Kolumbien. In dieser Zeit durfte ich nicht nur in einem für mich neuen Land leben und arbeiten, sondern auch vielfältige persönliche, sprachliche und kulturelle Erfahrungen sammeln.
Während meines Freiwilligendienstes war ich an drei Einsatzstellen tätig: im Sekretariat für wirtschaftliche Entwicklung und Wettbewerb der Stadtverwaltung Paipa, im Kulturzentrum Culturama in Duitama sowie an der Universidad Pedagógica y Tecnológica de Colombia (UPTC), Sede Duitama. Im Rathaus von Paipa unterstützte ich bei der Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen, Märkten und Verteilaktionen, half bei organisatorischen Aufgaben sowie bei der Digitalisierung von Dokumenten. Nach einem Projektwechsel war ich an der Universität in Duitama als Assistent im Sprachinstitut tätig und engagierte mich zugleich im Kulturzentrum der Stadt, wo ich einen freiwilligen Deutschklub, sowie einen Englisch-Konversationsklub gestalten durfte.
Besonders prägend war für mich die enge Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort. Durch meine Tätigkeiten kam ich mit vielfältigen Lebensrealitäten in Kontakt und konnte viele bereichernde Begegnungen machen. Der Austausch mit Studierenden, Lehrkräften und Kursteilnehmenden hat meinen Blick auf Gesellschaft, Bildung und Gemeinschaft erweitert. Gleichzeitig habe ich das weltwärts-Programm noch stärker als interkulturellen Lerndienst, denn als entwicklungspolitischen Freiwilligendienst kennengelernt. Ich lernte, Vorurteile zu hinterfragen, meine privilegierte Position bewusster wahrzunehmen und viele wertvolle Bekanntschaften zu schließen.
Eine der größten Herausforderungen war für mich die Sprachbarriere, da ich vor meiner Ausreise noch keine Spanischkenntnisse hatte. Gerade in den ersten Wochen war die Verständigung nicht immer leicht. Umso mehr freut es mich, dass ich im Laufe des Jahres durch den Alltag, meine Projekte und den direkten Kontakt mit meiner Gastfamilie und Menschen in den Projekten große sprachliche Fortschritte machen konnte.
Der Freiwilligendienst hat mir gezeigt, wie wichtig globales Lernen und persönlicher Austausch sind. Wer längere Zeit in einem anderen Land verbringt, entdeckt Unterschiede, aber vor allem auch viele Gemeinsamkeiten. Solche Erfahrungen fördern Verständnis, Offenheit und das Bewusstsein dafür, dass wir in einer gemeinsamen Welt leben. Für mich war dieses Jahr deshalb nicht nur ein Dienst in einem anderen Land, sondern eine prägende Lebenserfahrung. Diese bewegte mich dazu, im weiteren Verlauf meines Bildungswegs ein Studium der Romanistik an der Universität Erfurt anzufangen um mich dort intensiver und tiefgreifender mit den Sprachvariationen, Literaturen und Kulturen des spanischsprachigen Raumes auseinanderzusetzen. Erfreulicherweise konnte ich mir den Dienst als Auslandspraktikum im Bereich Landeskunde, Kultur und Interkulturalität anrechnen lassen.
Jasper Adden
4. Semester, Romanistik mit dem Hauptfach Internationale Beziehungen
Judith studierte Romanistik an der Universität Erfurt und war im Wintersemester 2021/2022 in La Plata, Argentinien:
Ich absolvierte mein Auslandssemester an der Universidad Nacional de La Plata im Rahmen des BA 6+1 Programms im Wintersemester 21/22. Ursprünglich hatte ich mich beworben, um im Wintersemester 20/21 in Argentinien zu studieren, jedoch musste dieser Plan, wie bei so vielen, aufgrund der Corona Pandemie verschoben werden. Dementsprechend konnten die anderen zwei Stipendiatinnen und ich erst im folgenden Jahr nach Argentinien fliegen, und auch das erst ab dem 1.November anstatt, wie ursprünglich geplant, im August. Das war zwar sehr schade, aber wir waren alle froh, dass unser Auslandssemester doch noch stattfinden konnte. Daher wird dieser Erfahrungsbericht sich wahrscheinlich von den vorherigen Berichten wesentlich unterscheiden.
(Online)-Studium an der Universidad Nacional de La Plata
Das gesamte Semester fand online statt, so auch das Willkommenstreffen für die Austauschstudierenden, bei dem uns der Ablauf des Semesters und die Auswahl der Kurse erklärt wurden. Danach vereinbarten wir einen Termin mit Fernando, einem Mitarbeiter des Internationalen Büros, um die individuelle Kurswahl zu besprechen. Die große Auswahl an interessanten Seminaren ist mir besonders positiv aufgefallen. Uns wurde empfohlen, insgesamt vier Kurse zu belegen und es ist auch sinnvoll bei dieser Anzahl zu bleiben, da der Arbeitsaufwand durch die vielen Texte, die jede Woche zu lesen sind, recht hoch ist. Neben einem Spanischsprachkurs und zwei Literaturseminaren konnten wir noch ein zusätzliches Seminar frei nach unserem Interesse auswählen.
In den ersten zwei Wochen habe ich mir insgesamt sechs Kurse angeschaut, um mich danach für die vier entscheiden zu können, die mir am meisten zusagten. Der Sprachkurs fand einmal die Woche statt mit einer kleinen Gruppe aus Austauschstudierenden. Die anderen Seminare teilten sich in teoréticos und prácticos, wobei nur die prácticos für uns verpflichtend waren und die teoréticos die Themen der Seminare noch einmal vertieften. Obwohl die Dozierenden sich sehr bemüht haben, die Seminare kreativ und interessant zu gestalten, war die Onlinelehre doch eine Herausforderung, zumal die Veranstaltungen in den ersten Monaten für uns in Deutschland durch die vier Stunden Zeitverschiebung teilweise sehr spät stattfanden. Vor Ort war das Onlinestudium ebenfalls nicht immer einfach, so war v.a. die Gruppenarbeit online eher schwierig und es gab kaum Möglichkeiten sich mit anderen argentinischen Studierenden über die Inhalte der Kurse auszutauschen, was wirklich sehr schade war. Einige Dozierende boten jedoch Sprechstunden an, in denen wir Fragen stellen konnten, was mir sehr geholfen hat.
Prüfungen und Abgaben fanden in der Mitte und zum Ende des Semesters statt. Dabei variierte die Art der Prüfung abhängig vom jeweiligen Seminar. Meist bekamen wir ein paar Fragen zu den gelesenen Texten, die wir innerhalb einer bestimmten Zeit (zwischen einem Tag und einer Woche) abgeben sollten. Dabei haben wir teilweise Dozierende gefragt, ob wir etwas mehr Zeit für die Abgaben bekommen, was nie ein Problem war. Dies erleichterte es uns, alle Texte zu lesen und die Fragen rechtzeitig zu bearbeiten. Zum Ende des Semesters fand ein Treffen vom Internationalen Büro und den Studierenden, die an dem BA 6+1 Programm teilnahmen, auf dem Campus statt. So konnten wir uns wenigstens kurz die Universität anschauen und ein paar Menschen persönlich kennenlernen.
Anreise und Wohnen in La Plata
Coronabedingt war die Einreise nach Argentinien ein wenig komplizierter als sonst. Vorab mussten wir auf der Webseite der argentinischen Regierung ein Formular ausfüllen, unseren Reisepass und einen Nachweis hochladen, dass wir krankenversichert sind und dass diese Versicherung auch im Falle einer Erkrankung an Corona für alle Kosten, inklusive einer eventuellen Quarantäne, aufkommt. Ein Vorteil war jedoch, dass wir aufgrund unserer Einreise im November mit einem Touristenvisum für 90 Tage auskamen. Dies wird automatisch bei der Einreise ausgestellt und muss nicht vorher beantragt werden. Bei der Einreise hatten wir keine Probleme und teilten uns anschließend ein Taxi vom Flughafen Buenos Aires nach La Plata, was ca. eine Stunde dauerte.
Die ersten zwei Wochen wohnten wir in einer Wohnung, die wir über Airbnb gebucht hatten. Das restliche Semester haben wir bei einer Philosophiestudentin gewohnt, die wir über die anderen argentinischen Austauschstudierenden kennengelernt hatten. Wir haben für den Monat, den wir dort gewohnt haben, 100 € Miete gezahlt. Durch unsere Mitbewohnerin haben wir sehr viele Menschen kennengelernt und konnten schnell neue Freundschaften schließen und das Studierendenleben in La Plata kennenlernen, so wurde unsere Zeit dort besonders schön.
Sonstiges
Eine gute Kenntnis der spanischen Sprache ist schon sehr empfehlenswert, da im Raum Buenos Aires ein eigener Dialekt gesprochen wird, der viele Wörter umfasst, die es so nur in Argentinien gibt. Ich habe einfach immer nachgefragt, wenn ich mal ein Wort nicht verstanden habe und meine Freund:innen haben mich immer gern über die Bedeutung der Begriffe aufgeklärt und sich sehr gefreut, als ich angefangen habe, das sogenannte Lunfardo zu benutzen. Ich kann auch empfehlen, sich im Internet ein paar Listen mit argentinischen Wörtern anzuschauen, das hilft schon sehr. Für die öffentlichen Verkehrsmittel im Raum Buenos Aires haben wir uns eine Subte-Karte an einem Kiosk in der Stadt gekauft, dort ist es auch möglich, die Karte wieder mit Guthaben aufzuladen. Allgemein sind Bus und Bahn sehr günstig, z.B. kostet die Zugfahrt von La Plata bis nach Buenos Aires nur 40 Pesos hin und zurück. Generell kann ich sehr empfehlen, oft nach Buenos Aires zu fahren, mittwochs sind die Museen, wie das MALBA oder das MAMBA, für Studierende umsonst und die Stadt hat auch sonst viel zu bieten. Eine besondere Erfahrung war am 10. Dezember, dem Tag der Demokratie, gemeinsam mit Freund:innen zum Plaza de Mayo zu fahren, um dort die Reden von Cristina Kirchner, Brasiliens Ex-Präsidenten Lula und José Mujica zu hören.
Geld ist in Argentinien, gerade durch die Inflation, ein schwieriges Thema und die Leute stehen oft lange vor den Bankautomaten Schlange. Da aber in Argentinien sehr viel in bar gezahlt wird, ist es sinnvoll, aus Deutschland Euros oder US-Dollar mitzubringen, um das Geld vor Ort wechseln zu können. Dadurch ist der Wechselkurs wesentlich besser und die Gebühren sehr gering. Am besten ist es, in Begleitung einer Argentinierin oder eines Argentiniers zu einem Wechselbüro zu gehen. Auch sollte man sich nicht auf seine Kreditkarte verlassen, um an Bargeld zu kommen. Bei vielen Bankautomaten hat meine Karte nicht funktioniert oder ich musste eine hohe Gebühr zahlen, um mein Geld abheben zu können. Sonst kann ich noch empfehlen, sich Geld über Western Union schicken zu lassen, dort kann man sich einen Account anlegen und kann jemanden aus seinem Bekanntenkreis bitten, das Geld zu überweisen. So konnte ich das Bargeld in einer der vielen Filialen abholen, teilweise bieten auch Supermärkte oder Kiosks den Service von Western Union an. Aus Sicherheitsgründen kann ich raten, das Geld nicht allein abzuholen oder wenn, anschließend ein Taxi nach Hause zu nehmen.
Zum Thema Reisen kann ich noch den Tipp geben, Zugtickets sechs bis acht Wochen im Voraus zu buchen. Da die Züge sehr günstig sind, leider aber nur selten fahren, sind die Zugtickets schnell ausverkauft.
Trotz der Einschränkungen aufgrund von Corona und der verkürzten Zeit in Argentinien hat sich das Auslandssemester für mich gelohnt. Ich konnte meine Spanischkenntnisse vertiefen und habe durch die Seminare viel neuen Input bekommen. Darüber hinaus habe ich Freundschaften schließen können und habe das Land und seine Kultur kennengelernt. Ich bin mir sicher, dass ich Argentinien auch in Zukunft noch häufig besuchen werde.
Judith Hentschel