Im Herbst 1798 erscheint »Wieland«, der Debüt-Roman von Charles Brockden Brown (1771–1810), der lange, wenn auch nicht ganz zu Recht, als »first American novel« galt: ein philosophischer Text, der den Bogen von der europäischen Aufklärung zu den jungen Vereinigten Staaten spannt. Erzählt wird, wie Theodore Wieland, ein scheinbar aufgeklärter und vorbildlicher junger Mann, dazu gebracht wird, seine Frau und Kinder zu ermorden – und zwar, wie dieser glaubt, im Auftrag Gottes. Die Erzählerin dieser Verblendungs- und Manipulationsgeschichte ist seine Schwester Clara. In der fiktiven Genealogie des Romans sind die Geschwister Wieland, Clara und Theodore, mit dem Autor und Philosophen Christoph Martin Wieland (1733–1813) buchstäblich verwandt. Diesem noch kaum erkundeten Kapitel transatlantischer Literaturgeschichte geht der Vortrag nach.
Dr. Hendrikje Schauer ist Literaturwissenschaftlerin. Im Sommersemester 2026 vertritt sie die Professur für Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Komparatistik (Prof. Kai Sina) an der Universität Münster.

