Populäre Medien in der "Wende"

Fachtagung an der Universität Erfurt vom 25. bis 26. Juni 2026

Neue Berliner Illustrierte Nr. 27, 1990 (Umschlag)

Organisator:innen der Tagung:
Universität Erfurt: PD Dr. Madleen Podewski und Prof. Dr. Dr. Patrick Rössler

Tagungsort: Universität Erfurt, Campus Nordhäuser Straße / Forschungsbau, Max-Weber-Allee, Großer Seminarraum C19.00.02

Tagungstermin: 25. bis 26. Juni 2026

Die Tagung will die gravierenden Veränderungen in den Fokus nehmen, die sich im Bereich der populären (Massen-)Medien während und nach der ‚Wende‘ in der DDR / in Ostdeutschland vollzogen haben. Dabei handelt es sich um einen Sektor, der nicht nur von hoher Bedeutung für die Ausbildung einer spezifischen DDR-Kultur war, sondern - gerade deshalb - ebenso für eine ostdeutsche ‚Wende‘- und Nachwende-Kultur. Die Veränderungsdynamiken in diesem Segment und die Frage, wie sie angemessen erfasst werden können, sollen im Zentrum der Tagung stehen. Zu berücksichtigen ist dabei vor allem die besondere Beziehung zwischen ‚Massen‘ und ‚Populärkultur‘, die etablierten Fragestellungen und Interpretationsansätzen meist aus dem Blick gerät. Das betrifft zum einen den quasi automatisierten Kurzschluss zwischen ‚Massenkultur‘ und sozialistischer Ideologie, mit dem dann etwa die Massenmedien der DDR nicht viel mehr sind als die „schärfste Waffe der Partei“. 

Zum anderen gilt das für die konstitutive Rolle, die ein ‚freier Markt‘ für die etablierten Modellierungen von Populärkulturen spielt. In der DDR und während und kurz nach der Wende herrschten aber andere Bedingungen, in denen schon in der DDR das Verhältnis zwischen massenhafter Relevanz, befohlener und Konsens-Popularität oder zwischen staatlicher Kontrolle, Mangelwirtschaft und Bevölkerungsbedürfnissen und dann in Wendezeiten zwischen politischer und ökonomischer Einflussnahme (Stichwort: Treuhand) und einem zunächst kaum regulierten ‚Markt‘ sehr viel komplexer ist.

Diesen Bedingungsgefügen will die Tagung ein Stück weit auf die Spur kommen, und zwar mit einer doppelten Ausrichtung: Zum ersten mit detaillierten Einzelfallstudien, die abseits der üblichen großen Erzählungen von der Ersetzung ideologischer Indoktrination durch Presse- und Marktfreiheit den Blick offen halten für anders gelagerte Wende-Dynamiken. Zum zweiten mit Fragen nach geeigneten Erschließungsmethoden für die ‚ostdeutsche‘ Spezifik dieser Konstellationen und Prozesse: Inwieweit sind die einschlägig etablierten Interpretationsmuster (z.B. der Transformationsgeschichtsschreibung, der Mediensozialgeschichte, verschiedener Richtungen der Populärkulturforschung, der Netzwerktheorien, der periodical studies, auch der best practices für Digitalisierungsverfahren und Zeitzeugenbefragungen etc.) überhaupt für die Erschließung dieser ‚ostdeutschen‘ Verhältnisse geeignet oder müssen sie modifiziert oder gar durch andere Perspektiven ersetzt werden? Im Zentrum sollen die Printmedien stehen, Ausblicke auf Film, Fernsehen und Radio sind aber im Sinne einer weitergehenden Kontextualisierung gleichermaßen wichtig.

Programm

Donnerstag, 25.06.2026

25.6. 2026

10.00 - 10.15  Begrüßung

10.15 - 11.15  Dr. Michael Kuhlmann, Krefeld: „Was will ich mit dem Mikrofon machen, jetzt wo ich darf?“ - das DDRJugendradio DT64

Kaffeepause 15 min

11.30 - 12.30 Dr. Nikolai Okunew, Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung / BMBF „Das mediale Erbe der DDR“ „Ersatzsound für die Wiedervereinigung“: Heimatkonstruktionen in ostdeutschen Volksmusiksendungen der 1990er Jahre

Mittagspause 60 min

13.30 bis 14.30 Andreas Morgenstern, Museums- und Archivleiter in Schiltach/Schwarzwald: Die Fuwo 1989-1992 – Von der letztlich erfolglosen Suche nach einer Zukunft für das einstige Organ des Fußballverbands der DDR

14.30 bis 15.30 Alexander Wagner, Bergische Universität Wuppertal: Gemischte Gefühle. Die Super Illu als emotionales Gegenüber im ostdeutschen Transformationsgeschehen

Kaffeepause 30 min

16.00 - 17.00  Vincent Fröhlich, Universität Marburg / Universität Erlangen: Was heißt hier populär? FF DABEI im Transfer von der DDR zur Milchstraßen-Logik

17.00 - 18.00 Maria Löblich, Freie Universität Berlin: Die Redaktion der Berliner Zeitung und der Diskurs über die Staatssicherheit nach 1989

19.00 Uhr Gemeinsames Abendessen

Freitag, 26.06.2026

26.6.2026

09.30 - 10.30 Franziska Schedewie, Universität Heidelberg: Abseits von Sputnik: Interne sowjetische Berichte und Instruktionen zu DDR-Presse und Pressekontakten 1986-1988

10.30 - 11.30 Mandy Tröger, Universität Tübingen: Die Rolle der Treuhand bei der Privatisierung ostdeutscher Zeitungsverlage: Das Beispiel Thüringen

Mittagspause 60 min 

12.30 - 14.00 Paneldiskussion: Populäre (Print-)Medien in Umbruchszeiten - Forschungsfragen, Methoden, Desiderata (Arbeitstitel)

  • Oliver Scheiding und Jutta Ernst, Universität Mainz, International Research Initiative „Transnational Periodical Cultures“

  • Patrick Rössler, Universität Erfurt, Interdisziplinäre Forschungsstelle für historische Medien

  • Christiane Kuller, Universität Erfurt, BMBF-Projekt „Diktaturerfahrung und Transformation. Biografische Verarbeitungen und gesellschaftliche Repräsentationen in Ostdeutschland seit den 1970er Jahren“

  • Carola Hähnel-Mesnard, Universität Lille; Erschließung der DDR-Kulturzeitung Sonntag

  • Moderation: Madleen Podweski, Universität Erfurt

14.30 - 15.30 Patrick Rössler: Führung durch das Archiv der Interdisziplinären Forschungsstelle für historische Medien (Steinplatz 2, 99085 Erfurt)

Hier finden Sie das Tagungsprogramm als PDF

Ansprechpartner:

DFG-Projektleiterin
(Seminar für Medien- und Kommunikationswissenschaft)
Inhaber der Professur für Kommunikationswissenschaft mit dem Schwerpunkt Empirische Kommunikationsforschung / Methoden
(Seminar für Medien- und Kommunikationswissenschaft)
C18 – Lehrgebäude 4 / C18.02.24
Sprechzeiten
nach Vereinbarung
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