Virtual Reality für Thüringer Museen: Entwicklung, Leitfaden und Implementierung von Pilotanwendungen

Ausstellungsansicht "4Bauhausmädels“ - Angermuseum Erfurt, 2019

Die Einrichtung von Räumen, in denen sich der Nutzer mithilfe einer Virtual-Reality-(VR)-Brille in einer digitalen Simulation eines echten Raumes bewegt, wird in jüngerer Zeit immer stärker von Museen betrieben. Dies erlaubt die zeit-und ortsunabhängige Nutzung einer virtuellen Ausstellung. Das Projekt Virtual Reality für Thüringer Museen: Entwicklung, Leitfaden und Implementierung von Pilotanwendungen erarbeitet ein Instrumentarium, das Thüringer Kultureinrichtungen in die Lage versetzt, VR-Anwendungen zu erstellen, die das eigene Ausstellungsspektrum erweitern und nachhaltig verfügbar machen, um damit die Attraktivität für die Nutzer zu erhöhen. Dazu sollen Prototypen für insgesamt fünf Einrichtungen generiert werden, die anschließend (im Rahmen der Ausstellungsetats) nachhaltig adaptiert werden können. Dies eröffnet den Thüringer Einrichtungen neue Perspektiven hinsichtlich Ausstellungsdidaktik und Museumspädagogik, erschließt ihnen eine internationale Publikumsklientel, erleichtert ihnen die digitale Transformation und verbessert ihre Konkurrenzfähigkeit gerade im nationalen Wettbewerb. Die Angebote sollen auch technisch wenig versierten oder ausgestatteten Nutzern niederschwellig zugänglich gemacht werden und somit zur Demokratisierung von Wissen beitragen.

Digitale Rekonstruktion des Ausstellungsraums - FH Erfurt, 2021

In einem zweistufigen Prozess wird im ersten Projektjahr (in Kooperation mit dem Angermuseum Erfurt als Projektpartner) ein Prototyp geschaffen, der auf den dortigen Räumen für die Wechselausstellung beruht und eine aufwändige Installation aus dem Jahr 2019 („4 Bauhausmädels“) in einem 3D-Modell virtuell erlebbar integriert. Diese virtuelle Ausstellung soll dann nach Abschluss des Real-World-Events online zur Verfügung stehen, um die vergangene Schau nachhaltig zu dokumentieren und einem weltweiten Publikum zur Verfügung zu stehen. Neben der Entwicklung von individuellen (nativen) VR-Apps für bestimmte Hardware-, Software- und Vertriebsplattformen sollen insbesondere die Möglichkeiten zur interaktiven und immersiven Darstellung von 3D-Umgebungen im Internet-Browser (z.B. mit WebXR) untersucht und erprobt werden, um eine schnelle und einfache Zugänglichkeit mit einem großen Spektrum von Geräten ohne größeren Einrichtungsaufwand bei gleichzeitig flexibler Aktualisierung der Inhalte zu erlauben. Dabei wird berücksichtigt, dass die Zielgruppe der Kulturinteressierten vermutlich weniger technisch versiert ist und nicht über aktuellste, leistungsfähige Geräte verfügt.

Oskar Richter und Alma Engel (um 1928/29): "Kaffeeservice mit Scheibenschenkeln"

Hier schließt sich eine wissenschaftliche Evaluation an, die multiperspektivisch sowohl die Nutzungserfahrungen von Besucherinnen und Besuchern als auch den Implementierungsprozess durch die Verantwortlichen im Museum erfasst und auswertet. Sie dient als Grundlage für das zweite Projektjahr, in dem vier weitere Prototypen für andere Thüringer Einrichtungen, die sich hierfür bewerben können, erstellt werden. Hierfür werden die Wechselausstellungsräume vermaßt und exemplarisch eine aktuelle Präsentation implementiert, die zum betreffenden Zeitpunkt noch zugänglich und dokumentierbar ist. Über die Rekonstruktion der ursprünglichen Ausstellungsbegehung sollen für die virtuelle Erfahrung weitergehende Funktionen, die in der analogen Installation nicht möglich waren (und wären), konzipiert, prototypisch implementiert und erprobt werden – z.B. das Greifen und freie Drehen von Exponaten oder deren Zerlegung in Komponenten zum besseren Verständnis des Aufbaus oder der Funktionsweise.

Digitales Modell des Kaffeeservices zum „Anfassen“ in der virtuellen Realität - FH Erfurt, 2021

Auf Basis dieser reichhaltigen Erfahrungen formuliert das Projekt generalisierte Vorgehensweisen und einen Leitfaden, der jede beteiligte Einrichtung befähigt, im Anschluss kostengünstig Folgeanwendungen (im Rahmen der regulären Ausstellungsetats) erstellen zu können. Das Gesamtergebnis des Projektes besteht dann aus insgesamt fünf nachhaltig einsetzbaren Prototypen plus spezifische Leitfäden, die eine nachhaltige Anwendung der entwickelten Technologie absichern.

Das interdisziplinäre Kooperationsprojekt wird gemeinsam vom der Erfurter Kommunikationswissenschaft und den Fachgebieten Angewandte Informatik und Architektur der Fachhochschule Erfurt bearbeitet. Ermöglicht wird es durch die Förderung im Rahmen des Landesprogramms „ProDigital“ des Thüringer Ministeriums für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft.

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