Universität Erfurt

Germanistische Sprachwissenschaft

Projekt „Digitales Portal ‚Ungarndeutsches Zweisprachigkeits- und Sprachkontaktkorpus‘“

Der Lehrstuhl für Germanistische Sprachwissenschaft unterhält seit dem 1. September 2015 das Forschungsprojekt „Digitales Portal ‚Ungarndeutsches Zweisprachigkeits- und Sprachkontaktkorpus‘“, welches durch die Kulturstaatsministerin in ihrer Funktion als Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) gefördert wird. Projektleiter ist Prof. Dr. Dr. Csaba Földes, Mitwirkende sind: Uschi Schmidt, M.A., wissenschaftliche Mitarbeiterin, sowie wissenschaftliche und studentische Hilfskräfte.

Inhalt des Forschungsprojekts ist eine variations- und kontaktlinguistische Erforschung und Dokumentation von authentischem sprechsprachlichen Material im Bereich des Deutschen als Minderheitensprache in Ungarn (Stichwort: „Donauschwaben“).

Hintergrund: Während die meisten bisherigen Forschungen sich auf die Beschreibung der ungarndeutschen Basismundarten (Bairisch, Fränkisch und Schwäbisch) konzentriert haben, stellt das Forschungsvorhaben die durch Mehrsprachigkeit, Inter-/Transkulturalität und Variation weitgehend geprägte tatsächliche Sprachverwendung in den Mittelpunkt. Denn die „reinen“ deutschen Dialekte werden in der Untersuchungsregion heute kaum noch gesprochen, vielmehr sind Mischformen mit Ungarisch und anderen Kontaktsprachen charakteristisch. Sind doch gleichsam alle Ungarndeutschen zwei- bzw. mehrsprachig, mit unterschiedlichen Dominanzkonfigurationen. Das als Ergebnis vorgesehene ungarndeutsche Zweisprachigkeitskorpus soll – aus drei wichtigen Siedlungsregionen deutscher Minderheiten – reale, aus dem Leben gegriffene Texte systematisch bereitstellen, die die ungarndeutschen Kontaktvarietäten der Gegenwart in ihrer Vielfalt anschaulich repräsentieren. Diese Vielfalt ergibt sich u.a. daraus, dass verschiedene Mundarttypen wie Bairisch und Fränkisch, wie sie heute von zwei- bzw. mehrsprachigen Sprecher(inne)n in Ungarn verwendet werden, zu Wort kommen. 

Das Hauptziel besteht darin, das zu erstellende Korpus in strukturierter und kommentierter Form in einer elektronischen Datenbank vor allem für sprach- und kulturwissenschaftliche (aber auch für sozial-, mentalitäts- und alltagshistorische) Untersuchungen digital zugänglich und nutzbar zu machen. Mithin zielt das Vorhaben vor allem auf die Erarbeitung eines digitalen Portals mit einem ungarndeutschen Zweisprachigkeits- und Sprachkontaktkorpus ab. Außerdem sollen sich die Projektergebnisse in wissenschaftlichen Publikationen manifestieren.

Internationale Kooperation findet in erster Linie mit dem Institut für Germanistik und Translationswissenschaft der Pannonischen Universität Veszprém (Ungarn) sowie mit Prof. Dr. Hans C. Boas von der University of Texas at Austin (USA) im Zusammenhang mit dem von ihm geleiteten Texas German Dialect Project statt. 

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