Universität Erfurt

Sammlungsbezogene Wissens- und Kulturgeschichte

Schaudepot - ausgestellt oder abgestellt?

Studierende der SWK und der Literaturwissenschaft haben sich im WiSe 2015/16 mit einem Ausstellungsformat beschäftigt, das in der internationalen Museumslandschaft zu großer Beliebtheit gekommen ist: Dem Schaudepot. Im Rahmen eines Seminares unter der Leitung von Dr. Nina Wiedemeyer setzten sich die Studierenden mit dieser Form, Kulturgüter auszustellen, manchmal aber auch abzustellen und zu lagern, auseinander. Dabei haben die SeminarteilnehmerInnen während einer Exkursion in die Schaudepots des Museums für Thüringer Volkskunde und im Benary-Speicher in Erfurt verschiedene Umsetzungsmöglichkeiten und die konservatorischen Voraussetzungen von Schaudepots kennengelernt. In Weimar statteten die Studierenden der FOTOTHEK Fachgeschäft für vergessene Privatfotografien einen Besuch ab, ehe ein Lektüre-Workshop mit Studierenden der Bauhaus-Universität Weimar über aktuelle Ansätze beim Ausstellen von Kulturgut informierte. Vor diesem Hintergrund haben die SeminarteilnehmerInnen Essays über Schaudepots und verdichtete Objektpräsentationen verfasst, die auf dieser Webseite präsentiert werden sollen. Zu jedem Essay wurde eine passende Kurzdokumentation erstellt, die einen Überblick über die besonderen Eigenschaften der thematisierten Ausstellungs- oder Aufbewahrungssituation bietet. Hierbei kam teilweise ein Kategoriensystem zum Einsatz, das bereits im Seminar einen Überblick über die verschiedenen Spielarten des Schaudepots lieferte: Die Einteilung in Museen als Schaudepots, Museen mit Schaudepots und verdichtete Objektpräsentationen. Dennoch vermögen die verschiedenen Umsetzungen des Prinzips „Schaudepot“ in Erfurt, Leipzig, Frankfurt am Main, Weimar, Bregenz und Dresden nicht nur Thesen zu bestätigen, sondern auch in ihrer Originalität zu überraschen. Hier stellen die VerfasserInnen ihre entstandenen Texte vor.

Grassi Museum für Völkerkunde zu Leipzig

Das Grassi Museum für Völkerkunde zu Leipzig blickt auf vielfältige Kunst- und Lebensformen, Glaubensrichtungen, Rituale und Handwerkskünste und somit auf jene Bereiche, die das Leben von Gesellschaften von jeher ausmachen und prägen. Es setzt sich mit den Völkern dieser Welt auseinander und thematisiert Wanderungen sowie kulturelle Berührungspunkte. Die Ausstellung „Rundgänge in einer Welt“ wurde nicht nach dem Konzept Schaudepot gestaltet. Als ethnologisches Museum stellt es jedoch eine Vielzahl von Objekten aus, sodass eine verdichtete Präsentation der Exponate signifikant ist. Daher ist es spannend, das Museum aus der Perspektive ‚Schaudepot‘ zu betrachten und dessen Elemente herauszugreifen. Das Einzelobjekt wird hierbei nicht vordergründig als Kunstwerk eines Autors verstanden, sondern die Objekte stehen sinnbildlich für Lebensweisen einer ‚Kultur‘, wobei dieser Begriff kritisch betrachtet werden muss, da er zahlreiche Interpretationen zulässt. Mehr

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Museologische Sammlung der Gedenkstätte Buchenwald

Es gibt Massen von Fundstücken, die zur Museologischen Sammlung der Gedenkstätte Buchenwald gehören, die sich im Depot befinden, das aber nicht per se öffentlich zugänglich ist. Das Konzentrationslager Buchenwald war am Ende des Krieges das größte im „Deutschen Reich“. Insgesamt 250.000 Menschen waren dort und in 136 Außenlagern inhaftiert. Über 56.000 Menschen starben an Folter, medizinischen Experimenten und Auszehrung. Die Gedenkstätte präsentiert keine Berge von Fundstücken der KZ-Häftlinge im Museum. Man sieht, sobald man das Lagertor passiert, Massen an grauen Steinen. Der ganze Boden des ehemaligen Konzentrationslagers ist mit einer dicken Schicht grauer, rauer Steine  belegt. Hier herrscht eine kalte Leere, Weite. Die Menschenmassen, die dort gequält und ermordet wurden, sind nicht da. Sie sind abwesend, haben aber ihre Spuren hinterlassen: Die Fundstücke auf der Gedenkstätte Buchenwald erzählen von Menschen… Mehr

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Sonderausstellung im Speicher Erfurt

Zwischendrin statt nur dabei. Mit diesem Satz lässt sich die Sonderausstellung oder die ‚Ausstellung im Wandel‘ von Bahram Nematipour im Speicher Erfurt zusammenfassen. Denn in einem Dazwischen präsentierte der junge Maler seine Werke und schuf damit eine Ausstellung die weit mehr war, als eine Gemäldeausstellung. Dabei lässt sich der Bereich des Dazwischen nicht nur auf die Räumlichkeit der untypischen Cafégalerie anwenden, sondern auch auf das Ausstellungskonzept, welches hier aufgegriffen, analysiert sowie zweckentfremdet wird. So lässt sich Bahram Nematipours Ausstellung gerade durch das gestalterische Dazwischen auf die Merkmale des Schaudepots anwenden, auch wenn dieses auf den ersten Blick nicht so wirkt. Unsichtbares wird sichtbar gemacht und das Nebenbei bekommt einen neuen Fokus. Auf die Ausstellung lässt sich darüber hinaus Angela Jannellis Begriff des „wilden Museums“ als Amateur Museum anwenden. Dadurch wird die Belebung des Zwischenraums und der Leerstellen zum Thema. Mehr

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Schaumagazin, Goethe-Nationalmuseum Weimar

Das Konzept ‚Schaudepot‘ ist ein schwer zu definierendes. Es reicht weit darüber hinaus die bestehenden Depots Besuchern lediglich zu öffnen. So müssen in einem Schaudepot die konservatorische- und die Ausstellungspflicht miteinander konform sein. Zudem muss es einen Zugang bieten, der über ein Depot hinausgeht, da in einem solchen oftmals Kisten und Schränke den Blick auf die Objekte verbergen. Somit stellt ein Schaudepot immer eine Gratwanderung dar. Im Goethe-Nationalmuseum in Weimar wird diese Gratwanderung mithilfe einer Person und aktiver Arbeit an den Exponaten gemeistert. Das naturwissenschaftliche Kabinett des Museums wird von der Kustodin Gisela Maul beaufsichtigt, die ihren Besuchern einen sehr persönlichen und individuellen Zugang ermöglicht. Mithilfe von Seminaren wird der Öffentlichkeit aktive Museums- und Depotarbeit aufgezeigt, in die die Besucher auch direkt involviert werden. Die Sammlung selbst wurde angelegt um zu lehren und bis heute bleibt man diesem Konzept treu. Mehr

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Skulpturensammlung Dresdner Albertinum

Eine Kunst(an)sammlung bei der sowohl das einzelne Objekt als auch die Objektfülle im Vordergrund steht? Vom klassischen Schaudepot, über das Gläserne Depot bis hin zum Studiendepot – all diese verschiedenen Formen von Depots beherbergt das Dresdner Albertinum. Einen besonderen Kontrast hinsichtlich der Zeigelogik und Zugänglichkeit der Dinge stellt das Schaudepot der Skulpturensammlung im Gewölbe im Vergleich zum Studiendepot dar. Neben rein formellen Unterschieden sind dort vor allem räumliche Aspekte in Verbindung mit der jeweiligen Nutzungsmöglichkeit relevant. Nicht nur die außergewöhnliche Verknüpfung diverser Depotarten, sondern auch die Inszenierung der Objektgruppen sind dabei wesentliche, nicht gewöhnliche und keinesfalls unumstrittene Aspekte. Die große Bandbreite an Depots lockt neben Besuchern auch zahlreiche Wissenschaftler und Hobbyhistoriker. Egal ob Schaudepot oder Studiendepot – gelernt wird von und mit den Dingen. Mehr

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"vorarlberg museum“ in Bregenz

Im „vorarlberg museum“ in Bregenz kann man eine außergewöhnliche Version eines Schaudepots besuchen. Im Gegensatz zu manch anderer Ausstellung wirkt die große Fülle der circa 3500 Objekte anregend und spannend. Warum ist „buchstäblich vorarlberg“ ein gelungenes Schaudepot? Es fungiert als Begegnungsort zwischen dem Besucher, den Sammlungen des Museums und der Region Vorarlberg. Der Depotcharakter der Präsentation mit seinen Schubladen lädt zum Entdecken der Vielfalt der Museumssammlung ein, die sonst im Depot verborgen wären. Doch den Überblick verliert der Besucher nicht. Die Ordnung der Exponate nach 26 Begriffen nach dem ABC strukturiert alles, wobei doch so manche Zuordnung von Begriffen und Objekten Fragen aufwirft. Können Sie sich eine Kombination von ABC und Depot in einer Museumsausstellung vorstellen? Nein? Dann lassen Sie sich überraschen. Mehr

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Liebieghaus Skulpturensammlung

Foto: Liebieghaus Skulpturensammlung

Seit 2009 präsentiert das Schaudepot der Liebieghaus Skulpturensammlung seinen Besuchern Bildwerke unterschiedlichster Epochen an einem Ort. Im Untergeschoss des Museumskomplexes treffen Dauerbrenner der Kunstsammlung auf selten gesehene Objekte, in dieser Form eine Novität in Frankfurt. Als neue Verbleibsmöglichkeit für aussortierte Kunstwerke geschaffen, gibt das Schaudepot der Vielfalt der bürgerlichen Skulpturensammlung eine Bühne. Wie die „andere“ Dauerausstellung des Hauses als Präsentationsraum funktioniert, soll hier entdeckt werden. Eine Führung durch Raum, Zeit und Skulpturen. Mehr

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